Endlich erleuchtet!

Erstellt: 21. Juni 2019

Aus unserer Serie „Oldies but Goodies“ heute: Ein kleines Telefonhörspiel aus der Zeit als ich einem bekannten Golfprofessional (Pro) noch regelmäßig mit meinen Anrufen auf die Nüsse ging…

„Tut Tuut“„Tut Tuut“

Pro: Ja bitte?

EP: „Hi, ich bin´s…“

Pro: unterdrückter Seufzer: Oh, prima, na, was kann ich für Dich tun?

EP: Och, wollte mich nur mal melden …

Pro: Das ist nett. Es war schön mit Dir zu reden…

EP: Hey!

Pro: Ja?

EP: Ich bin jetzt endlich erleuchtet!

Pro: (Pause, dann atmet er wieder): Gute Nachricht! Großartig!  Also – es war schön mit Dir zu reden…

EP: Nein, ich meine es Ernst!

Pro: Na prima, endlich. Und seit wann bist du …äh … erleuchtet?

EP: Es fing an, als mir das Eisen 5 auf den nackten Zeh knallte. Das war eine sehr intensive Erfahrung und ich spürte, dass jetzt etwas passieren wird. In der ZEN- Literatur ist das exakt so beschrieben: Es gibt Vorzeichen der Erleuchtung …

Pro: (plötzlich interessiert) Und was passierte dann?

EP: Dann trank ich den Wodka, den ich bei einem Turnier gewonnen hatte. Ich wachte nachts auf, musste kotzen, wurde auf dem Weg zum Klo ohnmächtig, schlug mit dem Kopf an den Schrank und die nächsten Tage war ich vollkommen platt.

Pro: Vom Wodka?

EP: Nein, vom Orangensaft im Wodka. Meine Bioresonanz-Expertin meint, da wäre ein Schimmelpilz drin gewesen …. und weil mein Magenmeridian durch die Verletzung am 2. Zeh ohnehin schon geschwächt war…

Pro: …wurdest Du erleuchtet!

EP: Nein, nicht deswegen. In den folgenden Tagen machte ich eine sehr schwere Zeit durch, so, wie es auch von Eckart Tolle erzählt wird. Ich hatte dermaßen die Scheißerei – schlimm! Nach drei Tagen war ich vollkommen leer, wie Buddha, und dann ERWACHTE ich und merkte, dass ich erleuchtet bin.

Pro: (langsam genervt) Ach ja? Und woran merktest du das?

EP: Schwer zu sagen. Diese selige Leichtigkeit in mir. Dieses Nichtverlangen, zum Beispiel nach Wodka. Und dann natürlich die Allwissenheit.

Pro: Du bist jetzt allwissend?

EP: Tja, scheint so. Kann es selber kaum glauben.

Pro: Ich glaub´ es nicht!

EP: Kannst Du ja testen.

Pro: Wie?

EP: Na, frag mich irgendwas.

Pro: Wie viele Stunden war ich heute auf der Driving Range?

EP: Keine.

Pro: Stimmt. Na gut, das war einfach. (blättert nebenher) Aber: wie heißt der erste Satz im dritten Absatz des Buches Jenseits der Scores?

EP: Du meinst auf Seite auf Seite 57? „Der Weg des Meisters erfordert Offenheit um die eigenen Grenzen zu überschreiten, und den Mut, Misserfolge zu riskieren“. Meinst Du das?

Pro: (erstaunt) Tatsächlich!  Na gut – jetzt: Ken Wilber „Ganzheitlich handeln“ Seite 91 letzter Satz…

EP: „Tiefe Spiritualität beinhaltet eine weite Wissenschaft von den höheren Ebenen menschlicher Entwicklung.“

Pro: Hmpffff (sprachlos).

EP: Also los: Frag mich mal was richtig Schweres!

Pro: OK, OK, mir fällt schon noch was ein… denkt … Also: Ein Mann, 42 Jahre, war 7 Jahre bei der Telekom und wurde dann zu T-Systems strafversetzt. Er sitzt mit seinem fünfjährigen Sohn und seiner Frau, (die eine Schwester in Dortmund hat,) in einem Intercity-Express nach Berlin. Auf der Gegenstrecke bewegt sich ein Güterzug mit halber Geschwindigkeit Richtung Kassel. Dieser Mann, 42 Jahre, mit einem Muttermal am Kinn, steht beim Golfschwung leicht gebeugt, zuckelt von Bein zu Bein, hat eine hohe Anspannung, fasst den Schläger zu fest, holt viel zu schnell aus, kreuzt, dreht sich aber im Durchschwung kaum, verschiebt seine Mittelachse enorm und hat kein Finish. Wie ist sein Ballflug und wann erreicht der Intercity Berlin?

EP: Ballflug kerzengerade und Ankunft 13 Uhr 08!

Pro: Stimmt. Sagenhaft. Diese Pfeife hat gestern jeden Ball kerzengerade getroffen. Ich fragte ihn, warum er zu mir kommt …

EP: … und er sagte, er könne immer nur gerade aus spielen, aber seine Kumpels können auch rechts und links rum und er möchte lernen, wie man einen Slice spielt. Außerdem, sagte er, seine Frau wollte mal einen Tag in Berlin rumbummeln und sein Sohn die Eisbären sehen.

Pro: Donnerwetter. Genau das waren seine Worte.

EP: Tja, ich kann es nicht ändern. Bin halt erleuchtet. Noch ´ne Frage?

Pro: Noch eine: Wer ist der beste Golflehrer der Welt?

EP:  ……….

Pro: Na?

EP: ……….

Pro: Was ist los? Keine Antwort?

EP: Das ist das Schweigen der Buddhas. Es gibt Fragen, die werden mit Schweigen beantwortet. Steht alles in meinem ZEN-Buch.

Pro: Tja, das kann sein. Dabei hätte mich gerade diese Antwort interessiert.

EP: Du musst die Antwort in DIR finden.

Pro: Ja, danke für den Hinweis. Und was hast du jetzt vor?

EP: Da denk ich nicht dran. Lebe ja total im JETZT.

Pro: Klar, hatte ich vergessen. Und  … äh … wie ist es so, wenn man erleuchtet ist.

EP: Nicht schlecht. Lässt sich mit Leben … tja  … also … wollte es dir nur mal erzählt haben.

Pro: Das ist nett. Es war schön mit dir zu reden…

EP: Man sieht sich …

Pro: Klar und erleuchtet …

EP: HA! Guter Zen-Witz. Klar und erleuchtet! Bis denne … ich segne dich, mein Sohn

Pro: Danke. Tschüss.

„Tut Tuut“.

Pros Frau: Wer war das? Wieder dieser Spinner? Wir hatten wegen dem doch extra die Telefonnummer gewechselt.

Pro: Ja, schon wieder dieser Spinner … (murmelt): Aber woher hat er die neue Nummer?

© by Eugen Pletsch, 2008

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BeschreibunG

„Notizen eines Barfußgolfers“ ist eine für die Buchfassung überarbeitete Auswahl an Texten, die der Golfautor Eugen Pletsch in seinem renommierten Blog (cybergolf.de) zwischen 2006 und 2018 veröffentlicht hat. Kommentare zu aktuellen Golf-Themen, Szene-sezierende Glossen, Golf-philosophische Betrachtungen, praktische Tipps und stille Hinweise auf das mystische Geheimnis dieses eigenartigen Spiels, dem der Autor in seiner mittlerweile 30jährigen Wanderung (…)

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Mein Waterloo

„Sein Waterloo erleben“ gilt als Synonym für eine totale Niederlage. Die Schlacht am Little Big Horn kommt mir aber auch in den Sinn, wenn ich an meine Fronleichnams-Runde mit Frau Oelmann denke….

Dank der mir angeborenen Bescheidenheit hielt ich mich im Zaum. Meine damalige Berichterstattung anlässlich der drei Runden Matchplay gegen Frau Oelmann ließ kaum erkennen, dass sie gegen mein Spiel keine Chance gehabt hatte. Diskret, wie es meine Art ist, vermied ich es, meine emotionalen Ausbrüche und meine „Sieger! Sieger!“- Schreie ausführlich zu beschreiben. Auch meine Freudentänze hinter dem 18. Grün in Winnerod (um nach dem Sprung in den Teich wieder trocken zu werden) erwähnte ich mit keinem Wort.

Nein – meine Berichterstattung war ein Musterbeispiel sportlicher Fairness und voller Respekt gegenüber einer Frau Oelmann, der es in etlichen Jahren nur einmal gelungen war, ein Spiel gegen mich zu gewinnen.

Es ist nun keinesfalls so, dass ich mir nur Leute einlade, bei denen ich sicher sein kann, dass ich sie im Matchplay besiege – aber es stimmt schon, dass ich mir Gäste von extern einladen muss, da ich in meinem Club wegen meinem mürrischen Dauergesabbel – und noch schlimmer – wegen meiner Schwungtipps – ziemlich unbeliebt bin.
An Matchplay-Serien und Turnieren nehme ich längst nicht mehr teil, da ich nicht nur den Mangel an Etikette, sondern auch die allgemeine Verwahrlosung der Sitten verabscheue, insbesondere was die Bekleidung der Spieler/Innen angeht. (Leggins Damengröße 50 und verschwitzte Senioren mit Hemd über der Dreiviertel-Kargo-Hose – mehr sage ich nicht!)

Kurz und gut: Ich bin einer der Korinthenkacker geworden, über die ich zwei Jahrzehnte gelästert habe und werde auch optisch den Karikaturen immer ähnlicher, mit denen Peter Ruge Golfer in meinen Büchern so treffend überzeichnet hat.

Aber wenn sich eine Spielerin wie Frau Oelmann beknien lässt, unsere jährliche Matchplayserie auch in 2018 fortzusetzen, dann kann ich sie natürlich nicht öffentlich mit Häme und dem Spott überschütten. Nein, natürlich nicht. Ergo genoss ich meinen Triumph in Stille … wenn man mal davon absieht, dass ich JEDEM, der nicht schnell genug davon laufen konnte, erzählen musste, wie ich Frau Oelmann an diesen drei Tagen vorgeführt habe.

Schnee von gestern, könnte man meinen, aber dann kam kürzlich – wie alle Jahre wieder – die Idee auf, Frau Oelmann endlich in ihrem Heimatclub zu besuchen. Vor Jahren war ich schon einmal auf Durchreise in ihrem Revier gewesen, damals aber so krank, dass ich sie und ihren fluchenden Spielpartner (Lehrer!) nur über ein paar Bahnen begleiten konnte, ohne selbst zu spielen. Damals hatte ich in meinem Fieberwahn einen 9-Loch-Kurzplatz als Tatort abgespeichert.

Ein Feiertag wird erst dann zu einem echten Feiertag, wenn man sich den Lorbeer auch auf einem fremden Platz auf das schüttere Haupthaar setzen darf und ich hatte keinerlei Bedenken, Frau Oelmann‘s Einladung zu folgen. Gewittergefahr bestand angeblich nicht. Eine Startzeit war auch nicht nötig. Die Sonne prangte am Himmel, es war heiß, aber die Bäume spendeten Schatten. Ja. die Bäume. Der Platz hat Bäume. Meist gewaltige Eichen, aber auch andere Bäume und hinter den Bäumen sind Biotope, was mich aber nicht abschreckt, da ich für meine kerzengerade Spielweise bekannt bin.

Wie üblich werde ich nicht die ganze Runde im Detail erzählen. Das halte ich so, weil meine verehrten Leser die Schilderungen meiner Zauber-Schläge, crispen Wedges und Monster-Putts für Aufschneiderei halten könnten. Auch heute werde ich es so halten, muss jedoch vorsichtig andeuten, dass es diesmal keine Zauber-Schläge, crispen Wedges und Monster-Putts gab.
Dafür gab es Bäume und Biotope und ein winziges Schwungproblem, das dazu führte, dass ich den Ball, so konzentriert ich ihn auch ansprach, grundsätzlich nach links verzog. Links stand gewöhnlich ein Baum, von dem aus der Ball abprallte und ins Biotop sprang.

Frau Oelmann, die ihre Bälle noch vor wenigen Tagen breit über die hessischen Savannen gestreut hatte, schlug dagegen kerzengerade Hammer-Drives, um mir dann bei der Ballsuche zu helfen.

Der beliebte Spruch „Den Zweiten kann jeder“ hatte für mich auf dieser Runde keine Gültigkeit, denn auch der 2. war weg. Nach einigen Bahnen schlug Frau Oelmann vor, dass wir doch auch etwas Golf spielen sollten, denn Bälle suchen könnten wir auch, ohne Greenfee zu zahlen.
Ich verstand den Hinweis und spielte fortan jeden Ball, den ich im Gras fand, darunter sogar Marken, die ich sonst wie die Pest meide (Nike und Vice).

Erst war ich eins down, dann zwei down, dann drei down, dann vier down, dann fünf down, dann sechs down, dann wurde es Frau Oelmann langweilig und sie winkte sich eine Freundin herbei, die gerade die 18 beendet hatte.

Ich kannte die Dame von einer Lesung. Also versuchte ich mich zusammenzureißen und ging prompt auf 7 down. Unsere Mitspielerin hatte am Vormittag bereits 18 Loch in einem anderen Club gespielt, stak dann auf ihrem Heimatplatz neun Loch hinter Anfängern fest und wollte mit uns noch ein paar flotte Bahnen spielen. So sind die Damen im Revier: Unermüdlich – und wetterfest, wie sich bald herausstellen sollte.

Auf dem Weg zum 10. Abschlag befindet sich die Toilette, die ich aufsuchte. Beim Händewaschen sah ich im Spiegel einen Mann mit verzweifelten Gesichtszügen, zerzaust, das durchgeschwitzte Hemd hing über der kurzen Hose aus der zwei dürre, weiße Beinchen ragten. Eine vollkommene Verwahrlosung der Sitten – ich überlegte kurz, ob ich mir selbst einen Platzverweis aussprechen sollte.

Da ich mich in meinem Hochmut darauf eingelassen hatte, von Gelb anstatt von blau zu spielen, hatte ich lange Wege zu rennen, um die Damen einzuholen, deren Abschläge meist 60-100 Meter vor dem Herrenabschlag befindet. Ich rannte so schnell, dass mir Insekten auf die Brillengläser klatschten, nur um dann zusehen, wie die Damen ihre Bälle gnadenlos zwischen den Bäumen hindurch auf die Bahn prügelten.

Frau Oelmann vom Damenabschlag – das ist so, als würde man Dartpfeile kaum aus einem Meter Entfernung auf die Scheibe werfen.

Nur zweimal konnte ich ein Loch gewinnen. Natürlich nicht aus eigener Kraft, sondern weil Frau Oelmann ihre Dartpfeile ins Biotop schoss, vermutlich um mir Hoffnung zu machen. Immerhin hatte ich nach dem Fiasko auf der ersten Neun meine Taktik geändert! Ich zielte direkt auf die Eichen, die gewöhnlich Mitte Fairway stehen, wodurch ich wenigstens zwei Drives auf die Bahn brachte. (Frau Oelmann merkt an, es gäbe nur auf der 14. eine Eiche Mitte Fairway, aber das ist natürlich selektive Wahrnehmung. Nach meiner Erinnerung standen auf jeder Bahn dicke Eichen…).

Auf besagter 14 setzte Regen ein. „Nur eine kleine Wolke“, sagten die Damen und schlugen ab.

Der nachfolgende Guss war zwar nicht mit dem Wolkenbruch zu vergleichen, den ich vor ein paar Tagen in Gießen erlebt hatte, aber im Gegensatz zu früher, als ich das Spiel im Regen noch als eine besondere Kunst und Herausforderung genoss, macht es mir keinen Spaß mehr, mit glitschigen Händen nach einem Balls zu schlagen, der sich dann nur ein paar Meter durch das nasse Gras bewegt.

Frau Oelmann und ihre Freundin bewegten sich wie die Fische im Wasser. Als ich mir nach einem heftigen Regenschauer an der 15 eine Pause erbettelte, musste Frau Oelmann zugeben, dass unser Match längst beendet war. 7 auf 6!

An der 16. Bahn gab es gottlob eine Abkürzung zum Clubhaus. Die Damen wären gerne weitergeschwommen, aber dann sahen sie das hinkende Häufchen Elend, zeigten Erbarmen und führen mich auf dem kürzesten Weg zum Parkplatz, wo wir unsere Sachen verluden. Meine Tränen trockneten und der Regen wich der Abendsonne während Frau Oelmann mit ihrer Freundin besprach, wie man einen Skalp trocknet. (ep)

PS: Dass Frau Oelmann am 2.6. beim Monatsbecher der Damen das 1. Brutto erlegte, verwundert niemanden und sei nur der Vollständigkeit halber vermerkt.

Ho Lin Wan

Ho Lin Wan* begegnete mir in diesem Leben erstmals 1995 in einer Trance. Zu viel Blümchenkaffee und Doxycyclin. Ich war mit einer fortgeschrittenen Borellien-Infektion (Zeckenbiss) direkt von der Open in St. Andrews in die Hautklinik der Uni Gießen verfrachtet worden und die Ärzte rangen um meinen Verstand.

Ein Zimmer mit Blick ins Grüne. Neben dem alten Lederohrensessel stand ein kleiner Tisch. Während der zehn Tage am Doxycyclin-Tropf liebte ich es, hier zu sitzen. Schon seit Jahren hatte ich mir Notizen über meine Erfahrungen beim Golfen gemacht. War es nicht endlich an der Zeit, diesen seltsamen Sport aus der Sicht eines Laien zu betrachten? Während ich von Zeit zu Zeit von meinem Ohrensessel aus in den Park schaute, sah ich vor meinem inneren Auge immer wieder diese Bilder von hohen Bergen unter einem dunklen Himmel. Tibet?
Ein eigenartiger Geruch von Yakdung zog mir in die Nase, als plötzlich eine Gestalt in meinem Bewusstsein auftauchte, die sich mit Ho Lin Wan vorstellte. Er meinte, ich sei Lobsang Dzong, und fragte mich ziemlich unverblümt, warum ich unser Match vermasselt hätte. Ahnungslos, was die Details meiner früheren Inkarnation angeht, war ich reichlich verwirrt.

Es ist signifikant für Golfer, wenn zwei Stimmen um die Herrschaft im Bewusstsein kämpfen. Tim Gallwey beschreibt dieses Phänomen ausführlich in seinem Buch »Inner Game Golf«. Für einen einigermaßen normalen Menschen, der von diesem ganzen übersinnlichen Kram keine Ahnung hat, ist es jedoch nicht leicht zu akzeptieren, wenn plötzlich ein schlecht gelaunter Tibeter im eigenen Kopf auftaucht. Ich schloss also die Augen, zählte eins, zwei, aber Ho Lin Wan war nicht weg. Er stellte sich breitbeinig in meine Aura, meinte, er sei mein alter Golfkumpel aus Tibet, und begann, mir meine Geschichte zu erzählen:

Wir waren beide Mönche in einem Kloster der medizinischen Fakultät von Lhasa und ziemlich auf Golf abgefahren, das wir von den Engländern kannten, die vor den Toren unserer Stadt spielten. Wir hatten noch einen Gefährten, Lobsang Rampa, der Jahre später nach England flüchtete, dort Apotheker wurde und darüber ein paar Bestseller schrieb*. Es gab nur uns drei Golfmönche in Lhasa und wir waren ein gutes Team. Mit der Zeit galten wir als die Nationalmannschaft von Tibet, denn es gab sonst niemanden.

Bei einem Spiel gegen einige Mönche eines chinesischen Klosters der »Tao Yin«-Tradition, zu dem wir uns an unserer nördlichen Grenze trafen, habe ich, wie mir Ho Lin erzählte, gewisse Regeln missachtet. Ich schlug meinen Ball, ohne die vorgeschriebenen Gebete und Verneigungen zu verrichten und zudem noch out of bounds über die Grenze nach China hinein. Ich traf den chinesischen Offizier mit meinem Yakdungball mitten in die Gosch. Die Schande war groß. Wir verloren das Match, der Offizier sein Gesicht und der Dalai Lama war blamiert, womit seine Position gegenüber Peking zu wackeln begann. Diese Provokation einer »imperialistischen Mönchsnomenklatura« konnte von den Chinesen natürlich nicht hingenommen werden und Scharmützel an der Grenze begannen, bei denen ich übrigens bald darauf erschossen wurde. Der Rest ist Geschichte.

Es ist nachträglich gesehen ein saudummes Gefühl, dass das eigene Land überrannt und geknechtet wird, nur weil man einen Ball nach rechts verzogen hat. Wirklich dumm. Tut mir Leid, Leute. Aber die Chinesen lauerten schon seit Jahren hinter der Grenze und haben nur darauf gewartet, dass ein Ball rüberfliegt, damit sie endlich einmarschieren können. Also, was soll’s.

In vielen vergangenen Leben hatte ich (so glaubte ich zumindest) genügend gutes Karma angesammelt, um im buddhistischen Sinne einem letzten Anhaften gemäß, als zukünftiger OPEN-Sieger in Schottland wiedergeboren zu werden.

Stattdessen bekam ich die karmische Höchststrafe: Ich wurde als Deutscher wiedergeboren und musste für Jahre als clubfreier Golfer mit mittlerem Handicap in der Hölle schmoren – bis mich die Zecke biss!

Während die Ärzte ihre Geschütze gegen die Borrellien auffuhren, begann ich dieses Buch zu schreiben. Ho Lin Wan half mir immer wieder, mich beim Schreiben auf die frei schwingende Zentrifugalebene zu transponieren. Dafür sei ihm herzlich gedankt.

Die Golfderwische von Tao Yin

Wenn ich an Ho Lin Wan denke, überfluten mich Erinnerungen an meine alte Heimat, lebhafte Bilder aus einem vergangenen Leben, eindringliche Farben, der leuchtende Himmel Tibets. Die Linghorstraße raus, Richtung Dechen Dzongnen Dzong, stand das Haus meiner Eltern. Wir liefen als Kinder durch halb Lhasa Richtung Norbu Linga. Wir hatten einen Platz im Juwelenpark, wo wir mit kaputten Schlägern übten, die uns einige Langnasen überlassen hatten. Der Blick von dort zum Potala war atemberaubend.

Cartoon: Peter Ruge

Der Golfplatz Lhasa wurde, wie alles andere auch, während der chinesischen Kulturrevolution zertrampelt, aber einige Golf-Mystiker besuchen diesen Platz nach wie vor. Anhand der alten Lagepläne kann man sehen, dass unser 9. Loch gerade dort lag, wo jetzt die Kassen einer chinesischen Supermarktkette stehen. Hier wird kein Golf mehr gespielt, aber nachts im freien Feld ziehen immer noch stumme Gestalten auf der endlosen Suche nach ihrem Yakdung-Ball über die imaginären Fairways zwischen Nomadenzelten und Stupas. Sie murmeln:

Gate, Gate,

Ball weg,

Rechts raus

Irgendwo im Fluss.

Seinen Weg gehen, den Weg gehen (Sanskrit: Gate) ist eine uralte Metapher aus dem Buddhismus und esoterischen Taoismus. Der historische Gautama Buddha wurde auch als der Tathagata (Sanskrit: der So-Gegangene) bezeichnet.
Der, der diesen Weg ging – der nicht zu benennen ist, wie Laotsesagt. Das Abschreiten eines Golfplatzes, das ständige Kreisen über die gleichen 18 Bahnen ist ein Ritual fernöstlicher Tradition, wobei der Wechsel der Natur in den Jahreszeiten die Wandlung der Dinge symbolisiert. Der Buddha sieht die Ursache allen Leidens im Anhaften. Dies führt zu endlosen Wiederverkörperungen.
Wir sehen die Ursache allen Leidens darin, dass wir den Kopf nicht unten lassen und nicht genügend durchschwingen. Das führt zu endlosen neuen Runden des Leidens. Das Loslassen, das Nichtanhaften im buddhistischen Sinne, gelingt im Golfsport nur mit Hilfe einer Gemeinde (Sangha), die ich bei den Anonymen Golfern fand.

Die Zehn, in der kabbalistischen Mystik die Zahl der Unendlichkeit, wird mit der Acht, der heiligen Zahl der Buddhisten, vereinigt. Der achtfache Pfad und die Unendlichkeit. Die Vision der Vereinigung des euroarabischen Kulturraumes mit der Weisheit des Ostens ist in exoterischen Fragmenten heutzutage in der European Tour erkennbar, die im Fernen Osten beginnt und über Arabien und Nordafrika nach Europa kommt. Das Kreisen der 18 Pfade in die Unendlichkeit drückt auch den Reinkarnationsgedanken deutlich aus.
Das Instant-Karma im Golf gibt unerbittlich sofortiges Feedback auf Handlung und Gedanken. Das ständige Bedürfnis, zum Club zu fahren, um wieder und wieder die »Runde« zu gehen, erinnert an die Seele des Menschen, die sich immer wieder neu verkörpern muss. In der Bergwelt des Himalaja umschreitet der Gläubige die Stupa, eine runde Felsansammlung oder einen Turm, der mit Fahnen und Symbolen des Glaubens geschmückt ist – OM MANI PADME HUM murmelnd – den Blick zu Boden gerichtet, was aus der Zeit stammt, als dabei tatsächlich noch Bälle gesucht wurden. Diese spärlich erhaltenen Fragmente früher golferischer Tradition des Buddhismus sind noch um Lhasa, aber auch in Kathmandu und an manchen Orten in Sikkim und in Bhutan zu beobachten.

»Gate, Gate

so gegangen

findet der Weise

seinen Weg.«

Der Hintergrund fernöstlicher Golflegenden sind die in esoterischen Kreisen bekannten Geschichten von den wirbelnden Golfderwischen von Tao Yin. Sie lebten vor über tausend Jahren nördlich der Provinz Kham in einem verborgenen Seitental des tibetischen Hochlandes, das Shambhala genannt wurde.

Von dort gelangte der »Weg der weißen Kugel«*, der dem Buddha Amitaba geweiht ist, in das heutige Sikkim und Bhutan und dann nach Boulder, Colorado. Das Spiel ist in diesen Hochgebirgsregionen, wo der Ball unglaublich weit fliegt, sehr schwierig. Deshalb wurde mit einem Leichtball aus gepresstem Yakdung gespielt. Es ist vermutlich vollkommen müßig, ungläubigen Langnasen zu erzählen, dass wir damals Yetis als Caddys hatten, die allein durch ihren feinen Geruchssinn in der Lage waren, die Yakdungbälle wiederzufinden. Das Golfspiel war ein Akt der Meditation und der Reinigung. Eine Runde zog sich über Monate hinweshalb es sinnvoll war, in diesen klimatisch extremen Bedingungen mit Zelten, Yaks, Köchen und allem zu reisen, was man in der Einsamkeit der Bergtäler brauchte.

Die Yetis hielten sich fern, tauchten aber immer auf, wenn sie gebraucht wurden, und fanden den Yakdungball auch in irgendeinem Seitental in 5000 Meter Höhe. Dafür ließen sie sich gerne abends Lieder vorsingen, weil sie selbst nicht singen konnten. Sie liebten Weihnachtslieder. »Stille Nacht« und »Ihr Kinderlein kommet«, Gassenhauer in Lhasa und jedem Mönch bekannt, waren besonders beliebt. Die Yetis wurden nach einem Weihnachtslied bisweilen etwas melancholisch, ansonsten waren sie friedlich und verfilzt wie wir. Aber sie spielten selbst kein Golf.

Die wirbelnden Schwungtechniken der Meister von Tao Yin,
die auf der zentrifugalen Bewusstseinsebene entwickelt wurden,
beeinflussen bis heute den Golfsport.

Tai-Chi- und Chi-Gong-Übungen fördern die Balance der inneren Achse, um die der Schwung rotiert. Ich hatte in meiner Jugend die Gelegenheit, unter Anleitung des Tai-Chi-Meisters Gia Fu Feng einige Formen zu üben, die mir halfen, mein Gefühl für meine Mitte zu entwickeln. Diese Übungen sind gut für Körper und Geist. Eine Tanzvorführung des Meisters Al Huang zeigt Balance, Harmonie und Konzentration in höchster Formvollendung.

Die Fähigkeit zur Entwicklung der Konzentration sowie meditative Erfahrungen, wie sie in westlichen Yogaschulen gelehrt werden, haben Golfer von jeher angezogen. Gia Fu Feng – wie auch später Al Huang – arbeiteten Jahre in dem berühmten Esalen Institute, Big Sur, in Kalifornien.
Tim Gallwey erwähnt diesen Ort im Zusammenhang damit, dass er einen der Gründer dieses Institutes, Michael Murphy, zum Golfspiel trifft. Murphy, der Verfasser von Golf und Psyche, erzählte ihm, dass die Konzentration von Nicklaus oder Hogan ihn an die Fähigkeiten großer Yogis erinnere: »Ich habe Hogan oft beobachtet und kann sagen, dass er eine starke Aura hatte, die von vielen im Publikum gespürt wurde. Ich erinnere mich, wie jemand erzählte, dass während der US Open 1955 fast jeder, der ihm (Hogan) zuschaute, das Gefühl hatte, hypnotisiert zu sein. Die Luft um ihn herum konnte man mit dem Messer schneiden. Ohne es zu wissen, war er für die fünftausend Zuschauer, die mit ihm liefen, wie eine Art Meditationslehrer.“

Wo war ich? Ach ja! Tao ist die traditionelle Bezeichnung für den Weg im Laotse’schen Sinne. Der chinesische Philosoph Laotse hat unter dem Titel Tao Te King (übersetzt: Weg des Kings), die erste Elvis-Presley-Biographie schon vor fast 3000 Jahren geschrieben.

Yin ist in seiner Urbedeutung das Wolkige, Trübe. Es bezeichnet die zentrifugale Kraft im Universum, der Gegenpart Yang die zentripetale Kraft. Zusammen symbolisieren sie das duale Prinzip. Himmel und Erde, männlich und weiblich, Plus und Minus, Ball und Schläger, in ihrem ewigen Wandel. Die Erkenntnis vom Lauf der Dinge (was Laotse als Sinn, Weg, oder Tao bezeichnet) führt uns zu unserer inneren Mitte, jenem Dreh- und Angelpunkt, um den sich das Golfspiel dreht. Diese Erkenntnis vom ewigen Gesetz der Wandlung hilft uns das anzunehmen, was uns im Spiel wie im Leben begegnen wird.

Vermutlich wird es den Leser besonders interessieren, dass es schon in den Wendezeiten der Tsin- und Han-Dynastien eine ganze Schule der Yin-Yang-Lehre gab, die »damals viel Aufsehen erregte«. Der Grundgedanke ist die Wandlung.

Wie soll Meister Kung gesagt haben, als man ihm von den Einnahmen des Proshops im Kloster Tao Yin berichtete:

»Alles fließt dahin,

wie dieser Fluss,

Tag und Nacht.«

Tao Yin bezeichnet den Weg der Zentrifugalkraft. »Swing the Clubhead«, wie der Golflehrer Ernest Jones sein Lehrbuch nannte. Die wirbelnden Golfderwische kannten diesen in drei Disziplinen: im Tanzen, der Steinschleuder und in der oben beschriebenen Form des Golfens. Den Begriff Derwisch, der aus dem islamischen Kulturraum stammt, habe ich der Einfachheit halber übernommen. Wie Derwische erleben auch siegreiche Ryder-Cup-Spieler ekstatische Bewusstseinsstufen der Verzückung durch ununterbrochenes Drehen und Tanzen auf dem Grün. (Olazabal!)

Der Geist der Derwische wirkt aber auch in jenen Golfern, die den Ball rechts ins Rough schlagen und dann links im Semirough suchen, weil das Gras dort kürzer und der Ball somit leichter zu finden ist. Ihr Verhalten wird von archetypischen Erinnerungen des kollektiven Unterbewusstseins gesteuert (vgl. C. G. Jung) und erinnert an den berühmten Derwisch Nasruddin, der trunken vom Tanze heimkommt und seinen Schlüssel nicht findet. Er sucht aber nicht im Dunkel, dort wo er seinen Schlüssel verloren hat, sondern da, wo der Mond hinleuchtet … weil er da besser sieht.

(ep)

Fußnote
Im Frühjahr 1998 bestellte ich mir mehrere Bücher über die spirituellen Aspekte des Golfsports, darunter auch Michael Murphys »Golf in the Kingdom«. Wochen später erfuhr ich von einem Bekannten, dass dieses Buch unter dem Titel »Golf und Psyche« erschienen war. Zu dieser Zeit schenkte mir der Maler und Dichter Theo Köppen aus Göttingen den Mitschnitt eines Vortrags, den der amerikanische Zen-Meister Richard Baker Roshi in der Nähe von Kassel gehalten hatte. Zufällig, in einer Lesepause von Murphys Buch, stellte ich den Kassettenrekorder an, und das Band begann exakt an der Stelle, an der Baker Roshi (in einem ansonsten vollkommen golffreien Vortrag) erzählt, wie er von Michael Murphy eingeladen war, um der Präsentation von Murphys neuem Golfbuch »Shivas Irons« beizuwohnen. Murphy hatte einige Aspekte und Gedanken seines mystischen Golfgurus Shivas Irons im Gespräch mit Baker Roshi entwickelt und wollte ihm mit dieser Einladung seinen Respekt erweisen. Nach der gelungenen Präsentation saß die Gesellschaft beim Dinner zusammen und Baker Roshi lernte Scott McCarron kennen. Dieser (damalige) Spitzenspieler der US-PGA-Tour erzählte ihm, dass er aufgehört hat, irgendwelche Technik zu üben. Die Stille des Geistes in seiner Pre-Shot-Routine sei seine Methode, um den perfekten Rhythmus im Schwung zu realisieren, um »in the zone« zu kommen, wie Profigolfer diesen frei schwingenden Zustand von Körper und Geist bezeichnen. Er erzählte von Übungen, die Baker Roshi sofort als klassische Zen-Übungen erkannte, von denen der Pro wiederum bis dato nie gehört hatte. Interessant, nicht?

Auszug aus: Der Weg der weißen Kugel

(c) by Eugen Pletsch, 1995

Der verschollene Traum

Eine kurze Sequenz aus GOLF GAGA, meiner satirischen “Rosamunde Pilcher-Love Story“ über meinen Aufenthalt in einer Klinik für Golfsüchtige…und eine Erinnerung an das Glauber-Wasser von Bad Bertrich.

Nach dem Mittagessen saß ich im Zimmer und fand in meinem Nachttisch eine Bibel. Ich las in der Offenbarung des Johannes bis mir die Augen zufielen. Ich döste weg und sah Bilder aus einem früheren Leben im alten Germanien:
Mein Name war Garzich, mein Kumpel hieß Berzich. Wir waren zwei alemannische Sklaven. Kohortenführer Darius befahl uns, an der Seite des Talkessels, in dem die Legion lagerte, eine Latrinengrube auszuheben. Wir waren seit Jahren in Gefangenschaft. Ich hatte die Nase voll, aber Berzich war nicht unzufrieden mit seinem Los. Er sagte immer: “Es hätte uns schlimmer treffen können“, womit er die Löwen in Rom meinte.

Wir standen im Schlamm und befanden uns zu diesem Zeitpunkt in einer interessanten Diskussion über das Dasein und das Recht auf Selbstbestimmung im Rahmen unserer Tätigkeit. Fremdbestimmte Sklavenarbeit bringt unweigerlich die Frage nach dem Sinn auf.
Ich schufte, also bin ich, aber reicht das?

Ich fühlte mich in einer Sinnkrise gefangen. Mein Sklavendasein erschien mir sinnlos und leer. Ich suchte die Quelle meiner Kraft, die Quelle des Seins, die alle Dinge mit Wärme füllt.

Berzich, der Ältere von uns beiden, versuchte meine Gedanken in eine positive Richtung zu lenken. Tenor: Sorge dich nicht – grabe!

Berzich: „Versuche, dieses existenzielle Sein – was immer du tust – mit Leben zu füllen. Sei aufmerksam! Erlebe das JETZT. Dieser Moment des bewussten Seins in Verbindung mit einer kleinen Belohnung, wie sie die griechische Psychologen empfehlen, schafft Freude und Zufriedenheit. Es wird für Dich gesorgt, Garzich. Du hast Dein Essen. Niemand schlägt Dich, die Löwen sind in Rom. Die Arbeit kann doch auch Spaß machen! Wir müssen uns alle arrangieren. Also grab weiter.“

Ich zucke mit den Schultern und wir gruben nach dem Sinn. Wir gruben und gruben. Wir hörten gar nicht mehr auf. Unser Graben wurde zur transpersonalen Erfahrung, während sich die Grube mit warmem Wasser füllte. Es war ein exzessives Graben, ein tiefes Graben bis hinab in die Keller unseres Seins. Irgendwann sah ich meine nassen Füße und ein Glückgefühl überkam mich. Warme Füße, der Körper gut durchblutet, den Geist zum Stillstand gebracht. Wenn das keine Erleuchtung war, was dann?

„Berzich“, sagte ich, „ich denke, ich habe die Quelle meiner Kraft gefunden, und siehe, sie ist warm. Ich danke Dir, mein Freund!“

Als die Römer sahen, dass wir auf eine Quelle gestoßen waren, durften wir aus der Grube raus und bekamen einen Extraschlag Hirsebrei. So ein Römer ist durchaus erfahren im Fassen von Quellen. Alle krabbelten begeistert in das Warmwasserloch um die Grube auszumauern. Bereits nach wenigen Tagen plätscherte die Brühe in den Wannen und die Römer vergnügen sich mit den Eingeborenenweibchen aus der Region. Aber dann fing das Problem an: Immer, wenn die Römer Wasser schluckten, mussten sie dringend aufs Klo rennen, während die Eingeborenen das Wasser gut vertrugen. Sie hatten ein Enzym im Blut, dass den Römern fehlte, ein Geschmacklos-Enzym. Die Römer suchten deshalb einen Schuldigen, um ihn zu kreuzigen. Sie entscheiden sich für Berzich, den Weisen. „Glück gehabt“, dachte ich.

Dann schwebte ich in meinem Traum über dem Tal und sah, wie aus dem Schlammloch mit dem warmen Wasser ein Ort wurde, an dem es bald kein Römer mehr aushalten konnte, denn die Wohnhöhlen der Eingeborenen hatten Fensterdekorationen von derart schlechten Geschmack, dass die Römer fluchtartig das Land verließen. Damit sie aber weiterhin Tribut erhielten, eröffneten sie ein italienisches Eiscafe, eine Quelle, die bis zum heutigen Tage sprudelt.

(c) By Eugen Pletsch

In GOLF GAGA thematisiere ich besonders die „Mentalen Aspekte des Golfspiels“ sowie die Golfsucht allgemein. Das Buch ist mittlerweile vergriffen, aber wer Interesse an hat, kann von mir ein Exemplar mit Signatur und kleiner Zeichnung für EUR 20.- (Paypal) inkl. Versandkosten per email-Bestellung erwerben. Mehr Infos zum Buch…

Die 23

Auszug aus „Golf- Gaga – der Fluch der weißen Kugel„. Der Kellner Etbin und Dagobert Seicht sind zwei Figuren, die in meinen Büchern mehrfach auftauchen…

Es war viel zu heiß, um zu spielen. Wer an diesen Tagen spielte, hatte einen Schatten. Auch auf der Clubterrasse, wo sonst eine sanfte Brise wehte, war die Luft wie gebacken. Die Sonne prallte von den weißen Wänden des Clubhauses, weshalb ich es an solchen Tagen vorzog, mir im Restaurant ein kühleres Plätzchen zu suchen.

Etbin, der Kellner, trug wie immer ein weißes Hemd zur Weste und schwarze Hosen. Ihm schien die Hitze nichts auszumachen. Er ruhte regungslos im Schatten, aber in dem Moment, in dem ich Platz genommen hatte, stand er bereits mit einer großen Flasche Mineralwasser im Cooler neben mir. Er wusste, was ich bei diesen Temperaturen zu trinken pflegte. Etbin hatte etwas Katzenhaftes, er schlich. Man hört ihn nicht, er bewegte sich wie ein Samurai.

Ich trank mein Wasser und war in Gedanken, als sich Dagobert Seicht näherte. Wir grüßten uns, seitdem ich wieder häufiger in Bauernburg verkehrte, aber der gütige Herr hatte mir das gemeinsame Spiel bisher erspart. Vermutlich hatte die Sekretärin teuflische Angst vor dem, was passieren könnte, wenn zwei besserwisserische Korinthenkacker aufeinandertrafen.

Als wenn nicht genug andere Plätze frei wären, trat Herr Seicht an meinen Tisch und fragte: »Gestatten?« Ich schaute beiläufig auf und nickte, was weder herzlich noch höflich war, aber Seicht nicht abzuhalten schien, sich zu setzen. Er schwieg. Etbin brachte Seicht seine Zitronenlimonade. Ich schwieg auch. Wir schwiegen beide.

Wenn zwei Personen, die den leeren Raum des Universums in wenigen Stunden mit Sprechblasen ausfüllen könnten, einander anschweigen, dann entsteht eine gewisse Spannung. Etwa so, wie wenn ein von Sprechblasen ausgefülltes Universum kurz davor ist, den Urknall zu zelebrieren.

Ich schwieg, Seicht schwieg. Ich spürte, wie auch die wenigen Gäste an den anderen Tischen still wurden. Tiefe Stille. Nur der Koch klapperte in der Küche.

Ein großer Sumsemann, eine Hummel oder Hornisse, flog durch die offene Verandatür in den Raum. In der Stille klang das Brummen wie ein Moped in einer spanischen Nacht.

HnnnnnnmmmmmmmHnnnnHnnnnjääännnnnnggggggzzzzzzzzm ….

Das Geräusch kam näher. Offensichtlich hatte der Sumsemann Seichts Zitronenlimonade auf dem Radar. Wir saßen beide da und schwiegen. Die Gäste im Raum schauten fasziniert zu.

Die Szene vom Showdown zweier Verbal-Pistoleros.

Sumsemann umflog mich, wechselte zu Seicht, konnte sich nicht entscheiden und landete auf meinem Haar, was mir ausgesprochen unangenehm war. Ich verharrte regungslos. Jetzt Angst zeigen, wäre unmöglich gewesen. Ich hatte mir bei manchem Turnier schier in die Hosen gemacht, mit angstvoll zitternden Händen Zehn-Zentimeter-Putts vorbeigeschoben, jetzt blieb ich standhaft.

Sumsemann krabbelte auf meinem Haar. Mein Kopf war der Mond, auf dem das Raumschiff landete, um den Planeten auszuspähen. Der Planet war unser Tisch, auf dem die Zitronenlimonade stand. »Sumsemann«, dachte ich, »es gibt noch ein zweiten Mond, der näher am Planeten steht, mach die Flatter!«

Sumsemann hatte sich in meinem Haar verhakelt. Ich kannte das aus dem Kino. Der Trabant wird angebohrt, um eine Beobachtungsstation zu errichten. Seicht hob sein Glas, um einen Schluck aus seiner Limonade zu nehmen. Ich versuchte unmerklich, mit dem Kopf zu schütteln. Sumsemann schien festzusitzen, aber plötzlich hob er ab. Vielleicht sah er in seinem Insektenradar, dass sich sein Beuteobjekt vom Planeten zum anderen Trabanten verschoben hatte.

Sumsemann ging im Steilflug zum Angriff über und nahm das Glas ins Visier, aus dem Seicht gerade trank. Dessen Reaktion war abrupt. Das Glas mit der rechten Hand am Mund, hob er den Kopf und versuchte mit der linken Hand nach Sumsemann zu wedeln, wobei er den Kopf zurückkippte und ihm sein Gesöff über die Backen schoss.

»Ahhhhgggggrrr …«

Aber Sumsemann konterte mit: »HnnnnnnmmmmmmmHnnnnHnnnnjääännnnnnggggggzzzzzmmm ….

»Ahhhhgggggrrrgggggnnnnn …« Seicht wedelte mit den Armen, das Glas zerschellte am Boden, als ich merkte, dass er offensichtlich ein Eisstück in die Luftröhre bekommen hatte. Sein Kopf war immer rot, seine Augen standen immer vor, aber an seinem Röcheln erkannte ich, dass etwas nicht stimmte.

Ich saß etwas ungünstig, aber ich holte mit dem rechten Arm weit aus und schlug dem armen Seicht mit Wucht auf den Rücken, wobei ihm ein Eisbröckchen aus dem Mund sprang. Im selben Moment hatte der flinke Etbin den Sumsemann mit einem Schlag erlegt. Mit beiden Händen gleichzeitig frei in der Luft erwischt. Es war eine Hornisse. Keine Zeit zum Stechen. Sofort tot. Ich betrachtete das bisschen Insektenmatsch auf den harten, schwieligen Händen des Kellners. Seicht rang um Atem und Fassung. Wir dankten Etbin für seinen Einsatz. Der nickte und verschwand.

»Vielen Dank, das war knapp«, sagte Seicht.

»Kein Thema«, erwiderte ich kurz.

Er blickte auf seine Uhr. »17 Uhr 23. Na klar! Typisch.«

»Was ist typisch?«

»Der Versuch mich umzubringen, 17 Uhr 23, verstehen Sie?«

»Äähhh – nein? Sollte ich?«

»Na, die 23. Müssten Sie doch kennen«.

Seine Stimme wurde leiser.

»Sie wissen doch was ich meine, die D r e i u n d z w a n z i g!«, -wisperte er. »Sie haben das doch alles in Ihrem Buch drin!«

»Wie bitte?«

»Na, hören Sie mal, ich weiß doch wer Sie sind. Sie haben doch dieses Buch geschrieben. Sie sind doch der Autor von ›Der Fluch der weißen Kugel‹?« Ich schaute ihn wohl ziemlich fassungslos an und er fuhr fort. »Das ganze Buch ist doch codiert. Ich habe im Internet Geschichten darüber gelesen und dann recherchiert. Ich bin auch ein Eingeweihter, wissen Sie. Wir können offen sprechen. Ich habe alles herausgefunden.«

»Was herausgefunden?«

»Na zum Beispiel die Geschichte vom ›Golf auf anderen Planeten‹, die deutet doch an, dass sich die Erde bald über außerirdischen Besuch freuen darf, was im letzten Kapitel noch einmal bestätigt wird. «

Seicht öffnete seine Kladde, die auch einige ausgedruckte Texte enthielt.

»Ich darf mal aus einem Newsboard zitieren:

›Also dann, am 23.5. um 11 Uhr‹, ruft mir Mulligan zu. So steht es in der aktuellen Ausgabe, aber in der ersten, mittlerweile verschollenen Originalschrift wurde das exakte Datum der Landung Außerirdischer mit dem 23. 5. 2001 angegeben!

Der Magnat im Kapitel ›Alte Golfclubs‹ wird als jener Adam Weishaupt identifiziert, der am 1. Mai 1776 den Geheimbund der Illuminaten und 1906 den Deutschen Golfverband gründete.

Auf S. 230 (23 und 0!) schreibt er: ›(…) und Sie beginnen, sich für das Geheimnis zu interessieren.‹ Welches Geheimnis meint er, fragen sich manche Leser. Die ›18 Bahnen des Golfsports‹ (S. 226) erklärt der Autor in einem buddhistischen Kontext, was von Verschwörungstheoretikern eindeutig als falsche Fährte angesehen wird, die der Autor legen musste, weil er ahnte, dass er als Medium bereits zu viel verraten hatte. Das Kapitel ›Ein letztes Geheimnis‹, das Golf als Geschicklichkeitsspiel beschreibt, wirkt trivial, gibt aber den Hinweis, dass es ein letztes Geheimnis gibt!«

Seicht schaute mich erwartungsvoll an. Ich schaute zurück.

»Und? Was hat das mit der 23 zu tun?«

Seicht holte tief Luft. Verschwörerisch beugte er sich zu mir.

»Ich weiß doch, in welchem Club ich bin. Ich weiß doch, was der Manni Mulligan treibt. Was meinen Sie, warum ich hier bin? Das Mysterium des Golf enthüllt sich durch die 23. Und wenn es Eingeweihte gibt, dann hier. Ich verstehe nicht, warum Sie so tun, als würden Sie das alles das erste Mal hören?«

»Weil ich es das erste Mal höre. Aber was hat das Mysterium der 23 mit dem Golfsport zu tun?«

»Bobby Jones hat 1923 sein erstes Major, die US Open, gewonnen. Der Golfclub Magdeburg wurde 1923 gegründet. Die erste Swiss Open fand 1923 statt. Miriam Burns gewann 1923 die Women‘s Western Golf Championship im Alter von 23 Jahren! Die Bonzo Dog Zigarettenkarte von 1923 wurde gerade bei ebay für 23,95 versteigert.«

Er schaute mich triumphierend an.

»Ein Birdie und ein Par an einem Par 3 ergibt kabbalistisch eine 23! Unser Platz hat ein Par 72. Drei unter Par, eine 69, ist dreimal 23, klar? Ein reguläres Par 5, aus dem Blickwinkel der Tarotkarte des »Gehenkten« (Bahn vom Grün zum Abschlag betrachtet) besteht aus zwei Putts und drei Fairwayschlägen, das gibt: 23. HA! Die Quersumme aller Golfbälle der Welt ist 23, was auch dem traditionellen Loft eines Eisen 3 entspricht.«

Dagobert Seicht blickte mich mit seinen vorstehenden Augen an. Seine dünnen Künstlersträhnen waren am Schädel angeklebt. Er schnupperte mit der Nase wie eine Ratte. In dem Moment dachte ich, er sei irregeworden.

»Sie schauen mich an, als würden sie denken, ich sei irregeworden. Na gut, was halten Sie hiervon: Der große Förderer dieser Golfanlage, unser Magnat Senator Grösius, behauptet, er würde am 23.10.2006 sterben. 18 gespielte Bahnen und danach fünf Hefeweizen ergibt?«

»Schon klar: 23!«, kam ich ihm zuvor.

»Na, sehen Sie.« Jetzt schaute er mich gütig an, als hätte ich irgendetwas verstanden.

»Gut«, sagte ich, »und was bedeutet das alles für Sie?«

»Ich kann Ihnen das zusammenfassend vortragen.«

Er schlug seine Kladde auf, blätterte einen Moment und fand dann die gesuchte Seite. Seicht begann:

»Golf ist ein Virus, der zu schweren Suchterscheinungen führt und dabei ist, das Wirtschafts- und Kulturleben auf diesem Planeten nachhaltig zu zerstören.

Die Außerirdischen sind bereits gelandet, haben Präsident Kennedy ermordet und übernahmen die Regierung der USA. Natürlich auch die Wallstreet. Diese außerirdischen Plünderheuschrecken, die von einem kleinen Planeten in der Nähe des Sirius stammen, überfallen seitdem ein Land nach dem anderen mit dem Ziel, das Wirtschafts- und Kulturleben auf diesem Planeten zu zerstören.

Die einzige Schwäche, die Plünderheuschrecken haben: Sie spielen gerne Golf (amerikanische Präsidenten!) und sie sind nicht immun gegen den Golfvirus, was eine Chance birgt, den Planeten zu retten, denn Golf macht süchtig, dann blöde und dann depressiv. Damit könnte man sie schlagen. Wir sind nicht alleine. Von irgendwoher kommt Hilfe.«

»Sehr interessant«, sagte ich.

»Nun, was halten Sie davon, Sie haben doch das Buch geschrieben!«

Plötzlich kam mir eine Idee.

»Dagobert, ich darf Sie doch Dagobert nennen?«

Er nickte erwartungsvoll.

»Ein Schlüsselroman ist verschlüsselt, sonst wäre es kein Schlüsselroman.« Ich schaute ihn freundlich an. »Es gibt Mysterien und Geheimnisse, die sich um das Golfspiel ranken. Kennedy und die Monroe sind die beiden bipolaren Koordinaten. Die YabYum-Energie der beiden bekanntesten Amerikaner ihrer Zeit verbannte schreckliche Kräfte in den unterirdischen Gewölben des Pentagon. Beide wurden ermordet. Das Biest wurde entfesselt. Seitdem regiert das große Tier und überzieht die Welt mit Krieg. 666 … Sie wissen schon.«

Ich spürte, wie es Seicht schauderte. Er war dem Geheimnis auf der Spur.

»Ein Schlüsselroman hat einen Schlüssel«.

Er nickte.

»Der ist verborgen«.

»Wo?«

Etbin näherte sich unserem Tisch.

»Etbin, zahlen!«, rief ich, worauf er zur Kasse zurückging.

»Dagobert, ich habe schon zu viel gesagt. Sie wissen schon zu viel.«

Er schob sich dicht an mich heran.

»Sie müssen schweigen«, flüsterte ich, »es ist gefährlich! Schweigen Sie! Das Mysterium ist nah. Warum glauben Sie, haben sich so viele Kräfte in Bauernburg versammelt?«

Er zuckte die Schultern. Etbin war auf dem Weg zu uns.

»Der Teich an der 14 wird von Mulligan bewacht! Tief unten wohnen Geheimnisse, die nicht gehoben sein wollen. Die 14!«, wisperte ich heiser. »Kabbalistische Quersumme fünf! Zweimal 14 ist 28 minus fünf ist?«

»23«, hauchte Seicht fassungslos.

»Genau!«

Etbin stand am Tisch, mit dem Kassenzettel in der Hand.

»Des warren denn de Pasta, wo se gestern nicht bezahlt haben und zwei vonne große Flasche Wasser, macht 18 Euro.«

»Ich übernehme noch die Drinks von Herrn Seicht«, sagte ich.

»Das wärren dann zwei Zitronelimonad, zusamme fünf Euro, macht 23 Euro.«

Ich schaute Seicht tief in die Augen, während ich Etbin 23 Euro in die Hand drückte. »Stimmt so, der Rest ist für Sie!«

Seicht saß stumm da. Sein Mund stand offen. Etbin verbeugte sich. Er hatte meine Art von Humor schon öfter genossen.

Nachdem ich wieder zu Hause war, war ich nervlich bereits etwas angefressen. Aber dann passierte mir die nächste Schote, die mich in jene dramatischen Zustände katapultierte, von denen in diesem Buch die Rede ist.

Liebevoll streichelte ich meine Persimmon-Schläger, dachte nicht lange nach, telefonierte mit dem Club und meldete mich für das Turnier am nächsten Tag an, das trotz großer Hitze stattfinden sollte. Es folgte eine unruhige Nacht.

(c) by Eugen Pletsch 2006

Babbelfisch und Quäknöle

Man wird älter. Meine Haarschneidefachfrau meint, meine Haare werden immer dünner. Und ich immer dicker.

„Seit einiger Zeit stehen meine Haare so merkwürdig in die Luft,“
„Das macht die trockene Luft und Ihre feinen Spitzen.“
„Manchmal sehe ich schon aus wie der Seehofer, nachdem ihn ein FDP-Mann an den Arsch gepackt hat.“
„Ach“, sagt sie. „Politik schaue ich gar nicht mehr. Man kann ja doch nichts machen.“
Ich nicke, weshalb sie mit der Schere fast mein Ohr erwischt.
„Aber alles wir teuer, besonders das Bauen“, fährt sie fort. „Eine Kundin von mir hat für eine halbe Million gebaut. Und nicht mal unterkellert!“
Über Preise schimpfen – das ist mein Lieblingsthema:
„Seit wir den Euro haben, verdienen wir die Hälfte, zahlen aber für alles das Doppelte…“
„Wobei man doch allgemein sagt, dass das nur gefühlt wäre?“
Sie schüttelt den Kopf, als kämen ihr an diesem Gefühl langsam Zweifel auf. Dann erzählt sie weiter:
„Wir waren in Bad Nauheim zum Essen. Nichts Besonderes, aber das Schnitzel kostete 9,90 Euro! Das sind doch fast 20.- Mark. Das hätte doch früher niemals jemand bezahlt…“.
Wasser auf meine Mühlen.
“Und der kleine Beilagen-Salat, der im Club immer DreiMarkfuffzich gekostet hatte, ist unter vier Euro nicht mehr zu haben!“
Nachdem sie mich von meiner Seehoferschen Rübezahl-Matte befreit hatte, fuhr ich zu meinem Lieblings-Italiener, der ein Türke ist.
Auch der ist auf die Bundesregierung schlecht zu sprechen. In Immobilien in Deutschland zu investieren, wäre ein großer Fehler gewesen, meinte er. Bald wäre nichts mehr irgendwas Wert.
„Und dann die blöden Griechen, die mit 45 in Rente gehen…“.
„Angeblich haben die griechischen Eliten 600 Milliarden unversteuert in die Schweiz geschafft…“,werfe ich ihm genüsslich über den Tresen.
Das regt ihn noch mehr auf und wir haben richtig schöne Weltuntergangsstimmung, während ich meine „Pizza Toscana“ inhaliere.
Bei Cappuccino denke ich nach. Hat mein Leben einen Sinn? Was mache ich?
Soll ich wirklich weiterhin irgendwelchen Blödsinn schreiben, den ohnehin kaum jemand versteht?
Oder sollte ich nicht lieber etwas erfinden, was auch in Krisenzeiten nährt.
Vielleicht sollte ich Hörgeräte verkaufen!
Viele Leute hören schlecht und können Dialoge nicht mehr richtig verfolgen, zum Beispiel wenn sie am Clubtresen stehen.
Mir geht es oft so, dass ich von manchen Leuten schwer verstanden werde. Ich sage etwas, und sie hören etwas ganz anderes. Da wäre es doch besser, wenn sie gar nichts hören würden. Ich will Vieles auch nicht hören. Dummes Gebabbel verklebt die Nervenbahnen, besonders auf dem Golfplatz.
Also müsste man ein Hörgerät haben, das dummes Gebabbel neutralisiert. Das wäre nicht schlecht, oder?
Das Hörgerät müsste so konstruiert sein, dass jedes Mal, wenn gewisse Leute das Maul aufmachen ein kurzer Warnton erklingt und dann setzt entspannende Musik ein, die mit Subliminal-Befehlen unterlegt ist:
„Ich bin ruhig – ganz ruhig – Ruhe. Was immer der da labert – ich bleibe ruhig..“
So was in der Art und dazu schöne Herzschrittmacher-Musik im 4/4 Takt, die Puls und Blutdruck senkt.
Mein Hörgerät wäre so ähnlich wie der „Babelfisch“ aus Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“, der im Ohr wohnt und jedwede Sprache des Universums sofort übersetzt. Ich würde mein Hörgerät deshalb „Babbelfisch“ nennen, weil es dummes Gebabbel ausblendet.
Auch meins. Ja, besonders meins! Ich wette: Mit einem Hörgerät, das mein Gebabbel ausblendet, könnte ich ein Vermögen machen! In unserem Club würden  fast alle Leute sofort zahlen, schätze ich. Ich werde mal darüber nachdenken.

Ansonsten befasse ich mich an diesem windigen, grauen Tag mal wieder meinem Golfer-Bestimmungsbuch.
Ich habe das Thema irgendwann schon mal erwähnt, bin damit aber noch nicht viel weiter gekommen.
Es gelingt mir einfach nicht, alle Schläger-Typen in ein plausibles Ordnungssystem zu integrieren. Zuletzt überlegte ich, Golfer nach ihrer Lautstärke und der Art der Geräusche, die sie von sich geben, zu ordnen. Mittlerweile glaube ich, dass auch der Inhalt des Gesagten, neudeutsch „Soundcontent“, eine Rolle spielt.
Sicher ist: Alles hängt irgendwie zusammen, die Lautstärke, der Klang, der Inhalt und der Schwung. Ein Beispiel gefällig?
Nehmen wir eine „Hanseatische Quäknöle“. Paradebeispiel dafür wäre Spielführer Hein Küppers, Protestant, 53 Jahre, Handicap 12,1, Steuerklasse1 (worüber er sich ärgert, weil ihn die Scheidung genug gekostet hat).
Wie man in allen Klubs (mit K!) zwischen Bremerhaven und Kiel weiß, ist er mit einer nasalen Lautformungsfähigkeit begabt, die seine quäknöligen Kommentare unter jedem Wind durchfliegen lassen.
Noch bevor Spielführer Hein Küppers seinen PS-Dampfer auf dem Clubparkplatz zum stehen gebracht hat, nölt er bereits durch die geschlossene Windschutzscheibe Direktiven über den Platz. Kaum ausgestiegen wird er den Rest des Tages damit verbringen, die akustische Leitfähigkeit der Atemluft bis zum Anschlag auszulasten, denn er weiß nicht nur alles, sondern er weiß es auch besser. Er kann alles, kennt jeden und er ruft sie alle zu sich: Greenkeeper, Pros, Manager, Servicepersonal und die verschreckte Jugend:
„Na, Jung´ komm du mal her, ja du, min Lütten! Hierher, aber flott …!“

Nur wenn er ein geschlechtsreifes Weibchen sieht, verharrt er für einen Moment in der Alphamännchen-Stellung, wobei er seine Brieftasche im Jackett mit dem Brustmuskel vordrückt. Wenn jedoch das Weibchen ein Mobiltelefon zückt, rennt Hein sofort zum nächsten Klo (auch mit K!).
Das ist ein Reflex. Hein kann nicht anders, was damit zusammenhängt, dass er als Kleinkind manchmal auf dem Töpfchen vergessen wurde, weil sich seine Mama am Telefon festgeratscht hatte. So entwickelte Klein-Hein sein Stimmchen zu einem quäknöligen Organ, mit dem er Telefonkabel zerschneiden konnte. Denn sonst säße er heute noch auf seinem Töpfchen. (Womit ich aber im Umkehrschluss nicht behaupten möchte, dass alle Quäknöler auf dem Töpfchen vergessen wurden.)
Weibchen mit Mobiltelefon lösen bei Hein Küppers grässliche, eruptive Reizdarmsymptome aus, da seine gequälte Seele durch die Kabellosigkeit des „mütterlichen“ Telefons einen Zustand vollkommener Hoffnungslosigkeit erfährt.

Der Worst Case war ein Matchplay, bei dem Hein in die Endrunde gelangte. Sie standen auf dem 18. Grün, das Match war „All square“. Hein’s Gegner hatte seine Partnerin als Caddy dabei. Beim alles entscheidenden Putt stand sie am Grün-Rand und zog ihr Smartphone heraus, worauf der Hein den kurzen Putt zum Sieg vorbeischob. Weil er nicht schnell genug zum Klubhaus rennen konnte, hat er sich dann auch noch eingeschissen, der arme Kerl.
Trotzdem: Obwohl Hein quäknölt, ist und bleibt er ein wichtiges Mitglied unserer (Golf)gesellschaft. Meint zumindest sein Therapeut, der meines Wissens kein Golf spielt.

Textauszug aus „Achtung Golfer! – Schlägertypen in Wald und Flur

Rayma – eine Tantra-Golfgeschichte

Golfer sind Mystiker und somit anfällig für die wundersamen Offenbarungen, die sie hinter jedem brennenden Dornbusch vermuten, in den sie ihren Ball geschlagen haben.

In kindlicher Naivität wird jeder Firlefanz ausprobiert, der angeblich dem Schwung dient oder verspricht, das Psychodrama, das sich bei den meisten Golfern zwischen den Ohren abspielt, zu lindern.

Golfgurus mühen sich mit Büchern und Videokassetten, den Untergang des Abendlandes heraus zu zögern und immer wieder dringt die messianische Botschaft von dem einen, neuen ultimativen Driver, der unser Leben verändern wird, in die Umkleidekabinen und erfüllt die Herzen verzweifelter Slicer und dröger Hacker mit neuer Hoffnung.

Geradezu mittelalterlich ist der Aberglaube unter uns Golfern bezüglich Zaubertränken, magischen Ritualen und geheimnisvollen Amuletten und Armbändern. Eine geradezu schmerzhafte Dummheit in der heutigen Zeit der Aufklärung, könnte man meinen. Aber jetzt kommt meine kleine Geschichte vom Rayma-Armband:

Ich begegnete Paul Lawrie bei der 1999 SAP / Deutsche Bank Open und er half mir bei einer kleinen Tombola-Aktion für meinen Heimatclub in den schottischen Highlands, der sich fast alle schottischen Spieler, sogar Monti, und etliche andere Tour Spieler anschlossen.

Als Paul Lawrie 1999 die Open gewann, dachte ich natürlich, es wäre gutes Karma, aber bald begriff ich, daß es etwas mit dem Armband mit zwei goldenen Kügelchen zu tun haben musste, das er am rechten Arm trägt.

Eine weitere interessante Begegnung war Matt. Matt ist Vertreter für Golfartikel. Als ich ihn kennen lernte, war er ein müder, grauer Mann, der auf der verzweifelten Suche nach seinem Golfschwung mürrisch über die Fairways stolperte und dabei eine Menge Eisen seiner Herstellerfirma in Teiche und Wälder warf. Ein Mann, dessen Divots weiter als seine Bälle flogen, kurz: ein Mann, wie du und ich.
Letzten Sommer traf ich Matt wieder: Ein braungebrannter, lebenslustiger Kerl, der mittlerweile in der Clubmannschaft spielte. Auf dem Grün lochte er alles, er schlug seine Bälle lange und gerade, aber noch bemerkenswerter war die etwa 23 Jahre jüngere Dame, die er mir als seine Lebensgefährtin vorstellte. Charmant und lebensfroh stand sie mit Matt auf dem Grün und ich und andere alte Zausel vergingen vor Neid, wenn sie ihren knusprigen, braunen Arm um Matt legte, um ihn vergnügt zu küssen. Am Arm trugen beide dieses Armband mit den Kugeln und ich fing an, mir darüber meine Gedanken zu machen.

Dann war da noch ein Bursche, den ich im Club beim Sommerfest beobachtete. Ein lauter fröhlicher Zecher, der sich noch in komatösen Zuständen das erste Brutto einheimst und seine Drives selten unter 300 Meter lässt. Die junge Dame an seiner Seite war mit Sicherheit nicht seine Tochter. Kein Vater würde seiner Tochter gestatten, derart üppige Formen so provokant zur Schau zu stellen. Er trug dieses Rayma-Armband und irgendwie wollte ich jetzt auch eins haben.

Dieses Rayma-Armband hat etwas mit Magnet-Therapie zu tun. Auf der Internetseite von Rayma erfahre ich, dass niemand genau weiß, wie Magnettherapie funktioniert, darüber aber viel geforscht wird. Es scheint jedenfalls eine magnetische Anziehungskraft auf junge Dinger zu haben. Rayma-Tantra? Es gibt mittlerweile etliche Beispiele dafür, dass Rayma-Träger ihr – nennen wir es – latentes Potential von Biomagnetismus dynamisch entwickeln.

Douglas Bell vom englischen Institut für Magnettherapie erklärt den Boom, den die Magnettherapie derzeit in den USA erlebt: „Jede Zelle des menschlichen Körpers ist ein elektrisches Feld mit magnetischem Potential“. Wie es scheint, erlebt gerade der Golfer, der in die Jahre kommt, sein eigenes Potential in vollkommen neuer Weise, sinniere ich, während ich eine blonde Beauty anstarre, die gerade im Pro Shop mit einem Burschen, der ihr Opa sein könnte, ein hübsches, goldenes Rayma-Band aussucht.

Es war die Firma Rayma, die das Original biomagnetische Armband entwickelte, das Paul Lawrie, Lee Westwood und Matt tragen. Majorsieger Tom Kite hat es übrigens auch und braucht seit dem diese dicke Brille nicht mehr, mit der er immer wie seine Mutti aussah.

Die Hersteller des Rayma-Armbands empfehlen, das Armband entweder auf dem rechten Handgelenk mit den Polen nach oben, oder am linken Handgelenk mit den Polen nach unten zu tragen. Wenn nach einiger Zeit keine positive Wirkung verspürt wird, sollte das Handgelenk gewechselt werden. Zwischen dem Rayma-Armband und seinem Träger besteht eine Interaktion. Daher ist es nicht empfehlenswert, dasselbe Armband abwechselnd mit jemand anderen zu tragen oder ein bereits getragenes zu verschenken. Die elektrische Ladung, die die Wirkung des Armbands ausmacht, verringert sich mit der Zeit, was mich etwas an den Magnetismus mancher Beziehungen erinnert. Von diesen Armbändern, die in Palma de Mallorca in Raymas eigener Fabrik hergestellt werden, wurden bereits weltweit über 12 Millionen Stück verkauft. Die Rayma-Armbänder findet man in Deutschland in ausgewählten Golfläden, Sportgeschäften und Sexshops.

Leute, ich bin Ende vierzig, Single und will nicht wahrhaben, dass es das schon war. Also, um es kurz zu machen: natürlich habe ich jetzt auch so ein Armband.

Zuerst stellte ich fest, dass es auf Microsoft-Produkte allergisch reagiert, aber wer tut das nicht. Dafür bekomme ich, seit ich das Armband habe, keine Kettenbriefe mehr, meine Bücher laufen saugut und ich habe fünf Kilo abgenommen. Ich kann nicht besser Putten, ärgere mich aber nicht mehr so. Den Ball schlage ich nicht länger als früher, aber ich finde ihn schneller im Wald.

Na, und was Sie jetzt am meisten interessiert: Ja, Sie ist 25 Jahre alt, klug, stilvoll und absolut süß. Sie spielt Golf und sie liebt es, mit mir Golf im Fernsehen anzuschauen. „Jede Zelle in unserem Körper ist ein elektrisches Feld mit magnetischem Potential“, könnte man sagen. Am Arm trägt sie ein kleines goldenes Rayma-Armband.

© by Eugen Pletsch, 2001

Der Bajuwarische Bass-Brummler

Ein Bajuware, der eine „schwere Hypothek“ mit sich herumschleppt, wie der Pfarrer Kneipp einst den dicken Wanst zu bezeichnen pflegte, dröhnt, brummt oder brummelt mit einem durchdringenden Bass, der sich auch gegen den Wind durchzusetzen vermag, weshalb er unter Fachleuten als „Bayrischer Bass-Brummler“ bezeichnet wird.

Er könnte aber auch jedem anderen Volksstamm angehören, solange er als signifikantes Merkmal die mächtige Kiepe vor sich trägt, die in der Fachliteratur (nach einem gewissen F.X. Mayr, der die Mayr-Kur erfand) als „Große Kot-Trommel“ bezeichnet wird. Denken wir dabei an Helmut Kohl, der alljährlich die F.X. Mayr-Kur zelebrierte und sich dabei anstatt mit Regierungsgeschäften lieber mit dem Zerkauen vertrockneter Semmeln befasste, die mit einem Löffel Milch eingespeichelt werden.
Wer also mit solchem Resonanzvolumen ausgestattet ist und in seinem Schwartenhals Stimmbänder trägt, die in den unteren Oktaven schwingen, darf als „Bayrischer Bass-Brummler (Typ 1)“ bezeichnet werden, wobei es in den meisten Golfclubs höchstens einen gibt, der die korrekten Merkmale dieser Spezies auf ideale Weise verkörpert.

Der Bayrische Bass-Brummler ist peinlichst darauf erpicht seine Atzung zu festen Zeiten zu sich zu nehmen. Wer den „Bayrischen Bass-Brummler“ im freien Lebensraum beobachten möchte, sollte sich deshalb während der üblichen Fütterungszeiten, wenn der Bass-Brummler im Clubrestaurant schlürft, schlabbert und säuft, im Rough verstecken, auf einem Par 5 idealerweise ca. 170 Meter rechts vom Abschlag, um dort dem Anblick des mächtigen Burschen entgegenzufiebern.

Cartoon: Peter Ruge



Sein Kommen ist bereits aus weiter Entfernung und selbst bei starkem Gegenwind zu hören, denn wenn sich der Bayrische Bass-Brummler mit mächtigem Gehabe auf dem Abschlag aufbaut, klingt es wie das Summen eines wilden Bienenschwarms, der von einem Bären aufgeschreckt wurde. 

Die Kombination von Kraft und Bauch führt dazu, dass der Bass-Brummler seinen Schläger zu schnell und um Bauch herum schwingt, wodurch er einen deftigen Slice erzeugt, der meist nach 179 Meter vom rechten Fairway-Rand ins Rough rollt. Jetzt können wir den Bayrischen Bass-Brummler aus unmittelbarer Nähe beobachten, wobei wir uns absolut still verhalten sollten, da ihn schon das kleinste Geräusch irritiert. Dann wird er wütend wie ein wilder Bienenschwarm, der von einem Bären aufgeschreckt wurde.

(Ganz anders verhält sich übrigens der Schwäbische Bass-Brummler (Typ 2), der von der Statur meist etwas kleiner ausfällt, noch tiefer brummt und dabei vollkommen nervenfrei von gar nichts aus der Ruhe zu bringen ist. Unbeirrt von den mittlerweile drei Flights am Abschlag hinter ihm, sucht er seinen Ball (bei 169 Metern rechts).

Schwäb. Bass-Brummer (Typ 2) Cartoon: Peter Ruge


Aber zurück zum Bayrischen Bass-Brummler: Durch die Beobachtung aus unmittelbarer Nähe klärt sich auch die unter Golf-Ornithologen häufig diskutierte Frage, wie es denn sein kann, dass der Bayrische Bass-Brummler seinen Ball im Rough stets wiederfindet. Dabei zählt der suchende Bass-Brummler seine Schritte und nach 200 Schritten (was einer Lauflänge von 179 Metern entspricht), findet er meist seinen Ball. Sollte dieser jedoch durch unglückliche Umstände, Wind oder andere Unwägbarkeiten nicht dort liegen, wo er zu liegen hat, macht sich der Bass-Brummler auf die Suche nach seinem Ball. Dabei brummelt er, ohne dass ihm bewusst wäre, was er so von sich gibt: „Humm, Summ, Brumm. Sakrafixluja. Wo isser denn, der Ball, bist Du da, Ball?“

Sein Brummeln überträgt sich dabei je nach Windstärke mindestens so weit über den Platz, wie das hellere Gequake einer „Hanseatischen Quäknöle“. Während es auch für Hobby-Biologen offensichtlich ist, dass das Geschrei von quäknöligen Alpha-Männchen letztendlich dem Weibchen gilt, wird vermutet, dass es sich beim Brummeln des Bass-Brummlers nicht um einen Lockruf handelt. Im Gegenteil: Der Bass-Brummler lebt meist in einer monogamen Beziehung, wobei das Weibchen in der heimischen Höhle die lautere Stimme hat, weshalb der Bass-Brummler entweder nicht oder nur selten zu Wort kommt. Psychologen sehen deshalb im Brummeln des Bass-Brummlers den Versuch, sich selbst davon zu überzeugen, dass es ihn noch gibt. Gleichzeitig hat er seine eigene Form der Weiblichkeit entwickelt, die sich durch das Gebären eines Balles manifestiert, und das geht so:
Wenn der Bayrische Bass-Brummler lange genug im Rough auf- und abgetappst ist ohne seinen Ball zu finden, hält er inne, räuspert sich und furzt. Sollten sich irgendwelche Mitspieler bei der Ballsuche angeschlossen haben, werden sie spätestens jetzt das Feld gegen den Wind räumen. Mit dem Innehalten und Furzen entspannt sich der Bass-Brummler, worauf ein Zweitball herabfällt.
Diesen Zweitball hält er für jene Momente der Not bereit, in denen ein Ballverlust und somit Strafschlag droht. Durch die Entspannung des Leibes löst sich der Ball, der unter einem Fleischlappen seiner fetten Kiepe versteckt war und fällt dezent unter dem weiten Hemd hervor, das der Bayrische Bass-Brummler grundsätzlich über der Hose zu tragen pflegt.
Während kleingeistige Mitspieler diese Handlung eindeutig als Akt des Bescheißens interpretieren werden, weiß der Psychologe, dass der Bass-Brummler seine versteckte Weiblichkeit sucht. Der Bauch zeigt deutlich, dass er den unbedingten Wunsch hat zu gebären und sei es einen Golfball.

Die Zufriedenheit und das Glück im Gesicht des Bass-Brummlers, der seinen frisch geborenen Zweitball freudig begrüßt, können nur mit dem Antlitz einer Mutter verglichen werden, die neuem Leben eine hoffnungsfrohe Zukunft schenkt.

Textauszug aus „Achtung Golfer! – Schlägertypen in Wald und Flur“ von Eugen Pletsch

Das große Zittern

Nachdem Karl-Heinz Schröck anlässlich der Seniorenclubmeisterschaft im GC Bauernburg  von seinem Mitbewerber Max Donar als „breitärschiger Fettsack“ bezeichnet wurde, überkam ihn am alles entscheidenden 18. Abschlag das große Zittern, was sich als kontraproduktiv für den weiteren Spielverlauf herausstellen sollte.
Der in jeder Hinsicht fiese Max Donar konnte die Clubmeisterschaft auf diese Weise für sich entscheiden.

Merke: Bist Du böse und gemein, bringst du die beste Runde rein!
 

Cartoon: Peter Ruge

© by Eugen Pletsch, 2011

Der golferische Offenbarungseid

Nach Corona hat auch die Inflation die Golfclubs erreicht. In den Hungerküchen der Clubrestaurants stehen die Spieler nach dem Turnier Schlange. Jugendliche im Titleist-Styling spielen statt einem ProV1x immer öfter gebrauchte ALDI-Bälle; der Greenkeeper wurde durch ein Schaf namens „Emma“ ersetzt.

Auf dem Bild sehen wir Ex-Banker Dr. Ernst Rombacher, der sich im brutalen Wettbewerb der Vermögensvernichtungsorganisationen verschlissen hatte und Opfer einer „Umstrukturierung“ wurde.

Cartoon: Peter Ruge

Als freier Finanzberater lag er mit seinen Empfehlungen so daneben, wie mit dem Lesen seiner Puttlinien, weshalb er sich entschloss, am Morgen der Clubmeisterschaft öffentlich den golferischen Offenbarungseid zu leisten.

Sein Scotty-Cameron-Putter, sein Cobra-Driver, seine Ping-Eisen und sogar seine Brille stehen zum Verkauf: „Ich kann auch ohne Brille sehen, wo das alles enden wird“, meinte er lakonisch zu seinem Freund Joachim (ehemaliger Ex-Deutsche Bank, Ex-Dresdner Bank, Ex-Commerzbank-Vorstand), als der ihm „um der alten Zeiten willen“ für einen Euro und fünfzig Cent ein paar Tees und einen fast neuen Ball abkaufte.

Frau Luise Rombacher, der schon vor Jahren die Villa, die Limousine, der Porsche, die Wohnung in Marbella und nicht unbeträchtliche Vermögenswerte überschrieben wurde, sieht die Weltlage positiver. Sie hat sich just in dem Moment dem Golfsport zugewandt, als ihr Mann die Waffen streckte.

Zugang zu den Freuden dieser Randgruppensportart verschaffte ihr der südafrikanische Golflehrer Joost Van Deen, der jahrelang alles gevögelt hatte, was nicht schnell genug auf den Bäumen war und der es jetzt etwas ruhiger angehen möchte.

„Luise isse coole Schnecke. Se hat Kohle, große Hütte un ihr Kerl war so ne Golfspinner wo jez Pleite is und abtaucht. Is wie ne große Loos für ne Pro in Deutschland“, wird Joost VanDeen von seinen Freunden zitiert.

Na dann, Luise und Joost, viel Glück, ihr beiden!

© by Eugen Pletsch
 

Lustreise in einen Proshop

Nachdem Finanzoberinspektor Arno Buchmacher dank der stadtbekannten Domina Elke Machnitzke die süßen Qualen eines Masochisten kennen und schätzen lernte, führte sie ihn als Höhepunkt einer gemeinsamen Lustreise in einen Proshop, um die Utensilien ultimativer Demütigung zu erwerben.

Cartoon: Peter Ruge


Arno Buchmacher kannte das Golfspiel bisher nur vom Hörensagen. Rechnungen von als „Charity-Events“ getarnten Golfer-Orgien hatte er bisher stets als nicht absetzbar zurückgewiesen. Die Unverfrorenheit, mit der sich gehobene Einkommensgruppen bei ihren Sauf- und Fressgelagen als Wohltäter feiern ließen, erschütterte den Menschen und Staatsbeamten in ihm zutiefst, zumal er anhand der Abrechnungen sehen konnte, wie wenig tatsächlich für den guten Zweck übrigblieb.
Seine humanistische Weltsicht wurde ihm jedoch von Elke Machnitzke mit wenigen Hieben auf den Allerwertesten ausgetrieben.
„Arno, du wirst jetzt Golf lernen“, befahl ihm Elke. „Irgendwann lassen wir die feinen Pinkel wissen, dass du bei der Steuerfahndung bist. Dann haben wir sie bei den Eiern und wir lassen es uns richtig gut gehen, ja?“
Das rhetorische „Ja?“, das Frau Machnitzke an das Ende ihres Satzes gestellt hatte, konnte Arno Buchmacher nur durch ein kurzes Nicken beantworten, da er zum Zeitpunkt des Gespräches gefesselt und geknebelt war.

© by Eugen Pletsch, 2011

Der Choleriker

Der städtische Verwaltungsbeamte Lothar Uhl war allgemein als gutmütiger Zeitgenosse bekannt. Er war kein Mann der großen Worte. Seine Fähigkeit, während eines Telefonats tief und fest einzuschlafen, betrachteten seine Vorgesetzten als Zeichen besonderer Ausgeglichenheit.

Unruhige Kollegen, zum Beispiel der Kämmerer, der in Anbetracht der Haushaltslage kaum noch Schlaf fand, schauten gerne mal bei Lothar vorbei, „um sich eine Mütze Schlaf abzuschauen“, wie es allgemein hieß.

Bei aller Gemütsruhe galt Lothar Uhl jedoch als Innovator. Seine auf scharfsinnigen Beobachtungen basierende Empfehlung an die Busfahrer der Stadtwerke, erst loszufahren, wenn alle Fahrgäste eingestiegen sind, reduzierte die Unfälle unter Rentnern und sorgte für zusätzliche Einnahmen durch Fahrgäste, was der Nachtruhe des Kämmerers gut tat.

Lothar Uhl hatte ein Hobby, nämlich die Stallhasenzucht. „Der geile Erwin“, wie sein Rammler unter Mitzüchtern respektvoll genannt wurde, war sein ganzer Stolz. Mit dem auf vielen Zuchtleistungsschauen prämierten Erwin verbrachte er einen Großteil seiner Tage und Nächte. Dann, eines Tages – es geschah in Rheda-Wiedenbrück auf einem Rammler-Symposium – brach Erwin aus seinem Reisekäfig aus und sprang in ein Streichelgatter, wo er unter den entsetzen Blicken junger Familien eine Häsin namens Helga bestieg. Helga, die große Hoffnung des Verbandsvorsitzenden Jupp Grösewitz, war die schönste Häsin von Niedersachsen. Man hatte große Zuchtpläne mit ihr, die der geile Erwin gründlich verdarb. Er rammelte das Weibchen derart durch das Streichelgatter, dass die Tauben aufflogen und sich die Meerschweinchen vor Angst im Stroh verkrochen. Und so kam es zum Eklat!
Erwin wurde von künftigen Leistungsschauen gesperrt und Lothar Uhl, der von Erwin menschlich sehr enttäuscht war, setzte den Rammler im Wald aus, woraufhin Erwin bald im Kochtopf einer Familie landete, die sehr hungrig war, weil weder das ARGE-Callcenter noch der für ihren Antrag auf Sozialleistungen zuständige Sachbearbeiter erreichbar waren.

Wie viele andere vereinsamte Gestalten wandte sich Lothar Uhl dem Golfsport zu. Er wähnte darin eine Individualsportart, die er ungestört von Fremdeinflüssen ganz für sich ausüben könnte.

Cartoon: Peter Ruge


Lothar, der schon als kleiner Junge darauf bestanden hatte, im städtischen Sandkasten entweder ganz allein oder gar nicht zu spielen, musste jedoch feststellen, dass ein Golfplatz auch von anderen Spielern genutzt wird. Seiner Gemütsruhe beraubt und durch die Trennung von Erwin verbittert, trat schließlich der dunkle Schatten des Cholerikers aus ihm hervor, der sich all die Jahre hinter seinem bräsigen Wesen verborgen hatte.
Bald war Lothar Uhl bei allen Clubmitgliedern wegen seiner Wutausbrüche gefürchtet. Auch auf der Arbeit wurde seine innere Wandlung besorgt registriert.
Als Lothar Uhl nicht mehr zu halten war, bot man ihm eine Weiterbildung zum Busfahrer an, die er gerne annahm. Jetzt fährt er die Linie vom Stadtzentrum raus, die am Golfplatz vorbeiführt.
Lothar Uhl wurde wie viele andere Golfer depressiv. Seine einzige Freude besteht darin loszufahren, wenn gerade jemand einsteigen will. Die Bustür zu schließen, wenn junge Mütter den Kinderwagen gerade mal halb in den Bus heben konnten, ist seine Spezialität. Dann gluckst er leise, was sein Therapeut gerne als „emotionalen Durchbruch“ bezeichnet.
 

© by Eugen Pletsch, 2011

Der oberhessische Dummbabbler

Seit Aristoteles mit seinem Wanderstab auf dem Weg nach Athen das Gewölle einer Eule ins Meer schlug, die als Begleiterin der Göttin Athena bereits in den Fabeln des Äsop für ihre Klugheit gelobt wurde, gilt die Welt der Golfer als letzte Bastion humanistischer Bildung, was wir bereits in mehreren Folgen unserer kleinen Reihe der „Golfethnologischen Betrachtungen“ ausgeführt haben.

Heute werden wir uns dem „Oberhessischen Dummbabbler“ zuwenden, der sich häufig in kleinen Rudeln von bis zu vier Männchen oder Weibchen aus den Regenwäldern des oberhessischen Berglandes hervorwagt, um – meist friedlich – in den Auen nach Bällen zu suchen, oder um in umliegenden Clubhäusern Atzung zu finden. Sofern sie unter sich sind, babbeln die Männchen dieser interessanten Spezies gerne über ihre Paarungswünsche mit besonders gut entwickelten Weibchen.  Sind jedoch eigene Weibchen im Rudel, meiden die Männchen Gespräche über Paarungsrituale, um die Weibchen nicht auf dumme Gedanken zu bringen.
Sind oberhessische Dummbabbler-Weibchen allein in einem Rudel unterwegs, babbeln sie gerne über gut entwickelte Männchen und andere Weibchen, die nicht dabei sind.
Beim Lauschen der Lockrufe und Balzpfiffe können wir feststellen, dass der „Oberhessische Dummbabbler“ gerne kommuniziert. Dabei scheut er sich nicht, seine Werbung über das Nachbar-Fairway zu schicken, denn schließlich ein gepflegtes Zusammenseins Grundlage jeder Golf-Gemeinschaft.
Das nachfolgende Gespräch wurde von einem Golf-Ethnologen aufgezeichnet, der zwei Dummbabbler sowie einen Bass-Brummler belauschte, den wir bereit in einer früheren Folge vorgestellt haben.
Wie unter Golfern üblich, beginnt das Gespräch am 1. Abschlag mit allgemeinen Befindlichkeiten, um sich dann im Spielverlauf dem mangelhaften Platzzustand zuzuwenden. Spätestens an der 3. Bahn ist geklärt, wer am heutigen schlechten Spiel schuld ist (Greenkeeper, Pro, DGV, Job oder Ehepartner). Ab der 6. Bahn sind die Spieler bereits von Verzweiflung ergriffen und auf der 8. Bahn von vollkommener Resignation erfüllt, weshalb sie auf der 9. Bahn nur noch dem 1. Schoppen am Halfway-House entgegenfiebern können.
Ab der 11. Bahn, nachdem die 3. Flasche geleert wurde, werden die Dialoge enthemmter. Die Dummbabbler-Männchen phantasieren dann häufig vom „Einlochen“ und besonders gut entwickelten Weibchen – wie gesagt – sofern keine eigenen Weibchen im Rudel sind. Leider konnten wir das Gespräch dieser Feldstudie nicht über die ganze Runde verfolgen, da unser Golf-Ethnologe die Arbeit leider nach der 1. Bahn aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste.

Es folgt die Aufzeichnung des Gespräches:
„Moin, die Herrn.“
„Ei Schorsch, lang ned gesehn!“
„Isch konnt wesche meine Hämmoridde lang nät spiele.“
„Ei nee, Hämmoridde soll mer ned uff die leischte Schulder nehme. Und? Iss besser?“
„Des war kein Spass. Isch musst auch bein Neurologe…“
„Wesche Hämoridde bein Neurologe? Ei mach‘ Sache…“
„Der sollt gucke, ob mein Juckreiz nervlich bedingt iss.“
„Hämmoridde nervlich bedingt, was all gibt. Mein Slice is auch nervlich bedingt. Und dann?“
„Jetz hamse wo was abgeschnibbelt. Es juckt halt noch e bissi.“
„Na, dann lasse ma jucke… um was spiele mer heut?“
„Um en Schoppe?“
„Also Männer: wer schläächt ab?“
„Immer der der frääscht“
„Na gut. Jetz klatsch ich die Murmel dorsch de Schallmauer!“

Kalli geht aufs Tee. In einem umständlichen  Bewegungsablauf, der an einen antiken Schlangentanz erinnert, versucht Kalli, die Fragmente eines Rituals zu zelebrieren, das ihm einst von seinem Golflehrer als Pre-Shot Routine eingebläut wurde. Plötzlich, auch für den Ball vollkommen überraschend, schlägt er zu. Selbst Kalli ist überrascht, besonders als er den Himmel erfolglos nach seinem Ball absucht.

Cartoon: Peter Ruge


„Ui, ne? Was warn dess? Wo issnderhin?“
„Ei Kalli, der iss im Wasser.“
„Meinste ned, dass der nochema reingekomme iss?“
„Von wo rein? Ausm Wasser nomma raus, oder wie?

Jetzt schlägt Schorsch. Es folgt ein langer gerader Drive Mitte Fairway, dem er ungläubig hinterherstarrt:

„Wass wa‘n dess? Was hab‘ben ich ebbe falsch gemacht? Hab dir den gesehn? Kerzegrad!“
„Ei wo gibt’s dann sowas? Hast vielleicht schepp gestande? Ist eigentlich gar net dein Schlasch, so gradaus uffs Fairway.“
„Unn, was iss, Heinz? Wird das heut noch was?“

Behäbig erklimmt der Brummler den 1. Abschlag. Sein Blick sucht am Horizont nach einem angemessenen Ziel. Es folgt ein wuchtiger Hieb, der den Ball scharf nach rechts ins Gekräckel treibt. Dorthin zieht es auch die Prostata des Bass-Brummlers und nachdem Kalli seinen 3. Ball gespielt hat geht jeder seiner Wege, was von Lautmalereien in allen Lagen begleitet wird.

„Was suchst‘n?“
„Ei, mein Ball.“
„Isch glab, so lang war der net.“
„Der muss hier doch lije.“
„Lieschter abber net. Gugge ma da hinne“.
„Ei, so kurz.“
„Haste mein gesehen.“
„Vielleicht im Bunker.“
„Schau dir dess ema an: Hamm de Bunger net gerecht und dafür zahl ich das viele Geld.“
„Na, die Grüns sin doch noch schlimmer. „
„Da sind die Greenkeeper dran schuld, die aale Faulenzer. Da resch ich mich schon gar net mehr auf.“ „Gugge mal, wie die da am Schubbe hocke und grinse. Die sinn doch all besoffe.“
„Ne, des is doch de Achmed und de Hammed. Die derfe doch net saufe, die Mullahs.“
„Das sinn doch alles Schläfer von de alKaida. Seit die unser abendländisch Grün mähe, geht bei mir kein Ball mehr rein.“
„Da kann ebbes dran sein.“
„Wo issn de Heinz?“
Laut: “Wo steckste dann, Heinz!“
Es dröhnt ein basstiefes Fluchen aus dem Wald.
Zum Schorsch: „Alles klar, de Heinz brummt – de Heinz lebt“.

Endlich erreichen sie das Grün, wo sich der Bass-Brummler bei seinem Putt schließlich so verliest, dass sein Ball aus acht Metern ins Loch fällt. Die Begeisterung ist groß:

„Ei guggde ma, jetzt zieht uns de Heinz des Tangahös‘sche stramm…!“

Bei dem Gedanken, dass einer der Herren einen String-Tanga tragen könnte, kollabierte der Golf-Ethnologe und musste seine Aufzeichnungen beenden. Durch das Club-Sekretariat konnte jedoch rekonstruiert werden, dass Heinz, Schorsch und Kalli nicht viel länger als fünfeinhalb Stunden unterwegs waren, weshalb sie in ihrem Club als „Der flotte Dreier“ bezeichnet werden.


 
© by Eugen Pletsch, 2011
 

Der Fall Ewald Lurch

Wie entstehen Konflikte? Meist durch Missverständnisse, die nicht aufgeklärt werden. So war es auch im Fall Ewald Lurch und seinen Kontaktlinsen ,denn ich wurde zufällig Zeuge von Ewalds abendlicher Runde.

An jenem Abend saß ich auf einem Hochsitz am Waldrand seitlich der 4. Bahn und betrachtete das abendliche Geschehen auf dem Platz. Zuvor hatte ich mich geärgert, dass mir ein Rennbuggy-Fahrer in den Rückschwung gebrettert war. Er kannte mich und wusste, dass ich ein schneller Spieler bin, sofern es möglich ist. Trotzdem maulte er mich auch noch an, warum es so langsam voranginge. Um noch einen draufzusetzen, empfahl er mir, mal etwas „mit Humor“ zu schreiben. Das ärgerte mich. Bin ich etwa ein Witzeerzähler? Nicht dass ich keinen Humor hätte – über Eds Geschichte vom Esel und den Brennnesseln vermochte ich sogar zu lachen, ohne sie wirklich verstanden zu haben, aber manchmal frage ich mich, was gewisse Leute unter „Humor“ verstehen? Vielleicht sollte ich auch schon mittags mit dem Saufen anfangen, um diese Leute zu begreifen. Doch würde das helfen, Konflikte zu vermeiden? Der Philosoph Eckhart Tolle sagt sinngemäß, dass ein Konflikt nicht auf der Ebene des Bewusstseins gelöst werden kann, auf der er entstanden ist.
Über solche Dinge dachte ich auf dem Hochsitz nach, während ein bunter Reigen von Golfern an mir vorbeizog. Schließlich versank ich in meditativer Stille, bis mich die abendliche Kühle weckte. Es war dunkel geworden, nur ein überirdisches Leuchten strahlte über das Fairway, vermutlich Elektrosmog. Ich wollte gerade vom Hochsitz steigen, als ich die schemenhafte Gestalt von Ewald Lurch erblickte, der, vom Schwung her unverwechselbar, auf dem 4. Abschlag stand und mit seinem Eisen wie ein Seeräuber um sich schlug.
Als Kind war der kleine Ewald ein schmächtiges Bürschlein gewesen, das beim Sprechen auf eine seltsam glibbrige Weise echsenhaft züngelte, weshalb er schon im Kindergarten Lurchi gerufen wurde. Sowie der kleine Ewald lesen konnte, wurde ihm bewusst, woher der Spott kam, denn er war keineswegs wie der Held aus dem Salamander-Schuh-Heftchen und hasste es deshalb umso mehr, wenn seine Mutti darauf bestand, ihm ein grünes Hütchen aufzusetzen, bevor sie ihn in die Schule schickte.
Der kleine Ewald wuchs heran und mit der Zeit entwickelte er eine schmierige Form von Eloquenz, die ihm als Vertreter für schleimige Produkte aller Art ein gutes Einkommen sicherte: Handseifen, Cremes, Putzmittel – das alles ging ihm an der Haustür flott von der Hand, wobei Damen beiderlei Geschlechts mit Genuss feststellten, dass der kleine Ewald einen großen Lurch hatte.
Über die Jahre, so hat es die Natur eingerichtet und es ließ sich nicht ändern, wurde Ewald immer kurzsichtiger, fast so sehr wie der Autor dieser Zeilen, dem das Tageslicht nur dämmrig durch die colaflaschenbodendicken Brillengläser dringt.
Diese Fehlsichtigkeit ist etwas, das uns verbindet. Seit ich wieder in Bauernburg spielte, gingen wir manche gemeinsame Runde, weshalb man uns den „Blindschleichen-Flight“ nannte. Dabei spielten wir schneller, als eine Kreuzotter zubeißen kann!
Tja, der Lurchi. Da hackte er sich also nächtens über die Bahn und ich wunderte mich, was er da trieb. Wie eine Wildsau durchpflügte er die Wiese, hin und her, auf und ab. Grasbutzen flogen umher, als er immer hektischer und wütender um sich schlug. Schließlich, als wollte er an aller Welt, an allem erlebten Spott, an aller Bosheit, die ihm je widerfahren war, Rache nehmen, prügelte er wütend wie ein Berserker auf das Fairway ein.


Es ist mir natürlich bekannt, dass man Prozesse der Selbstfindung und Befreiung nicht unterbrechen darf. Erst als er sich in gefährliche Nähe zum Grün voranhackte, rief ich, um das Schlimmste zu verhindern, ganz sanft seinen Namen:
„Eeeewald!“
Er hackte weiter.
„Eeeeeewald!“
Er konnte mich nicht hören. Als er fast am Grün angekommen war, zog ich die Notbremse: „EEEEEEWALD LURCH!“
Jetzt hielt er inne und schaute auf. Schweißüberströmt, soweit man das im Halbdunkel sehen konnte, und ohne Brille!
„Mein Gott, Ewald! Was ist los? Was treibst du hier?“

Ewald schien mehr als nur desorientiert zu sein. Er war außer sich. Er war in jenem gottlosen Zustand, in dem brave Bürger morden, Soldaten Massaker begehen und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinalprodukte (BfArM) Amalgam als Zahnfüllung und Thiomersal in Impfstoffen für unbedenklich erklärt. Langsam schien er zu erwachen, schließlich erkannte er mich:
„Was machst du denn hier?“
„Das möchte ich dich fragen! Warum zerhackst du das ganze Fairway?“
„Was mache ich?“
„Da, schau, was du angerichtet hast! Die ganze Bahn ist kaputt!“
„Das kann ich nicht sehen.“
„Wie – kannst du nicht sehen? Wo ist deine Brille?“
„Ich trage heute erstmals Kontaktlinsen.“
„Du? Kontaktlinsen?“
Warum hatte Ewald unsere sportliche Zweisamkeit als Blindschleichen verraten?
„Kontaktlinsen?“ Ich war entsetzt.
„Die Löcher sehen dadurch angeblich größer aus, der Ball ist größer, alles ist irgendwie größer.“
„Ach Ewald, ich bin enttäuscht. Durch unsere dicken Brillengläser mag die Welt zwar winzig wirken, aber ist es nicht gerade das Ameisenhafte, dieses verzwergte Gewusel, was uns beiden das Leben erträglich macht?“
Ewald wand sich.
„Ich wollte nur mal wissen, wie andere die Welt sehen.“
„Und dafür zerhackst du die Bahn?“
„Ich hab nur versucht, meinen Ball zu treffen und als das nicht gelang, kam ich irgendwie in Rage.“
„In Rage. Das kann man wohl so nennen. Komm jetzt, Ewald, ich begleite dich zum Parkplatz.“
Der verschlammte und verschwitzte Ewald trottete neben mir her und maulte leise vor sich hin. Als wir am Parkplatz ankamen, schaute er mich besorgt an.
„Und? Wirst du mich verraten?“
„Nein, natürlich nicht, alter Freund“, besänftigte ich ihn.

Ewald schien erleichtert, doch leider hatte die Sache ein Nachspiel. Der Schaden wurde entdeckt und eine Rotte Jäger zu einer Treibjagd zusammengetrommelt, worauf alsbald drei unschuldige Wutzen ihr Leben lassen mussten. Dann zogen die Jäger in die nächste Gemarkung weiter, um auch dort noch einige Wildschweine zu erlegen.

Tja, so entstehen Konflikte, dachte ich. Meist durch Missverständnisse, die nicht aufgeklärt werden.
Ewald Lurch ist jetzt mein Knecht. Schmierseife bekomme ich umsonst und im nächsten Jahr auch noch mein Wunschhandicap. Etwas schmierig, die ganze Sache, aber schließlich muss jeder Freizeitgolfer sehen, wo er bleibt, oder?

Auszug aus: „Achtung Golfer!“ © by Eugen Pletsch 2010

Weg mit dem Damenabschlag!

Ein Plädoyer für die Gleichstellung der Frau.

Golf ist für viele Frauen eine wunderbare Gelegenheit, dem männlichen Geschlecht zu zeigen, dass es nicht um Kraft geht, sondern um Geschicklichkeit, Köpfchen und mentale Stärke. Viele Frauen spielen sehr elegant, und mit einem Minimum an Krafteinsatz erzielen sie ein Maximum an Schlägen. Dabei entdecken sie auch die kommunikativen und modischen Freuden dieses Spiels. Golf kann so schön sein, wenn sich frau auf der Runde sechs Stunden lang ungestört unterhalten darf.

Ich hatte einige Male den Vorzug, hinter einem Ladies Day-Turnier herspielen zu dürfen und war fasziniert, wie die Damen selbst schwierigste Lagen immer wieder gemeistert haben. Wenn nicht beim ersten, dann beim nächsten oder übernächsten Schlag. Alles kann, nichts muss, lautet das Credo dieser weiblichen Swinger-Nachmittage.

In dem Zusammenhang stelle ich mir oft die Frage, warum sich Frauen immer noch den absurden Golfregeln einer Männergesellschaft unterwerfen? Regeln braucht man vielleicht beim Fußball, beim Golf sind sie vollkommen unsinnig. Warum, zum Beispiel, wird ein Schlag gezählt, wenn der Ball gar nicht getroffen wurde? Viele Frauen machen gerne mal einen Luftschlag. In dieser Bewegung liegt viel Anmut und Ästhetik.

Und warum gelten Bälle als verloren, nur weil sie nicht da sind, wo sie sein müssten? Nach Jahrhunderten patriarchalischer Unterdrückung sollte sich eine moderne Frau keinen Strafschlag anrechnen lassen, nur weil ein Ball nicht zu finden ist. Da gilt es, sich vom herrschaftlichen Diktat zu lösen. Ganze Völkergruppen, besonders aus dem asiatischen Kulturraum, haben diesen emanzipatorischen Schritt längst vollzogen, lassen kleinkrämerische Erbsenzählerei hinter sich und notieren nur noch die gelungenen Schläge.

Ich plädiere auch für die Abschaffung des Damen-Abschlags, diesem traurigen Relikt einer diskriminierenden Männergesellschaft. Frauen brauchen keinen Damenabschlag, zumal sie beim Golfen erhebliche Vorteile haben: Weniger ausgeprägte Muskeln sorgen dafür, dass eine Frau mehr schwingt und weniger Kraft einsetzt. Da Frauen meist kleiner als Männer sind, können sie besser unter hängenden Ästen herausspielen.
Zwar fehlt ihnen etwas Beschleunigungsweg, folglich haben sie auch eine geringere Schlägerkopfgeschwindigkeit, aber dafür fliegt der Ball auch nicht so weit ins Aus. Weniger Kraft in den Unterarmen sorgt dafür, dass frau in schwierigen Lagen den Kopf benutzt, bevor sie zuschlägt.

Cartoon: Peter Ruge


Eine Golflehrerin meinte, dass große Brüste beim richtigen Schwingen behindern, was ein Nachteil wäre: »Die Drehbewegung und der Hub der Arme können hierdurch beeinträchtigt werden und zu Problemen führen, den Golfschwung technisch korrekt auszuführen«.
Fairerweise muss man sagen: Für Männer ist das doch noch schwieriger!Meine Umfrage unter Golfern ergab, dass 90 % aller Männer nicht mehr in der Lage sind, den Golfschwung technisch korrekt auszuführen, wenn sie Frauen mit großen Brüsten sehen. Deshalb: Weg mit dem Damenabschlag!

Übrigens, meine Herren, auf ein Wort: Manche Machos und Alpha-Tierchen unter uns meinen immer noch, hinter einem Damenvierer drängeln zu müssen.
Ich kann Sie nur bitten, Gentlemen zu bleiben oder endlich zu werden!
Es ist golferische Etikette, zumindest internationale Gepflogenheit, dass sich ein Damenflight nicht dann weiterbewegt, wenn alle geschlagen haben, sondern erst dann, wenn der Satz beendet wurde, den eine Spielerin eigentlich noch sagen wollte, bevor sie durch den Schlag ihrer Mitspielerin unterbrochen wurde.
Sonst kann man sich ja überhaupt nicht mehr unterhalten! Schließlich soll das Golfspiel der Entspannung dienen und da können viele Männer von unseren Damen nur lernen.

© by Eugen Pletsch 2010

Das PRO/AM Dinner

Der Höhepunkt eines Pro/Ams ist die Abendveranstaltung!

Veranstalter, Sponsoren, Funktionäre und Funktionierende im großen Reigen kulinarischer Genüsse. Gewöhnlich werden die Flights zusammengesetzt. Manchmal sind sogar die Pros dabei, die sich nach der Siegerehrung verabschieden dürfen, weil sie am nächsten Tag früh raus müssen.

Meist erkennt man weder den Pro noch die Mitspieler vom Tage, wenn sie da frisch gewaschen und gebügelt im feinen Zwirn zum Willkommenstrunk zusammenstehen und Visitenkarten austauschen. Der dröge Schnarchsack, der die Runde zum Golf-Trauma werden ließ, verwandelt sich in einen eloquenten Banker und die Hackerin, die im Bunker auf der 17. Bahn den Tränen nah waren, ist plötzlich, nach einer Komplettrestauration von Maske und Mode, jene Dame aus dem Fernsehen, von der man nicht genau weiß was sie macht, außer das sie „prominent“ ist.

O-beinige Ex-Fußballer und alle Olympiasieger seit Berlin 36 werden herangekarrt, um sich in den Dienst eines guten Zweckes zu stellen, denn verlost wird immer irgendetwas, was den Bruchteil der Summe einbringt, die der Abend kosten wird.
Dann kommen die Ansprachen. Wohlgemerkt vor dem Essen. Spieler und Professionals, die seit der letzten Verpflegung im Halfway-House vor einigen Stunden nur ein schnelles Glas Prosecco beim Empfang in sich reinschütten konnten, stürzen sich auf die Weißbrotscheiben, die auf den Tischen stehen. Jeder hat Hunger, aber keiner sagt es. Alle sind nett und höflich.

Über die falsch eingestellte Lautsprecheranlage wabert die Stimme des Hausherrn durch den Saal: „Ja, es war ein herrlicher Tag, es wurde gut gespielt, es wird nachher große Überraschungen geben, denn mit 12 unter Par als Gruppenergebnis gewinnt man heute keinen Blumentopf, um ein paar voreilige Hoffnungen zu dämpfen, aber mehr dazu später, nach dem Dinner. Zuerst sei den Sponsoren gedankt, die das Ganze möglich gemacht haben, natürlich auch den Greenkeepern, die seit Monaten Tag und Nacht daran gearbeitet haben, dass auf einer nassen Dorfwiese irgendwo im Nirgendwo endlich Golf gespielt werden konnte, (was er so natürlich nicht sagt). Nach dem Wettergott wird den vielen freiwilligen Helfern gedankt, die durch ihren unermüdlichen Einsatz dazu beigetragen haben … alle klatschen artig.

So, und jetzt, bevor es losgeht, mit dem wunderbaren Essen aus der berühmten Hotelküche (deren Koch seine Kompetenz für Großveranstaltungen aus seiner früheren Tätigkeit in der Kantine eines Altenheims bezog), möchten wir Ihnen noch unseren Hauptsponsoren, den Herrn Häberle, vorstellen, den Vorstandsvorsitzenden von Küchen Häberle. Ein rotbackiger, kleiner Mops erhebt sich vom „Prominententisch“, wo die Tour-Granden mit den Größen aus Politik und Wirtschaft intime Gespräche führen, was zu neidischen Blicken von den anderen Tischen führt, wo sich der Mittelstand mit einer eher halbseidenen Prominenz begnügen muss.

Ja, der Herr Häberle. Er hat das Mikrofon fast im Mund. Die Anlage jault auf, die Boxen fiepen. Sein Vater, erzählt er, habe damals, in den 60ger Jahren, die Vision gehabt, ein Küchensystem zu bauen, das auch Atombomben Stand halten würde: „Die Welt vergeht, aber Häberle steht!“ Ein Brüller?  Nicht bei uns. Es wird schmallippig geschmunzelt. Mein ausländischer Pro, der kein Wort versteht, schaut glasig in sein Wässerchen. Häberle kommt in Fahrt und beschreibt nicht nur die Modellbaureihe Hiroshima, sondern auch die Vorzüge der neuen „Klapp und Weg“- Konstruktion, die weltweit patentiert wurde.
„Seit es Klapp und Weggibt, hat kein Kind mehr Finger in der Brotmaschine lassen müssen! Nicht bei Häberle!“, ruft er drohend und lässt ahnen, was sich in anderen Küchen abspielen könnte. Jetzt schlägt Häberle eine Resopalbrücke zum Golfsport, der ihm in den wenigen Monaten, die er bereits spielt, schon so manchen Strich durch den eng gefüllten Terminplan gemacht hat, denn so richtig Zack und Wegwill sein Ball noch nicht fliegen. Ob er mal einen Golferwitz erzählen soll? Nacktes Entsetzen breitet sich aus, aber das scheint Häberle nicht zu merken und er, der Golf-Frischling, gibt eine Klamotte zum Besten, die alle Golfer seit Jahrhunderten kennen, nur die Olympiasieger nicht, worauf sie die Pointe noch mal ins Hörgerät gebrüllt bekommen.

Ein guter Moment für den Veranstalter, dem Herrn Häberle noch mal großzügig für sein Sponsoring und den 1. Preis der Tombola, eine echte Klapp und Weg Brotmaschineaus dem Küchenhaus Häberle zu danken. Häberle tritt ab, Klapp und Weg, alle atmen auf, haben Hunger und die Kellner scharren mit den Hufen, denn draußen wartet eine Kreation von kleinen Wachtelärschen und Taubenmus auf Cannabis-Creme.

Cartoon: Peter Ruge


Tja, man könnte jetzt essen, aber – wumms – geht die Tür auf und der Herr Landrat schiebt sich gewichtig zum Prominententisch. Oh, die Termine! Man habe sich verspätet und drei Veranstaltungen hat er noch, heut Abend, mal ohne die Bordelleröffnung gerechnet, von der er aber nichts erzählt. Der Veranstalter nimmt das Mikro und stellt den Herrn Landrat vor, der es sich nicht nehmen lassen möchte, ein paar Worte an die vielen, und wie er hörte auch außerordentlich prominenten Gäste zu richten, die den Weg nicht gescheut haben, diesen herrlichen Flecken Heimat zu besuchen, den er als Landrat seit mehreren Jahren regieren darf.

„Golfer haben bekanntermaßen viel Zeit, im Gegensatz zur arbeitenden Bevölkerung“, beginnt er. Dazu lacht er: „Ha Ha Ha“. Offensichtlich glaubt er, wir hätten schon gegessen und würden auf ihn und den Nachtisch warten. Er erzählt natürlich nicht, wie er Landrat geworden ist: Er wirkte seinerzeit federführend in jener Behörde, die für den Golfplatzbau zuständig war. Leider gab es gewisse Probleme, denn der Platz sollte einerseits an einer Stelle erbaut werden, die manchem eingeweihten Spekulanten ordentliche Gewinnen bringen würde, andererseits jedoch den kleinen Haken hatte, dass weite Flächen unter Naturschutz standen. Aber dank seines Einsatzes in der Bündelung gewisser kreativer Synergien konnte diese wunderbare Sportstätte letztendlich doch geschaffen werden und als der alte Landrat, ein Hubertus-Jünger, unglücklicherweise der Selbstschussanlage seiner illegal erbauten Jagdhütte zum Opfer fiel, trat er die Erbfolge an.

Oh ja, er fühle sich dem Golfsport sehr verbunden, erzählt er fröhlich, auch wenn er selbst nicht spielte, den einer müsse ja noch was arbeiten … Ha Ha Ha. Er gluckst. Es folgt verhaltener Beifall vom Prominententisch. Mein Pro kippt nach vorne, fängt sich aber wieder. Das Weißbrot ist zermalmt, das Tischwasser verdunstet. Vielleicht hört er jetzt auf … aber nein. Jetzt beginnt er seine schöne Heimat mit den Sehenswürdigkeiten zu beschreiben. Es möchte uns alle herzlich einladen, hier mal Ferien zu machen. Mal ordentlich auszuspannen! Die gute Küche habe man ja bereits gekostet, womit er vermutlich das Weißbrot meint, dass wir mit dem rosafarbenen Designerfett bestreichen durften.

Hunger kriecht durch den Saal. Und Wut? Würde es einen Aufstand der Wohlstandsgemäßteten geben, die mittlerweile unterzuckert an ihren Servietten knabberten? Wie lange sollten wir diesem Schwafler noch zuhören. Aber plötzlich, mit einem Blick auf die Uhr, verabschiedete er sich. Ich weiß nicht, wer noch die Kraft zu diesem höflichen Klatschen fand, das ihn auf dem Weg zum nächsten Termin begleitete. Warum gibt es keine Etikette für Abendveranstaltungen? Oder gibt es die?

Dann kam das Essen. Es sah gut aus, war aber nicht besonders. Zu viel fürs Auge, zu wenig für den Geschmack. Das kann ich beurteilen, da kenne ich mich aus.

© by Eugen Pletsch 2010

Die Rindswurst

Trotz veränderter Lebensbedingungen unterscheiden wir uns genetisch nicht von unseren Vorfahren, die vor 100000 Jahren Jäger und Sammler waren.
Heute ist körperliche Bewegung in westlichen Ländern die Ausnahme. Nur die Heere der Kolonialmächte sowie die Golfer bewegen sich noch physisch, um ihren genetischen Beute-Auftrag zu erfüllen.

Die Abbildung zeigt Schorsch Lawitzky (der auf seiner Jagd-Runde mehrere Bälle aufsammeln konnte, bevor er dann das 1. Netto der Klasse C erbeutete), beim Verspeisen einer Rindswurst.
 

Cartoon: Peter Ruge

Die Rindswurst, die der Clubgastronom von einem Gammelfleisch-Händler erstanden hatte, besteht aus gemahlenen Schlachtabfällen, Schweinegekröse, Kotresten, Rinderzahnfleisch, Lippen, Schlund und Depotfett, die mit Nitritpökelsalz E50, sowie Natriumnitrit, E252, E302,E301,,E575, E620, E450a und Milchsäure (als Kutterhilfsmittel zur Verbesserung des Wasserbindevermögens) angereichert wurde.

Da es sich um die letzte Wurst auf dem Grill handelte, musste der frühere Bauarbeiter und heutige Inhaber einer Agentur für Leiharbeit Schorsch Lawitzky gegenüber den Handchirurgen Dr. Fenzel-Fädrich handgreiflich werden, indem er androhte, ihm alle Finger zu brechen, sollte er erwägen, sich dieser letzten Rindswurst zu bemächtigen, wobei sich Schorsch Lawitzky nicht so gewählt ausdrückte, sondern nur knurrte: „Fass meine Wurscht an und ich brech‘ dir deine dürren Flossen, du Schwuchtel!“

Dieser deftige unter Golfern mittlerweile etablierte Umgangston veranlasste Dr. Fenzel-Fädrich den Schwanz einzuziehen. Er entfernte sich sofort vom Grill und wandte sich einem wässrigen Salatblatt ohne jedwede Nährstoffe zu.

Schorsch Lawitzky’s Kommentar zur Wurst war „Gar nicht so schlecht!“, was den Gastronomen in seiner Überzeugung bestärkte, dass der billigste Dreck für diesen Sauhaufen gerade gut genug ist.


© by Eugen Pletsch, 2011

Champions hole everywhere!

Alwin Schopenhauer, in väterlicher Linie um ein paar Ecken verwandt mit großen Philosophen, hielt sich an seinem Putter fest und plätscherte mit den Füßen im Teich am Grün der 15. Bahn (PAR 3, 147 Meter).


Er dachte nach. Dabei konnte er sich an viele Geschehnisse in seinem Leben erinnern. Zum Beispiel an seine Firmung, seine Ängste vor einem frühen Tod nach dem (fiktiven) Biss einer Blindschleiche, seine Einschulung, bei der ihn seine dicke Tante Herta begleitete (seine Mutter war indisponiert) und seine erste erotische Erfahrung, die er mit 12 Jahren auf einem Bauernhof im Fränkischen machte, als er mit Sonja Lippschild im Heu balgte und sie dabei mit den Armen so fest umschloss, dass er ihr Herz pochen hörte.
Er erinnerte sich in allen Einzelheiten an seinen beruflichen Werdegang als Bauzeichner und seine Heirat mit Elvira Stütz-Mauser, die darauf bestand, fürderhin Frau Stütz-Mauser-Schopenhauer genannt zu werden. Nur die Gründe, die nach kurzer Zeit zur Scheidung führten, waren ihm im Moment nicht ganz präsent.

Dafür umso lebhafter die Erinnerungen an seine ersten Versuche auf dem Golfplatz unter Anleitung des schottischen Golfprofessionals Alan Jets, der ihn auf traditionelle Weise in die Geheimnisse jenes königlichen Spiels einweihte, dem er sich alsbald mit einer solchen Inbrunst hingab, dass seine Frau die Scheidung einreichte (ach ja, da haben wir es: Das war der Scheidungsgrund!).

Befreit von häuslichem Unfrieden konnte Alwin sein Handicap in jenem sagenhaften Sommer 97 (in dem aber auch wirklich alles klappte) auf seine persönliche Bestmarke von 16,4 senken, was er, der er im Club als der „knauserige Alwin“ bezeichnet wurde – ausgiebig und unvergessen – zu feiern wusste, in dem er seine Spielpartner zu der Flasche Apfelschorle einlud, die sich noch halbvoll und leider etwas angewärmt in seinem Bag befand.
Schließlich – er wusste es noch wie heute – gewann er 2004 die Seniorenclubmeisterschaft, wozu ihm sein früherer, mittlerweile verrenteter Pro Alan Jets mittels einer Humor-Postkarte gratulierte, die in Glasgow abgeschickt wurde. Die Postkarte zeigte das entblößte Hinterteil einer jungen Dame sowie die Aufschrift „Champions hole everywhere!“, was ihm im Moment der Zustellung durch eine junge Postbedienstete sehr peinlich war.
An all diese Dinge konnte er sich also sehr gut erinnern, nur an eines nicht: Warum er am Grün der 15. Bahn (PAR 3, 147 Meter) saß und mit den Füßen im Teich plätscherte. Wie er dahin gekommen war, daran konnte er sich beim besten Willen nicht mehr erinnern.

PS: Schopenhauers Hausarzt Dr. Meuselwitz, der, vom Marshall benachrichtigt, mal rasch mit dem Cart von der 11 rüberfuhr um nach dem Rechten zu sehen, fand Schopenhauers Zustand nicht besorgniserregend. „Erinnerungslücken sind in diesem Club wie ein Virus“ sagte er lachend, womit er auf die Zählgewohnheiten seines Clubkameraden Hubert Kleinschmidt anspielte.

Der Krake

Achten Sie – bei normalen Temperaturen – auf Männer mit roten Köpfen. Die haben ein Laufpensum hinter sich, das der dreifachen Platzlänge entspricht. Achten Sie auf Kratzspuren von Fichtenzweigen oder Himbeerbüschen an den Armen, Blut- und Schlammspritzer an den Beinen, Froschlaich im Haar!

Diese Burschen kommen aus der Hölle und warten darauf, Ihnen genau zu erzählen, wie es dort aussieht. Sie sitzen wie Kraken mit ihren roten Köpfen beim Pils an der leeren Bar. Ihre schleimigen Fußangeln liegen unsichtbar auf die nächsten drei Barhocker rechts und links drapiert. Wenn Sie sich leichtfertigerweise auf einem dieser giftigen Saugnäpfe niederlassen, kommen Sie nicht mehr los. Das fängt dann so an: Der Mann mit der roten Birne wendet sich Ihnen in dem Moment zu, wo Sie Ihr Bier an die Lippen setzen.

»Schon geschpielt?«, fragt er, und seine trüben Tiefseeaugen verengen sich zu Schlitzen.

Mit dem Glas am Mund können Sie nur reflexartig verneinen, wobei Ihnen die Brühe rechts und links über die Backen rinnt.

Mit einem Satz wird der männliche Krake mit einem Lappen, den er zu diesem Zweck hinter dem Tresen bereithält, auf dem Hocker neben Ihnen sein.

Während Sie der nasse Tölpel sind, wischt er schon eifrig an Ihnen rum und meint unschuldig: »Kannema vorkomme.« Und dann: »De Platz is ebbes voll drauße, abber isch muss saache, es schpielt sisch schön!«

Was Ihnen jetzt noch als plumpe Form oberflächlicher Kommunikation erscheint, wie man sie in den USA findet, werden Sie Stunden später, nachdem die Krake Sie mit seinen Geschichten durch alle Wälder, Sandgruben und Gewässer des Platzes geschleift hat, in grauenhafter Erinnerung behalten. Nachdem Sie ihm für seine Hilfsbereitschaft höflich und dumm ein Bier bestellt haben, ist er zwei Schluck später so weit zu sagen: »Tringe mir noch eins? Das geht dann abber uff mich!«

Selbstverständlich protestieren Sie pflichtschuldigst und so wird er bei allen Bierchen, die dann folgen, immer Ihren Deckel hinschieben. Das einzig Gute an der Sache ist, dass Sie ziemlich bald betrunken sind.

Cartoon: Peter Ruge

Von Ferne hören Sie ihn lallen: »… Ball gepuscht … Rischdung Deisch … isch also nachgelade, aber widder rechts raus. Desgibtsjagaanet! Abber es ging ja um nix! Isch also vor und will dann da drobbe. Abber isch seh mein Ball, wie der uff dere Endeinsel liescht. Du kennst doch die klei Insel da, an der 14, bei dem Deisch, da an der 14, na, wo da des Ökodinges iss, weißt schon! Isch also, Schuh aus und rübber. Da liescht de Ball in dem Scheißdrecksendenest. Habb mir beim Schlaach die ganz Hos mit dene Endeeier versaut. Fett getroffe, abber de Ball e’rübber. Isch liesch gut uffm Färwäi. Da hör ich des Geplärr, also isch hab wohl den Ärbel voll im Rückschwung erwischt und des kreischt, des Vieh, des kreischt …!«

Sie sehen noch seine Hände fuchteln beim Versuch, Ihnen zu zeigen, wie er den Erpel erlöst. Dann, schon nach wenigen Schlägen, erreicht er das Grün des Par 3, aber den Putt verrutscht er, weil ihm das ganze Blut von dem Viech an den Fingern klebt. Endlich hat Ihr Kreislauf Erbarmen und Sie sinken vom Hocker, in ein erlösendes Koma. Der Krake löst die Saugnäpfe, um sie nach einem neuen Opfer auszuwerfen.

Also, meiden Sie die Bar!

Alte Golfclubs

Alte Golfclubs, wie ich sie noch in den 1980er Jahren kennenlernen durfte, gibt es heute eigentlich nicht mehr. Es war die Zeit, als Golfclubs noch Wartelisten hatten und ein Vierer-Flight 18 Loch in 4 Stunden absolvieren konnte. Das nachfolgende Kapitel stammt aus meinem Buch Der Weg der weißen Kugel ….

Alte Golfclubs sind mangels Beschilderung kaum zu finden. Meist nur zu Pferde oder per Unimog erreichbar, stehen die villenartigen Clubhäuser hinter uraltem Baumbestand dort verborgen, wo man sie am wenigsten vermutet.

Im Eingangsbereich knarzen Ledergarnituren im Sperrmülldesign. Das Restaurant hat den Charme eines kleinen Cafés an der Ostsee vor der Wende. Kein ordinärer neuer Protzpalast, wo die Tasse Kaffee vier Euro kostet. Nein! Das Restaurant ist fast leer und etwas schmuddelig. Was soll es auch zu kaufen geben, für Leute, die bereits alles haben. Und wenn , dann bitte billig. Man kann noch in DM bezahlen, da keiner der Mitglieder diesem neumodischen Euro-Spielgeld traut

Kaffee gibt es auf der Veranda nur in Kännchen, dazu frisch aufgetauten Käsekuchen und als Dessert Fürst-Pückler Eis. Im Glasschrank hinter der Bar steht eine Afri-Cola Flasche im Flower-Power-Pop Design von Charles Wilp, die dort seit vierzig Jahren sinnlos ihren trüben Gedanken nachhängt.

Auf dem Weg zur Toilette sind Hinweise für die Offiziere der Besatzungsmächte in drei Sprachen angebracht. Das Pissoir hat noch Abtrennungen zwischen den Becken, die Reizblasen vor dem ersten Abschlag besonders zu schätzen wissen.

In den Garderoben mit dem Geruch englischer Internatsturnhallen stehen Holzspinde. Verkrustete, ungeputzte Schuhe stehen herum. Die Schlammschlacht der Senioren-Clubmeisterschaft (und eine andere wird gar nicht gespielt), hängt ihnen noch an den Hacken.

Ich liebe es, wenn diese alten Schmuddelburgen eines dekadenten Industrieadels in der Abendsonne lange Schatten werfen.

Im Clubrestaurant, so Ihnen der Zutritt gestattet wird, sind Sie meistens alleine. Nehmen Sie Platz auf einem der alten Stühle, auf denen schon Henry Cotton vor dem Krieg saß. Ein einsames Krüstchen beäugt Sie misstrauisch und während Sie am Gebäck nagen, versucht sie, ihre Perlenkette mit der Serviette zu bedecken. Durch das Fenster sehen Sie den Stuart, den Pro, der gerade auf einer Streuobstwiese eine Golfstunde an eine der wenigen Damen unter siebzig gibt, die nach einer Hüftgelenksoperation ihre originelle Methode auffrischen möchte, den Ball in irgendeine Richtung zu befördern.

Skizze: Peter Ruge

Es ist vielleicht seine erste bezahlte Stunde in diesem Monat und der Pro ist gut gelaunt. Ihm ist vertraglich zugestanden, dass er neben einer warmen Suppe und etwas Zwieback am Tag (gegen eine geringe Gebühr) im Schuppen hausen darf, wo er für fünfzig Cent pro Ball Federn in aufgerissene Lederkugeln zurückstopft. Während die rekonvaleszente Dame Fetzen aus der zerschlissenen Abschlagsmatte hackt, schaut er zufrieden zum Clubhaus. Dort haben sich gerade mehrere alte Knaben ein Glas Mineralwasser geteilt und steuern dem ersten Abschlag entgegen.

Dr. Fahrenbach donnert mit seinem Walter Hagen Persimmon Brassie einen gemopsten Rangeball in die Büsche. Da sich der farbige Einsatz im Schlägerkopf im Vorjahr gelockert hat, hegt der Pro die berechtigte Hoffnung auf Umsatz. Kein neues Holz, nein – aber für einen Heiermann bar auf die Kralle wird er dem Fahrenbach heute Abend den Schläger reparieren und in diesem alten Clubs kann man für fünf Euro noch ordentlich essen.

Altes Geld wird nur älter, wenn man es nicht ausgibt. Altes Geld sieht auch bei uns sehr englisch aus, sprich: ist entsetzlich gekleidet und spielt noch aus Leinentaschen mit Schlägern, die selbst langsam wieder an Wert gewinnen. Richtig altes Geld spielt neuere Schläger, etwa zwanzig Jahre alte Blades in hässlichen Kunstledertaschen. Sie tarnen sich damit, denn sie wissen, welche Art Blut die jungen Frettchen suchen, die sich auf ihre heiligen Rasen schleichen, um einem armen Milliardär mit einem Schwächeanfall in einem Bunker hinter dem 13. Grün eine Anlagebeteiligung aufzuschwatzen, bevor der Notarztwagen kommt.

Statussüchtige Alpha-Männchen aus den Vorstandsetagen, gepaart mit ihren habgierigen Weibchen, sind nur von einem Wunsch getrieben: eine Mitgliedschaft in einem dieser alten Clubs. Aber die haben eine Warteliste, die seit Jahren verschollen ist. Deshalb werden die Weibchen der Alpha-Männchen schier wahnsinnig, wegen des gesellschaftlichen Druckes sozusagen, der dadurch entsteht.

Die Geschäfte, sofern es welche gibt, führt bisweilen eine ehrenamtliche Xanthippe, die die Frauenmeisterschaften im Gau Baden gewann, bevor der Führer dem Spuk ein Ende bereitete. Sie wird Sie kaum eines Blickes würdigen und Ihnen nur zublaffen, dass kein Reinigungsdienst benötigt wird, solange der alte Caddymeister die Waschräume putzt (in denen er schließlich auch schläft).

Der Gastronom ist freundlicher. Schließlich bedeutet ein Gast, der vermutlich nicht auf den Platz darf, Umsatz. Für wenige Euro können Sie sich mal so richtig die Naht geben, essen und voll laufen lassen, bis Sie irgendwann glauben, Sie halluzinieren: Während Sie in die wunderschöne, alte Parkanlage starren, entdecken Sie gekrümmte, schemenhafte Gestalten, die im Laub nach ihren Bällen scharren.

Da kann Fahrenbach, der Jungspund und Emporkömmling, dreimal laut »durchspielen« fordern, hinten auf dem Tee! Hier hört man nur das Geraschel gieriger Hände im Laub, die verzweifelt den Familienball, einen Dunlop 65, suchen, wie ihn schon Henry Cotton anlässlich eines Besuches in Bad Ems vor dem Krieg auf der 4. Bahn seitlich rechts ins Aus schlug.

Devote Geister schieben langsam einen Ständer mit Infusionslösung hinterher und achten darauf, dass sich der Herr Magnat bei seinem kurzen, wuchtigen Schwung aus dem Laub nicht in dem Schlauch verfängt, der zum Katheterbeutel führt.

Diese Anblicke sind unbezahlbar, seltener als Gorillas im Nebel der Seiser Alm und höchstens am Wochenende möglich. Während der Woche sieht man niemanden auf dem Platz. Draußen stehen tausend junge Golfer und scharren mit den Spikes. Aber nein. Hier wird ihnen nicht aufgetan. Es sind die letzten Refugien, die ein ordinärer Schweinehälften-Broker nicht mit seinem dummen Geschwätz von geilen Grüns in Florida verschandeln darf. Solche Orte muss es auch geben und die Allgemeinheit, die zur Finanzierung nichts beizutragen hat, sollte diese Jurassic Parks tolerieren. Vergessen wir also die alten Clubs vorerst und beschäftigen uns damit erst wieder ab Handicap 18 auf einer schönen Englandreise…

(c) by Eugen Pletsch