Anselm ‚Ringo’Benner (1952-2021)

Erinnerungen an einen besonderen Menschen und wunderbaren Musiker

Der Maestro in Aktion (Archiv Mudel)

Im Frühjahr 2022 erfuhr ich, dass der geniale Gitarrist Anselm ‚Ringo’Benner im Herbst 2021 verstorben war. Das hat mich sehr berührt (siehe auch meine Geschichte zum Schluss) und ich kontaktierte einige seiner Freunde mit der Bitte, Erinnerungen aufzuschreiben.
Ich hoffe, man verzeiht mir, wenn ich die Rückmeldungen von Ringos Freunden an dieser Stelle (auf einem FOLK-Blog) veröffentliche, aber hier sind die Texte und Bilder für alle einsehbar, können laufend aktualisiert und problemlos auf eine andere Plattform transportiert werden, sowie sich eine bessere Lösung anbietet.


PS: Alle Rechte bei den Autoren, redigiert habe ich nur auf Wunsch, persönliche Nachrichten an mich habe ich weitgehend entfernt. Die Bildrechte der Fotos sind in den meisten Fälle nicht ermittelbar. Deshalb sind die Archive derer angegeben, die mit die Fotos zur Verfügung gestellt haben. Eugen Pletsch

R.I.P. Ringo!

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Und so ging es dann los… mit einer Mail von Drummer Andy Herchen 26.6.2022

gude eugen,
ich habe mal angefangen die musiker zu fragen die mit ringo zu tun hatten bzw. mit ihm aufgewachsen sind und sie gebeten mir doch mal den ringo aus ihrer sicht zu schildern und da ist bis jetzt schon mal etwas vom karl (sax rabenjazz/ gospop) gekommen denn als geborener londorfer kannte er ringos erste musikalische schritte.

Karl W. Pfeil:
„Ich lernte Anselm Benner, später genannt Ringo, im Jahre 1964/1965 kennen. Er war damals so um die 14 Jahre alt. Ich, selbst noch minderjährig, spielte zu dieser Zeit in einer Tanzband und wir hatten regelmäßige Auftritte in der Copacabana-Bar, die sich in seinem Heimatort befand. Dort besuchte er uns oft und dort lernte ich ihn auch näher kennen. Auffallend war schon damals, dass er mit allen Konventionen brach. Er ließ sich in kein Schema einfügen. Es war offensichtlich, dass er einen ganz eigenen Lebensweg beschreiten sollte. Für großes Aufsehen sorgte in dem erzkonservativen Ort, dass er der erste war, der sich die Haare lang wachsen ließ. Als ein wildgewordener Mob ihn deswegen öffentlich die Haare schneiden wollte, mussten wir ihm helfend zur Seite stehen.
Einmal nahm er mich mit zu sich nach Hause und zeigte mir seine E-Gitarre. Schon beim Spielen merkte ich, dass er eine hochmusikalische Persönlichkeit mit absolutem Gehör war. Er legte „Dizzy Miss Lissy“ von den Beatles auf. Danach schnappte er sich die E-Gitarre und spielte sofort fehlerfrei das Gitarrenriff nach, das den Song so interessant macht. Diese Leichtigkeit und Souveränität und Virtuosität seines Spiels löste bei mir große Bewunderung aus.
Als sich unsere Band auflöste, verloren wir uns aus den Augen. Er zog auch weg. Er spielte in vielen angesagten Bands. Er war ein sehr liebenswerter Mensch.“
Karl W. Pfeil, 35466 Rabenau.

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Fragen an Hans Hoss 13.7.2022
1. Wie lange kanntest Du Ringo?
Ich habe 1 -2 Jahre nachdem ich 1972 nach Giessen kam im Scarabee kennengelernt.
Damals gab es die Giessener Musikinitiative bei ich aktiv mitwirkte, durch meine ehrenamtliche Tätigkeit im Jugendzentrum Giessen übernahm ich die Leitung der Musikabteilung, inkl. Proberaum, was uns die Möglichkeit zum kostenlosen Proben gab.
Mit Anselm gründete ich dann die sagenhafte Band: Benner, Hoss & Co. berühmt durch endlose Sessions in der Teestube Giessen.
Zweimal im Monat mit wechselnden Mitspielern neben uns beiden (Anselm Gitarre, ich Schlagzeug) ich wurde dabei regelmäßig von Thünn (Chef Teestube) zum Schlagzeug Solo gezwungen, da dieser meinte er fände nur Trommeln gut, Töne würden ihm nichts sagen.
2. Wie hast Du ihn erlebt?
Da ich etliche Jahre mit ihm gewohnt habe, habe ich ihn in all seinen Facetten erlebt.
3. Hast Du mit ihm musikalisch gearbeitet
Neben Benner, Hoss und Co. . stieg Anselm als zweiter Gitarrist in die Cover Band BONGO ein. (Alex Simonow, Gesang, Paul Müller, Bass Helmut Pott, ersetzte Paul Müller, Karlheinz Weber, Gitarre, Rainer Schröter, Keyboard, Hans Hoss, Schlagzeug). Die Band war recht erfolgreich mit 70 – 80 Auftritten pro Jahr. Außerdem hatten wir noch verschiedene Session Trios an die mich nicht mehr erinnere
4. Wart Ihr Freunde?

Gute Frage: eher Hassliebe, weil mir seine Trunk- und Drogensucht ziemlich an und auf die Nerven ging.

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Helmut Pott (MUDEL) 15. Juli 2022

Hier spricht der Mudel (Helmut Pott), ein alter Weggefährte von Anselm in den siebziger Jahren. Ich kam 1974 nach Gießen zum Studieren. Dort bekam ich Kontakt zur Musiker-Initiative Gießen (M. I. G.), die sich im JUZ am Brandplatz traf und wo Musik gemacht wurde. Dort trafen sich immer jede Menge Rock – Enthusiasten und Jammer. Ich spielte Bass, was ich bis heute tue. (u. A.)

Jemand von den Musikern nahm mich mal mit zu Ringo, der damals in einem Studentenwohnheim im Brandweg in Kleinlinden wohnte. Ich hatte von ihm gehört, kannte ihn aber nicht. Dort wirkte alles ziemlich chaotisch, aber in Ringos Bude hatte alles irgendwie seinen Platz. Anselm selbst wirkte etwas heruntergekommen, was vielleicht an den Substanzen lag, die er damals nahm und die man besser nicht zu sich nimmt. An der Wand hing der heilige Gral, Ringos weiße Gibson SG.* Wer seinem Instrument zu nah kam, bekam Ärger mit Anselm. Nur gucken, nicht anfassen!!!

Wie auch immer, wir freundeten uns an, zogen um die Ecken, machten Musik zusammen und hatten eine gute Zeit. Unser zweites Zuhause war das Scarabee oder die Oktave. Das hat mich so manches Lawinsche (Ringos Bezeichnung für Flasche Bier) gekostet, weil Anselm eigentlich immer blank war. 
Eine Zeit lang spielten wir zusammen bei der Band Convoy, wo auch Tommy (Keyboards), Hans (Drums) David (Gitarre) und Fippo (Gesang) dabei waren. Holte jemand von uns Anselm zur Probe oder zu einem Gig ab, war es reine Glückssache, ob er fertig war oder in welchem Zustand er sich befand Irgendwie ging’s dann schon. Ringo war halt in meinen Augen ein liebenswerter Chaot. 

Dei Band CONVOY Foto: Archiv Tommy Kastl

Ringo war ein gigantischer Solist auf der Gitarre mit einem Super Sound, den er mit einfachstem Equipment herbeizauberte. Er hatte eine unglaubliche Gabe, Töne und Stile zu hören und nachzuempfinden. Sein zweiter Vorname lautet schließlich auch Amadeus 😉

Er hatte alles drauf, von Eric Clapton über Jeff Beck bis hin zu allen Guitar-Heroes, die sich so tummel(te)n. Es gab keinen vergleichbaren Musiker in unserem Umfeld, wir schauten alle irgendwie zu Anselm auf. Die Rhythmusgitarre war allerdings nicht so sein Ding, die überließ er gerne anderen. Unterwegs war er auch eine Zeitlang mit der überregional bekannten Band Scriffis. Und Hans erwähnte mal, dass Ringo ein Angebot bekam, mit Joe Cocker zu touren. Warum daraus nichts geworden ist, lässt sich nur vermuten. Vielleicht hat der Antrieb gefehlt? Das Zeug dazu hätte er locker gehabt

Anselm kannte sich auch hervorragend mit Gitarrentechnik aus, stellte die Instrumente hervorragend ein und wusste, wie man sie modifizieren kann. Meinen alten Fender Jazzbass hat er damals umgebaut und technisch modifiziert. Ich spiele ihn immer noch genau so!!! Diese Fähigkeit hat ihm dann wohl auch einen Job bei Musikhaus Schönau eingebracht, wo er als Gitarrenspezi arbeitete. Zu dieser Zeit hatte Anselm nach meiner Einschätzung ein paar Jahre sowas wie eine bürgerliche Existenz. Er lebte mit Hans und Anke ein paar Jahre zusammen und hatte eine Freundin (sein ‚Mienche‘, wie er Frauen nannte). Wann und wie sich das alles änderte, weiß ich leider nicht. Ich habe Anfang der 80er mein Referendariat in Oberursel begonnen und bin dann 84 ganz aus Gießen verschwunden. So habe ich auch den Kontakt zur “ Szene“ verloren. Zu einigen alten Kumpels habe ich aber sporadisch Kontakt gehabt. Seit 2012 haben Tommy, Karl-Heinz, Peter und ich wieder gemeinsam eine Band, wo auch Dale ab und zu mitmischt: https://mudel5.wixsite.com/steambenders

Daher weiß ich auch, dass Tommy und Peter und Manni Kube bis vor ein paar Jahren in Wetzlar eine Band hatten. Die wurde dann aber aufgelöst, war wohl zu anstrengend…
Ich habe Anselm noch zwei Mal getroffen. Auf David Domines 50sten 2004 und Tommys 60sten 2011. Bei Tommy war von Anselm schon nicht mehr so viel übrig. Er machte einen etwas desolaten Eindruck. Wir haben lange gequatscht, ich konnte ihn aber kaum verstehen, lag wohl auch an diversen Substanzen…..Aber er hat Gitarre gespielt und in einigen lichten Momenten trat das Genie wieder zum Vorschein. Das hat mich gefreut und ziemlich beeindruckt. 
Tommy hatte bis vor einigen Jahren noch engeren Kontakt zu Anselm und die beiden haben bei Tommy ein Paar Stücke aufgenommen. Da gibt’s auch MP3 ’s von. 
Dale King hat dann einige Monate vor Ringos Tod Kontakt zu ihm aufgenommen  und ihn öfter besucht in Londorf, wo er zum Schluss lebte. Von Dale erfuhr ich auch von Anselms Tod. Das hat mich sehr traurig gemacht, obwohl es nicht unerwartet kam, aber ich hatte die Chance verpasst, Anselm vielleicht mit Dale gemeinsam nochmal zu besuchen und zu sehen. Schade!

Todesanzeige

Auf Anselms Beerdigung waren viele Wegbegleiter da, das war sehr schön! Anselms Bruder Alexander bat mich, mal nach den ganzen Instrumenten etc. zu schauen und sie zu taxieren. So bin ich dann nochmal in Anselms Bude. Da hatte sich so einiges angesammelt, von Hot bis Schrott. So wurde ich nochmal konfrontiert damit, wie Anselm die letzte Jahre zubrachte. Das war schon etwas hart zu sehen aber auch irgendwie zu erwarten. Um etwas DNA von Ringo für mich zu retten, habe ich Alex Ringos Arbeitspferd der letzten 30 Jahre abgekauft, eine schwarze Fender Stratocaster, die ich in Ehren halte.

Ringos schwarze Strat (Photo Privat)

Von Alexander weiß ich, dass es Ringo sehr wehgetan hat, dass die Oldies ihm gekündigt haben. Ich schätze, er war dort zum Schluss auch kein zuverlässiges Mitglied mehr. An seinen Fähigkeiten kann es mit Sicherheit nicht gelegen haben. Und wen es interessiert: Einer seiner legendären Sprüche war „So genau fi..t doch kein Pfarrer!“
So, jetzt hab ich mich ziemlich ausführlich an meinen alten Kumpel Anselm Ringo Benner erinnert. Es ist nicht alles nur positiv, aber ehrlich.  Ich hoffe, du kannst was damit anfangen.
Mudel

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Peter Dampf  vom 21.7.2022

Musik mach ich wieder seit 1986…mit Fippo (G. Meinhardt), Jürgen Bender/dr und Karlheinz Weber/guit als Bassist bei Bruno Brunetti & die Hasardeure. Und nach Jürgens Tod dann mit den Steambenders  mit Mudel am Schlagzeug & voc, Tommi an den Tasten & voc sowie Karlheinz/ guit & voc und ich / Bass & voc.

An Ringo hab ich vier bleibende Erinnerungen:

1 )  Ein Live-Gig im Picasso-Keller (Gießen Bahnhofstraße) wo das Gefühl blieb, mit einem Zwillingsbruder von Jimi Hendrix gejammt zu haben! Ich glaube es war 1969 und die Haare gingen bis über die Schultern…

2 )  Ein Besuch (mit Begleitung) in der Uniklinik (Frankfurter Str.) bei Ringo und seinem ,Gilb‘ irgendwann in den 70ern, wo wir staunend feststellten, dass ,Amadeus‘ nicht an der Gelbsucht sterben wird – dafür ließ er sich viel zu wenig vom Gilb beeindrucken.

3 ) großer Zeitsprung. Ringos  Oldies-Zeit ist vorüber, Äppelwoi, ‚Lawinche‘ (Sixpack) und rauchendes oder chemisches Dope ist geblieben. Er residiert mit einer Frau in der Gießener Straße in einem Sechsfamilien-Mietshaus. Die Rollläden sind rund um die Uhr herabgelassen. Ringo ‚haust‘ nicht, er hat sich wie ein verletztes Tier in seine Schlaf-& Wohnhöhle zurückgezogen, sein Schreib-bzw. Arbeitstisch ähnelt seinem beim Musik-Schönau.

4) Es sind die 2000er Jahre, ich hole ihn einmal die Woche zum ‚Mussikmache’ mit der Wetzlarer ‚Krachband’ ab. Tommy hat mich dazu geholt, auf dem ehemaligen Philipsgelände in WZ ist der Übungsraum. Gemeinsam lassen wir die Hippiezeiten nochmal richtig hochleben, Cream, Hendrix, Thin Lizzy und natürlich: schöne lange Jam-Nummern. Eine Art Jungbrunnen, worre eij (wirklich jetz‘)!

De Perre (der hessische Petter = Patenonkel) hat immer ‚alles gegewwe‘, exakt auf den Punkt, wie ein Uhrwerk – wir haben nicht üben müssen für Kohle-Auftritte, wir haben tatsächlich Musik gemacht, for Fun  – we were free für 3 bis 4 Stunden, yeah…

Peter Dampf

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Die Krachband, Archiv Dave Domine


Tommy Kastl 30.7.2022
Wenn es hilft die Erinnerung an Anselm auf diesem Weg aufrecht zu erhalten, will ich gerne dazu beitragen.
Ich kannte ihn seit den frühen 1970er Jahren und war wie alle anderen erstaunt und begeistert von seinen musikalischen Fähigkeiten. Wie kein anderer in der heimischen Musikszene konnte er sich in sämtlichen Tonarten mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen und die Töne so fein und gefühlvoll modulieren, was vielleicht etwas im Widerspruch zu seiner sonstigen Art stand.

Dieses Staunen und die Begeisterung über seine musikalische Gabe hat im Lauf der Jahrzehnte nie nachgelassen. Da ich selbst leidenschaftlicher Hobbymusiker war trafen wir uns in zahllosen Jam-sessions und einigen Band Projekten wieder. 

CONVOY: Günther Meinhardt, voc., Anselm Benner, guit., Dave Domine, guit., voc., Tommy Kastl, keys, Billy, bass, Jürgen Balzer, drums. Irgendwann in den 1970ern, leider habe ich kein Tonmaterial mehr…

Foto: Privat Archiv

KICK ASS: Dave Domine,guit.,voc., Klaus Spring, bass, Anselm Benner, guit., Tommy Kastl, keys, Jörg Dobrick, drums.

Später spielte er viele Jahre lang in der Cover Band THE OLDIES mit und wir haben uns aus den Augen verloren. Parallel dazu war er auch in der KRACHBAND aktiv, die hier auf dem Neuhof, Leihgestern, ihren Proberaum hatte. Diese Auflistung ist sicher nur ein Teil seiner vielfältigen Aktivitäten.

Seit etwa 2010 trafen wir uns dann wieder zu gelegentlichen Jam Sessions in Wetzlar. Aus all diesen Sessions, die ich gegen nichts in der Welt eintauschen würde, ist leider sehr wenig an Tonmaterial erhalten geblieben. Dennoch war es mir vergönnt einige Momente festzuhalten bei denen er mich zuhause bei mir besuchte und ich ihn überreden konnte eine Gitarrenspur auf eine meiner selbstgebastelten Kompositionen zu spielen.
Tommy Kastl

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Dale King 30.7.2022
Singer, Songwriter, Bluesharp, Guitar

Ich traf Ringo um 1977. Wir spielten zusammen in einer Band in Gießen. Er war schon damals ein Meister der 6-saitigen E-Gitarre mit einem schönen Sound und virtuos.  Ringo war ein Mensch, der ein exzessives Leben führte und alles, was er tat, bis zum Äußersten trieb, Musik, Sport usw..

Wir lebten für eine kurze Zeit zusammen und spielten abends nonstop zusammen Musik. Für mich war Ringo ein freundlicher, friedlicher, humorvoller, schüchterner, Charly Chaplin-artiger Mensch. Im Laufe der Jahre hatten wir nur noch sehr wenig Kontakt. Kurz bevor Ringo verstarb, kreuzten sich unsere Wege wieder und wir hatten die Gelegenheit, eine schöne Zeit miteinander zu verbringen, Geschichten auszutauschen und ernsthafte Gespräche zu führen.
Ich werde nie seinen Gesichtsausdruck vergessen. Er brauchte nichts zu sagen, aber man konnte sehen, was er dachte. Und genau so spielte er auch seine Musik, indem er seine Gitarre die Geschichte erzählen ließ.

Dale King

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Friedhelm Marx,
ehem. Arbeitskollege Musikhaus Schönau


Ich kannte Ringo ca. 30 Jahre! Er war für mich kein Freund, aber ein nicht ganz unkomplizierter Arbeitskollege. Sein Auftreten gegenüber Kunden war nicht immer sensibel. Ich kann mich daran erinnern, dass Ringo eine Gitarre – die er reparieren sollte – zertrümmerte, weil sie einfach “ Schrott“ war. Er hat allerdings auch viele Gitarristen in den Laden gezogen, weil er ein begnadeter Gitarrist war. Wir versuchten Ringo mit den für Ihn passenden Aufgaben zu betreuen.  Leider hat das nicht immer funktioniert. Er war oft nicht kooperativ und auch unzuverlässig!

Irgendwann konnte unser damaliger Chef es einfach nicht mehr tolerieren.  Trotzdem hatte Ringo oft einen lockeren Spruch parat und war auch sonst ein humorvoller Typ.

Gemeinsam habe ich mit Ihm nie musiziert. Ich würde sage, er konnte sein herausragendes Potential / Talent  nicht “ an den Mann/Kunden bringen. Eugen, du hast immer nach dem „Meister“ gefragt als du in den Laden kamst!  Soweit. 
Friedhelm Marx

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Jürgen Balzer
Anselm Amadeus Benner – RINGO

Ich traf Ringo das erste Mal in den frühen Siebzigern, als er mit Erich Täger und Wolfgang Isengard das Stück „1983“ von der Electric Ladyland jammte. Später war ich Zimmernachbar im Brandweg 14, und wir spielten in der Band Convoy zusammen mit Tommy Kastl, Günther Meinhardt und Hans Bill. 1979 trennten sich dann unsere Wege und er stieg bei Kick Ass ein. Allerdings hatten wir immer mal wieder Jams mit den verschiedensten Leuten. Zwischendurch spielte er auf der LP Only A Star von Pell Mell aus Marburg mit. Dann ging Ringo zu den Oldies, zunächst als Bassist, später als Lead-Gitarrist. Nachdem er sich von den Oldies getrennt hatte, kam er zu Driftin’, der Band bei der auch ich spielte. 

Jürgen Balzer und Ringo jammen Foto: Archiv Jürgen Balzer

Ringos Stärke war sein relatives Gehör, d. h. er brauchte nur einen Basis-Ton wie A, und dann konnte er alle anderen Tonarten heraushören. Das erleichterte ihm das Nachspielen von Stücken. Im Laufe der Zeit lernte er immer mehr von Gitarristen wie Eric Clapton, Jimi Hendrix, Jeff Beck, Gary Moore und vielen anderen mehr. Doch am meisten interessierte ihn Allan Holdsworth, der Gitarrist der Gitarristen. So spielte er dessen schmachtende, jammernde oder klagende Gitarrenlicks immer wieder gerne. Allerdings blieb dabei die eigene Kreativität auf der Strecke: Es gibt kaum von Ringo komponierte Stücke. Ringo hatte auch das Talent, Gitarren „heiß“ zu machen mit verbesserter Saitenlage, Bundreinheit und anderen Eingriffen, was ihm einen Job beim Musikhaus Schönau einbrachte.  Sehr lange hielt das nicht, da er eigene Vorstellungen von Anwesenheitspflicht hatte.

In jungen Jahren war er berüchtigt für seine Unzuverlässigkeit – so konnte man nie sicher sein, dass er zum ausgemachten Zeitpunkt fertig zur Abfahrt war. (Stichwort: Socken waschen) Doch im gesetzten Alter entwickelte er sich zum Pünktlichsten von allen bei Driftin’ – jedes Mal wenn ich ihn abholte, stand er schon bereit mit Gitarre und Amp, ohne wenn und aber.

Jürgen Balzer

Ringo-Bands:

1976-79 CONVOY
1979 SCRIFIS
1980 SHORT CIRCUIT
1981-82 YOG SOTHOTH
1982-83 KICK ASS
1985-2007 THE OLDIES
außerdem KRACHBAND
2007-2012 DRIFTIN‘

Aufstellung: Jürgen Balzer. Ergänzungen erwünscht.

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Andreas Herchen, ‚Drommla‘ bei The Misfits)

Mit Ringo verbindet mich eine lange und teilweise sehr intensive Musiker Freundschaft. Das erste Mal dass ich Ringo live gesehen habe war im Jugendzentrum in Lich Anfang der 1980er. Ich glaube die Band hieß Kick Ass. Dabei waren Jörg Dobrik, Musikschullehrer in Lich. Nach der Schule war ich immer beim Schönau und wurde quasi täglich von Ringo beauftragt, e heiß Fleischwoschd mim Bredsche un e  Flasch Äppler  vom Metzger Meister im Seltersweg zu holen. Einmal war der Metzger zu, da habe ich woanders eingekauft und obwohl ich die Tüte weggemacht habe hat Ringo es trotzdem gemerkt.

Beim Schönau waren regelmäßig die üblichen Musiker Verdächtigen beim Ringo. Das Who’s Wo der hessischen Gitarristen- und Musiker Szene kam zum Ringo um die teuren Teile fachgerecht reparieren zu lassen. Ich habe jede Menge über Reparaturen gelernt und kostenlose Lebensweisheiten bekommen.

Eine seiner Top Musiker Tipps war, dass ganz egal wo man ist und was man tut: Man muss immer eine Subba Äx  dabei haben, sonst funktioniert gar nichts.

Die Subba Äx war eine Axt, die hinter seinem Werkstattstuhl an der Wand hing und die Ringo benutzen musste, wenn wieder Mal ein nerviger Schnösel die Gitarren Amps voll Aufriss, um eine Gitarre zu „testen“ und mit seinem  furchtbarem Gequietsche Ringo’s Ohren und Nerven strapazierte. Wenn mehrmalige freundliche Aufforderungen seitens Ringo, es doch mal erst mit Unterricht zu versuchen, von den Kids ignoriert wurden und ins Leere liefen, kam sein magischer Satz:“ Hör jezz uff, sonst lernste die Subba Äx kenne.“

Wenn selbst die allerletzte Aufforderung von den Schnöseln mit einem überheblichen Lächeln und weiteren Gitarren quälen ignoriert wurde, ging Ringo wortlos in seine Werkstatt, nahm die Axt von der Wand und mit einem breiten Lächeln hackte er das Gitarrenkabel durch. Mit lautem Geschrei verließ das nervige Balg dann den Gitarrenbereich und Ringo sagte nur: „Jetzt hat der die Subba Äx kenne gelernt.“
Natürlich kam dann der Chef hinunter an die Abteilung und wie üblich gab es wieder großes Zeter und Mordio.

Es war immer wieder beeindruckend zu sehen, wie Ringo unfassbar gut reparierte oder Gitarristen ihren Traum Sound in die Gitarre einbaute. Ich bin bis heute der Meinung, dass die Leute das gar nicht zu schätzen wussten, was der Ringo in hoher Qualität fertigen konnte.

Bei Ringo war immer was los und deshalb gibt es hunderte Geschichten, die ich erlebt habe.
Später, als sich unsere Wege dann trennten, haben wir uns im Irish Rover wieder gesehen und bei Konzerten von Greghost mit den Oldies, aber das sind andere Geschichten.

Andy Herchen

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Eugen Pletsch
Der Ausnahmekünstler, den sie ‚Ringo‘ nannten…

Anselm Amadeus Benner, von seinen Freunden und Musiker-Kollegen ‚Ringo‘  genannt, wurde am 14.4.1952 geboren. Er war somit zwei Wochen älter als ich, aber wir begegneten uns erst 15 Jahre später.
Bei einem „Beat-Festival“ (das meines Wissens von der Stadt Gießen im Saalbau des alten Martinshofs veranstaltet wurde), trat Ringo erstmals unüberhörbar in mein Leben – und das der anderen Zuhörer.
Er war Gitarrist in einer Band („The Jewels Four“ oder so ähnlich), die mit ihren Glitzer-Jacketts eher in einem Strip-Club gepasst hätten. Ringo (ohne Glitzerjoppe) rockte den Laden derart, dass der Veranstalter abbrechen wollte, aber die Menge kochte und Ringo hörte nicht auf zu spielen bis der Hausmeister den Hallenstrom abschaltete. Unvergesslich!

1969 hing ich mit Hippies, Droogies und Folk-Musikern meist im „Haarlem“ ab, der damals angesagten Musik-Kneipe. Im Hinterhof gab es ein schmales Gebäude, in dessen Oberstock Musiker übten. Dort hörte ich Ringo, der „1983“ von Jimi Hendrix neuer Platte „Electric Ladyland“ spielte. Ich hatte mir diese Doppel-LP mit Hendrix‘ Surround-Effekten gerade verkauft und war vollkommen verblüfft, dass sich jemand wagte, diesen Song nachzuspielen. Aber Ringo spielte ihn in Perfektion und – soweit ich mich erinnere – sogar mit dem Stereo-Effekt, der den Song so spacy macht.

Die nächsten Jahre trafen wir uns immer mal wieder. Wir waren keine dicken Buddys, aber Ringo begegnete mir stets freundlich und respektvoll, was vielleicht daran lag, dass auch ich ihn während seiner Gelbsucht im Krankenhaus besucht hatte. Später hörte ich dann von seinem Job im Musikhaus Schönau und seiner Fähigkeit, Gitarren spielbar zu machen.
An seinem Bastel-Schreibtisch besuchte ihn öfter, wäre aber niemals auf die Idee gekommen, dass er auch meine Folk-Klampfen hätte tiefer legen können, was meinem Spiel gut getan hätte.

Auf der Bühne sah ich ihn letztmalig mit den OLDIES bei einer Kirmes in Großen Linden (?). Er spielte BASS!


Es war, als hätte man von Paganini in einem Orchester gefordert, die Triangel zu spielen. Aber auch den Bass spielte er auf seine unvergleichliche Art, zusammengeschnurrt, in sich gekrümmt, den Blick auf dem Boden (als würde er Kleingeld suchen). Er schien von dem Getobe des Silberrücken-Sängers vollkommen unberührt in einer anderen Welt zu leben, aber ohne irgendeinen Ton falsch zu spielen. Ich vermute, seine Sehnsucht galt dem nächsten ‚Körbchen‘, das Lisa und ich ihm dann in der Pause brachten. (Da ich mein Leben lang Kirmesfeste gemieden hatte, wusste ich nicht was ‚Körbchen‘ sind. In dieser Nacht mit Lisa und Ringo lernte ich dann viele Körbchen kennen…

Im Sommer 2019 hörte ich, dass man Anselm im Musikhaus Schönau gesehen habe. Er sähe nicht gut aus, hieß es. Ich bemühte mich um seine Telefonnummer. Da ich mich (nach 35 Jahren Pause) wieder mit Gitarren befasste, hoffte ich, ihn zu besuchen zu können. Nein, er wolle lieber mit dem Fahrrad nach Langgöns kommen, sagte er, was dann aber irgendwie im Sand verlief. (Ich hörte erst kürzlich von Tommy Kastl, dass Ringo gerne auch lange Strecken mit dem Rad fuhr).
Ich dachte öfter an ihn, aber dann kam Corona und der Lockdown. Im Frühjahr 2022 erfuhr ich von Friedhelm im Musikhaus Schönau, dass Ringo im Oktober 2021 verstorben wäre. Das hat mich ziemlich mitgenommen. Friedhelm sagte, dass Dale King ihn zuletzt begleitet hätte. Ich kenne Dale nicht persönlich, aber rief ihn an. Ich sagte ihm, dass ich Material über Ringo sammeln möchte, den ich als einen besonderen Menschen und wunderbaren Musiker in Erinnerung hätte. Es folgten viele SMS-Kontakte und Dale und Hans Hoss führten mich zu einem Netzwerk von Freunden und Mitmusikern, die offensichtlich (fast) alle froh waren, dass jemand bereit war, diesen besonderen (wenn auch besonders schwierigen) Menschen zu würdigen.
Ich erinnerte mich auch an Geschichten, die mir Andy Herchen (The Misfits) über Ringo erzählt hatte und rief Andy an. Er verschaffte mir den 1. Text, eine Jugenderinnerung von Karl W. Pfeil, weitere sollten folgen.

Meine Ringo-Recherche führte zu den Archiven seiner Freunde, die Kulturschätze an Tondokumenten, Bildern und Geschichten bewahren. Ich hoffe, dass sich vielleicht das Stadtarchiv oder eine andere Institution darum bemüht, dass diese Schätze nicht verloren gehen.

Die Gespräche mit Jürgen Balzer, Tommy Kastl und anderen Zeitgenossen eröffneten mir einen kurzen Blick in diese regionale, miteinander über Jahrzehnte verwobene Musikszene, die ich zwar als Zuhörer hin und wieder erlebt habe, von der ich als Folk-Musiker aber nie ein Teil war.
Dass ich diese Musiker und ihre Geschichten, Bilder und Tondokumente kennenlernen durfte, verdanke ich dem Ausnahmekünstler, den sie ‚Ringo‘ nannten. Danke!
Vielen Dank auch an alle, die bereit waren, Ringo mit ihrem Beitrag oder ihren Kontakten zu würdigen.

Eugen Pletsch

Endlich erleuchtet!

Erstellt: 21. Juni 2019

Aus unserer Serie „Oldies but Goodies“ heute: Ein kleines Telefonhörspiel aus der Zeit als ich einem bekannten Golfprofessional (Pro) noch regelmäßig mit meinen Anrufen auf die Nüsse ging…

„Tut Tuut“„Tut Tuut“

Pro: Ja bitte?

EP: „Hi, ich bin´s…“

Pro: unterdrückter Seufzer: Oh, prima, na, was kann ich für Dich tun?

EP: Och, wollte mich nur mal melden …

Pro: Das ist nett. Es war schön mit Dir zu reden…

EP: Hey!

Pro: Ja?

EP: Ich bin jetzt endlich erleuchtet!

Pro: (Pause, dann atmet er wieder): Gute Nachricht! Großartig!  Also – es war schön mit Dir zu reden…

EP: Nein, ich meine es Ernst!

Pro: Na prima, endlich. Und seit wann bist du …äh … erleuchtet?

EP: Es fing an, als mir das Eisen 5 auf den nackten Zeh knallte. Das war eine sehr intensive Erfahrung und ich spürte, dass jetzt etwas passieren wird. In der ZEN- Literatur ist das exakt so beschrieben: Es gibt Vorzeichen der Erleuchtung …

Pro: (plötzlich interessiert) Und was passierte dann?

EP: Dann trank ich den Wodka, den ich bei einem Turnier gewonnen hatte. Ich wachte nachts auf, musste kotzen, wurde auf dem Weg zum Klo ohnmächtig, schlug mit dem Kopf an den Schrank und die nächsten Tage war ich vollkommen platt.

Pro: Vom Wodka?

EP: Nein, vom Orangensaft im Wodka. Meine Bioresonanz-Expertin meint, da wäre ein Schimmelpilz drin gewesen …. und weil mein Magenmeridian durch die Verletzung am 2. Zeh ohnehin schon geschwächt war…

Pro: …wurdest Du erleuchtet!

EP: Nein, nicht deswegen. In den folgenden Tagen machte ich eine sehr schwere Zeit durch, so, wie es auch von Eckart Tolle erzählt wird. Ich hatte dermaßen die Scheißerei – schlimm! Nach drei Tagen war ich vollkommen leer, wie Buddha, und dann ERWACHTE ich und merkte, dass ich erleuchtet bin.

Pro: (langsam genervt) Ach ja? Und woran merktest du das?

EP: Schwer zu sagen. Diese selige Leichtigkeit in mir. Dieses Nichtverlangen, zum Beispiel nach Wodka. Und dann natürlich die Allwissenheit.

Pro: Du bist jetzt allwissend?

EP: Tja, scheint so. Kann es selber kaum glauben.

Pro: Ich glaub´ es nicht!

EP: Kannst Du ja testen.

Pro: Wie?

EP: Na, frag mich irgendwas.

Pro: Wie viele Stunden war ich heute auf der Driving Range?

EP: Keine.

Pro: Stimmt. Na gut, das war einfach. (blättert nebenher) Aber: wie heißt der erste Satz im dritten Absatz des Buches Jenseits der Scores?

EP: Du meinst auf Seite auf Seite 57? „Der Weg des Meisters erfordert Offenheit um die eigenen Grenzen zu überschreiten, und den Mut, Misserfolge zu riskieren“. Meinst Du das?

Pro: (erstaunt) Tatsächlich!  Na gut – jetzt: Ken Wilber „Ganzheitlich handeln“ Seite 91 letzter Satz…

EP: „Tiefe Spiritualität beinhaltet eine weite Wissenschaft von den höheren Ebenen menschlicher Entwicklung.“

Pro: Hmpffff (sprachlos).

EP: Also los: Frag mich mal was richtig Schweres!

Pro: OK, OK, mir fällt schon noch was ein… denkt … Also: Ein Mann, 42 Jahre, war 7 Jahre bei der Telekom und wurde dann zu T-Systems strafversetzt. Er sitzt mit seinem fünfjährigen Sohn und seiner Frau, (die eine Schwester in Dortmund hat,) in einem Intercity-Express nach Berlin. Auf der Gegenstrecke bewegt sich ein Güterzug mit halber Geschwindigkeit Richtung Kassel. Dieser Mann, 42 Jahre, mit einem Muttermal am Kinn, steht beim Golfschwung leicht gebeugt, zuckelt von Bein zu Bein, hat eine hohe Anspannung, fasst den Schläger zu fest, holt viel zu schnell aus, kreuzt, dreht sich aber im Durchschwung kaum, verschiebt seine Mittelachse enorm und hat kein Finish. Wie ist sein Ballflug und wann erreicht der Intercity Berlin?

EP: Ballflug kerzengerade und Ankunft 13 Uhr 08!

Pro: Stimmt. Sagenhaft. Diese Pfeife hat gestern jeden Ball kerzengerade getroffen. Ich fragte ihn, warum er zu mir kommt …

EP: … und er sagte, er könne immer nur gerade aus spielen, aber seine Kumpels können auch rechts und links rum und er möchte lernen, wie man einen Slice spielt. Außerdem, sagte er, seine Frau wollte mal einen Tag in Berlin rumbummeln und sein Sohn die Eisbären sehen.

Pro: Donnerwetter. Genau das waren seine Worte.

EP: Tja, ich kann es nicht ändern. Bin halt erleuchtet. Noch ´ne Frage?

Pro: Noch eine: Wer ist der beste Golflehrer der Welt?

EP:  ……….

Pro: Na?

EP: ……….

Pro: Was ist los? Keine Antwort?

EP: Das ist das Schweigen der Buddhas. Es gibt Fragen, die werden mit Schweigen beantwortet. Steht alles in meinem ZEN-Buch.

Pro: Tja, das kann sein. Dabei hätte mich gerade diese Antwort interessiert.

EP: Du musst die Antwort in DIR finden.

Pro: Ja, danke für den Hinweis. Und was hast du jetzt vor?

EP: Da denk ich nicht dran. Lebe ja total im JETZT.

Pro: Klar, hatte ich vergessen. Und  … äh … wie ist es so, wenn man erleuchtet ist.

EP: Nicht schlecht. Lässt sich mit Leben … tja  … also … wollte es dir nur mal erzählt haben.

Pro: Das ist nett. Es war schön mit dir zu reden…

EP: Man sieht sich …

Pro: Klar und erleuchtet …

EP: HA! Guter Zen-Witz. Klar und erleuchtet! Bis denne … ich segne dich, mein Sohn

Pro: Danke. Tschüss.

„Tut Tuut“.

Pros Frau: Wer war das? Wieder dieser Spinner? Wir hatten wegen dem doch extra die Telefonnummer gewechselt.

Pro: Ja, schon wieder dieser Spinner … (murmelt): Aber woher hat er die neue Nummer?

© by Eugen Pletsch, 2008

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BeschreibunG

„Notizen eines Barfußgolfers“ ist eine für die Buchfassung überarbeitete Auswahl an Texten, die der Golfautor Eugen Pletsch in seinem renommierten Blog (cybergolf.de) zwischen 2006 und 2018 veröffentlicht hat. Kommentare zu aktuellen Golf-Themen, Szene-sezierende Glossen, Golf-philosophische Betrachtungen, praktische Tipps und stille Hinweise auf das mystische Geheimnis dieses eigenartigen Spiels, dem der Autor in seiner mittlerweile 30jährigen Wanderung (…)

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Mein Waterloo

„Sein Waterloo erleben“ gilt als Synonym für eine totale Niederlage. Die Schlacht am Little Big Horn kommt mir aber auch in den Sinn, wenn ich an meine Fronleichnams-Runde mit Frau Oelmann denke….

Dank der mir angeborenen Bescheidenheit hielt ich mich im Zaum. Meine Berichterstattung anlässlich der drei Runden Matchplay gegen Frau Oelmann ließ kaum erkennen, dass sie gegen mein Spiel keine Chance gehabt hatte. Diskret, wie es meine Art ist, vermied ich es, meine emotionalen Ausbrüche und meine „Sieger! Sieger!“- Schreie ausführlich zu beschreiben. Auch meine Freudentänze hinter dem 18. Grün in Winnerod (um nach dem Sprung in den Teich wieder trocken zu werden) erwähnte ich mit keinem Wort.

Nein – meine Berichterstattung war ein Musterbeispiel sportlicher Fairness und voller Respekt gegenüber einer Frau Oelmann, der es in etlichen Jahren nur einmal gelungen war, ein Spiel gegen mich zu gewinnen.

Es ist nun keinesfalls so, dass ich mir nur Leute einlade, bei denen ich sicher sein kann, dass ich sie im Matchplay besiege – aber es stimmt schon, dass ich mir Gäste von extern einladen muss, da ich in meinem Club wegen meinem mürrischen Dauergesabbel – und noch schlimmer – wegen meiner Schwungtipps – ziemlich unbeliebt bin.
An Matchplay-Serien und Turnieren nehme ich längst nicht mehr teil, da ich nicht nur den Mangel an Etikette, sondern auch die allgemeine Verwahrlosung der Sitten verabscheue, insbesondere was die Bekleidung der Spieler/Innen angeht. (Leggins Damengröße 50 und verschwitzte Senioren mit Hemd über der Hose in Dreiviertel-Kargo-Hosen – mehr sage ich nicht!)

Kurz und gut: Ich bin einer der Korinthenkacker geworden, über die ich zwei Jahrzehnte gelästert habe und werde auch optisch den Karikaturen immer ähnlicher, mit denen Peter Ruge Golfer in meinen Büchern so treffend überzeichnet hat.

Aber wenn sich eine Spielerin wie Frau Oelmann beknien lässt, unsere jährliche Matchplayserie auch in 2018 fortzusetzen, dann kann ich sie natürlich nicht öffentlich mit Häme und dem Spott überschütten. Nein, natürlich nicht. Aber ich genoss meinen Triumph in Stille … wenn man mal davon absieht, dass ich JEDEM, der nicht schnell genug davon laufen konnte, erzählen musste, wie ich Frau Oelmann in diesen drei Tagen vorgeführt habe.

Schnee von gestern, könnte man meinen, aber dann kam kürzlich – wie alle Jahre wieder – die Idee auf, Frau Oelmann endlich in ihrem Heimatclub zu besuchen. Vor Jahren war ich schon einmal auf Durchreise in ihrem Revier gewesen, damals aber so krank, dass ich sie und ihren fluchenden Spielpartner (Lehrer!) nur über ein paar Bahnen begleiten konnte, ohne selbst zu spielen. Damals hatte ich (in meinem Fieberwahn) einen 9-Loch-Kurzplatz abgespeichert.

Ein Feiertag wird erst dann zu einem echten Feiertag, wenn man sich den Lorbeer auch auf einem fremden Platz auf das schüttere Haupthaar setzen darf und ich hatte keinerlei Bedenken, Frau Oelmann‘s Einladung zu folgen. Gewittergefahr bestand angeblich nicht. Eine Startzeit war auch nicht nötig. Die Sonne prangte am Himmel, es war heiß, aber die Bäume spendeten Schatten. Ja. die Bäume. Der Platz hat Bäume. Meist gewaltige Eichen, aber auch andere Bäume und hinter den Bäumen sind Biotope, was mich aber nicht abschreckt, da ich für meine kerzengerade Spielweise bekannt bin.

Wie üblich werde ich nicht die ganze Runde im Detail erzählen. Das halte ich so, weil meine verehrten Leser die Schilderungen meiner Zauber-Schläge, crispen Wedges und Monster-Putts für Aufschneiderei halten könnten. Auch heute werde ich es so halten, muss jedoch vorsichtig andeuten, dass es diesmal keine Zauber-Schläge, crispen Wedges und Monster-Putts gab.
Dafür gab es Bäume und Biotope und ein winziges Schwungproblem, das dazu führte, dass ich den Ball, so konzentriert ich ihn auch ansprach, grundsätzlich nach links verzog. Links stand gewöhnlich ein Baum, von dem aus der Ball abprallte und ins Biotop sprang.

Frau Oelmann, die ihre Bälle noch vor wenigen Tagen breit über die hessischen Savannen gestreut hatte, schlug dagegen kerzengerade Hammer-Drives, um mir dann bei der Ballsuche zu helfen.

Der beliebte Spruch „Den Zweiten kann jeder“ hatte für mich auf dieser Runde keine Gültigkeit, denn auch der 2. war weg. Nach einigen Bahnen schlug Frau Oelmann vor, dass wir doch auch etwas Golf spielen sollten, denn Bälle suchen könnten wir auch, ohne Greenfee zu zahlen.
Ich verstand den Hinweis und spielte fortan jeden Ball, den ich im Gras fand, darunter sogar Marken, die ich sonst wie die Pest meide (Nike und Vice).

Erst war ich eins down, dann zwei down, dann drei down, dann vier down, dann fünf down, dann sechs down, dann wurde es Frau Oelmann langweilig und sie winkte sich eine Freundin herbei, die gerade die 18 beendet hatte.

Ich kannte die Dame von einer Lesung. Also versuchte ich mich zusammenzureißen und ging prompt auf 7 down. Unsere Mitspielerin hatte am Vormittag bereits 18 Loch in einem anderen Club gespielt, stak dann auf ihrem Heimatplatz neun Loch hinter Anfängern fest und wollte mit uns noch ein paar flotte Bahnen spielen. So sind die Damen im Revier: Unermüdlich – und wetterfest, wie sich bald herausstellen sollte.

Auf dem Weg zum 10. Abschlag befindet sich die Toilette, die ich aufsuchte. Beim Händewaschen sah ich im Spiegel einen Mann mit verzweifelten Gesichtszügen, zerzaust, das durchgeschwitzte Hemd hing über der kurzen Hose aus der zwei dürre, weiße Beinchen ragten. Eine vollkommene Verwahrlosung der Sitten – ich überlegte kurz, ob ich mir selbst einen Platzverweis aussprechen sollte.

Da ich mich in meinem Hochmut darauf eingelassen hatte, von Gelb anstatt von blau zu spielen, hatte ich lange Wege zu rennen, um die Damen einzuholen, deren Abschläge meist 60-100 Meter vor dem Herrenabschlag befindet. Ich rannte so schnell, dass mir Insekten auf die Brillengläser klatschten, nur um dann zusehen, wie die Damen ihre Bälle gnadenlos zwischen den Bäumen hindurch auf die Bahn prügelten.

Frau Oelmann vom Damenabschlag – das ist so, als würde man Dartpfeile kaum aus einem Meter Entfernung auf die Scheibe werfen.

Nur zweimal konnte ich ein Loch gewinnen. Natürlich nicht aus eigener Kraft, sondern weil Frau Oelmann ihre Dartpfeile ins Biotop schoss, vermutlich um mir Hoffnung zu machen. Immerhin hatte ich nach dem Fiasko auf der ersten Neun meine Taktik geändert! Ich zielte direkt auf die Eichen, die gewöhnlich Mitte Fairway stehen, wodurch ich wenigstens zwei Drives auf die Bahn brachte. (Frau Oelmann merkt an, es gäbe nur auf der 14. eine Eiche Mitte Fairway, aber das ist natürlich selektive Wahrnehmung. Nach meiner Erinnerung standen auf jeder Bahn dicke Eichen…).

Auf besagter 14 setzte Regen ein. „Nur eine kleine Wolke“, sagten die Damen und schlugen ab.

Der nachfolgende Guss war zwar nicht mit dem Wolkenbruch zu vergleichen, den ich vor ein paar Tagen in Gießen erlebt hatte, aber im Gegensatz zu früher, als ich das Spiel im Regen noch als eine besondere Kunst und Herausforderung genoss, macht es mir keinen Spaß mehr, mit glitschigen Händen nach einem Balls zu schlagen, der sich dann nur ein paar Meter durch das nasse Gras bewegt.

Frau Oelmann und ihre Freundin bewegten sich wie die Fische im Wasser. Als ich mir nach einem heftigen Regenschauer an der 15 eine Pause erbettelte, musste Frau Oelmann zugeben, dass unser Match längst beendet war. 7 auf 6!

An der 16. Bahn gab es gottlob eine Abkürzung zum Clubhaus. Die Damen wären gerne weitergeschwommen, aber dann sahen sie das hinkende Häufchen Elend, zeigten Erbarmen und führen mich auf dem kürzesten Weg zum Parkplatz, wo wir unsere Sachen verluden. Meine Tränen trockneten und der Regen wich der Abendsonne während Frau Oelmann mit ihrer Freundin besprach, wie man einen Skalp trocknet.

Übrigens: St. Helena hat seit 2016 einen Flughafen!

Eugen Pletsch

PS: Dass Frau Oelmann am 2.6. beim Monatsbecher der Damen das 1. Brutto erlegte, verwundert niemanden und sei nur der Vollständigkeit halber vermerkt.

Wie es bei mir begann..

aus „Notizen eines Barfußgolfers“ von Eugen Pletsch

Es war an einem Sonntag in Luxemburg vor mehr als 30 Jahren. Kurz nach 12 Uhr muss es gewesen sein, denn wir tranken bereits einen Malt. Jim, mein schottischer beinah-Schwiegervater, stellte sein Glas auf den Gartentisch, nahm einen Golfschläger, setzte einen Ball auf einen kleinen Stift und schlug einen Golfball in Richtung der Wiese hinter dem Haus.

Da war niemand außer ein paar Kühen. Die Kühe schauten nicht mal auf, als Jim den Ball schlug. Offensichtlich wussten sie bereits, dass Jim sie nie treffen würde. Der Ball flog nur ein paar Meter, dann verschwand er im dichten Gras. Jim ärgerte sich und schlug noch einen Ball. Der flog dann etwas weiter und Jim lächelte listig. 

Irgendetwas faszinierte mich an dem, was er da machte. Deshalb wollte ich es auch mal probieren. Er gab mir seinen Schläger, zeigte mir wie man ihn hielt und ich versuchte nach dem Ball zu schlagen. Ich traf ihn nicht. Vermutlich um mir Mut zu machen, sagte Jim, er wäre Linkshänder. Die Schläger wären also für mich falsch rum. Das war mir egal. Es war wirklich egal, denn als ich später Schläger für Rechtshänder bekam, traf ich zunächst auch keinen Ball.
Das ist nun mal so. Zumindest bei besonders talentierten Spielern wie mir. Ein weniger talentierter Spieler trifft den Ball meist gleich zu Anfang. Dann denkt er – oder sie – das Spiel wäre ganz einfach, verliert den Respekt und entwickelt sich kaum mehr weiter. Alle guten Spieler haben großen Respekt vor dem Golfspiel, aber auch sie kommen nie wirklich weiter. So geht das bis in die Weltklasse. Irgendwo hapert es immer. Da triffst du endlich deine Eisen, prompt fliegen die Drives ins Aus. Und kriegst du die Drives auf die Bahn, dann verlässt dich dein Putter. Man sagt, das Golfspiel sei unbesiegbar. Niemand hat das Spiel jemals gemeistert. Höchstens Bernhard Langer! Der spielt nach wie vor wie von einem anderen Stern, was mich vermuten lässt, dass er tatsächlich von einem anderen Stern ist.

Dass ich mittlerweile seit mehr als 30 Jahren Golf spiele, wundert mich selbst am meisten, denn eigentlich bin ich ein keltischer Barde. Ich erzähle gerne Geschichten, zumindest so lange, bis man mich an den Baum bindet. Bevor ich Jim traf, war ich Straßensänger. Dass ich weder singen noch besonders gut Gitarre spielen konnte, war kein Problem. Ich hatte trotzdem Geld im Gitarrenkoffer, weil ich den Leuten Geschichten erzählte. Ich begann irgendeinen Song, zum Beispiel einen Talking Blues von Bob Dylan, aber dann quasselte ich über dies und das, über Gott und die Welt. Die Leute schauten, blieben stehen und warfen Geld in meinen Koffer.

Jahre später, als ich das Golfspiel kennenlernte und süchtig danach wurde, reiste ich beruflich durch Deutschland. Jeden Abend war ich an einem anderen Golfplatz und lernte so die deutsche Golf-Szene kennen. Zu dieser Zeit waren Golfer meist sportlich ambitionierte Menschen aus gesellschaftlichen Schichten, die in meinem sozio-kulturellen Hintergrund als Establishment bezeichnet wurden. Fremde Gäste im Club wurden noch mit Handschlag und einem „Gestatten, Dr. Soundso…“ begrüßt – um in meinem Fall sofort zu erkennen, dass ich weder den Stallgeruch noch das Einkommen hatte, um mir mehr als ein paar Stunden Übungszeit auf der Driving Range zu erkaufen. Und selbst für diese Gunst musste ich mit der Clubsekretärin noch heftige Sträuße ausfechten. Die einstigen Gentlemen des deutschen Golfsports, die mich zu mancher Satire anregten, haben damals mein mittlerweile etwas abgestandenes Bild vom deutschen Golfer geprägt – wobei ich den weitgehend niveauvollen Umgang dieser Zeit bisweilen etwas vermisse. Aber ich trauere dem nicht nach, denn ich war damals ein vogelfreier Barfußgolfer, ein Außenseiter, der um Spielmöglichkeiten betteln musste. Die Erkenntnis, dass ich selbst der Prototyp des neuen Golfers war, wurde mir erst Jahre später bewusst….

 
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Notizen eines Barfußgolfers

Pletsch, Eugen
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Beschreibung

„Notizen eines Barfußgolfers“ ist eine für die Buchfassung überarbeitete Auswahl an Texten, die der Golfautor Eugen Pletsch in seinem renommierten Blog (cybergolf.de) zwischen 2006 und 2018 veröffentlicht hat. Kommentare zu aktuellen Golf-Themen, Szene-sezierende Glossen, Golf-philosophische Betrachtungen, praktische Tipps und stille Hinweise auf das mystische Geheimnis dieses eigenartigen Spiels, dem der Autor in seiner mittlerweile 30jährigen Wanderung (…)

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Fechten für eine Fichte

Nachfolgend die chronologische Folge einer ökologischen Groteske

Prolog:
„Es gibt Millionen Bäume, da kommt es doch auf einen nicht an“, sagte eine Miteigentümerin unseres Wohnhauses zu zwei NABU-Beauftragten, die sich eine Fichte ansehen wollten. Über einen Antrag zur Fällung dieser Fichte sollte in der Eigentümerversammlung abgestimmt werden und ich hatte interveniert, denn nachvollziehbare Gründe, warum diese Rotfichte gefällt werden sollte, wurden nicht mitgeteilt.
Erst knapp ein Jahr nachdem ich das erste Mal Gerüchte über diese absurde Idee vernommen hatte, am 14.8.2022, wurden in einem Schreiben der Hausverwaltung an eine Miteigentümerin (die sich auch gegen die Fällung ausgesprochen hatte) folgende Gründe genannt:
Der Baum stört einige Anwohner und er zerstört mit seinem Wurzelwerk auch das Pflaster und den Zaun.
Am gleichen Tag wurde in den Nachrichten mitgeteilt, dass im Sommer 2022 mehr Wald als jemals zuvor Opfer der Flammen und der Trockenheit wurde. Die Antwort an Menschen, die wie meine Miteigentümerin denken wäre also:
Derzeit sterben Millionen Bäume und es kommt auf den Erhalt eines jeden Baumes an!“

Erster Akt: 30.6.2022
Bei der Wohnungseigentümer-Versammlung unseres 9-Parteienhauses wird ein Antrag zum Rückschnitt oder Fällung des Nadelbaums auf der Nordseite unseres Hauses gestellt. Initiatorin ist eine neue Mitbewohnerin, die meinen Ruhestand seit ihrem Einzug zum Unruhestand werden ließ. Unterstützt wird sie von einer Miteigentümerin, mit der ich bisher stets in Frieden lebte und der Hausmeistersgattin mit Stimmrecht für zwei Wohnungen. Der Antrag wurde ohne Begründung gestellt und seitdem herrscht Unfrieden im Haus, der jedoch nicht der Antragstellerin sondern mir angelastet wird.
Warum die Fichte weg soll, ahnte ich bereits: Ein paar Äste drücken auf den Zaun und da zerstört frau ordnungshalber sofort das gesamte Biotop.
Dass sich Pflastersteine am Parkplatz durch das Wurzelwerk heben ist auch Quatsch, denn das Pflaster hebt sich fast auf dem gesamten Parkplatz, insbesondere entlang der Hausmauer. 
Ich habe nichts dagegen, im Herbst ein paar der unteren Äste zu stutzen, aber eine Fällung – in der heutigen Zeit – das ist doch Wahnsinn. Deshalb habe ich mich in einem Schreiben an die Miteigentümer und die Hausverwaltung vehement gegen die Fällung dieser kräftigen, kerngesunden Fichte ausgesprochen.

Meine Argumente:
Diese Fichte, auch Rottanne genannt, siehe https://www.baumkunde.de/Picea_abies/

  • ist ein wunderbares Biotop,
  • reduziert den Autobahnlärm auf der Schlafzimmer-Seite,
  • schützt unser Hauses gegen Nord/Ostwind,
  • reduziert Anflug-Dreck vom Nachbarfeld (Raps, Staub etc.)
  • verbessert das Hausklima,
  • bietet den Falken Aussicht,
  • vielen anderen Vögeln Nahrung und ggf. Schutz,
  • ist derzeit Nistplatz von Tauben,
  • ist ein Schattenspender,
  • ist ein von Insekten dringend benötigter Pollenspender (weshalb auch der regionale Imker, Herr Schneigelberger, meine Position unterstützt)
  • und ist – ganz persönlich – meine tägliche Freude, wenn ich an dem Nord-Fenster sitze und arbeite.
Falke auf Fichte (Foto: Imme Rieger)

2. Akt:
Corinna Kabot vom NABU besucht und fotografiert den Baum. Sie schrieb mir: „Es wäre ein Riesenschaden ein solches Öko-System zu vernichten.“ Auf ihrer Facebook-Seite wurde sie noch noch deutlicher:
„Diese wunderschöne, gesunde Fichte habe ich in der Lilienstraße in Langgöns entdeckt. Welch ein vollkommenes Ökosystem! Sicherlich gibt es viele nützliche Tiere, die darin nisten oder Nahrung finden. Zum Beispiel dienen die Pollen den Honigbienen und den Wildbienen als wertvolle, proteinreiche Nahrung, also Kraftspender.
Honigbienen und Wildbienen, wie z.B. Hummeln, Wespen und 100 andere Arten mehr sind dringend auf solche reichhaltigen Nahrungsquellen angewiesen. Wir Menschen als Konsumenten von Obst und Gemüse sind dringend auf die Bienen als Bestäuber angewiesen. Deshalb stehen die Wildbienen unter strengem Artenschutz. Für das Entfernen oder Beschädigen eines Hummelnestes muss man in Hessen mit einem Bußgeld von 50 000 Euro rechnen. Doch leider ist es in der Gemeinde Langgöns nicht mit Bußgeldandrohung verboten, einen solchen Baum zu fällen wenn er auf Privatgelände steht. Dabei wird durch die Fällung unzähligen nützlichen Tieren eine wertvolle Nahrungsquelle entzogen, die mindestens 80 Jahre lang für ihre Entstehung brauchte. Das kann nicht durch Neupflanzungen an anderer Stelle oder Blühstreifen ersetzt werden. Es ist nützlich, neue Nahrungsquellen für unsere lebensnotwendigen Insekten und Vögel anzupflanzen. Doch leichter wäre es, vorhandene Nahrungsquellen nicht zu beseitigen!“

Zur Eigentümerversammlung ging ich nicht. Ich hatte Angst vor einer Bluthochdruckkrise und dass ich vor Wut ausfällig werden könnte. Lieber fotografierte ich den Baum mit seinem blühenden Leben. Außerdem nahm ich Kontakt zur Unteren Naturschutzbehörde auf, die mir dringend empfahl, die Hausverwaltung auf die Folgen einer unüberlegten Fällung hinzuweisen.

Fichte in Langgöns Foto: Corinna Kabot

3. Akt
Nach der Eigentümerversammlung vom 7.7.2022 teilte mir die Hausverwaltung telefonisch mit, man habe die Fällung der Fichte erstmal abwenden können, obwohl alle außer mir dafür gestimmt hätten. (Was so nicht sein kann, da noch zwei weitere Miteigentümer vorab per Vollmacht gegen die Fällung gestimmt haben).
Tage darauf erhielt ich das Protokoll der Sitzung, wonach der Hausmeister die unteren Äste der Fichte stark zurückschneiden soll. Zudem wurde die Hausverwaltung beauftragt, die Kosten einer Fällung bis zur nächsten Versammlung zu eruieren. Was bedeutet, dass der Baum-Irrsinn noch nicht vorbei ist.
Ich sprach eine Mitbewohnerin an, die sich massiv für die Fällung einsetzt. Ihr Argument: Dieser Baum wäre ein FLACHWURZLER  und irgendwann könnte er umfallen. Irgendwann! Ja klar.
Eine Fällung kostet ca. EUR 3000.- Wenn mehrfach dokumentiert wurde, dass die Fichte kerngesund ist, wäre der Schaden doch problemlos versichert, wenn die Fichte eines Tages tatsächlich vom Sturm umgerissen werden sollte. Also, was soll das?
Alle meine Argumente für den Erhalt der Fichte, die ich den Miteigentümern vortrug, per Mail zuschicken ließ und später per Aushang im Haus bekannt machte, interessierten nicht. Ich weiß nicht, ob die Damen zu viel in der Landlust geblättert haben und nun gärteln wollen. Jedenfalls planen sie ein belebtes Biotop umzuhauen, um an ungeeigneter Stelle einen Blütenstreifen anzulegen. FÜR DIE BIENEN! Wie wäre es erstmal mit ein paar Blumen auf dem eigenen Balkon? Oder sich mit unserem Imker über Bienenweiden zu besprechen?

Ein paar Tage resignierte ich, bis mir folgender Gedanke kam:
Wenn die Fällung umgesetzt wird, müsste ich mich gemäß Beschluss der Eigentümerversammlung an einem – aus meiner Sicht – schweren Umweltfrevel beteiligen, die Kosten mittragen und sollten Verbotstatbestände nach § 44 BNatSchG entdeckt werden, auch noch die Strafe mitfinanzieren. Das kann doch wohl wahr nicht sein!

Also kontaktierte ich die HGON und erhielt ein Schreiben von Dr. Tobias Erik Reiners – dem Vorsitzenden der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V:
Der Biodiversitätsverlust gehört zu den größten Krisen unserer Zeit. Unser Verband hat dies über 50 Jahre insbesondere anhand des Rückgangs unser Vogelwelt eingehend dokumentiert. Hierbei betrifft der Rückgang der Biodiversität und Vogelwelt alle Lebensräume, den Wald, die Gewässerlebensräume, das Offenland und auch den Siedlungsbereich gleichermaßen. Neben der zunehmenden Versiegelung ist im Siedlungsbereich der Verlust von Bruthabitaten ursächlich für den Rückgang der Vögel.

Die Fällung einer gesunden Fichte am Ortsrand mag im Einzelfall trivial und „nicht wichtig“ erscheinen. Und doch ist der in allen Siedlungen seit Jahren fortwährende Verlust von größeren Bäumen, insbesondere von Nadelbäumen, ursächlich für den Rückgang von bspw. Girlitz, Grünfink und Türkentaube. Auch beim Turmfalke nimmt die Anzahl von Bruten in Bäumen stetig ab.

Eine Fällung von Bäumen, wie diese Fichte, ist aus unserer Sicht eine gravierende Beeinträchtigung der Lebensraumausstattung in ihren Siedlungsbereich. Der Verlust wirkt dabei ebenso schädlich auf die Biodiversität, wie die allerorts vorhanden Schottergärten. Wir möchten die Hauseigentümer bitten ihre Entscheidung zu überdenken und gerne anbieten bei einer gemeinsamen Begehung über die wertvollen Effekte dieser Einzelbäume im Siedlungsbereich aufzuklären. Gleichwohl will ich auch auf die Verbotstatbestände hinweisen, die gesetzlich verbieten Brutbäume zu fällen. Die Klimawirksamkeit dieses Baumes in CO2 Speicherung, Beschattung und Wasserrückhaltevermögen durch das Wurzelwerk lassen Sie in Ihren Vorhaben scheinbar auch unberücksichtigt. Solche wie diese Einzelentscheidungen führen zu tausenden in unseren Siedlungen zu einer lebensfeindlicheren Zukunft.“
Beste Grüße 
Dr. Tobias Erik Reiners 

Fichte in Feierabendstimmung Foto: Eugen Pletsch

Ich bekam auch Rückendeckung von Herrn Wenisch, einem landesweit bekannten Artenschützer und NABU Beauftragten in Langgöns, der mir die nochmalige Kontaktaufnahme mit der Unteren Naturschutzbehörde dringend empfahl. Er habe den Baum gesichtet und keinen Grund zur Fällung entdecken können. Ein paar Tage später kam auch Herr Oberländer, der frühere Vorsitzende der NABU Oberes Kleebachtal und renommierter Baumkenner zu Besuch, um sich die Fichte anzuschauen.
Er konnte keine Schäden am Baum entdecken, im Gegenteil. Er avisierte einen zweiten Besuch zwecks genauerer Untersuchung. Ich erzählte ihm von meinen Beobachtungen im Frühsommer, als die Tauben mit Nistmaterial im Baum verschwanden.

Taube am Eingang zum Nest
Ringeltaube checkt den Eingang
Ringeltaube in der Fichte

Die Bilder mit Tauben im Baum stammen vom Frühsommer. Mittlerweile sieht man sie zwar noch oft auf den Außenästen sitzen, aber sie klettern nicht nicht mehr in den Baum, um dort mit Zweigen im Schnabel zu verschwinden.

4. Akt
Es ist heiß und die Balkontür steht offen. Unüberhörbar wird im Hof über den „Störenfried“ (mich) abgelästert und über die Leute, die auf unserem Grundstück erwischt wurden.
Gemeint waren Frau Thiele und Herrn Oberländer, die die Fichte am 10.8.2022 auführlich sichten wollten und prompt von der Hausmeistersgattin (und Miteigentümerin) gestellt wurden.
Die nachfolgende Diskussion der drei war so sinnlos wie unergiebig. Deshalb machten sich meine Besucher daran, im unteren Astwerk einen Stand zu finden, um den Baum ausgiebig zu begutachten.
Das Ergebnis erhielt ich am 13.8.2022 von Herrn Oberländer. Ich werde seine Artenschutzprüfung den zuständigen Stellen weiterleiten und hoffe, dass die Hausverwaltung den Text auch den Miteigentümern zukommen lässt. Immerhin habe ich der Hausgemeinschaft die Kosten einer Fällung von ca. EUR 3000.- sowie die Kosten einer Begutachtung und mögliche Strafen wegen Verstößen gegen den Artenschutz erspart, aber das interessiert natürlich niemanden. Stattdessen bin ich mittlerweile dem Geratsche ausgesetzt, das durch die offene Balkontür dringt.
Ich denke, es ist an der Zeit, meinen Fight for Fichte zu beenden. Sollen sie doch Blümchen säen und Sturm ernten.

Offen bleibt für mich eine Frage: Muss man sich wirklich dem Beschluss einer Eigentümerversammlung beugen und ggf. mitfinanzieren, selbst wenn eine Eigentümerversammlung etwas Sittenwidriges,  Rassistisches oder ökologisch Bedenkliches beschließt?
Vielleicht kann ein fachkundiger Leser dazu Stellung nehmen?

Eugen Pletsch


Das Schlusswort hat Günther Oberländer:

Artenschutzprüfung
Stellungnahme zum Vorhaben „Fällung einer Rot-Fichte (Picea abies)“ in der Gemeinde 35428 Langgöns/OT Lilienstraße 18

Sehr geehrter Herr Pletsch,
Ihrer Bitte entsprechend haben wir am 27.07.2022 eine Artenschutzprüfung im o.g. Objekt in Ihrer Anwesenheit durchgeführt.
Im Ergebnis dieser Prüfung konnte zur Frage der Schutzwürdigkeit des Baumes folgendes festgestellt werden:
Die betreffende Rotfichte (Picea abies) wurde auf Beschädigungen durch Fremdeinwirkung, auf Sturmschäden, Wuchsschäden, Schadinsektenbefall, Wurzelschäden sowie auf Trockenschäden augenscheinlich untersucht.
Es konnten keine Schäden festgestellt werden.
Für die Befürchtung einiger Bewohner des Hauses Lilienstraße 18, der Baum wäre umsturzgefährdet und könne am Haus große Schäden verursachen, gibt es aktuell keine Anhaltspunkte. Dies bedeutet natürlich nicht, dass der Baum bei einer Extrem-Wettersituation auch umgeworfen werden kann.
Die Fichte zeigt sich in einem ausgesprochen vitalen und gesunden Zustand.
Ein zu starkes Beschneiden der unteren Astquirle über die Höhe des Grundstückszaunes hinaus sollte jedoch vermieden werden.

Angebliche erhebliche Schäden durch Wurzeln der Rotfichte am Pflaster im sichtbaren Teil der Parkflächen konnten zum Zeitpunkt nicht festgestellt werden. Die zum Zeitpunkt sichtbaren Pflasterschäden resultieren möglicherweise aus einer schlechten Verlegung der Steine.

Im Weiteren konnte festgestellt und mit aktuellen Fotos belegt werden:

  • dass offensichtlich schon mehrere Jahre (2022 nachgewiesen) zwei bis drei Bruten der Ringeltaube (Columba palumbus) erfolgreich stattfanden,
  • dass Brüten von verschiedenen Singvogelarten (konnten aktuell nicht untersucht werden) sehr wahrscheinlich ist,
  • dass die Fichte als Ansitzwarte für die Jagd regelmäßig vom Turmfalken und als Schlafbaum von Singvögeln genutzt wird.

    Aus oben genannten Feststellungen ergeben sich für den oder die Besitzer eines Privatgrundstückes folgende rechtliche Konsequenzen:
  • Gemäß Europäischer Vogelschutzrichtlinie 2009/147/EG vom 30.11.2009 ist der Erhalt sämtlicher im Gebiet der Europäischen Union natürlicherweise vorkommenden Vogelarten einschließlich der Zugvögel sowie deren Lebensräume und Lebensstätten zu sichern oder wiederherzustellen.
  • Gemäß Bundes-Naturschutzgesetz, §§ gilt:
    Der Artenschutz ist IMMER zu beachten. Die rechtlichen Grundlagen sind in § 39 und §44 BNatSchG näher beschrieben.
    Grundsätzlich gilt:

    Wenn ein Baum gefällt werden soll ist eigenverantwortlich zu prüfen, ob Tiere den Baum als Ruhe- und Fortpflanzungsstätte oder Lebensstätte nutzen. Ist dies der Fall, darf der Baum nicht einfach gefällt werden. Stattdessen ist mit der Unterer Naturschutzbehörde Gießen Kontakt aufzunehmen, um weitere Schritte abzuklären.
    Bei allen Vogelarten greift der besondere Artenschutz nach §44 BNatSchG, der mit strengeren Auflagen verbunden ist.

Aus Gründen des Artenschutzes gibt es für das Fällen der Rot-Fichte aus unserer Sicht erhebliche Bedenken, sodass aus rechtlicher Sicht einer Fällung der Rot-Fichte nicht zugestimmt werden kann.

Mit freundlichen Grüßen

Günther Oberländer
NABU-Gruppe Oberes Kleebachtal




Der verschollene Traum

Eine kurze Sequenz aus GOLF GAGA, meiner satirischen “Rosamunde Pilcher-Love Story“ über meinen Aufenthalt in einer Klinik für Golfsüchtige…und eine Erinnerung an das Glauber-Wasser von Bad Bertrich.

Nach dem Mittagessen saß ich im Zimmer und fand in meinem Nachttisch eine Bibel. Ich las in der Offenbarung des Johannes bis mir die Augen zufielen. Ich döste weg und sah Bilder aus einem früheren Leben im alten Germanien:
Mein Name war Garzich, mein Kumpel hieß Berzich. Wir waren zwei alemannische Sklaven. Kohortenführer Darius befahl uns, an der Seite des Talkessels, in dem die Legion lagerte, eine Latrinengrube auszuheben. Wir waren seit Jahren in Gefangenschaft. Ich hatte die Nase voll, aber Berzich war nicht unzufrieden mit seinem Los. Er sagte immer: “Es hätte uns schlimmer treffen können“, womit er die Löwen in Rom meinte.

Wir standen im Schlamm und befanden uns zu diesem Zeitpunkt in einer interessanten Diskussion über das Dasein und das Recht auf Selbstbestimmung im Rahmen unserer Tätigkeit. Fremdbestimmte Sklavenarbeit bringt unweigerlich die Frage nach dem Sinn auf.
Ich schufte, also bin ich, aber reicht das?

Ich fühlte mich in einer Sinnkrise gefangen. Mein Sklavendasein erschien mir sinnlos und leer. Ich suchte die Quelle meiner Kraft, die Quelle des Seins, die alle Dinge mit Wärme füllt.

Berzich, der Ältere von uns beiden, versuchte meine Gedanken in eine positive Richtung zu lenken. Tenor: Sorge dich nicht – grabe!

Berzich: „Versuche, dieses existenzielle Sein – was immer du tust – mit Leben zu füllen. Sei aufmerksam! Erlebe das JETZT. Dieser Moment des bewussten Seins in Verbindung mit einer kleinen Belohnung, wie sie die griechische Psychologen empfehlen, schafft Freude und Zufriedenheit. Es wird für Dich gesorgt, Garzich. Du hast Dein Essen. Niemand schlägt Dich, die Löwen sind in Rom. Die Arbeit kann doch auch Spaß machen! Wir müssen uns alle arrangieren. Also grab weiter.“

Ich zucke mit den Schultern und wir gruben nach dem Sinn. Wir gruben und gruben. Wir hörten gar nicht mehr auf. Unser Graben wurde zur transpersonalen Erfahrung, während sich die Grube mit warmem Wasser füllte. Es war ein exzessives Graben, ein tiefes Graben bis hinab in die Keller unseres Seins. Irgendwann sah ich meine nassen Füße und ein Glückgefühl überkam mich. Warme Füße, der Körper gut durchblutet, den Geist zum Stillstand gebracht. Wenn das keine Erleuchtung war, was dann?

„Berzich“, sagte ich, „ich denke, ich habe die Quelle meiner Kraft gefunden, und siehe, sie ist warm. Ich danke Dir, mein Freund!“

Als die Römer sahen, dass wir auf eine Quelle gestoßen waren, durften wir aus der Grube raus und bekamen einen Extraschlag Hirsebrei. So ein Römer ist durchaus erfahren im Fassen von Quellen. Alle krabbelten begeistert in das Warmwasserloch um die Grube auszumauern. Bereits nach wenigen Tagen plätscherte die Brühe in den Wannen und die Römer vergnügen sich mit den Eingeborenenweibchen aus der Region. Aber dann fing das Problem an: Immer, wenn die Römer Wasser schluckten, mussten sie dringend aufs Klo rennen, während die Eingeborenen das Wasser gut vertrugen. Sie hatten ein Enzym im Blut, dass den Römern fehlte, ein Geschmacklos-Enzym. Die Römer suchten deshalb einen Schuldigen, um ihn zu kreuzigen. Sie entscheiden sich für Berzich, den Weisen. „Glück gehabt“, dachte ich.

Dann schwebte ich in meinem Traum über dem Tal und sah, wie aus dem Schlammloch mit dem warmen Wasser ein Ort wurde, an dem es bald kein Römer mehr aushalten konnte, denn die Wohnhöhlen der Eingeborenen hatten Fensterdekorationen von derart schlechten Geschmack, dass die Römer fluchtartig das Land verließen. Damit sie aber weiterhin Tribut erhielten, eröffneten sie ein italienisches Eiscafe, eine Quelle, die bis zum heutigen Tage sprudelt.

(c) By Eugen Pletsch

In GOLF GAGA thematisiere ich besonders die „Mentalen Aspekte des Golfspiels“ sowie die Golfsucht allgemein. Das Buch ist mittlerweile vergriffen, aber wer Interesse an hat, kann von mir ein Exemplar mit Signatur und kleiner Zeichnung für EUR 20.- (Paypal) inkl. Versandkosten per email-Bestellung erwerben. Mehr Infos zum Buch…

Die 23

Auszug aus „Golf- Gaga – der Fluch der weißen Kugel„. Der Kellner Etbin und Dagobert Seicht sind zwei Figuren, die in meinen Büchern mehrfach auftauchen…

Es war viel zu heiß, um zu spielen. Wer an diesen Tagen spielte, hatte einen Schatten. Auch auf der Clubterrasse, wo sonst eine sanfte Brise wehte, war die Luft wie gebacken. Die Sonne prallte von den weißen Wänden des Clubhauses, weshalb ich es an solchen Tagen vorzog, mir im Restaurant ein kühleres Plätzchen zu suchen.

Etbin, der Kellner, trug wie immer ein weißes Hemd zur Weste und schwarze Hosen. Ihm schien die Hitze nichts auszumachen. Er ruhte regungslos im Schatten, aber in dem Moment, in dem ich Platz genommen hatte, stand er bereits mit einer großen Flasche Mineralwasser im Cooler neben mir. Er wusste, was ich bei diesen Temperaturen zu trinken pflegte. Etbin hatte etwas Katzenhaftes, er schlich. Man hört ihn nicht, er bewegte sich wie ein Samurai.

Ich trank mein Wasser und war in Gedanken, als sich Dagobert Seicht näherte. Wir grüßten uns, seitdem ich wieder häufiger in Bauernburg verkehrte, aber der gütige Herr hatte mir das gemeinsame Spiel bisher erspart. Vermutlich hatte die Sekretärin teuflische Angst vor dem, was passieren könnte, wenn zwei besserwisserische Korinthenkacker aufeinandertrafen.

Als wenn nicht genug andere Plätze frei wären, trat Herr Seicht an meinen Tisch und fragte: »Gestatten?« Ich schaute beiläufig auf und nickte, was weder herzlich noch höflich war, aber Seicht nicht abzuhalten schien, sich zu setzen. Er schwieg. Etbin brachte Seicht seine Zitronenlimonade. Ich schwieg auch. Wir schwiegen beide.

Wenn zwei Personen, die den leeren Raum des Universums in wenigen Stunden mit Sprechblasen ausfüllen könnten, einander anschweigen, dann entsteht eine gewisse Spannung. Etwa so, wie wenn ein von Sprechblasen ausgefülltes Universum kurz davor ist, den Urknall zu zelebrieren.

Ich schwieg, Seicht schwieg. Ich spürte, wie auch die wenigen Gäste an den anderen Tischen still wurden. Tiefe Stille. Nur der Koch klapperte in der Küche.

Ein großer Sumsemann, eine Hummel oder Hornisse, flog durch die offene Verandatür in den Raum. In der Stille klang das Brummen wie ein Moped in einer spanischen Nacht.

HnnnnnnmmmmmmmHnnnnHnnnnjääännnnnnggggggzzzzzzzzm ….

Das Geräusch kam näher. Offensichtlich hatte der Sumsemann Seichts Zitronenlimonade auf dem Radar. Wir saßen beide da und schwiegen. Die Gäste im Raum schauten fasziniert zu.

Die Szene vom Showdown zweier Verbal-Pistoleros.

Sumsemann umflog mich, wechselte zu Seicht, konnte sich nicht entscheiden und landete auf meinem Haar, was mir ausgesprochen unangenehm war. Ich verharrte regungslos. Jetzt Angst zeigen, wäre unmöglich gewesen. Ich hatte mir bei manchem Turnier schier in die Hosen gemacht, mit angstvoll zitternden Händen Zehn-Zentimeter-Putts vorbeigeschoben, jetzt blieb ich standhaft.

Sumsemann krabbelte auf meinem Haar. Mein Kopf war der Mond, auf dem das Raumschiff landete, um den Planeten auszuspähen. Der Planet war unser Tisch, auf dem die Zitronenlimonade stand. »Sumsemann«, dachte ich, »es gibt noch ein zweiten Mond, der näher am Planeten steht, mach die Flatter!«

Sumsemann hatte sich in meinem Haar verhakelt. Ich kannte das aus dem Kino. Der Trabant wird angebohrt, um eine Beobachtungsstation zu errichten. Seicht hob sein Glas, um einen Schluck aus seiner Limonade zu nehmen. Ich versuchte unmerklich, mit dem Kopf zu schütteln. Sumsemann schien festzusitzen, aber plötzlich hob er ab. Vielleicht sah er in seinem Insektenradar, dass sich sein Beuteobjekt vom Planeten zum anderen Trabanten verschoben hatte.

Sumsemann ging im Steilflug zum Angriff über und nahm das Glas ins Visier, aus dem Seicht gerade trank. Dessen Reaktion war abrupt. Das Glas mit der rechten Hand am Mund, hob er den Kopf und versuchte mit der linken Hand nach Sumsemann zu wedeln, wobei er den Kopf zurückkippte und ihm sein Gesöff über die Backen schoss.

»Ahhhhgggggrrr …«

Aber Sumsemann konterte mit: »HnnnnnnmmmmmmmHnnnnHnnnnjääännnnnnggggggzzzzzmmm ….

»Ahhhhgggggrrrgggggnnnnn …« Seicht wedelte mit den Armen, das Glas zerschellte am Boden, als ich merkte, dass er offensichtlich ein Eisstück in die Luftröhre bekommen hatte. Sein Kopf war immer rot, seine Augen standen immer vor, aber an seinem Röcheln erkannte ich, dass etwas nicht stimmte.

Ich saß etwas ungünstig, aber ich holte mit dem rechten Arm weit aus und schlug dem armen Seicht mit Wucht auf den Rücken, wobei ihm ein Eisbröckchen aus dem Mund sprang. Im selben Moment hatte der flinke Etbin den Sumsemann mit einem Schlag erlegt. Mit beiden Händen gleichzeitig frei in der Luft erwischt. Es war eine Hornisse. Keine Zeit zum Stechen. Sofort tot. Ich betrachtete das bisschen Insektenmatsch auf den harten, schwieligen Händen des Kellners. Seicht rang um Atem und Fassung. Wir dankten Etbin für seinen Einsatz. Der nickte und verschwand.

»Vielen Dank, das war knapp«, sagte Seicht.

»Kein Thema«, erwiderte ich kurz.

Er blickte auf seine Uhr. »17 Uhr 23. Na klar! Typisch.«

»Was ist typisch?«

»Der Versuch mich umzubringen, 17 Uhr 23, verstehen Sie?«

»Äähhh – nein? Sollte ich?«

»Na, die 23. Müssten Sie doch kennen«.

Seine Stimme wurde leiser.

»Sie wissen doch was ich meine, die D r e i u n d z w a n z i g!«, -wisperte er. »Sie haben das doch alles in Ihrem Buch drin!«

»Wie bitte?«

»Na, hören Sie mal, ich weiß doch wer Sie sind. Sie haben doch dieses Buch geschrieben. Sie sind doch der Autor von ›Der Fluch der weißen Kugel‹?« Ich schaute ihn wohl ziemlich fassungslos an und er fuhr fort. »Das ganze Buch ist doch codiert. Ich habe im Internet Geschichten darüber gelesen und dann recherchiert. Ich bin auch ein Eingeweihter, wissen Sie. Wir können offen sprechen. Ich habe alles herausgefunden.«

»Was herausgefunden?«

»Na zum Beispiel die Geschichte vom ›Golf auf anderen Planeten‹, die deutet doch an, dass sich die Erde bald über außerirdischen Besuch freuen darf, was im letzten Kapitel noch einmal bestätigt wird. «

Seicht öffnete seine Kladde, die auch einige ausgedruckte Texte enthielt.

»Ich darf mal aus einem Newsboard zitieren:

›Also dann, am 23.5. um 11 Uhr‹, ruft mir Mulligan zu. So steht es in der aktuellen Ausgabe, aber in der ersten, mittlerweile verschollenen Originalschrift wurde das exakte Datum der Landung Außerirdischer mit dem 23. 5. 2001 angegeben!

Der Magnat im Kapitel ›Alte Golfclubs‹ wird als jener Adam Weishaupt identifiziert, der am 1. Mai 1776 den Geheimbund der Illuminaten und 1906 den Deutschen Golfverband gründete.

Auf S. 230 (23 und 0!) schreibt er: ›(…) und Sie beginnen, sich für das Geheimnis zu interessieren.‹ Welches Geheimnis meint er, fragen sich manche Leser. Die ›18 Bahnen des Golfsports‹ (S. 226) erklärt der Autor in einem buddhistischen Kontext, was von Verschwörungstheoretikern eindeutig als falsche Fährte angesehen wird, die der Autor legen musste, weil er ahnte, dass er als Medium bereits zu viel verraten hatte. Das Kapitel ›Ein letztes Geheimnis‹, das Golf als Geschicklichkeitsspiel beschreibt, wirkt trivial, gibt aber den Hinweis, dass es ein letztes Geheimnis gibt!«

Seicht schaute mich erwartungsvoll an. Ich schaute zurück.

»Und? Was hat das mit der 23 zu tun?«

Seicht holte tief Luft. Verschwörerisch beugte er sich zu mir.

»Ich weiß doch, in welchem Club ich bin. Ich weiß doch, was der Manni Mulligan treibt. Was meinen Sie, warum ich hier bin? Das Mysterium des Golf enthüllt sich durch die 23. Und wenn es Eingeweihte gibt, dann hier. Ich verstehe nicht, warum Sie so tun, als würden Sie das alles das erste Mal hören?«

»Weil ich es das erste Mal höre. Aber was hat das Mysterium der 23 mit dem Golfsport zu tun?«

»Bobby Jones hat 1923 sein erstes Major, die US Open, gewonnen. Der Golfclub Magdeburg wurde 1923 gegründet. Die erste Swiss Open fand 1923 statt. Miriam Burns gewann 1923 die Women‘s Western Golf Championship im Alter von 23 Jahren! Die Bonzo Dog Zigarettenkarte von 1923 wurde gerade bei ebay für 23,95 versteigert.«

Er schaute mich triumphierend an.

»Ein Birdie und ein Par an einem Par 3 ergibt kabbalistisch eine 23! Unser Platz hat ein Par 72. Drei unter Par, eine 69, ist dreimal 23, klar? Ein reguläres Par 5, aus dem Blickwinkel der Tarotkarte des »Gehenkten« (Bahn vom Grün zum Abschlag betrachtet) besteht aus zwei Putts und drei Fairwayschlägen, das gibt: 23. HA! Die Quersumme aller Golfbälle der Welt ist 23, was auch dem traditionellen Loft eines Eisen 3 entspricht.«

Dagobert Seicht blickte mich mit seinen vorstehenden Augen an. Seine dünnen Künstlersträhnen waren am Schädel angeklebt. Er schnupperte mit der Nase wie eine Ratte. In dem Moment dachte ich, er sei irregeworden.

»Sie schauen mich an, als würden sie denken, ich sei irregeworden. Na gut, was halten Sie hiervon: Der große Förderer dieser Golfanlage, unser Magnat Senator Grösius, behauptet, er würde am 23.10.2006 sterben. 18 gespielte Bahnen und danach fünf Hefeweizen ergibt?«

»Schon klar: 23!«, kam ich ihm zuvor.

»Na, sehen Sie.« Jetzt schaute er mich gütig an, als hätte ich irgendetwas verstanden.

»Gut«, sagte ich, »und was bedeutet das alles für Sie?«

»Ich kann Ihnen das zusammenfassend vortragen.«

Er schlug seine Kladde auf, blätterte einen Moment und fand dann die gesuchte Seite. Seicht begann:

»Golf ist ein Virus, der zu schweren Suchterscheinungen führt und dabei ist, das Wirtschafts- und Kulturleben auf diesem Planeten nachhaltig zu zerstören.

Die Außerirdischen sind bereits gelandet, haben Präsident Kennedy ermordet und übernahmen die Regierung der USA. Natürlich auch die Wallstreet. Diese außerirdischen Plünderheuschrecken, die von einem kleinen Planeten in der Nähe des Sirius stammen, überfallen seitdem ein Land nach dem anderen mit dem Ziel, das Wirtschafts- und Kulturleben auf diesem Planeten zu zerstören.

Die einzige Schwäche, die Plünderheuschrecken haben: Sie spielen gerne Golf (amerikanische Präsidenten!) und sie sind nicht immun gegen den Golfvirus, was eine Chance birgt, den Planeten zu retten, denn Golf macht süchtig, dann blöde und dann depressiv. Damit könnte man sie schlagen. Wir sind nicht alleine. Von irgendwoher kommt Hilfe.«

»Sehr interessant«, sagte ich.

»Nun, was halten Sie davon, Sie haben doch das Buch geschrieben!«

Plötzlich kam mir eine Idee.

»Dagobert, ich darf Sie doch Dagobert nennen?«

Er nickte erwartungsvoll.

»Ein Schlüsselroman ist verschlüsselt, sonst wäre es kein Schlüsselroman.« Ich schaute ihn freundlich an. »Es gibt Mysterien und Geheimnisse, die sich um das Golfspiel ranken. Kennedy und die Monroe sind die beiden bipolaren Koordinaten. Die YabYum-Energie der beiden bekanntesten Amerikaner ihrer Zeit verbannte schreckliche Kräfte in den unterirdischen Gewölben des Pentagon. Beide wurden ermordet. Das Biest wurde entfesselt. Seitdem regiert das große Tier und überzieht die Welt mit Krieg. 666 … Sie wissen schon.«

Ich spürte, wie es Seicht schauderte. Er war dem Geheimnis auf der Spur.

»Ein Schlüsselroman hat einen Schlüssel«.

Er nickte.

»Der ist verborgen«.

»Wo?«

Etbin näherte sich unserem Tisch.

»Etbin, zahlen!«, rief ich, worauf er zur Kasse zurückging.

»Dagobert, ich habe schon zu viel gesagt. Sie wissen schon zu viel.«

Er schob sich dicht an mich heran.

»Sie müssen schweigen«, flüsterte ich, »es ist gefährlich! Schweigen Sie! Das Mysterium ist nah. Warum glauben Sie, haben sich so viele Kräfte in Bauernburg versammelt?«

Er zuckte die Schultern. Etbin war auf dem Weg zu uns.

»Der Teich an der 14 wird von Mulligan bewacht! Tief unten wohnen Geheimnisse, die nicht gehoben sein wollen. Die 14!«, wisperte ich heiser. »Kabbalistische Quersumme fünf! Zweimal 14 ist 28 minus fünf ist?«

»23«, hauchte Seicht fassungslos.

»Genau!«

Etbin stand am Tisch, mit dem Kassenzettel in der Hand.

»Des warren denn de Pasta, wo se gestern nicht bezahlt haben und zwei vonne große Flasche Wasser, macht 18 Euro.«

»Ich übernehme noch die Drinks von Herrn Seicht«, sagte ich.

»Das wärren dann zwei Zitronelimonad, zusamme fünf Euro, macht 23 Euro.«

Ich schaute Seicht tief in die Augen, während ich Etbin 23 Euro in die Hand drückte. »Stimmt so, der Rest ist für Sie!«

Seicht saß stumm da. Sein Mund stand offen. Etbin verbeugte sich. Er hatte meine Art von Humor schon öfter genossen.

Nachdem ich wieder zu Hause war, war ich nervlich bereits etwas angefressen. Aber dann passierte mir die nächste Schote, die mich in jene dramatischen Zustände katapultierte, von denen in diesem Buch die Rede ist.

Liebevoll streichelte ich meine Persimmon-Schläger, dachte nicht lange nach, telefonierte mit dem Club und meldete mich für das Turnier am nächsten Tag an, das trotz großer Hitze stattfinden sollte. Es folgte eine unruhige Nacht.

(c) by Eugen Pletsch 2006

Babbelfisch und Quäknöle

Man wird älter. Meine Haarschneidefachfrau meint, meine Haare werden immer dünner. Und ich immer dicker.

„Seit einiger Zeit stehen meine Haare so merkwürdig in die Luft,“
„Das macht die trockene Luft und Ihre feinen Spitzen.“
„Manchmal sehe ich schon aus wie der Seehofer, nachdem ihn ein FDP-Mann an den Arsch gepackt hat.“
„Ach“, sagt sie. „Politik schaue ich gar nicht mehr. Man kann ja doch nichts machen.“
Ich nicke, weshalb sie mit der Schere fast mein Ohr erwischt.
„Aber alles wir teuer, besonders das Bauen“, fährt sie fort. „Eine Kundin von mir hat für eine halbe Million gebaut. Und nicht mal unterkellert!“
Über Preise schimpfen – das ist mein Lieblingsthema:
„Seit wir den Euro haben, verdienen wir die Hälfte, zahlen aber für alles das Doppelte…“
„Wobei man doch allgemein sagt, dass das nur gefühlt wäre?“
Sie schüttelt den Kopf, als kämen ihr an diesem Gefühl langsam Zweifel auf. Dann erzählt sie weiter:
„Wir waren in Bad Nauheim zum Essen. Nichts Besonderes, aber das Schnitzel kostete 9,90 Euro! Das sind doch fast 20.- Mark. Das hätte doch früher niemals jemand bezahlt…“.
Wasser auf meine Mühlen.
“Und der kleine Beilagen-Salat, der im Club immer DreiMarkfuffzich gekostet hatte, ist unter vier Euro nicht mehr zu haben!“
Nachdem sie mich von meiner Seehoferschen Rübezahl-Matte befreit hatte, fuhr ich zu meinem Lieblings-Italiener, der ein Türke ist.
Auch der ist auf die Bundesregierung schlecht zu sprechen. In Immobilien in Deutschland zu investieren, wäre ein großer Fehler gewesen, meinte er. Bald wäre nichts mehr irgendwas Wert.
„Und dann die blöden Griechen, die mit 45 in Rente gehen…“.
„Angeblich haben die griechischen Eliten 600 Milliarden unversteuert in die Schweiz geschafft…“,werfe ich ihm genüsslich über den Tresen.
Das regt ihn noch mehr auf und wir haben richtig schöne Weltuntergangsstimmung, während ich meine „Pizza Toscana“ inhaliere.
Bei Cappuccino denke ich nach. Hat mein Leben einen Sinn? Was mache ich?
Soll ich wirklich weiterhin irgendwelchen Blödsinn schreiben, den ohnehin kaum jemand versteht?
Oder sollte ich nicht lieber etwas erfinden, was auch in Krisenzeiten nährt.
Vielleicht sollte ich Hörgeräte verkaufen!
Viele Leute hören schlecht und können Dialoge nicht mehr richtig verfolgen, zum Beispiel wenn sie am Clubtresen stehen.
Mir geht es oft so, dass ich von manchen Leuten schwer verstanden werde. Ich sage etwas, und sie hören etwas ganz anderes. Da wäre es doch besser, wenn sie gar nichts hören würden. Ich will Vieles auch nicht hören. Dummes Gebabbel verklebt die Nervenbahnen, besonders auf dem Golfplatz.
Also müsste man ein Hörgerät haben, das dummes Gebabbel neutralisiert. Das wäre nicht schlecht, oder?
Das Hörgerät müsste so konstruiert sein, dass jedes Mal, wenn gewisse Leute das Maul aufmachen ein kurzer Warnton erklingt und dann setzt entspannende Musik ein, die mit Subliminal-Befehlen unterlegt ist:
„Ich bin ruhig – ganz ruhig – Ruhe. Was immer der da labert – ich bleibe ruhig..“
So was in der Art und dazu schöne Herzschrittmacher-Musik im 4/4 Takt, die Puls und Blutdruck senkt.
Mein Hörgerät wäre so ähnlich wie der „Babelfisch“ aus Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“, der im Ohr wohnt und jedwede Sprache des Universums sofort übersetzt. Ich würde mein Hörgerät deshalb „Babbelfisch“ nennen, weil es dummes Gebabbel ausblendet.
Auch meins. Ja, besonders meins! Ich wette: Mit einem Hörgerät, das mein Gebabbel ausblendet, könnte ich ein Vermögen machen! In unserem Club würden  fast alle Leute sofort zahlen, schätze ich. Ich werde mal darüber nachdenken.

Ansonsten befasse ich mich an diesem windigen, grauen Tag mal wieder meinem Golfer-Bestimmungsbuch.
Ich habe das Thema irgendwann schon mal erwähnt, bin damit aber noch nicht viel weiter gekommen.
Es gelingt mir einfach nicht, alle Schläger-Typen in ein plausibles Ordnungssystem zu integrieren. Zuletzt überlegte ich, Golfer nach ihrer Lautstärke und der Art der Geräusche, die sie von sich geben, zu ordnen. Mittlerweile glaube ich, dass auch der Inhalt des Gesagten, neudeutsch „Soundcontent“, eine Rolle spielt.
Sicher ist: Alles hängt irgendwie zusammen, die Lautstärke, der Klang, der Inhalt und der Schwung. Ein Beispiel gefällig?
Nehmen wir eine „Hanseatische Quäknöle“. Paradebeispiel dafür wäre Spielführer Hein Küppers, Protestant, 53 Jahre, Handicap 12,1, Steuerklasse1 (worüber er sich ärgert, weil ihn die Scheidung genug gekostet hat).
Wie man in allen Klubs (mit K!) zwischen Bremerhaven und Kiel weiß, ist er mit einer nasalen Lautformungsfähigkeit begabt, die seine quäknöligen Kommentare unter jedem Wind durchfliegen lassen.
Noch bevor Spielführer Hein Küppers seinen PS-Dampfer auf dem Clubparkplatz zum stehen gebracht hat, nölt er bereits durch die geschlossene Windschutzscheibe Direktiven über den Platz. Kaum ausgestiegen wird er den Rest des Tages damit verbringen, die akustische Leitfähigkeit der Atemluft bis zum Anschlag auszulasten, denn er weiß nicht nur alles, sondern er weiß es auch besser. Er kann alles, kennt jeden und er ruft sie alle zu sich: Greenkeeper, Pros, Manager, Servicepersonal und die verschreckte Jugend:
„Na, Jung´ komm du mal her, ja du, min Lütten! Hierher, aber flott …!“

Nur wenn er ein geschlechtsreifes Weibchen sieht, verharrt er für einen Moment in der Alphamännchen-Stellung, wobei er seine Brieftasche im Jackett mit dem Brustmuskel vordrückt. Wenn jedoch das Weibchen ein Mobiltelefon zückt, rennt Hein sofort zum nächsten Klo (auch mit K!).
Das ist ein Reflex. Hein kann nicht anders, was damit zusammenhängt, dass er als Kleinkind manchmal auf dem Töpfchen vergessen wurde, weil sich seine Mama am Telefon festgeratscht hatte. So entwickelte Klein-Hein sein Stimmchen zu einem quäknöligen Organ, mit dem er Telefonkabel zerschneiden konnte. Denn sonst säße er heute noch auf seinem Töpfchen. (Womit ich aber im Umkehrschluss nicht behaupten möchte, dass alle Quäknöler auf dem Töpfchen vergessen wurden.)
Weibchen mit Mobiltelefon lösen bei Hein Küppers grässliche, eruptive Reizdarmsymptome aus, da seine gequälte Seele durch die Kabellosigkeit des „mütterlichen“ Telefons einen Zustand vollkommener Hoffnungslosigkeit erfährt.

Der Worst Case war ein Matchplay, bei dem Hein in die Endrunde gelangte. Sie standen auf dem 18. Grün, das Match war „All square“. Hein’s Gegner hatte seine Partnerin als Caddy dabei. Beim alles entscheidenden Putt stand sie am Grün-Rand und zog ihr Smartphone heraus, worauf der Hein den kurzen Putt zum Sieg vorbeischob. Weil er nicht schnell genug zum Klubhaus rennen konnte, hat er sich dann auch noch eingeschissen, der arme Kerl.
Trotzdem: Obwohl Hein quäknölt, ist und bleibt er ein wichtiges Mitglied unserer (Golf)gesellschaft. Meint zumindest sein Therapeut, der meines Wissens kein Golf spielt.

Textauszug aus „Achtung Golfer! – Schlägertypen in Wald und Flur

Die Slevoyre-Thermal-Kur auf den Azoren

Die wohltuende Wirkung der Slevoyre-Thermal-Kur durfte ich im Herbst 2011 auf Sao Miguel, der Hauptinsel der Azoren, in dem Örtchen Furnas kennenlernen. 

Auf Sao Miguel kann man Hunderte von warmen und kalten Heilquellen finden. Allein im Dörfchen Furnas sind es 42 Quellen völlig unterschiedlicher Zusammensetzung! In der „Casa do Parque”, einer elegante Villa über dem Thermalbecken führt das Ehepaar Petersen ihre Slevoyre-Thermal-Kur durch, mit der nicht nur eine Revitalisierung von Gestressten und Erschöpften, sondern auch eine Besserung vieler Leiden möglich ist.

Das Dorf Furnas, das den riesigen botanischen Park „Terra Nostra Garden“ umschließt, wirkt gemessen an deutschen Kurorten nicht besonders attraktiv, da die eng beieinander stehenden Häuser schlicht und die Fenster zur Straße oft durch Blendläden verschlossen sind. Auch wünschte man sich etwas mehr farbliche Abwechslung bei den Hausanstrichen, denn das weiße Einerlei wirkt etwas monoton. Doch mit dieser Sicht wird man dem Dorf nicht gerecht. Wenn man zum Beispiel durch eine offenstehende Haustür schaut, geht der Blick meist direkt durch den kurzen Hausflur in den Garten – und eröffnet ein Paradies. Hinter den schlichten Häusern verbergen sich üppige Gärten mit oft herrlichem Pflanzenbestand, allen möglichen Obstsorten, und überall rankt und blüht es. Die Azoreaner verbringen bei diesen milden klimatischen Verhältnissen gut neun Monate im Garten, und dieser wird dadurch ein fester Teil des Wohn- und Lebensraumes.

Der „Terra Nostra Garden“ wurde um 1800 von dem damaligen amerikanischen Vizekonsul Thomas Hickling angelegt, der erkannte, dass im Tal von Furnas, das in einem erloschenen Vulkan liegt, ganz besondere klimatische Verhältnisse bestehen. Hier schaffen die warmen und kalten Quellen sowie ein warmer Fluss ein für den Pflanzenwuchs ideales Mikroklima, und es gedeihen Pflanzen aus aller Welt. Inmitten dieses Parks liegt mit über 70 m Durchmesser das größte Thermalbecken der Welt, das zu allen Jahreszeiten von einem grünlich-braunen Wasser von 37-38 °C durchströmt wird. Kleine Badehäuschen mit Marmorwannen zeugen von der damaligen Blüte des Heilbades. Doch im 21. Jahrhundert verordnet kein „moderner” azoreanischer Arzt mehr Wasser-Anwendungen zur Linderung eines Leidens, und die Thermalquellen werden von den Touristen lediglich als eine Möglichkeit genutzt, die müden Glieder nach Wanderungen oder ausgedehntem Golfspiel auf angenehme Weise zu wärmen und vom Muskelkater zu befreien. Völlig vergessen ist heute die Heilkraft der Quellen jedoch nicht.

Die Slevoyre-Thermal-Kur
In herrschaftlicher Position über dem Thermalbecken steht die „Casa do Parque”, eine elegante Villa, die der spätere Inhaber des Parks, der Viscomte da Praia, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert bauen ließ. In dieser Villa führt nun das Ehepaar Petersen seit 1998 ihre Slevoyre-Thermal-Kur durch, mit der – jetzt erweitert um das Heilungspotenzial von Thermen und Quellen – nicht nur eine Revitalisierung von Gestressten und Erschöpften, sondern auch eine Besserung vieler Leiden möglich ist. Auch Pharmazietechnikerin und Chiropraktikerin Barbara Petersen setzt alles daran, ihre internationalen Patienten und gestressten Kurgäste in nur zehn Tagen von allen möglichen Leiden zu befreien, um sie wieder topfit zu machen.
Schon 1997 erfuhren Dirk und Barbara Petersen von der Heilwirkung der Wässer in Furnas. Die Petersens führten zu diesem Zeitpunkt seit Jahren sehr erfolgreich Regenerationskuren für gestresste und erschöpfte Manager in dem irischen Schloss Slevoyre durch. Die Slevoyre-Kur wurde damals von Magazinen wie Capital, Wirtschaftswoche, Impulse, Stern und anderen wegen ihrer tiefgreifenden Regenerationswirkung einhellig gelobt. Sie basiert auf Dirk Petersens ungewöhnlicher Ausbildung, welche die Schulmedizin, Naturheilkunde und Chinesische Medizin umfasst (er wurde der erste ausländische „Doctor of Chinese Medicine” mit Approbation der „Republik of China”).

Bei der Slevoyre-Kur wird größter Wert auf medizinische Effizienz gelegt und ein deutliches Absetzen von modischen Wellness-Kuren angestrebt. „Mich hat immer die Kombination von westlicher und traditioneller chinesischer Medizin fasziniert”, beschreibt er seinen heilkundlichen Ansatz. „Deshalb habe ich zusammen mit meiner Frau seit 1991 die „Slevoyre-Kur” entwickelt, die als eines der kürzesten, intensivsten und umfassendsten Regenerationssysteme im manchmal etwas unübersichtlichen Markt der Kur- und Wellnessangebote gilt.”

Begeistert von der Idee, die irische Kur um weitere Heilungschancen erweitern zu können, verlegten Dirk und Barbara Petersen kurzerhand ihr Kurangebot auf die Azoren und begannen, sich mit den Heilwässern und deren Geschichte zu befassen. Alte Ärzte wurden befragt, antiquarische Literatur ausgegraben, Unterlagen der Universität Ponta Delgada eingesehen, und immer wenn die Petersens einen Insulaner aus einer der Heilquellen trinken sahen, fragten sie ihn nach seinen Erfahrungen. So häuften sie inzwischen ein Wissen über dieses Gebiet an, das sie heute zu den besten Kennern der Behandlungsmöglichkeiten durch die Heilquellen von Furnas macht. Bereichert um Thermalanwendungen und die Möglichkeit, für fast jedes Leiden ein Heilwasser als Gesundheitsgetränk anbieten zu können, wurde die ursprüngliche Regenerationskur nun Slevoyre-Thermal-Kur genannt, die jetzt in einem der schönsten Parks Europas, dem Terra Nostra Park, durchgeführt wird.

Dirk Petersen schreibt dazu: „Die Slevoyre-Thermal-Kur verbessert die „Lebensumstände” Jeder einzelnen der knapp 70 Billionen Körperzellen. So ergibt sich eine wesentlich breitere Indikationsliste für die Slevoyre-Thermal-Kur als für andere Kuren (lediglich Krebserkrankungen und Depressionen werden nicht behandelt). Jede Zelle des Körpers ist auf ausreichende Versorgung durch Aufbau- und Funktionsstoffe sowie Sauerstoff angewiesen. Jede Zelle muss von Ausscheidungsprodukten des Stoffwechsels gereinigt werden. Anlieferung und Abtransport werden durch die beiden fließenden Systeme von Blut und Lymphe vorgenommen.

Dies berücksichtigt die Slevoyre-Thermal-Kur über ihre Auswirkung auf drei Funktionsbereiche, welche unmittelbar das Leben einer jeden Körperzelle verbessern:

1.  Nach gründlicher Darmreinigung wird eine ungewöhnlich umfassende Sanierung der Darmflora vorgenommen (82 der wichtigsten Bakterienstämme des Darmes werden regeneriert). Nun kann im Darm wieder das gesamte Spektrum von Vitaminen, Spurenelementen, Mineralien usw. aus der Nahrung gewonnen und an das Blut abgeben werden.

2.  Das Blut wird durch die Slevoyre-Thermal-Kur fließfähiger (die Viskosität verbessert sich). Es strömt nun dynamischer durch die Lungen und den Körper, die Umlaufgeschwindigkeit des Blutes erhöht sich. Das hat eine wichtige Konsequenz für die Zellen: pro Zeiteinheit wird mehr Sauerstoff von den Lungen, mehr Lebensspendendes (Vitamine, Spurenelemente usw.) vom Darm zu den Zellen transportiert. Die beiden sauerstoffabhängigsten Organe, Herz und Hirn, profitieren besonders hiervon, „atmen auf”.

3.  Die Kur wirkt auf das Gefäßsystem wie ein moderner Rohrreiniger. Ablagerungen, die im Alterungsprozess die Blutgefäße auskleiden, werden abgebaut, die Gefäßwände werden elastischer. Durch diese Wirkungen erhöht sich wiederum die Umlaufgeschwindigkeit des Blutes, und das Herz muß weniger Kraft aufwenden, da das Blut einen geringeren Widerstand zu überwinden hat – eine ideale Situation für eine Normalisierung des Blutdrucks.

Diese drei Hauptwirkungen der Kur erfährt jeder Kurteilnehmer. Neue körperliche und mentale Energie wird spürbar, die Augen sehen schärfer, der Geist wird wach. Zusätzlich (und im Kurpreis enthalten) erfolgen bei jedem Patienten individuelle Behandlungen seiner Gesundheitsprobleme. Als Therapien stehen westliche und chinesische (überwiegend naturheilkundliche) Behandlungsmethoden zur Verfügung.
Besonderen Wert legt Petersen auf schmerzarme und nebenwirkungsfreie Behandlungen. Durch die äußerst subtile Diagnosetechnik der asiatischen Medizin werden auch solche Erkrankungen erfasst und mitbehandelt, die sich in den ersten Entwicklungsstadien befinden und oft von der westlichen Apparatemedizin noch nicht erkannt werden können.
Aber auch die Hintergründe und wahren Ursachen eines bekannten Krankheitsbildes werden durch die sensible, chinesische Diagnostik oft erst offenbar. Somit wird eine ursächliche (und nicht nur symptomatische) Behandlung möglich. Während der Kur erhält der Teilnehmer / Patient laufend gut verständliche Informationen über gesunde Ernährung und Lebensweise. Es werden praktikable, logische und gut in den Alltag integrierbare Bewegungstechniken und Verhaltensweisen gelehrt, welche helfen, die neu gewonnene Vitalität lange zu erhalten.

Erstaunlich ist es, dass sich anscheinend bisher niemand mit der sehr interessanten Geschichte der Therapie mit azoreanischen Heilwässern auseinandergesetzt hat. Dieser Verdienst kann den Petersens zugeschrieben werden. Durch die heilsamen Thermalquellen erfährt nicht zuletzt die bereits sehr erfolgreiche Slevoyre-Kur noch eine besondere Aufwertung. Ein Besuch der Azoren verspricht in vielerlei Hinsicht einen nachhaltig wirksamen Eindruck.
 
Die Slevoyre-Thermal-Kur hilft besonders bei:
•   nachlassender körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit,  
•   erhöhtem Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko,
•   Erkrankungen von Herz und Kreislauf, Durchblutungsstörungen,
•   Arthrose (Hüfte, Knie, Finger),
•   den meisten Rückenleiden,
•   Erkrankungen des Verdauungssystems (Magen, Leber, Darm),
•   geschwächtem Abwehrsystem (Infektanfälligkeit),
•   vielen Hauterkrankungen
 

Allgemeine Informationen: 
Azoren.at (Ausführliche Informationsseite mit Schwerpunkt Golf)
Azoren-Online (Das Portal der Azoren)
Azoren-Links (Reiseberichte, Tipps und Links)
Stern-Bericht über die Heilwasser-Therapie in Furnas 


Credits: Vielen Dank an Dirk Petersen für seine Hintergrundinformationen und Textbeiträge! Dieser Text wurde bereits in der CO’MED, dem Fachmagazin für Naturheilkunde veröffentlicht. Siehe: http://eugenpletsch.de/wp-content/uploads/2022/01/pletsch_azoren_2010-10.pdf