Golf als Übungsweg

Wir praktizieren den Weg und das heißt, wir üben, die Begierde loszulassen. Erst dann kann Sport auch mehr werden als einfach nur Sport, nämlich Weg-Übung, Weg-Praxis.
Dieser Satz stammt aus Fumon S. Nakagawas Buch „ZEN, weil wir Menschen sind“, das 1997 im Theseus-Verlag erschienen ist.

Was heißt: Golf als Übungsweg? Demut und so…? Ja, auch, aber eigentlich geht es um viel mehr: Jeder Golfschlag ist eine unwiderrufliche Handlung, die im Idealfall etwas Vollkommenes ausdrückt. Der Putt nimmt dabei eine besondere Rolle ein, weil er sozusagen als Klimax die Folge der vorherigen Schläge auf der Bahn abschließt und, wie kurz er auch sein mag, als voller Schlag gezählt wird.
Ein Golfschlag erfordert Mut, Entschlusskraft und die Fähigkeit, den Schlag so auszuführen, wie man ihn beabsichtigt. Rainer Mund nennt das ‚Den Schlag zum Ball bringen‘.
Golfen heißt in diesem Kontext, körperliche Fähigkeiten mit Übungen zu verbinden, die den Geist stärken.

Das ‚Hagakure‘ bezeichnet dies als entschlossenes Handeln am Rande des Wahnsinns, was der Golfrunde eines Tour-Spielers entsprechen könnte, während der Alltag eines Amateur-Golfers doch eher vom unentschlossenen Handeln in Mitten des Wahnsinns geprägt ist.

Mancher Adept des Golf-Weges macht aus seiner Faszination gegenüber japanischen Kampfkünsten kein Geheimnis. Ähnlich dem Manager, der „Die Kunst des Krieges“ von Sunzi unter dem Kopfkissen bewahrt, erhofft er sich aus den martialischen Texten der Samurai-Tradition, den Mut zum eigenen Biss anzulesen.

Zur Frage, wie ein Golfer mit Emotionen, Gedanken und Ängsten umgehen soll rät Zen-Autor Jan Willem van de Wetering:
Mach weiter, tu dein Allerbestes. Und mach dir klar, dass es keine Garantie dafür gibt, dass du es jemals schaffst.“
Das ist ein Satz der Mastery-Orientierung ausdrückt und mit diesem Satz, der wenig Mut macht, müssen besonders die Golfprofis leben, die jede Woche neu versuchen, ihr Bestes zu geben.
In dem Zusammenhang fällt mir „Fearless Golf“ von Dr. Gio Valiante ein. Valiante empfiehlt dem Golfer ‚Mastery-Orientierung‘, was im Gegensatz zur ‚EGO-Orientierung‘ bedeutet, dass der Spaß im Lernen und der damit verbundenen Verbesserung (Kaizen) steckt. Die Motivation, sich zu verbessern, bedarf keiner externen Belohnung (Preise). Hindernisse werden als Herausforderung betrachtet, sie stellen keine Bedrohung dar. Überhaupt liegt der Focus darauf, den Platz zu spielen, anstatt andere Golfer im Wettbewerb zu schlagen. Wettbewerb wäre höchstens die Gelegenheit erworbene Fähigkeiten zu testen und zu perfektionieren, aber die Motivationen des Ego-Golfers sind ansonsten ohne Bedeutung.

Ein Ego-Golfer spielt, um der Erwartung anderer gerecht zu werden. Sein Selbstwertgefühl hängt von seiner Leistung im Vergleich mit anderen ab oder wie Vagliante sagt: „Ein guter Score ist (dem Ego-Golfer) wichtiger, als gut zu spielen.“
Ego-Golfer gieren nach Preisen, Auszeichnungen, Anerkennung und einem besseres Handicap. Deshalb ist ihr Spiel weniger von Freude, sondern mehr von Versagensangst bestimmt.

Ist der Spieler ‚in the zone‘, ist seine unmittelbare Handlung ohne Anhaften an Gedanken des Vorhin und Nachher. Sind die technischen und mentalen Hausaufgaben tausendfach geübt, passiert ES – sofern man ES zulassen (loslassen) kann.
Ob ES dann wirklich passiert, ist Gnade oder Glück, oder wie immer man dieses absichtslose Wirken jenseits des Wollens bezeichnen möchte.

Ein Putt-Coach empfahl mir, zum Loch zu sehen und dann zu putten. ZEN-Leute empfehlen, eins mit dem Ziel zu werden und mein Freund Timbo, ein englischer Autoverkäufer, sagt stets: „Don’t think. Just hit the fucking ball.“

Welches Konzept Euch am meisten hilft, müsst Ihr selbst rausfinden.

Eugen Pletsch

*Jan Willem van de Wetering: ‚Ein Blick ins Nichts‘, Rowohlt.

…ein paar Anmerkungen…

Aus dem Schlusswort eines Vortrags

Gestatten Sie mir zum Abschluss noch ein paar golfphilosophische Anmerkungen:
Manche Leute meinen ernsthaft, Golf wäre gar kein »Sport«, sondern eine Methode der Bewusstseins- und Charakterbildung.
Das ist insofern richtig, als das Golfspiel auf einem Codex beruht, nach dem ein Spieler sich bisweilen selbst Strafschläge notiert, wenn er meint, gegen eine der Regeln verstoßen zu haben.
Doch diese Ehrenhaftigkeit, die man Spirit of Golf nennt, gilt mittlerweile in manchen Kreisen als verstaubte Tradition.
Der »Geist des Golfspiels« ist vielerorts flüchtig geworden, gerät immer mehr in Vergessenheit oder hat sich in einen Poltergeist verwandelt.

Deshalb hoffe ich, dass die Tradition unseres Spiels nicht gänzlich verloren geht, wenn die Mitgliedergewinnung um jeden Preis vielfältige Blüten treibt, von denen nicht alle nach Golf duften.
Sich auf die geistigen Grundlagen unseres Spiels zu besinnen, heißt auch, Golfanfängern deutlich zu sagen, worauf sie sich einlassen.
Ja: Golf ist ein Spiel, aber »Golf spielen« ist kein leichtes Unterfangen und wer nicht bereit ist, das Spiel so weit zu erlernen, wie es seine motorischen und geistigen Fähigkeiten zulassen, wird mit all den Problemen konfrontiert werden, die ich als bekennender Golfdilettant in meinem Büchern ausführlich karikiert habe.
Meine Botschaft ist, dass Humor und die Fähigkeit, sich selbst zu betrachten, ohne sich dabei allzu ernst zu nehmen, wichtige Elemente dieses Spiels sind. Aber Golf ist auch eine Kunst, die mit Können zusammenhängt und mit Glück und der Fähigkeit loszulassen, um das Spiel zuzulassen, das in uns steckt.
Das klappt meist nicht so, wie es soll, aber Wunder geschehen immer wieder…und manchmal passiert dann jener magische Moment, in dem uns die Golfgöttin ihre Gunst schenkt und in dem alles möglich wird, weshalb wir nie von unserem Spiel lassen werden…

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

(c) by Eugen Pletsch

Die Golfgöttin von Klaus Holitzka

Goldstaub auf der Currywurst

Im Kontext der Diskussion um die Modernisierung des Golfsports sagte Martin Kaymer, dass er sich in den Golfclubs mehr Burger und Currywurst wünschen würde. „Der Weg nach vorne wäre jedenfalls: Neun-Loch-Golfplätze mit einer entspannten Atmosphäre, wo du Currywurst-Pommes und Burger am letzten Loch mit etwas Musik serviert bekommst„, zitiert ihn die „Rheinische Post“. Der Artikel ist in der Süddeutschen zu finden. 

Sogleich beteuerten die Protagonisten eines „zeitgemäßen Golf-Marketings“, dass auch sie die Currywurst längst als eine entscheidende Bereicherung zur Entwicklung des modernen Golfsports ansehen. Aber ist die Currywurst wirklich die Rettung jener Clubs, denen das Geld ausgeht?
Ich weiß es nicht. Ich weiß auch nicht, was Kaymer angesichts der weltweiten Diskussion über Klimaschutz und Brandrodung geritten hat, Burger und Bratwurst auf die Agenda zu setzen. Vielleicht hat der rheinische Jung‘ die Buffets der VIP-Zelte satt und sehnt sich nach dem bodenständigen Futter seiner Heimat, aber dass er Jugendliche, die immer häufiger unter Zuckerkrankheit und Übergewicht leiden, mit Junk-Food auf die Golfplätze locken will, halte ich für etwas unüberlegt.

Ich ahne, wie er es meint. So ähnlich wie damals, als er von Jeans auf dem Golfplatz schwärmte: Golf sollte etwas lockerer werden, nicht so steif und förmlich – aber ist es das nicht längst? Bis auf jene Clubs, die es noch nicht nötig haben, ihr elitäres Getue aufzugeben, sind sie doch alle bereits derart locker geworden, dass Golf-Etikette bereits als Schrulle einer aussterbenden Gattung seniler Golf-Fundamentalisten gilt.

Aber: Was ist denn neu an Kaymers Currywurst-Vorschlag? Diese Frage stellte ich in dem Golfmentoren-Thread:
Auf dem öffentlichen Golfplatz ‚An der Lausward‘ in Düsseldorf war dieses Konzept bereits vor 30 Jahren erfolgreich. Da gab es im Büdchen leckere Schnittchen, aber bestimmt kein Junk-Food und schon gar keinen Akustik-Smog! Golf ist Rasen-Schach. Wie bei einem Schachturnier braucht Golf Ruhe und Konzentration. Wer Gaudi will, sollte einen Rummelplatz besuchen.“

Cartoon: Peter Ruge


Umgehend wurde ich vom Rheinischen Golf-Impresario Michael Jacoby zusammengefaltet:
„Schnittchen SIND Junk-Food. Das Büdchen gibt es nicht mehr und wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit, lieber Eugen. ich überlege gerade ob wir nicht mal ein „Heavy metal Fu..ing 9-hole“-Turnier machen und den Platz mal so richtig beschallen…..Preise: Tickets für Wacken. Es gibt für alles eine Klientel, Eugen und natürlich auch für Rasenschach.“

„Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit, lieber Eugen.“  

Das hatte gesessen und verdeutlicht, wie überholt meine Ansichten zum Golfsport sind.

Mir wurde klar: Es macht keinen Sinn, Trends der Zeit, die meist seichte PR-Gags sind, zu diskutieren und Jacobys Statement hat mir noch mal verdeutlicht, warum mir zum Golfsport nicht mehr einfällt. Wenn ich Golfturniere im Fernsehen und den Profi-Golfsport mit seinen perversen Preisgeldern und fragwürdigen Sponsoren betrachte, wird mir bewusst: Meine Zeit ist vorbei, der Spirit of the Game ist längst ein Gespinst, das spätestens dann zu Staub zerfallen wird, wenn die Wacken-Golfer das Spiel übernehmen und die Jacobyner „den Platz mal so richtig beschallen“.

Wie auch immer: Kaum hatten sie ihre Currywutz durchs Dorf getrieben, folgte ein neuer Post von Carsten Moritz, der auf einen Artikel der Golfpost hinwies. Darin geht es um „Verknappung als Erfolgskomponente“, also genau das Gegenteil von Kaymers Vorschlag. Mehr Exklusivität in den Clubs, um Formel1-Golfer anzulocken, indem man sie sozusagen mit Goldstaub auf der Currywurst pudert.

Günter Rottensteiner, Director of Golf bei Golfresort Haugschlag schreibt: „Grundsätzlich: Wichtiger als alles andere, ist es, den Golfern begreiflich zu machen, dass jede Golfrunde einen Wert hat. Das Verramschen der Golfrunden ist schädlich für alle. Wenn ich in die Oper gehe und dafür 500 Euro hinlege, dann ist es mir als Kunde bewusst, dass ich das nicht für den Sessel bezahle auf dem ich 3 Stunden sitzen darf, sondern für das Gesamterlebnis. Ist die Aufführung gut, dann sind mir dies die 500 Euro wert. War die Aufführung mies, dann wären mir 100 Euro zu viel gewesen. War die Aufführung/das Erlebnis Weltklasse, dann hätte ich gerne noch 200 euro draufgelegt und teile dieses Erlebnis meinen Freunden mit.“

Ich finde, der Vergleich hinkt, denn wenn ich auf einem bekannten, vielfach beworbenen Platz EUR 150.- Greenfee zahle, dann habe ich zumindest hierzulande keine Garantie, dass das angestrebte Gesamterlebnis einer flüssigen Golfrunde von drei Stunden stimmt, weil kein Club garantieren kann, dass nicht drei Dussel im Flight vor mir ihr Gesamterlebnis lieber sechs Stunden lang zelebrieren möchten – mal abgesehen von allen anderen Faktoren, die das Wetter und die Natur ins Spiel bringen.

Dass die Exklusivität einer Golfanlage weder mit einer Marmor-Lobby im Clubhaus noch mit sozialverwahrlosten Zicken auf der Club-Terrasse zu tun hat –  sondern vielmehr mit engagierten Greenkeepern und einer Anlage, die sportliche wie ökologische Intelligenz beweist – hat sich in manchen Opernhäusern offensichtlich noch nicht rumgesprochen.

(Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass ein Clubmanager 500.- Euro für einen Opernbesuch ausgibt, wo doch die Mehrzahl der Golfclubs nicht mal in der Lage ist, 500.- Euro zusammenzulegen, um mich zu einer Lesung einzuladen…)

Zu besagtem Golfpost-Artikel gab es einen Leserbrief von Daniel Schneider. Auszug: „Der Vergleich zur Formel 1 ist vollkommen unpassend. Die Formel 1 lebt von den Fanmassen, den man Brot und Spiele vor Ort bzw. vor dem Fernseher bietet. (…) Im Golfsport wahrscheinlich nur vergleichbar mit Loch 16 der Phoenix Open. Dies ist das Gegenteil von Glamour.“

Richtig, Daniel, danke!

Teure Greenfees und versnobtes Getue machen Golf noch lange nicht exklusiv und die Formel 1, deren Vermarktung man sich hier als Beispiel heranzieht, ist nicht nur NICHT exklusiv, sondern in der heutigen Zeit geradezu obszön.

Aber versteht das jemand, der sich beim AUDI-Kauf betrügen lässt und jetzt eine Dreckschleuder fährt, die eigentlich gar keine Zulassung habe dürfte? Vermutlich nicht.

Nun denn: Probiert es mit Wacken-Golf und Heavy Metal-Krach am Clubhaus, um neue ‚Consumer‘ für exklusiven Golfsport zu interessieren. Vielleicht klappt es. Übrigens: Eine Shisha-Bar im Halfway-House (oder auf der Rheingolf) dürfte auch eine zahlungskräftige Klientel im schwarzen Mercedes oder BMW mit getönten Scheiben anlocken.

Doch, wirklich, macht mal – und habt Spaß – aber nennt es bitte nicht GOLF!

(c) 2019 by Eugen Pletsch

Die Werkstattgeburt

Eine Weihnachtsgeschichte

Josek hatte sich geweigert, für eine der Bürgerkriegsparteien zu kämpfen und musste aus seiner Heimat fliehen. Freunde halfen ihm bei der Flucht. Nach langen, harten Wegen erreichte er Deutschland. Marthe blieb zurück. Josek betete, dass Marthe würde nachkommen können. Ohne Papiere war es schwer, Arbeit zu finden, aber als gelernter Zimmermann konnte er in einer illegalen Leiharbeiterkolonne auf dem Hochgerüst malochen. Er hauste mit sechzehn Kollegen in einem Container, der höchstens acht Leuten Platz bot. Josek sollte vier Euro die Stunde bekommen. Den Rest bekam der Vermittler. Aber am ersten Zahltag wurde ihm noch mal die Hälfte seines Lohns für die Unterkunft abgezogen. Nach einer Razzia musste er verschwinden. Endlose Stunden lief er aus der Stadt. Er wollte nur weg von diesem schmutzigen, lauten Ort. Irgendwann in der Nacht versteckte er sich in einem Schuppen und schlief ein.

Als er am nächsten Morgen vor die Tür trat, war alles so schön und grün, wie er es noch nie zuvor gesehen hatte. Das sei ein Golfplatz, sagte ihm ein Mann, dem er begegnete. Dieser Mann, Besnik, war aus dem Kosovo geflohen. Sie konnten sich verständigen.

Besnik redete mit dem Clubmanager. Josek durfte im Schuppen schlafen und helfen. Er sammelte Bälle, flickte Zäune, grub Löcher. Er war fleißig. Der Manager war zufrieden. Nur durch diese Besniks und Joseks konnte er den Betrieb aufrechterhalten. Auch Josek war zufrieden. Er lernte deutsch. Aber er durfte keinen Kontakt mit den Mitgliedern und Gästen haben.

»Nur grüßen«, sagte der Manager. »Nix reden – du arbeiten!«

Josek verstand. So hatte er seinen Platz gefunden. Manchmal beobachtete er die Golfer aus seinem Versteck unter dem Schuppendach, von dem aus er über den Platz schauen konnte. Was waren das nur für Leute? Was taten sie? Und weshalb schauten sie oft so unglücklich aus?

Im Herbst musste der Clubmanager die meisten seiner Arbeiter wegschicken. Manche konnten sich arbeitslos melden, alle anderen mussten sehen, wo sie blieben. Josek durfte bleiben. Er sollte den Dachboden über dem Geräteschuppen ausbauen. Im Geräteschuppen war eine Werkstatt. Josek hatte alles, was er brauchte. Er hatte ein Dach über dem Kopf und bekam gutes Essen, aber er sehnte sich nach Marthe.

Eines Abends gelang es ihm, Marthe bei Freunden in der Heimat zu erreichen. Marthe weinte. Ob sie noch kommen solle? Er bejahte, wenngleich er nicht wusste, ob sie es schaffen würde. Geld konnte er ihr keins schicken.

»Ich werde auf dich warten«, sagte er.

»Josek«, sagte sie, »ich muss hier weg, ich bin schwanger.«

Er schluckte. »Wer?«

»Josek«, sagte Marthe, »das macht mir einen Kopf. Es gab keinen Mann bei mir, seit du weg bist.«

»Keinen Mann?«

»Josek, ich schwör’s!«

»Komm«, sagte er zu ihr. »Es wird sich alles finden.«

Dann wurde die Leitung unterbrochen.

Wochen später kam die Nachricht, Marthe würde Mitte Dezember auf dem Parkplatz eines Supermarktes in der Stadt eintreffen. Als es so weit war, sagte Josek zu Besnik:

»Ich muss weg, Kollege. Frau kommt. Ich komme zurück.«

Besnik nickte. Mit dem dicken Zimmermannsbleistift malte er eine Skizze auf einen Zettel.

»Hier ist die Stadt, Jo«, sagte er. »Und hier fährt der Bus, hier ist der Golfplatz.«

Ein Lieferant, der Baumaterial brachte, nahm Josek mit in die Stadt.

Drei Tage lang wartete Josek am vereinbarten Treffpunkt auf dem Parkplatz hinter dem Supermarkt. Er schlief auf dem Lüftungsschacht am Hintereingang, auf dem es erträglich warm war. Am Nachmittag des vierten Tages stand Josek an einem Imbiss. Der Mann am Tresen las in einer Zeitung. »Jesus wurde nicht in einem Stall geboren, sondern in einer Werkstatt«, sagte er laut und schien erstaunt. Josek nickte, aber er wusste nicht, was das bedeutete.

Wieder wurde es Abend, der Parkplatz leerte sich. Josek wollte gerade seinen Schlafplatz aufsuchen, als ein Transporter an der dunklen Seite des Parkplatzes hielt. Es blieb eine Weile still, dann öffneten sich die Fahrertüren und zwei Männer stiegen aus. Sie entriegelten die Hintertür. Langsam krochen gebückte Gestalten aus der Dunkelheit des Wagens und streckten sich. Dann sah er Marthe. Sie stieg langsam aus dem Wagen. Josek umarmte sie. Marthe verabschiedete sich von den anderen. Sie war dick und konnte nur langsam gehen. Sie brauchten eine Weile bis zur Bushaltestelle. Josek hatte den Zettel von Besnik in der Hand. Damit würden sie zum Club zurückfinden.

Der Clubmanager war in den Winterurlaub gereist. Die letzte Veranstaltung des Jahres würde von einer Event-Agentur und der Clubsekretärin betreut werden. Das traditionelle Weihnachtsturnier über 9 Loch mit Charity-Gala war die Idee dreier kooperierender Software-Firmen. Die vielen Singles und geschiedenen Mitarbeiter hatten dadurch die Möglichkeit, den Abend in fröhlicher Gesellschaft zu verbringen. Das hob die Produktivität, senkte die Selbstmordrate und optimierte die Vernetzung der drei Firmen untereinander.

Am 24. Dezember erwachten Josek und Marthe auf dem Dachboden über der Werkstatt. Er schaute aus dem Fenster. Es war überraschend viel Betrieb. Im Hof traf er auf Besnik.

»Was iss heute los? Viele Leute!«

»Se haben Ewänd.«

»Was iss Ewänd?«

»Schärrety Ewänd! Weiss nicht genau. Rennen durch de kalte Wind und kloppen de Bälle, um zu helfen arme Leute.«

»Wie uns?«

»Ah, nix wie uns. Uns geht’s gutt. Haben Arbeit und Bett!«

»Sind gute Mänsche, de Golfer«, sagte Josek bedächtig.

»Ja, sind gute Mänsche, etwas verrickt, aber gute Mänsche«, stimmte Besnik zu. »Und se haben drei Keenig dabei!«

»Haben Keenig? Yessas!«

»Yo, hab ich so verstanden. Sachte mir Etbin, de Kellner. Drei Branchen-Keenige von de Softwähr!«

»Yessas!« Josek machte sich auf, um Marthe von den seltsamen Königen zu berichten.

Weil es auf dem Dachboden zu kalt war, bettete Josek seine Marthe auf das alte Sofa, das in der Werkstatt neben dem Bullerofen stand. Er hielt ihre Hand und schaute sie liebevoll an.

»Du bist nicht böse?«

»Warum?«

»Wegen dem Kind.«

»Ich bin froh, dass du bei mir bist. Es wird unser Kind sein.«

Besnik kam mit seiner Frau. Sie begrüßten Marthe und brachten Essen.

»Wann ist es so weit?«

»Bald«, sagte Marthe.

»Was wird Manager sagen?«

»Wer ist Manager?«

»Is Scheffe«, sagte Josek. »Wird schimpfen.«

»Scheffe iss nich da«, sagte Besnik, »nur de gute Mänsche vom Schärrety Ewänd.«

Am Abend setzten die Wehen ein. Zwischen Traktor, Mähbalken, Aerifizierer und Vertikutiergerät gebar Marthe ihren Sohn. Besniks Frau half. Alles ging gut. Josek weinte.

Und so geschah es, dass Besnik es dem Etbin erzählte und Etbin erzählte es dem Sommelier Franco und der erzählte es dem Koch und der schickte ein großes Tablett mit guten Speisen. Der Koch erzählte es dem Barkeeper und der erzählte es der Eventmanagerin und sie erzählte es einem der drei Software-Könige, der gerade mit der Siegerehrung beginnen wollte, und so sprach er: »Ver­ehrte Gäste, liebe Freunde, soeben ward uns in der Werkstatt ein Kind geboren!«

Die drei Software-Könige machten sich auf, die Werkstatt zu suchen, und Etbin, der Kellner, wies ihnen den Weg.

»Hinten am Geräteschuppen leuchtet hell wie ein Stern die große Flutlichtlampe. Sie können es nicht verfehlen.«

Die drei Software-Könige fanden Marthe mit ihrem neugeborenen Kind und überreichten ihr Geschenke: Eine Flasche Dom Pérignon von 1998 (Edition Karl Lagerfeld), Angel-Parfüm von Thierry Mugler, einen Pashmina-Schal von Anita Pavani und ein hübsches Sümmchen, das die Golfer gesammelt hatten. Es wurde ein schöner Weihnachtsabend. Sogar die Golfer lächelten und waren glücklich.

Tage später gab es Gerüchte. Plötzlich stand die Ausländerbehörde vor der Tür. Sie erwischten Besnik und seine Frau, die keine Aufenthaltserlaubnis hatten. Marthe, Josek und das Kind hielten sich den ganzen Tag auf dem Dachboden versteckt.

»Wir müssen fliehen«, sagte Marthe am Abend, als Josek gerade in den Werbebeilagen einer Zeitung die Windelpreise verglich.

»Fliehen?« Josek schaute in die Zeitung. »Hier! Wie wäre es mit Ägypten? Zehn Tage, alles inklusive, mit Silvester-Gala und Kamelreiten zum Superferien-Sparpreis!«

Marthe nickte und gab dem Jungen die Brust: »Klingt gut, auf nach Ägypten.«

Neurotische Golfballautomaten

Die Driving Range ist eine lange, breite Wiese. Darauf stehen bisweilen Fähnchen oder Entfernungsmarkierungen, die Ihrem Zielspiel dienen sollen. Hinter den Abschlägen, meist in einem Schuppen, befindet sich der Ballautomat. Bezahlt wird mit speziellen Münzen oder Wertkarten, die Sie im Sekretariat oder Proshop erhalten können. Leider sind manche Golfballautomaten komplett irre.

Golfballautomaten sind die Snobs unter den Automaten. Sie stehen in der Hierarchie der Automaten über den Spielautomaten, die als Gangster gelten, den Parkautomaten, die nur etwas Albernes, kosmisch wenig Relevantes wie die Zeit anzeigen sowie Getränkeautomaten, die nicht funktionieren.
Bei den Ballautomaten unterscheiden wir zwei Gruppen. Die alten, manuellen Blechkästen lassen sich nur durch Koseworte, Drohungen, Tritte und Bestechung (nachzahlen) zur Ausgabe von Bällen bewegen, oder auch nicht.
Die neuen, vollelektronischen, grün lackierten Kästen werden von einem japanischen Automatenhersteller geliefert, der sich ursprünglich mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz beschäftigte. Da aber schon normale biologische Intelligenz heute wenig Nachfrage erfährt und die Geschäfte mit der künstlichen deshalb stagnieren, haben sich die Hersteller auf den Bau von Ballautomaten spezialisiert. Denn wenn eine Firma einen ziemlich schlauen Chip entwickelt hat (der depressiv im Regal liegt, weil er es an der Börse nicht gebracht hat), dann wird sie sich einen Teufel darum scheren, dass der Chip für die Bedienung eines Ballautomaten überqualifiziert sein könnte. Also wird der halbintelligente Superchip aus firmenstrategischen Entscheidungen in einen Ballautomaten verbannt.
Während seine niederen Schaltkreise den Job machen, fängt er an, sich zu langweilen. Er fängt an zu denken. Ein Chip, der zu viel denkt und sich dabei langweilt, wird mit der Zeit neurotisch und sich irgendwann überlegen, wie er jemanden ärgern könnte. Dazu hat er sein Display:
»Der Automat ist ausgabebereit. Bitte stecken Sie Ihre Clubkarte in den Schlitz.«
Sie stecken Ihre Clubkarte in den Schlitz.

»Diese Karte ist ungültig.«

Ihre Karte ist sehr wohl gültig. Sie haben Ihre Gästekarte mit einem Wert von 50 Euro soeben im Sekretariat abgeholt. Der Automatenchip hat die Buchung über das Netzwerk mit schläfrigem Interesse verfolgt und Ihre Daten ausgelesen. Aus kreativer Langeweile hat er dann Ihre Kreditkarte gesperrt und einer Wirtschaftsfachzeitschrift die Anweisung gegeben, Sie unter vier fehlerhaften Firmenadressen mit Abonnementsangeboten anzuschreiben. Gleichzeitig erhält Ihre Frau eine anonyme SMS mit dem Kurztext:

»Ihr Mann ist ein Schwein, aber ich behalte ihn!«

Während sich ein Abschleppdienst daran macht, Ihren angeblich falsch geparkten Wagen vom Clubgelände abzuschleppen, gibt Ihnen der Automat einen einzigen, gelangweilten Hinweis auf dem Display: »Heute nur Münzen.« Also traben Sie zum Clubhaus und holen sich ein paar Münzen. Daraufhin wird unser gelangweilter Automat antworten: »Heute keine Münzen. Sie schmecken mir nicht. Und überhaupt: Sprich mal mit mir. Ich bin einsam.«

Sie trauen Ihren Ohren nicht! Einen Teufel werden Sie tun! Lassen Sie sich auf nichts ein. Treten Sie an den Kasten, bis er sich besinnt und seine Bälle ausspuckt! Sie sind hier, um Golf zu üben, und nicht, um sich vom depressiven Abschaum einer pubertären Halbleitergeneration nerven zu lassen. Treten Sie feste an den grünen Kasten! Bis die Farbe abspringt.

Wir müssen den Maschinen zeigen, wo ihr Platz ist. Erst lässt man die Pros ins Clubhaus, um dann, schon wenige Jahrzehnte später, mit Ballautomaten verhandeln zu müssen!

Bleiben Sie hart. Treten Sie nochmals zu. Irgendwann zeigt das Display an: »Aua, du Idiot!« Aber dann spuckt der Automat die Bälle aus. Das ist sein Job. Dafür wird er bezahlt. Der Rest hat uns nicht zu interessieren. Sie werden die Bälle dreckig bekommen, weil er die Wasserzufuhr sabotiert hat. Aber das erinnert uns nur an die proletarische Herkunft des Golfsports. An die Zeit, bevor es neurotische Automaten gab. Wie hat sich die Welt verändert!

Nur die alten Ballautomaten, die Sie manchmal noch auf kleinen 9-Loch-Plätzen finden, erinnern an die gute, alte Zeit, in der eine hakelige Mechanik (natürlich auch nur nach Drohungen, Rütteln und Tritten) bisweilen einen kleinen Korb Bälle ausgab. Diese Automaten sind längst gewerkschaftlich organisiert und stehen unter dem Schutz von Greenpeace. Sie sterben aus, die guten, alten Rappelkisten, und wenn Sie einen sehen, sollten Sie respektieren, dass er Ihr Geld schluckt und, je nach Laune, ein paar – oder keine – dreckige(n) Bälle ausspuckt. In der Hierarchie über diesen alten Ballautomaten stehen nur Getränkeautomaten, die funktionieren.

Auf der Driving Range, Cartoon: Peter Ruge

Abschläge

Die Abschläge auf der Driving Range bestehen normalerweise aus Abschlagmatten verschiedener Güte. Wenn Sie jetzt vermuten, dass ich Ihnen eine längere Abhandlung über die Qualität von Abschlagmatten unter besonderer Berücksichtigung der finanziellen Lage von Golfclubs schreibe, dann haben Sie sich geschnitten. Wir unterscheiden jetzt, wo mein Whisky sich in mir verliert, nur zwei Sorten von Matten. Neue und alte. Die neuen sind gut, aber die meisten Clubs haben alte Matten.

Während der Anfänger vorzieht, von den Gummimatten mit Kunststoffraseneinsatz abzuschlagen, steht der fortgeschrittene Golfer lieber direkt auf der Wiese. Meist ist die Abschlagslinie durch ein Seil markiert. Jedenfalls dürfen Sie immer nur in eine Richtung abschlagen. Niemals vor oder hinter anderen Golfern stehen, auch nicht schräg versetzt. Ihre Haftpflichtversicherung wird Ihnen den Vogel zeigen, wenn Sie mit einem sockettierten Ball einen Anlageberater per Blattschuss erlegen. Es wird vor Gericht niemanden interessieren, wie viele Schwarzgeldkonten dieser Hai auf dem Gewissen hat. Da heißt es nur: zahlen.
Also bleiben Sie schön in der Reihe. Sie stellen sich mit genügend Sicherheitsabstand zu den anderen Verrückten in einer Reihe auf und schlagen Ihre Bälle auf die Wiese, die dann irgendwann von einer armen, unterbezahlten Kreatur mit einem speziellen Fahrzeug aufgesammelt werden. Es ist nicht gestattet, sich diese Bälle wieder von der Wiese einzusammeln. Es ist nicht gestattet, die Bälle zu klauen und/oder auf dem Platz zu verwenden. Diese Driving-Range-Bälle gehören dem Pro oder dem Club und dienen nur Ihrem Training. Wenn Ihnen so ein Rangeball auf dem Parkplatz aus dem Bag kullert, während der Herr Präsident im Nachbarauto verzweifelt mit der Zentralverriegelung kämpft, dann ist das peinlich! Klar?

Es gibt ein paar überdachte Abschläge, damit der Golflehrer seine goldenen Kühe auch im Regen melken kann. Clubs, die etwas auf sich halten, haben in diesen Abschlägen einen Spiegel befestigt. Hilfreicher ist jedoch eine ordentliche Golfschwunganalyse durch einen erfahrenen Fachmann, die Ihnen viel Zeit und Geld sparen kann, sofern Sie ernsthaft an der Entwicklung Ihres Golfschwungs interessiert sind. Außerdem: Gibt es nicht etwas Schöneres, als den Gewichtstransfer von 30 Kilo Versicherungsvertreterbauchfleisch im Treffmoment auf Video in Zeitlupe zu betrachten? New Yorker Ästheten nennen das Grunge- oder Trash-Shots.

Wir stellen uns natürlich nicht am Samstag in der Sonnenglut zwischen die schwitzende Meute und kloppen Bälle. Solche Exzesse betrachten wir höchstens von der Clubhausterrasse aus. Dabei trinken wir Tee und machen uns unsere Gedanken. Keinesfalls lassen wir uns von jenen beeindrucken, die laut schnaubend Massen von Bällen wegdonnern, dabei schwitzen, schimpfen und immer hastiger werden, bis gar nichts mehr geht.

Beobachten Sie die guten Spieler. Die erkennen Sie daran, dass sie langsam arbeiten, sich an Zielen orientieren und einen rhythmischen Schwung haben.

Irgendwann, wenn Sie sich dazu bereit fühlen, stellen Sie sich abends in aller Ruhe in eine Abschlagbox und probieren ein paar der Übungen, die ich Ihnen vielleicht ein andermal vorstellen werde.

Auszug aus: Der Weg der weißen Kugel,
(c) by Eugen Pletsch, 2005

Business auf dem Golfplatz?

Was in meinem Buch „Anmerkungen für Golfreisende“nicht steht…

Er habe mein Buch Anmerkungen für Golfreisende gelesen, meinte jemand. Wäre ja ganz nett, aber über ‚Business auf dem Golfplatz‘ stände nichts drin. „Wo doch Trump sein ganzes Business auf seinen Golfplätzen abwickeln würde, wolle er darüber eigentlich mehr wissen.
„Das Buch wurde vor der Trump-Wahl veröffentlicht und ist für den Urlaub gedacht“, stotterte ich, „und im Urlaub sollten auch die Geschäfte mal Urlaub machen, oder?“
„Trotzdem. Schreib‘ doch mal etwas über Business auf dem Golfplatz. Man hört darüber so viel“, insistiere mein Anrufer.
„Das hängt vielleicht damit zusammen, dass die angeblichen Riesen-Geschäfte oft Riesenpleiten werden“, trumpfte ich auf und hatte dabei eine dunkle Visionen von Trumps künftiger Regentschaft (die sich dann ja auch bewahrheiten sollten).

Über Geschäfte auf dem Golfplatz habe ich während der letzten 20 Jahre Golfschreiberei tatsächlich kaum ein Wort verloren. Warum auch? Soll ich jemandem erklären, wie man das scheue Reh, den Kunden, auf dem sattgrünen Fairway anpitcht? Oder andersrum: Wie man sich Anlageveruntreuer und Versicherungsfritzen von Leib hält?
Gemäß Etikette soll man auf dem Golfplatz niemandem auf den Keks gehen. Weder der Ehefrau mit Belehrungen, noch einem Mitspieler durch Akquisitionsversuche. Das bedeutet: Wer am Abschlag eines Par 3 über Wasser sein IPad auspackt, um ein Bauherrenmodell zu erläutern, sollte schwimmen können! Ist doch klar, oder? Was soll ich da dazu noch schreiben?
Aber gut: Weil die vielfältigen Freizeitaktivitäten der Golfinteressierten zu wenig Zeit für das Golfspiel lassen, hat der DGV den Light-Golfer erfunden, um die immer größer werdenden Defizite der Golfclubs mit ‚Frischfleisch‘ aufzufüllen, wie der Golflehrer seine Grobmotoriker liebevoll bezeichnet.
Was das mit Business auf dem Golfplatz zu tun hat?
Nun, das ist Golf-Business und das erste, was Anfänger kennenlernen, wenn sie in die Fänge eines Clubmanagers geraten, dem das Wasser bis zum Hals steht. Aber mit ‚Geschäften auf dem Golfplatz‘ ist natürlich etwas anderes gemeint. Ich durfte vor etlichen Jahren lauschen, als der Kanadier Gerry T. Kierans von mgtopen.com in einem Seminar über die „Does & Don’ts des Business Golf“ referierte.
Soweit ich mich entsinne, bestand die Etikette des „Biz Golf“ aus 35 Punkten und an erster Stelle, meinte Gerry, müsse man die Golfregeln kennen!
Mit einem Geschäftspartner auf dem Platz ist das Handy tabu, man solle nicht rauchen und das Cart fährt der Gastgeber. Niemals quatschen, wenn ein anderer schlägt, immer flott spielen, keinesfalls über Politik diskutieren (zumindest nicht mit Trump), nicht über den Platz schimpfen und schon gar nicht über die lahme Ente im vorderen Flight (könnte die Ehefrau des Geschäftspartner sein). Saufen, fluchen und Schläger schmeißen…auch dabei sollte man sich im Griff haben.
Gerrys 35 Punkte schließen damit, dass man seinem Mitspieler auf der 18 auch dann die Hand gibt, wenn er keinen Fondsanteil zeichnet. Dass man ihm das dann auf der nächsten Runde heimzahlt, indem man zum Beispiel im Rückschwung nach den Kosten seiner Scheidung fragt, hat Gerry nicht erwähnt.

Über Combat-Golf, wie sublime Methoden des Killer-Matchplay genannt werden, steht in meinen „Anmerkungen über Golfreisende“ übrigens auch nichts drin, weil das Buch der Entspannung dienen soll.

Einen schönen Urlaub wünscht

Eugen Pletsch

Die letzten Reserven

Achtung Golfer! – die Story zum Buch

Eigentlich sollte das Buch ein ziemlicher Schinken mit endlos langen Sätzen und einem Schuss Wahnsinn werden, fast wie ‚Dantes Inferno‘, aber mein Redakteur meinte, dass das niemand kaufen würde, weil kein Mensch heutzutage mehr als eine SMS-Textlänge verarbeiten kann.
Das Gespräch mit einem Redakteur verlief etwas so:

Sonst noch was?“ fragte ich.
„Es soll ein heiteres Buch werden“, sagte er, was mir sofort die Laune vermieste.
„Das Golfspiel ist nicht immer heiter!“ knurrte ich.
„Das mag sein“, erwiderte er, „aber Sie können manchmal richtig fies werden, so dass man meint, Sie wollten Ihren Lesern das Golfspiel vermiesen.“

„Wie bitte? Ich? Ich bin der einzige in der Branche, der diesen Traumtänzern reinen Wein einschenkt, der ihnen schonungslos sagt, was ihnen bevorsteht, wenn sie  …ich habe doch täglich mit den Opfern dieses Spiels zu tun. Ich bin doch selbst eins!“

So ging das hin und her. Eigentlich plante ich einen anarchistischen Golfroman zu verfassen. Meine These: Golf ist Anarchie. Mein Beweis: Wo immer sich Golflehrer einmischen, herrscht danach das reine Chaos.

„Wir brauchen kurze Episoden, leicht wie Knäckebrot, die flach unter dem Wind segeln“, forderte er, was mich erboste.
„Soll ich irgendwelche niveaulosen Sottisen und peinlichen Anekdötchen zu einem Amalgam der Geschmacklosigkeit zusammenrühren, das bei jedem intelligenten Menschen Übelkeit verursacht?“ fragte ich.
„Das leichte Genre ist ein Trend, den wir nicht verschlafen sollten!“
„Ich soll meine Leser in den Hades grobschlächtiger Satire stürzen? Aber das ist doch überhaupt nicht mein Stil! Außerdem kann ich mich nicht kurz fassen.“
„Dann müssen Sie es lernen. Viele Bücher, die ihre Leser nicht mit Inhalt überfordern, sind Bestseller geworden.“
„Solche Bücher werden Bestseller?“
Es folgte ein Moment der Stille. Der Redakteur am anderen Ende der Leitung schien zu nicken. Im tiefsten Gedärm meines Wesens, da wo in jedem Künstler die Angst vor der Einsamkeit in Altersarmut wohnt, schrie plötzlich ein hungriger Esel auf, der GOLDESEL: „ÖÖÖnk, ÖÖÖnk, ÖÖÖnk!“
„Vielleicht sollte auch ich diesen schweren Zeiten der Niveaulosigkeit meinen Tribut zollen?“
„Die Verlagsleitung würde das sehr zu schätzen wissen.“
„Und das Thema?“
„Geschichten über Golfer, sozusagen Schlägertypen in Wald und Flur. Auf wen lässt man sich ein, wenn man mit dem Golfen beginnt?
„Ich könnte vielleicht etwas über unsere Therapiegruppe schreiben“, überlegte ich laut.
„Gut zu wissen, dass Sie noch in Therapie sind, aber ist das lustig?“
„Ich bin nicht in Therapie, ich bin der Therapeut!“
„Oh! Wie schön. Dann ist es für Ihre Klienten bestimmt lustig.“
„Für die Betroffenen vielleicht weniger, aber für die Leser könnte manche Episode ein Anlass zum Schmunzeln sein.“
„Na, dann haben wir doch etwas gefunden“, beendete mein Redakteur das Gespräch.

Dann kam die Einladung, einen Sommer in meinem früheren Golfclub Bauernburg als Mitarbeiter des Golftherapeutischen Pflegedienstes auszuhelfen. Grötschmann und Mulligan, die meine Leser aus dem WEG und Golf Gaga kennen, waren verreist und Karl Janzen suchte Verstärkung für sein Team. Für einen Golfethnologen, der Feldstudien betreiben wollte, war das also eigentlich eine ideale Situation um der Frage nachzugehen, ob sich Schlägertypen nach einem System ordnen lassen. Ich begann, die Artenvielfalt von Golfern zu studieren und etliche „Golfer-Typen“ in Gruppen zu erfassen.
Um Euch eine kleine Vorstellung davon zu geben, möchte ich ein paar Typen aufzählen, die in jedem Club zu finden sind: Jeder kennt den latent depressiven Spaßvogel, den nörgelnden Bedenkenträger, den jovialen Besserwisser, den selbstherrlichen Vielredner, den implosionsgefährdeten Schweiger, den peinliche Witze-Erzähler, den verschreckten Jammerlappen, den total begeisterten Neuling, das Kreischhuhn, die schrille Quietschmaus, die abrupte Jodlerin, die Zeterzicke, Bassbrummler, eitle Schwallköpfe, die desorientierte Faslerin sowie die planlose Vollchaotin mit Schreianfällen.
Wir alle kennen aber auch die gestylten Businessgolfer, Verkäufer-Typen, Vereinsmeier, neugolfende Platzreifegeschwader, langjährig golfende Kampfgeschwader, standesbewusste Altgolferinnen, aufgeblasene Mannschaftsspieler, verzweifelte Mannschaftsspieler, selbstgefällige Sponsoren, handicap-geile Pleitiers, geschasste Geschäftsführer, Prominente, B-Prominente, die überwiegend weiblichen C-Cup-Prominenten, Unternehmer, Herr Dr. Bankbeaufsichtigt, neureiche IT-Fuzzies sowie schwarzgeldzockende Bauunternehmer. Obwohl ich viele Typen sammeln konnte, wurde es irgendwann problematisch. Ich versuchte, Golfer nach allen mir bekannten Systemen zu ordnen, aber schließlich wird klar, dass man sie nicht wie Blumen oder Vögel sortieren kann.
Als ich das dem Verlag gestand, änderte mein Redakteur den Auftrag:
„Wir möchten Menschen vorstellen, die sich bereits für dieses hübsche Hobby entschieden haben. Freundliche, sympathische Gestalten voller Lebensfreude und Humor.“
„Hübsches Hobby? Freundliche, sympathische Gestalten voller Lebensfreude? Sagen Sie, waren Sie schon mal auf einem Golfplatz?“ fragte ich.
„Nein, aber denken Sie über meinen Vorschlag nach.“
Außerdem wollte er ein paar „schräge Typen“, Geschichten mit Viechern, weil das gerade im Trend läge und möglichst noch eine Weihnachtgeschichte.

Also begann ich, Geschichten von besonders bizarren Typen zu sammeln, aber dabei fällt mir ein, was noch wichtig ist (es gibt so viele Handlungsstränge):
In dieser Zeit in Bauernburg lebte ich in einer kleinen Pension und auf der Weide hinter dem Haus, unter meinem Fenster, stand ein Pferd, wie sich herausstellte ein mongolisches Steppenpferd. Ich nannte es Ed, nach dieser Fernsehserie, und ich begann mit ihm zu reden, ihm von meinem Alltag erzählten, bis – ja, bis ich merkte, dass Ed mich wirklich verstand. Er begann, mir telepathisch zu antworten.
Spätestens jetzt wird „Achtung Golfer!“ ziemlich abgedreht, diesmal aber so, dass ich selbst nicht mehr ganz folgen konnte. Schließlich landete ich in der mongolischen Wüste, wo ich, wie in jedem meiner Bücher, Ho Lin Wan traf, meinen Kameraden aus einem früheren Leben in Tibet. Weil die ganze Geschichte immer absurder wird, fragt mein Redakteur am Ende des Buches:
„Was haben Sie mir denn da geschickt?“
„Das Buch, das Sie bestellt hatten! Gefällt es Ihnen nicht?“
„Ich bin kein Golfer, aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass irgendein Golfer etwas mit diesem mystischen Humbug anzufangen weiß.“
„Was soll ich machen. Ich bin Anhänger des spontanen Schreibens und weiß nie, wohin mich meine Feder führt.“
„Sie schreiben noch mit der Feder? Das sieht Ihnen ähnlich.“
„Nein, das war nur ein geflügeltes Wort.“
„Ach so. Und was jetzt?“


Die Pointe der Geschichte ist, dass der KOSMOS-Verlag dann doch bereit war, das Buch zu verlegen, und um mich zu ärgern haben sie auf der Website seit Jahren immernoch das falsche (blaue) Cover abgebildet
Ich hoffe dennoch, dass es Leser gibt, die in dieser heutigen surrealen Welt ein bisschen mystischen Humbug zu schätzen wissen. (ep)

Als eBook (12,99) beim KOSMOS-Verlag bestellen

Anmerkungen für Golfreisende

Anmerkungen für Golfreisende – Play it with ease in the breeze

AUS UND VORBEI: DEN TITEL GIBT ES NICHT MEHR.

Anmerkungen für Golfreisende ist ein etwas anderer Golf-Ratgeber. „Anmerkungen für Golfreisende“ ist eine Reiselektüre für Golfer mit Einsichten und Ansichten, golfphilosophischen Betrachtungen, Glossen und Kommentaren zu aktuellen Golfthemen, die ich in meinem Blog auf Cybergolf.de zwischen 2006 und 2016 als Kolumnen veröffentlicht habe.
Zusammengefasst, überarbeitet und ergänzt um einige Glossen und Betrachtungen richten sich meine „Anmerkungen“ vorwiegend an Golferinnen und Golfer, die eine Reiselektüre suchen, die sich mit unserem Spiel befasst. (ep)

Sie können in diesem Buch beliebig blättern und lesen, wo es Ihnen gefällt. Der rote Faden, dem Sie immer wieder begegnen werden, besteht aus zwei Gedanken, die weder von mir stammen, noch neu sind:

  1. Nur wer sich entspannt und loslässt, wird sein Golfspiel und seinen Golfurlaub wirklich genießen können.
  2. Wer erfolgreich Golf spielen möchte, sollte die Gier nach dem Score zumindest im Urlaub zu Hause lassen.
    Daran werde ich Sie mehrfach erinnern und wenn Sie diese beiden Gedanken verinnerlichen und mit nach Hause nehmen, dann haben Sie etwas für Ihren Urlaub und für Ihr Spiel getan.
    Der Autor

Bibliografische Daten
Titel: Anmerkungen für Golfreisende – Play it with ease in the breeze
Autor: Pletsch, Eugen

ISBN: 9783741279454
Ladenpreis: EUR 9,99
E-Book: 5,99
Format: 12*19 cm
Einband: Paperback
Bindung: Klebebindung
Laminat: matt
Papiersorte für den Buchblock: cremeweiß 90g
Gesamtseitenzahl: 200
Anzahl Farbseiten: 3
Mit 12 Tuschzeichnungen von Klaus Holitzka. www.holitzka.de
Umschlag-und Autorenfoto: Oliver Hardt. www.oliverhardt.

Cover: Siggi Demand, Foto:Oliver Hardt

Warum über ‚Business auf dem Golfplatz‘ nichts im Buch steht, wird hier erklärt.

Rezensionen:
Eugen Pletsch zeigt sich stilistisch wie inhaltlich, nach seinen „Achtung Golfer“ aus 2013, wieder von einer anderen Seite. Seine „Anmerkungen für Golfreisende“ bieten Lern-, Lust-, Aha- und Genau-so-ist-es-Effekte, dabei Augen öffnend und Perspektiven herstellend – ein leichtflüssiges Lesevergnügen mit viel Praxisbezug zum Spiel, Reisen, (verallgemeinerbaren) Erfahrungen…“.
Dr. Wolfgang Kuner, Golf Mental Coach

Petr Jandl (jagputters.com) schrieb: „Anmerkungen für Golfreisende ist eine Streicheleinheit für die Seele (…). Habe gleich bei der ersten Gelegenheit angefangen zu lesen. Ein tolles Gefühl. Entweder habe ich es selber erlebt, oder darüber nachgedacht, oder es sind Momente „über mich“ beschrieben und zielen genau auf meine Seele. Ich freue mich heute ins Bett zu gehen um weiterlesen zu können ….“

Der Alpengolfer schreibt: „Ein netter Zeitvertreib für Zwischendurch, der auf keiner Toilette aller Clubhäuser zwischen Flensburg und dem Brenner fehlen darf! Denn entspannt läuft’s eben nicht nur auf dem Golfplatz am besten. Eugen Pletsch betrachtet das Golfer-Leben wie immer mit einer gesunden Portion Humor. Das macht Spaß!“

Ein Taschenbuch für Golf-Reisende, also im richtigen Bordgepäck-Format. Dabei ein dezentes, einladendes Cover, sehr gute Schriftgröße (!), und ansonsten schlicht gehalten – mickrig bedeutet für mich etwas anderes (ein Hochglanz-Buch ist z.B. auch nicht für 10 € zu bekommen!) Dafür ist es FSC-zertifiziert, was vielleicht echte Leser noch interessiert… also alles in allem für meinen Geschmack ein gutes Preis-/ Leistungsverhältnis.“ Frau Oelmann

Ein wunderbar lehrsames und unterhaltsames VADEMECUM für alle, denen das Glück zuteil wurde, über den von Technik und Zahlen eingeengten Tellerrand des Golfspiels hinausblicken zu können. Und für all jene, die von der Magie dieses schönsten Sports der Welt bisher nur eine vage Ahnung haben und bereit sind sich auf sie einzulassen.“
Ulrich Nitzschke, Autor von „Zen oder wie ein Samurai Golf spielen“

HD (Amazon-Rezension)
„Endlich ein neuer Pletsch, dachte ich vorher, um danach festzustellen: Ich bin entzückt! Es ist beeindruckend, wie der Meister der satirischen und amüsanten Golfliteratur es schafft, immer wieder neue Facetten des Golfspiels zu beschreiben. Eugen Pletsch verbindet die ihm so ureigene humorvolle Leichtigkeit in der Beschreibung von Menschen, Landschaften und Gedanken zur (Golf-)Welt mit der Erzählung von (oft selbst erlebten) Anekdoten, Tipps und Begebenheiten auf und neben den Plätzen im In- und Ausland, insbesondere auch mit den ganz Großen des internationalen Profigolfs. Diese Lektüre ist jedem klassischen Lehrbuch vorzuziehen, da man hier nicht nur etwas über die richtige Haltung in der Ansprechposition lernt, sondern über die Haltung zum Spiel…und zum Leben. Das Büchlein ist so verfasst, dass man die kompakten Kapitel gleichsam kurz vor der Urlaubs-Golfrunde oder aber an kalten Herbstabenden daheim genießen kann. Dazu passt es in jedes Handgepäck und lenkt wunderbar vor Flugangst oder Seekrankheit ab. Ein Buch, das viel mehr als nur ein Golf-Reisebegleiter ist, viel mehr ein Caddie zur Entschleunigung, sowohl des eigenen Schwungs als auch des Seins – „on“ und „off“ the course.“

Eugen Pletsch ist heute der Autor, der am mitreißendsten in Büchern und Vorträgen die Begeisterung für Golf wecken kann. Er stellt hier seine Erfahrungen als Golfer in den letzten 10 Jahren dar, mit allen Überraschungen diese Spiels, seinen Problemen und mit Tips zu deren Überwindung. Einmalig ist der Humor und die Selbstironie und die Leichtigkeit des Stils trotz philosophischen Tiefgangs. Das verdient 5 Sterne. So macht er Appetit auf Golf und Reisen und er regt auch an, einzelne Probleme dieses vielfältigen Spiels mit anderen Büchern zu vertiefen.
Helmut Luft (Golf für Junggebliebene) 2016, Verifizierter Kauf.

H. Krakau (Amazon-Rezension)
„Völlig zweifelsfrei ist Pletsch mit seiner Arbeit in Golfdeutschland eine völlige Ausnahme. Das ist schon absolut klar, aber wird erst relativ so richtig deutlich, wenn ich andere deutschsprachige Bücher zur Hand nehme, die versuchen, sich dem Thema Golf auf einer nicht-fachlichen Ebene zu nähern. (…)“

Notizen eines Barfußgolfers

Notizen eines Barfußgolfers ist eine für die Buchfassung überarbeitete Auswahl meiner Blogs, die ich zwischen 2006 und 2018 auf cybergolf.de veröffentlicht habe. Kommentare zu aktuellen Golf-Themen, Szene-sezierende Glossen, Golf-philosophische Betrachtungen, praktische Tipps und stille Hinweise auf das mystische Geheimnis dieses eigenartigen Spiels, denen ich auf meiner mehr als 30jährigen Wanderung über die Fairways begegnete.

Es gibt viele Golf-Welten über die man schreiben kann: Club-Golfer, Mannschafts-Golfer, Liga-Spieler, Netzwerk-Golfer, Business-Golfer, Vereinsmeier, Verbands-Granden und jene Wohlstands-verwahrlosten, die leider das Image vom Golf in Deutschland geprägt haben.
Ich weiß nicht, was die alle machen und denken. Deshalb schrieb ich jahrelang in meinen ‚Notizen‘ und Kommentaren, was mir gerade einfiel. Online fanden mich überraschend viele Leser und manche kaufen sogar meine Bücher. So wurden „Der Weg der weißen Kugel“, „Golf Gaga“ und „Endlich einstellig!“ Sparten-Bestseller, später folgten „Achtung Golfer!“ und „Anmerkungen für Golfreisende“.

Sechseinhalb Golfbücher habe ich mittlerweile veröffentlicht, endlose Schachtelsätze über das Golfspiel verfasst, Sätze, die wie Katzen schnurren, wie Mantras summen und manchmal wie Motorsägen Nerv tötend aufkreischen.
Stets habe ich meine Leser zu betören versucht, habe mich eingeschleimt, war manchmal barsch, trotzig, sarkastisch, zynisch und bisweilen sogar witzig – aber es war umsonst.
Weder gelang es mir, das Golfspiel in Deutschland zu beschleunigen, noch hat sich das spielerische Niveau zu verbessert. Der Eulenspiegel, den ich meinen Lesern vorhielt, indem ich bizarre Figuren aus meiner Golf-Welt karikierte, führte höchstens zu einem Schulterzucken und der Erkenntnis, dass Golfer nun mal sonderbare Gestalten sind.

Als ich zu schreiben begann, waren Golfer meist kultivierte, intellektuell interessierte, bisweilen akademisch gebildete und künstlerisch ambitionierte Menschen, die ihre Gäste im Club noch mit Handschlag und einem „Gestatten, Soundso…“ begrüßten – um in meinem Fall sofort zu erkennen, dass ich weder den Stallgeruch noch das Einkommen hatte, um mir mehr als ein paar Stunden Übungszeit auf der Driving Range zu erkaufen (und selbst für die Gunst musste ich mit mancher Clubsekretärin noch heftige Sträuße ausfechten).

Ich trauere dieser Zeit nicht nach, im Gegenteil, denn ich war damals ein vogelfreier Golfer, ein Außenseiter, der um Spielmöglichkeiten betteln musste. Diese einstigen „Gentlemen“ des deutschen Golfsports, die mich zu mancher Satire anregten, hatten mein mittlerweile etwas abgestandenes Bild vom deutschen Golfer geprägt (wobei ich dem damals weitgehend üblichen, niveauvollen Umgang miteinander bisweilen nachtrauere).  

Cover: Siggi Demand

Hätte ich damals erkannt, dass ich selbst der Prototyp des neuen Golfers war, hätte alles anders kommen können. Intellektuell unbelastet wie eine Tontaube und vollkommen golfverrückt taumelte ich über die Fairways, so man mich ließ. Was habe ich in dieser Zeit gelesen? Fast nichts!
Ein Buch hatte ich, das „Das Golf-Handbuch“ von Alex Hay. Sonst nur Magazine mit möglichst vielen Bildern. Bilder vom Golfschwung, Bilder von den neusten Schlägermodellen, Bilder von den schönsten Golfplätzen der Welt  – Bilder, Bilder, Bilder – mit ein paar erklärenden Sätzen und dazwischen die üblichen PR-Artikel. Das hatte ausgereicht um mich träumen lassen, ich wäre ein Golfer. Internet gab es noch nicht.
Was zum Teufel war also in mich gefahren, dass ich irgendwann damit begann, eigene Bücher mit viel Text und wenigen Bildern zu veröffentlichen?
Und all diese Notizen, Blogs, Kommentare und Glossen? Leider kann ich nicht anders.

Wie gerne würde ich lehrreiche Golf-Cartoons zeichnen, mit deren Hilfe sich jeder Vollhorst mit Sockenschuss und DGV-Jagdschein auf feuchten Pfötchen in den Golf-Dschungel wagen kann, da wo Tiger brüllen und Gnome und Giftschlangen hausen.  Aber – ich kann es nicht. Also schreibe ich weiter meine Schachtelsätze und hoffe, jenen Lesern eine Freude zu bereiten, die einen anderen Zugang zu diesem seltsamen Spiel suchen. Für diese Leute schreibe ich am liebsten, denn wer sich wirklich mit Golf beschäftigt, entwickelt allein schon als Überlebensstrategie jene Art von Humor, die man braucht, um an meinen Geschichten Gefallen zu finden. Manche der Figuren, die ich beschreibe, sind sehr skurril und viele haben offensichtlich eine Klatsche, aber sie sind liebenswert, auch wenn das in meinen Erzählungen nicht immer deutlich wird.

Der Titel ist für EUR 19,99 bei epubli und in allen Fach-und Onlinebuchandlungen erhältlich.


Golf-Begriffe, die Sie kennen sollten…

Das Problem: Jeder versteht unter den verschiedenen Begriffen der Golfer-Sprache etwas anderes. Deshalb stelle ich hier die offiziellen und absolut amtlich-eindeutigen Definitionen bzw. Interpretationen der allgemein bekannter Fachbegriffe vor…

Golfplätze, in alten Zeiten zwischen den Dünen am Meer von Gott selbst gebaut, sind heutzutage künstliche, die Umwelt schädigende Freiluftanlagen, auf denen Golfsüchtige wie BSE-kranke Rinder im Kreis laufen.

Der Golfplatz ist die Spielfläche des Geschehens, sozusagen der Ort des Verbrechens und fast jeder, der dort zum Täter wurde, hat den unwiderstehlichen Drang dahin zurückzukehren.

Golfarchitekten (vgl. deSade) erhalten viel Geld dafür, dass sie Plätze bauen, auf denen sie selbst nicht spielen könnten. Golfplatzbewertungen sind Ansichtssache. Das reicht von kinderleicht über fies bis sauschwer.

Eine Golfanlage ist ähnlich der Geldanlage meist ein großer Irrtum mit katastrophalen Folgen, denn Golfanlagen, geplant als Orte der Entspannung, führen meist zur Verspannung, weil sich das Golfspiel auf der Anlage als zu schwierig herausstellt oder zu langsam gespielt wird oder der Golfclub die Golfanlage nicht mehr finanzieren kann.

Entdecken mehrere Golfer ein einsames Stück Land oder Brache, gründen sie einen Golfclub oder Golfverein. Diese haben, ähnlich den Hasenzuchtvereinen, die Zielsetzung, rassige Häschen mit starken Rammlern zu paaren, um diese bei Zuchtleistungsschauen (Offene Golfwochen) zu präsentieren. Diese Golfclubs, bei den feinen Hanseaten auch Golfklubs mit k genannt, sind im Gegensatz zum gut organisierten Verbrechen meist schlecht organisiert, was damit zusammenhängt, dass der Clubvorstand in Machtkämpfe verwickelt ist, der Clubmanager seine Profilneurose pflegt, die Sekretärin einen Weinkrampf hat und die ehrenamtlichen Clubmitglieder die Schnauze voll haben.
In Golfclubs bilden sich häufig Gruppierungen wie die Hard Core Golfer (Golfjunkies), die Geltungssüchtigen (S-Klasse Golfer), die Arbeitsgemeinschaft Steuerhinterziehung und Cliquen wohlstands-verwahrloster Witwen und halbseidener „Geschäftsleute“. Gemeinsam engagieren sie dann einen Golflehrer für ihren Club, der auch PRO(fessional) oder Golf-Gott genannt wird.

Cartoon: Pete Ruge

Wer es auf der Clubterrasse nicht mehr aushält, macht einen Golfurlaub. Man könnte sagen: Die gesamte Kaufkraft, die nicht von zwei Kriegen, Investment Bankern, der Osterweiterung oder der Eurokrise vernichtet wurde, kann in kürzester Zeit auf Golfreisen verjubelt werden. Wir unterscheiden die pekuniäre Golfreise (Devisen ins Ausland bringen oder holen) von der fiskalischen Golfreise (längerer Auslandsaufenthalt, um einen ausländischen Steuersitz zu rechtfertigen), die Junggesellenfahrt oder Singlereise (mit hohem Infektionsrisiko) sowie die Kreuzfahrten zu Eheanbahnung bzw. Abwicklung via „Mann über Bord“. Berüchtigt sind „wohlhabende Ehepaare“ mit hohem Assi- und Meckerfaktor sowie die „Geschäftsreisende mit Fräulein Tochter“ im gemeinsamen Gemach.
Der Golfurlaub erfordert Nerven, denn man wird nicht nur mit wildfremden Menschen bei Golfturnieren, Abendessen oder Feiern zusammensitzen müssen, sondern, wenn man Pech hat, auch mit Berlinern oder Österreichern. Im Golfurlaub muss man zeigen, was man hat, erzählen, wo man schon war und Golfen muss man auch noch. Kurz gesagt: Nur Stress!

Golfreisen im Sonderangebot sind Reisen und Kreuzfahrten mit Berlinern, Österreichern und mürrischen Ehepaaren mit dem Ziel, sich so auf die Nerven zu gehen, dass man nach einer Woche richtig zu schätzen weiß, wie gut man es zu Hause hat. Golfferien hat man, wenn man die Schläger in den Teich wirft und ein paar Wochen nicht nachtaucht.

Ein Golfhotel ist meist in lauschiger Atmosphäre inmitten eines Golfplatzes gelegen. Die Pracht vieler Golfhotels wird nur noch von dem Preis übertroffen, der für eine Flasche Mineralwasser verlangt wird. Golfhotels bieten das professionelle Ambiente für harte Arbeitssitzungen mit einer „Assistentin“ oder für den entspannten Urlaub mit den falschen Freunden.

Golfresorts sind größere Anlagen mit mehreren Hotels und Golfplätzen, die eine Menge Einkaufsmöglichkeiten, Bars, Restaurants und natürlich auch Golfkurse bieten. Auch die lieben Kleinen werden in Golfschulen angeleitet oder von Animateuren unterhalten, so dass die Eltern in Ruhe auf dem Golfplatz spielen können. Dort fangen Vater und Mutter wieder zu streiten an, worauf sich der Vater an der Bar im Clubhaus zuschüttet, Mutter Migräne bekommt und sich die Kleinen in der Spielburg verstecken, bis Mutter vor Angst einen Weinkrampf bekommt und der Animateur gefeuert wird (Vater merkt nichts mehr, weil zu blau).
Golfpartner sind:
a) Freunde, die gerne zusammen spielen
b) Leute, die sich nicht leiden können, aber zusammenspielen müssen
c) Liebespaare oder Ehepaare, die auch zusammen Golf spielen, was sie mal besser sein lassen sollten, weil das nur Ärger gibt

Golfkontakte sind meist tiefe zwischenmenschliche Begegnungen im Umfeld der Selbsterfahrungsgruppe „Golfturnier“. Man hat zusammen gelebt und gelitten, vielleicht Momente der Größe ausgekostet, weshalb Golfkontakte meist tiefere Verbindungen schaffen als Ehe oder Partnerschaft. Zu einem Golfkontakt wird man telefonisch sofort durchgestellt, man ist per „du“ und die Beziehung hält meist ein Leben lang, es sei denn, man beschließt einander zu heiraten.

Die Golfetikette ist der Versuch, Vandalen und Banausen zu vermitteln, wie zivilisierte Menschen auf dem Golfplatz miteinander umgehen sollten. Details dazu finden Sie in einem Golffachbuch, worin Golfbegriffe meist auf langweilige und unverständliche Weise erklärt werden, weshalb ich lebendigen, bildhaften Beschreibungen den Vorzug gebe.

Golfschulen unterscheiden sich von Delphinschulen insofern NICHT, als beide von ihren Jägern als „Frischfleisch“ angesehen werden, das es zu Schlachten gilt. Dabei geht der japanische Fischer, der seinen Fisch noch verkaufen oder essen will, meist sensibler vor als mancher Golflehrer, der mit seinem Kurs nur Reibach machen will.

Das Golfspiel selbst ist eine der schwierigsten Sportarten überhaupt. Übung und Spiel ist sehr zeitintensiv und fordern den ganzen Menschen, worauf sich nicht jeder einlassen kann / will / möchte. Um die eigene spielerische Unfähigkeit vor einer Gruppe  zu demonstrieren, bucht man Golfkurse in einer Golfakademie, um festzustellen, dass man hinterher auch nicht viel mehr kann. Insofern ist eine Golfakademie eine Form von Piraterie unter hilflosen Frauen und von Selbstzweifel zermürbten Männern, die an keinen Gott mehr glauben, aber an das, was ein Golflehrer sagt – und das ist mindestens so absurd, wie das Meiste, was in der Bibel steht.

Golfer werden mit der Unterstellung diskreditiert, sie hätten keinen Sex mehr, was Golferinnen häufig bestätigen. Wer es jedoch als Golfspieler ernst meint, dem kann das egal sein, weil er für den Rest seines Lebens mit seinen Selbstzweifeln genug zu tun hat.
 
Golfgeschäfte sind:
a) Fachgeschäfte, die mit Golfartikeln handeln oder
b) fiskalisch meist anrüchige Vereinbarungen unter Golfpartnern oder
c) die auf Golfrunden beschlossene illegale Vereinbarung zur Kartellbildung oder zu Bildung krimineller Vereinigungen.

Personalentscheidungen, Fusionen, Änderungen der Staatsform oder Revolutionen werden meist auf Golfplätzen beschlossen. Die niedere Form des Golfgeschäftes ist die übliche Vorteilsannahme oder aktive und passive Bestechungsmethoden von Firmeninhabern, Marketingleitern, Sportlern und „VIPs“ durch „Sponsoren“.  

Das Golf-Fachgeschäft wird auch Golfshop genannt und ist eine Verkaufsfläche, auf der Golfartikel angeboten werden. Wir unterscheiden den virtuellen Golfshop im Internet, den Proshop im Golfclub und den Fachhändler oder Golfdiscouter auf der grünen Wiese. Alle Golfshops leben von dem Irrglauben ihrer Kunden, dass neue Schläger das Golfspiel verbessern könnten.

Im Proshop, Cartoon: Peter Ruge


Diese Golfshops verkaufen ihre Produkte im Internet über Golfauktionen. Die Golfauktion, also die Versteigerung von Golfartikeln, ist der Sinn einer Golfbörse, an der jedoch keine Golfaktien gehandelt werden, sondern Golfgeschenke wie Krüge, Videos, Golfbücher, Erinnerungen und Reliquien aus der guten alten Zeit des Golfsports. Einfaches Golfzubehör, wie Golfhandtücher, Ballmarker, Pitchgabeln, Holztees, Kunststofftees und andere Golfprodukte sind Golfartikel, die es auch in jedem Proshop oder Golfshop gibt. Da liegen häufig auch Golfzeitschriften rum.

Deutschsprachige Golfzeitschriften sind meist Anzeigenmagazine mit redaktionell aufgepeppten PR-Beiträgen auf Glanzpapier. Zielgruppen: Neugolfer, die sich „informieren“, Nichtgolfer, die dazugehören möchten und Altgolfer, die vergessen haben, ihr Abonnement zu kündigen.

Golfautoren schreiben gerne über das Thema Golfcoaching und Mentalgolf. Dafür dürfen sie den Kurs des Veranstalters kostenlos besuchen. Sie beschreiben aber nicht, wie der Golfcoach seine Kunden verlädt, sondern sie verladen den Golfcoach, indem sie ihm vormachen, dass ein Artikel über Golfcoaching dafür sorgen würde, dass jede Menge Bekloppte anrufen, die den Golfcoach mit Geld zuschütten würden.
Der Golfautor glaubt wiederum, dass ihm das Golfcoaching persönlich etwas bringen kann. Danach läuft er los und spielt sein nächstes Golfturnier, bei dem er seine neue Golfausrüstung zeigt. Wenn er viele Golfturniere spielt, entstehen viele Bilder, die in den Golfzeitungen veröffentlicht werden, auf denen auch er zu sehen ist. Deshalb glaubt der Golfautor irgendwann, er wäre auch prominent. Dann dreht er durch und fängt an, ein Buch über Mental-Golf zu schreiben oder beginnt, Golfvideos zu drehen.

Ein Golfvideo ist wie ein Golfbuch auf Rädern. In Golfbüchern kann man alles Mögliche erzählen, solange es jemand glaubt und dafür zahlt. Diese Haltung nennt man zynisch und sie bleibt nicht aus, wenn man lange genug im Golfgeschäft ist. Golfzynismus ist etwas anderes als Golfwitze erzählen.

Die gesamte Golfcommunity oder Golfszene besteht Gruppen unterschiedlicher Interessen, die meist keine Ahnung davon haben, dass die anderen Gruppierungen überhaupt existieren. Wir unterscheiden:

a.) die offiziellen Vertreter des Golfsports, als da wären: Golfsportfunktionäre, Golf-Verbände und Golf-Vereine, die geistig anderen Vereinen, wie den Kaninchen- und Taubenzuchtvereinen, sehr ähnlich sind,
b) die Golfindustrie und ihre Vertreter, die die Welt des Golfsports meist aus der Tunnelperspektive des Gewinnzuwachses betrachtet .
c) die Golfwelt der Prominenten, VIP-Golfer und „Adabeis“,
d) die Wohlstands-, Luxus,- oder Steueroasengolfer,
e) den gemeinen Clubgolfer, auch Zechezahler genannt,
f)  den clubfreien Golfer, auch Hartz IV-, Aldi,- oder Grau-Golfer genann,
und schließlich
g) den ehrenwerten Cross-Golfer, der mit etwas Übung aus 200 Metern in Konservendosen einlocht,
h) X-Golfer – meist berufsjugendliche Eventveranstalter, die ihre Platzreife nicht geschafft haben und deshalb auf alles schießen, was sich nicht trinken lässt.

In Golfforen im Internet treffen verschüchterte Anfänger und Suchende auf Nörgel-Golfer, Stinkstiefel-Golfer, Besserwisser-Golfer, um von ihnen verbissen, vertrieben oder zerpflückt werden. Fundamentalistische Anhänger der reinen Lehre irgendeines Golf-Gurus und Anlageberater sind dort zu finden. Golfforen, in denen wie auch immer kommuniziert wird, sind aber kaum noch zu finden.
Mittlerweile treffen sich Golfer/Innen eher auf Facebook und Instagram, wo sie von „Influencern“ mit seichten Scheißdreck „unterhalten“ werden. Influencer sind der ultimative Bodensatz der schreibenden Zunft und vegetieren statusmäßig noch unter den Golfreise-„Journalisten“.

Aus: Anmerkungen für Golfreisende

Worum es beim Golfspiel geht

Im Herbst, wenn nur noch die wetterfesten Spieler im letzten Büchsenlicht unterwegs sind um ihre Bälle aus dem Schlamm zu pulen, kommt bisweilen der eine oder andere Clubmanager auf die Idee, die Schnuppergolfer der letzten Saison zu einem Informationsabend einzuladen.
Wer bisher noch nicht angebissen hat, lässt sich bei einer solchen Geselligkeit vielleicht an den Haken nehmen und auch der Clubgastronom freut sich, besonders nach einem nassen Sommer wie diesem.
Manchmal werde ich gebeten, diese Informationsabende zu begleiten, wie kürzlich im Golfclub Bauernburg. Nach einem Prosecco zum Empfang begrüßte Präsident Fahrenbach die Gäste und übergab das Wort dann an Vize Prof. Klausthaler. Der bekam rote Backen vor Freude, bei seiner Schilderung wie schön das Golfer-Leben ist, insbesondere im Golfclub Bauernburg! Gemeinschaft, Freunde, frische Luft, herrliche Aussicht…!

Dann wurde ich vorgestellt und schaute in die Runde. Da saßen sie nun, die Golfer von morgen mit ihren fragenden Gesichtern. Unschuldig wie Lämmer, nicht wissend, was auf sie zukommt, wie dieser Sport ihr Leben umkrempeln würde.

Eugen Pletsch referiert über das Golfspiel

„Wer von Ihnen hat Kinder“, fragte ich.
Die meisten hoben die Hand.
„Und wissen Sie noch, wie das erste Kind Ihr Leben vollkommen auf den Kopf gestellt hat? Wie alles anders wurde?“
Viele nickten.

„So wird es auch werden, wenn Sie Ihr Leben dem ‚Spirit of Golf‘ weihen. Das Spiel verändert Ihr Leben. Komplett!“

Meine Stimme hatte gerade eine gewisse Dramatik angenommen, was einen älteren Herren in der ersten Reihe nicht davon abhielt, mein ausgefeiltes rhetorisches Konzept durch eine Frage aus dem Rhythmus zu bringen: „Bevor Sie uns hier Angst vor einem Golfgeist machen – wollen Sie uns nicht erstmal erzählen, worum es beim Golfspiel eigentlich geht?“

„Äh, ja natürlich…“, stotterte ich. „Also …äh… Golf ist ein Zielspiel über 9 oder 18 Spielbahnen verschiedener Länge. Sie und Ihre Mitspieler (Mitbewerber genannt und mit Ihnen maximal vier Personen) versuchen dabei einen kleinen Ball mit maximal 14 Schlägern von einer Abschlagsfläche (Tee genannt) über einen Rasen (Fairway genannt) zu einer kurz gemähten Fläche (Grün genannt) zu treiben, um den Ball dort in ein ca. zehn Zentimeter breites Loch einzulochen, das durch eine Fahne gekennzeichnet ist? Alles klar?“

Manche Zuhörer nickten bereits, während andere noch versuchten, den Satz zu verdauen. Eine Dame hob die Hand.
„Und warum maximal 14 Schläger?“ „Das hat man in Schottland irgendwann so festgelegt. 14 Schläger, weil der Caddie sonst zu schnell müde wird. Und 18 Bahnen, denn dann ist die Whisky-Flasche leer.“

„Und was unterscheidet diese Schläger?“ „Von einer Whisky-Flasche?“ „Nein, untereinander!“

„Die Schlagflächen haben verschiedene Winkel, auch Loft genannt, um – theoretisch mit dem gleichen, um Ihre Körperachse verlaufenden Schwung – den Ball auf verschieden hohe Flugbahnen schicken, um damit unterschiedliche Entfernungen zu erzielen.“

„Aha. Und wer vom Abschlag auf der ersten Bahn bis zum letzten Einlochen auf der 18. Bahn die wenigsten Schläge braucht, hat gewonnen?“ hakte die Dame nach.

„Genauso ist es! Es handelt sich beim Golfen also um ein Geschicklichkeitsspiel mit Schläger und Ball, bei dem der Ball oft – meist unfreiwillig – angeschnitten wird….“, versuchte ich auszuführen.

„Also ähnlich wie Tischtennis?“ fiel mir der ältere Herr ins Wort. „Nun ja, ein Golfball ist viel schwerer als ein Tischtennisball, fliegt also über längere Distanzen. Angeschnitten landet er deshalb oft jenseits der gemähten Fläche im hohen Gras (Rough).“
„Und die Abenteuer, die man auf dem Weg durch die Wildnis bis zum 18. Loch erlebt, darf man dann jedem, der sich nicht schnell genug aus dem Staub macht, an Bar der Clubhauses erzählen! Ha, Ha!“
Der Senior lachte. Er schien meine Bücher zu kennen. Die Zuhörer schmunzelten.

„Ja, so ähnlich“, bestätigte ich. „So ähnlich“.
Eine Dame meldet sich: 

„Das klingt alles recht einfach, ist es aber nicht. Ich habe es nämlich probiert.“

Stille. Ich gab dem Wirt ein Zeichen noch mal nachzuschenken.

„Der Haken ist nämlich“, fuhr der ältere Herr in meinem Vortrag fort, „Erstens kommt beim Golf alles anders und zweitens als man denkt!“

Er holte Luft – ich grätsche ihm in den Satz:
Golf ist der unlösbare Konflikt zwischen Wollen und Können!
Aber gerade das macht das Spiel so spannend. Ein guter Golfer kann den Ball nicht nur fast punktgenau in exakten Distanzen schlagen, sondern auch angeschnitten mit Rechts- oder Linksdrall um eine hundert Meter entfernte Baumgruppe lenken. Dabei trifft das Schlägerblatt mit über hundert Stundenkilometern Schlägerkopfgeschwindigkeit auf eine runde Balloberfläche von ein paar Quadratmillimetern! Gute Golfer spielen den Ball mit wenigen Schlägen an die Fahne, damit der Ball möglichst mit einem Schlag eingelocht werden kann. Auf diesem spielerischen Niveau ist Golf ein Strategiespiel, das dem Schach ähnlich ist. Man überlegt sich, welche Landezone den Ball in eine gute Lage für den übernächsten Schlag bringt…“.

„Und weniger gute Golfer?“ fragte ein Herr aus der 2. Reihe, der aufmerksam zugehört hatte. „Was gute Golfer machen, dürfte uns in den nächsten Jahren erstmal egal sein, oder?“

„Na, so lange wird’s je nach Talent nicht dauern“, beschwichtigte ich.

„Nach meinen Erfahrungen“, sagte der Herr aus der 2. Reihe, „erreichen wir Amateure – egal mit welchem Schläger – nur zwei verschiedene Ballfluglängen: zu lang oder zu kurz. Der Ball bleibt selten in der Nähe der Fahne liegen, und wenn doch, dann rollt er immer noch nicht mit einem Putt ins Loch.“
Er blickte resigniert in die Runde. „Und je mehr man sich bemüht, umso weniger klappt es.“

Ich sah, wie der Clubmanager zuckte. Der Abend lief in die falsche Richtung. Wir wollten doch Begeisterung erzeugen und keine Depression!

„Das kann nur am falschen Material liegen!“ warf ich ein. „Dann wird Golf zum Glücksspiel. Oder Sie nahmen keine Golfstunden mehr, nachdem Sie die Platzreife erlangt haben. Auch das rächt sich.“

Der Herr schwieg, worauf ich fortfuhr, Golf als ein interessantes Hobby mit Frischluftcharakter und gesellschaftlicher Komponente zu beschreiben. Ich erzählte ein paar Schnurren, die Leute lachten, die Stimmung lockerte sich. Noch Fragen? Die Zuhörer unterhielten sich angeregt. Allgemeine Aufregung bei dem Gedanken, es doch mal zu versuchen. Im nächsten Frühjahr! „Jetzt ernsthaft, machst du mit?“ fragte eine Dame ihre Freundin.

Zeit für Prof. Klausthaler, noch einmal das Wort zu ergreifen: „Unser Club bietet Ihnen zum Einstig eine Jahresmitgliedschaft zu sehr interessanten Konditionen an. Auf diese Weise können Sie feststellen, ob das Spiel zu Ihnen passt und ob die Chemie im Club für Sie stimmt. Ich stelle Ihnen das mal kurz im Detail vor.“

‚Klausi‘ öffnete seinen Laptop und warf einige Grafiken mit Angeboten an die Wand. Die Zuhörer lauschten aufmerksam. Manche machten sich Notizen.

Ich hatte mich gesetzt. Das Summen der Stimmen machte mich schläfrig. Vage erinnerte ich mich daran, wie es bei mir damals war, als mir mein schottischer Schwiegervater erstmals einen Schläger in die Hand drückte und ich meine ersten Versuche unternahm, einen Ball in die gewünschte Richtung zu schlagen. 30 Jahre später versuche ich das immer noch. Manchmal klappt es, manchmal nicht. Golf ist ein Geschicklichkeitsspiel, mit Schläger und Ball. Ein Spiel, das wir heute lieben und morgen verfluchen, von dem wir aber nicht mehr lassen werden. Aber darum geht es ja, beim Golfspiel. Oder?

(c) by Eugen Pletsch 2015

Von scheinschwangeren Golfern und schwarzen Löchern

Franziska L. (Schülerin) schreibt: „ (…) Ich lebe in der Nähe eines Golfclubs und sehe deshalb viele Golfer. Warum haben so viele Golfspieler einen dicken Bauch? Macht Golf übergewichtig? Ach, ja und noch eine Frage: Was sind schwarze Löcher?“

(ep): Nun, der Golfsport ist, wie der Name schon sagt, eigentlich ein Sport. Solange man noch laufen und dabei die Arme schwingen kann, was vielen Menschen bis ins hohe Alter möglich ist, kann man dem Golfsport nachgehen. Warum Golfer einen dicken Bauch haben, lässt sich auf den ersten Blick recht einfach beantworten: Während jedes sechste Kind in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze lebt und jedes dritte Kind dicht dran ist, haben viele GolferInnen die Möglichkeit, nach Herzenslust zu fressen und zu saufen, weil sie genug Geld haben.
Wobei man natürlich sagen muss, dass sie, wenn Leberschmerzen und das Gewissen zwicken, auch für die Armen spenden. Nicht so viel wie Bill Gates und Jack Nicklaus, aber immerhin.
Dazu macht man ein „Charity Turnier“ bei dem 18 Loch gespielt werden. Danach gibt es eine Tombola, wo tolle Reisen zu gewinnen sind und irgendwelche Dinge versteigert werden. So bekommen Stiftungen Geld, das oft von denen verbraucht wird, die für die Stiftungen arbeiten und man kann alles schön von der Steuer absetzen. So hat fast jeder was davon und wenn Golfer ganz viele Charity Events spielen, bei denen es immer ganz leckeres Essen gibt, bekommen sie irgendwann einen dicken Bauch. So könnte man das erklären.

Cartoon: Peter Ruge

Es gibt aber auch noch eine andere Erklärung:
Golfer, die einen dicken Bauch haben, sind scheinschwanger! 
Dahinter steckt das “Couvade-Syndrom”. Das männliche Schwangerschaftssyndrom, von Psychiatern als “Couvade-Syndrom” (couvade, franz. brüten) bezeichnet, war lange Zeit nur beim Menschen beobachtet worden. Vor ein paar Jahren entdeckten Toni E. Ziegler und Mitarbeiter des Wisconsin National Primate Center und Department of Psychology der Universität Wisconsin-Madison, USA; dass auch Krallenaffenmännchen, die Väter wurden, mehr Gewicht zulegten. Ergebnisse veröffentlichte das Journal “Biology Letters” der Royal Society.

Was Golfer so ausbrüten und weshalb sie scheinschwanger werden, ist wissenschaftlich noch nicht abgeklärt. Ich brüte auch viel vor mich hin und habe deshalb auch einen Bauch. Da ich zudem oft Heißhunger habe, launisch bin, gerne Heringssalat mit Nutella esse und angefangen habe, mit alten Socken und Handtüchern ein Nest auszupolstern, bin ich ziemlich sicher, dass ich auch schwanger bin.

Jetzt zu den schwarzen Löchern. Schwarze Löcher, bekannt durch die allgemeine Relativitätstheorie Albert Einsteins, wurden in ihrer möglichen Existenz auch schon von Laplace um 1800 diskutiert, was Du vermutlich längst weißt. Am Rande eines schwarzen Loches wird die Schwerkraft so stark, dass selbst Licht nicht mehr entweichen kann. Eine gute Zusammenfassung zum Thema bietet die Uni München. Schwarze Löcher sind also die schwärzesten Körper, die wir kennen, noch schwärzer als die Seele eines Politikers, der sich an Monsanto verkauft hat. Apropos: Als schwarze Löcher bezeichnet man auch die Erinnerungslücken von Politikern.

Ich hoffe, Deine Fragen sind hiermit beantwortet?

Herzliche Grüße

Eugen Pletsch

Willkommen im Club!

Tropfnass aber glücklich schleppte ich meine Golftasche Richtung Clubhaus. Tropfnass, weil ich die Golftasche in den Teich am 18. Grün geworfen hatte, um kurz darauf, in einem Anfall von Verzweiflung selbst hinterher zu springen.

Und glücklich, weil ich im kalten Wasser schnell wieder zur Besinnung kam und nur zweimal tauchen musste, um die Tasche mit allen Schlägern zu bergen. Nun hielt ich sie liebevoll umschlungen, herzte und küsste meine Schläger und bat um Verzeihung, bis ich bemerkte, dass unser Clubpräsident Herr Fahrenbach hinter mir stand. Sein Lächeln signalisierte Verständnis. Die Versöhnung mit den eigenen Golfschlägern nach einer misslungenen Runde ist immer wieder ein besonderer Moment.

Cartoon: Peter Ruge

„Na? Mal wieder vor Freude in den Teich gesprungen?“
Fahrenbach zwinkerte mir zu.
„Golf ist nun mal das schönste Spiel auf Erden, nicht wahr?“
Das klang besorgniserregend. Wenn Fahrenbach sagte, dass Golf das schönste Spiel auf Erden wäre, dann war etwas faul. Gerade er, für den wir einen jugendfreien Nachmittag eingeführt hatten, damit seine gellenden Flüche beim Nachwuchs keine bleibenden Schäden anrichten konnten.
„Was kann ich für Sie tun?“ fragte ich misstrauisch.
„Nun…äh…“, flötete Fahrenbach „sind Sie nicht ein Mann der Feder? Es heißt, Sie würden lustige Geschichten über unseren Sport verfassen!“

Ich beobachtete eine junge Kröte, die aus meinem Ärmel kroch und dachte nach. Meinte er meine Golfbücher? Lustige Geschichten? Es mag sein, dass meine Dramen von oberflächlichen Lesern als Satiren interpretiert werden, aber was weiß Fahrenbach davon? Der liest keine Golfbücher. Ich schüttelte etwas Schlick und einen Faden Froschlaich aus meiner grauen Künstlermähne.

„Worauf wollen Sie hinaus?“
„Unser Club sucht neue Mitglieder und wir hoffen, dass Sie uns eine nette Geschichte schreiben, die für den Golfsport wirbt.“
„Eine nette Geschichte? Die für den Golfsport wirbt?“
„Genau! Irgendetwas darüber, wie schön das Golfspiel ist. Dem Leser muss das Wasser im Mund zusammenlaufen, damit er sich sofort bei einem Schnupperkurs anmeldet.
„Oder ihr, der Leserin“, fuhr unsere Frauenbeauftragte Frau Willig dazwischen, die dazugekommen war und der die Weiblichkeit in einer ohnehin männerdominierten Welt häufig zu kurz kommt.
„Oder ihr“, stimmte Fahrenbach zu.

Mir war nicht wohl bei der Sache. Schließlich lautet der meistzitierte Satz aus meinen Schriften:
„Golf macht süchtig, dann eine Weile blöde, dann depressiv.“ Außerdem wurde mir langsam kalt, die nasse Hose klebte an meinen Beinen und die gute Laune war auch dahin.

„Wie stellen Sie sich den vor? Ich meine… den…äh…den Leser? Wer soll diese Geschichte lesen?“
„Ganz einfach“ flötete Fahrenbach, für den alles einfach ist, außer dem Golfspiel selbst:
„Das NRW-Golfjournal hat uns angeboten, einen Artikel zu veröffentlichen. Sie müssen nur schreiben, wie schön das Golfspiel ist und wie glücklich wir sind, Mitglieder in einem Golfclub zu sein. Kann doch nicht so schwer sein! Stellen Sie sich vor: Da sitzt jemand beim Friseur, muss einen Moment warten, blättert in dem Heft und findet Ihren Artikel. Sie müssen natürlich so schreiben, dass der Leser –„… „…oder die Leserin“ fuhr Frau Willig dazwischen – „Genau, oder die Leserin, unbedingt wissen will, was das Besondere ist am Golfspiel. Ganz einfach!“

„Aber das Golfspiel ist nicht ganz einfach“, murmelte unser Vize, Prof. Klausthaler, der sich zu uns gesellt hatte und dem die Schrecken der letzten Clubmeisterschaft noch ins Gesicht geschrieben waren.

„Ich will sagen“, fuhr Fahrenbach unbeirrt fort: „Es kann doch nicht so schwer sein, etwas über unserem spannenden Sport zu erzählen.“
„Spannend?“
Ich dachte an die Fernsehübertragungen von Golfturnieren, bei denen Spieler so langsam über den Rasen schleichen, dass man ihnen dabei die Schuhe besohlen kann. Der eine deutsche Kommentator knurrt dazu hin und wieder ein paar launige Worte, während der andere ständig „Wahnsinn!“ brüllt. „Wahnsinn! Er hat es tatsächlich geschafft, die Kugel aus 30 cm Entfernung einzulochen. Der Hammer! Ja, so ist dieses Spiel, einfach Wahnsinn…!“

Damit will er dem Zuhörer verdeutlichen, dass ein Golfturnier eine wahnsinnig tolle Stimmung haben kann. Kann, wohlgemerkt. Ich werde die Raserei des Publikums bei einem Major Turnier in Schottland nie vergessen, aber normalerweise ist Golf ein ruhiges Spiel. Golf ist Rasenschach, ein strategisches Spiel, das Ruhe und Konzentration erfordert. Wer bei einem Schachturnier „Partystimmung“ erwartet, ist fehl am Platz. Golf ist keine ‚laute‘ Modeerscheinung, zumindest nicht für mich. Aber wie sollte ich Fahrenbach erklären, wie diffizil das Thema ist? Um eine Lungenentzündung zu vermeiden, versprach ich dennoch, mir etwas auszudenken.

So. Mein Haar ist wieder trocken, die Schläger geputzt. Was mache ich nun mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser? Welchen Köder werden Sie schlucken? Dass Golf preislich nur noch leicht über Mucki-Bude rangiert, aber weit unter Ski-Urlaub? Die Zeiten, in denen Golf als „Elite“-Sport verpönt war, sind gottlob auch vorbei. Dass Golf für lebenslange Freizeitgestaltung an der frischen Luft sorgt, wäre ein Argument. Aber dafür könnte man sich auch einen Hund halten. Schwimmen und Tauchen lernen wäre ein Aspekt! Doch dazu muss man nicht in einen Golfclub eintreten. Eine neue Erfahrung zu machen, die so frustrierend wie faszinierend ist – damit kommen wir der Sache schon näher!

Golf kann man in jedem Alter anfangen und wer als Frau auf dem Tennisplatz jahrelang unter der ehelichen Vorhand litt, hat nun die Gelegenheit zur Revanche. Denn Golf erfordert eher Köpfchen als Kraft! Wer Golf an einem „Schnuppertag“ ausprobiert, ist meist tief beeindruckt.
„Hätte nie gedacht, dass das solchen Spaß macht“, heißt es oft und dann im nächsten Satz: „Hätte nie gedacht, dass es so schwierig ist einen Ball zu treffen.“
Genau! Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Eigentlich nie, denn der Golfschwung bleibt eine lebenslange motorische Herausforderung. Und eine Herausforderung des Geistes! Deshalb sagen selbst die besten Spieler der Welt, dass sie dieses Spiel nie wirklich beherrschen werden. Trotzdem kann auch einem Anfänger ein Traumschlag gelingen, wie ihn kein Profi besser spielen könnte. Wenn sich die weiße Kugel dann plötzlich in die Luft erhebt, fliegt Ihr Herz mit in den Himmel. Wer nun hofft, dass der nächste Schlag noch besser werden könnte, wird meist bitter enttäuscht. Und so beginnt die Suche nach dem mystischen Geheimnis des Golfspiels, die mich seit mehr als 30 Jahren auf Trab hält. Es ist ein verrücktes Spiel, aber wenn Ihre zitternden Hände irgendwann einen 30 cm-Putt zum ersten Turniersieg einlochen, werden Sie wie der Fernsehkommentator ‚Wahnsinn‘ brüllen und in den Teich an der 18 springen.
Golf wird „zwischen den Ohren“ gespielt! Wer gute Nerven hat, hat Vorteile. Hausfrauen, zum Beispiel, die gewohnt sind im größten Stress komplexe Abläufe zu koordinieren. Oder Lehrer, denen die Nervenenden in 30 Jahren Schuldienst komplett verödet wurden. Doch wer zu viel will, dem verpasst dieses Spiel einen Denkzettel, der sich gewaschen hat. Golf ist launig, unbeherrschbar, unerbittlich und unbestechlich. Heute himmelhochjauchzend, stürzen wir uns morgen in den Teich.

Interessanterweise ist das der Grund, warum Spitzensportler jedweder Disziplin irgendwann zum Golfsport konvertieren. Glauben Sie, Oliver Kahn spielt Golf aus gesellschaftlichen Gründen? Oder um eine ruhige Kugel zu schieben? Egal, ob Fußball-Weltmeister oder Wimbledon-Sieger: Sie spielen Golf, weil sie in ihrem Sport alles erreicht haben – und das Golfspiel für sie eine Nuss ist, die sie bis ins hohe Alter nicht zu knacken vermögen. Niemand, egal ob Sportler, Unternehmer, Star oder Sternchen – kann bei diesem Spiel bluffen. Hier kann kein Vorstandsassistent ausbügeln, was der Chef vermasselt hat. Golf ist ein Moment der Wahrheit und manche haben den Charakter, sich dem zu stellen.

Natürlich kann man betrügen, nichts leichter als das. Aber irgendwann werden Sie dem ‚Spirit of Golf‘ begegnen, dieser Jahrhunderte alten Idee von Sportlichkeit, Noblesse und Fairness, die ein Grund dafür ist, warum dieses Spiel weltweit von Millionen Menschen gespielt wird. Mancherorts ist dieser ‚Geist des Golf‘ zu einem Poltergeist verkommen. Dennoch wird es immer Menschen geben, die das Geheimnis dieses Spiels suchen und irgendwann auch finden. Es ist nur ein Spiel – aber was für eins! Ein weiser Mann namens Bagger Vance sagte einst, dass Gott am glücklichsten ist, wenn seine Kinder spielen.
Also spielen Sie! Suchen Sie sich einen schönen Golfclub in der Nähe, nehmen Sie an einem Schnupperkurs teil und genießen Sie, wenn Ihr erster Ball gen Himmel steigt. Willkommen im Club!

(c) By Eugen Pletsch 2016

Erschienen im Sauerland-Golfjournal, KOERDT-Verlag.

Großkampftag beim DGV

Mein „Bericht“ von DGV-Verbandstag 2010 ist ein exemplarisches Beispiel dafür, welcher Niedertracht der Deutsche Golf Verband ausgesetzt war, weil ein armseliger (angeblich satrischer) Blogger die Vorgänge beim DGV-Verbandstag mit unsachgemäßem Spott meinte kommentieren zu müssen. Manchen Leuten fehlt einfach der gute Wille – auf jeden Fall die Geisteskraft – um die STRATEGIE zu erkennen, die hinter den bisweilen irre wirkenden Ideen der Golf Verbands-Archtiekten steckt…

Ich hätte im Bett bleiben sollen. Mit einer akuten Gonarthrose soll man nicht spaßen. Das Schmerzmittel fing gerade an zu wirken und ich hätte gut noch eine Mütze Schlaf gebrauchen können – wäre da nicht mein Pflichtgefühl gewesen. Schließlich hatte ich dem Clubmanager Herrn  S. aus B. versprochen hatte, Bernhard Langer von ihm zu grüßen, falls ich ihn sehen sollte.
Wenn ich etwas bin, dann zuverlässig. Also quälte ich mich aus den Federn und fuhr nach Frankfurt. Leider verpasste ich die Pressekonferenz mit Bernhard Langer, die um 9 Uhr begann. Wie ich hörte, hatten die Kollegen auf manche dumme Frage die gewohnt schlagfertigen Antworten von B. Langer bekommen. Und dann? Was geschah dann?

Es war Samstag, der 20. November 2010. Deutschland wurde von Terrorwarnungen erschüttert. Nachdem die ersten Untersuchungen über die gesundheitliche Gefährdung durch Körperscanner (Krebs?) bekannt wurden, war man klug genug, politische Flankenhilfe zu suchen. Also wurden irgendwo in Afrika Päckchen gefunden, die nicht nach Deutschland verschickt werden sollten und Dingen enthielten, die definitiv keine Bomben oder Zünder waren, aber vollkommen ausreichten, um den Deutschen die akute Gefahr terroristischer Anschläge zu vergegenwärtigen. Während die Bomben unserer Bündnispartner überall auf der Welt für Ruhe und Ordnung sorgten und die ökologische Katastrophe des von multinationalen Öl-Konzernen zerstörten Niger-Deltas gigantische Ausmaße annahm, fuhr ich allen Warnungen zum Trotz zum Frankfurter Flughafen, direkt in den Zentrum des Zyklons.

Dort, im kuscheligen Sheraton, plante auch der DGV auf einem außerordentlichen Verbandstag Entscheidungen von globaler Dimension auf den Weg zu bringen. Um die Finanzierung für die Austragung des Ryder Cup 2018 zu gewährleisten, sollten die Mitglieder des DGV über eine Erhöhung des Jahresbeitrags pro Golfer für die Jahre 2011 bis 2022 um einen Euro abstimmen. Wir zitieren: „Die Mittel sollen zweckgebunden dem Projekt ‚Abschlag Schule‘ des DGV zukommen. Die Erhöhung ist unter die Vorbehalte gestellt, dass Deutschland den Zuschlag für den Ryder Cup 2018 erhält und dass die hessische Finanzverwaltung eine positive verbindliche Auskunft zur steuerlichen Unbedenklichkeit der Beitragsanpassung erteilt. Hintergrund dazu ist: Sollte Deutschland den Zuschlag für den Ryder Cup 2018 erhalten, so beabsichtigt die Vereinigung clubfreier Golfspieler (VcG), dem Ryder-Cup-Projekt ab 2011 über einen Zeitraum von 12 Jahren eine Summe von 750.000 Euro pro Jahr zukommen zu lassen. Um den Großteil dieser Summe aufzubringen, würde die VcG künftig ihre Fördermittel für ‚Abschlag Schule‘ um 500.000 Euro reduzieren, allerdings nur dann, wenn die Mitglieder des DGV als Ausgleich einer zweckgebundenen Beitragserhöhung für das Schulgolf zustimmen.
Mit den Zahlungen für den Ryder Cup im Falle eines Zuschlags würde die VcG einen Teil der Lizenzgebühr aufbringen, die die Bewerbergesellschaft RC Deutschland GmbH der Ryder Cup Europe LLP als Teil der Bewerbung garantieren muss. Der Bund und der Freistaat Bayern hatten eine finanzielle Unterstützung aus öffentlichen Geldern im Oktober endgültig abgelehnt
.“

So. Jetzt müssen wir wissen, dass die VcG das Projekt „Abschlag Schule“ bereits seit 1999 mit bis zu einer Million Euro jährlich fördert. Falls die VcG  diese Förderung zugunsten des Ryder Cup reduziert, muss der DGV die Ausfälle kompensieren, die dem „überaus erfolgreichen Schulgolfprojekt Abschlag Schule“ entstehen würden.
Abschlag Schule und damit der Schulgolfbereich soll auf jeden Fall in gleichem Umfang wie bisher weitergeführt und sogar ausgebaut werden. Um die Schulgolfaktivitäten über den jetzigen Stand hinaus mit neuen Maßnahmen erweitern zu können, hätten die Delegierten des außerordentlichen Verbandstages außerdem über eine zusätzliche zweckgebundene Erhöhung des Jahresbeitrages um 50 Cent abzustimmen. Damit würde der Jahresbeitrag pro beitragspflichtigem Golfspieler von bisher 15 Euro auf 16,50 Euro steigen.

Haben wir das verstanden? Weil die VcG nicht beides – RyderCup und Schulgolf  – stemmen kann, müssen wiedermal die Clubmitglieder bluten, die den VcG Spielern ohnehin schon ihre Plätze  fast kostenlos zur Verfügung stellen.
(Schon vor Jahren hatte ich gefordert, dass jeder VcG Spieler einem ordentlichen Clubmitglied des DGV mindestens einen Tag pro Jahr dienstbar sein sollte, VcG Spieler, die mindestens drei Jahre in der VcG sind, sollten regelmäßig und unentgeltlich vor der Runde in den Golfclubs als Taschenträger arbeiten oder nach Bällen tauchen, die dem Jugendgolf zu Gute kämen. Aber damit konnte ich mich nicht leider durchsetzen.)
Freigekauft, haben sie sich, die Billiggolfer, indem sie mittlerweile alles finanzieren, wozu dem DGV sein Geld zu Schade ist. Es ist schon geradezu niederträchtig wie sich der Paria des Golfsports zum „Slumdog Millionär“ gewandelt hat und die deutsche Golflandschaft, gleich russischen Mädchenhändlern im Urlaub, mit ihrem Geld zuschmeißen.
Aber jetzt ist Ende im Schacht. Auch der VcG, der unter der langjährigen weisen Führung verschiedener DGV-Funktionäre, darunter (bis 2007) einem gewissen Herrn Nothelfer, zu vollkommener Unabhängigkeit von jedweder DGV-Entscheidung heranreifte, hat seine Budget-Grenzen erreicht und muss jetzt bei den ordentlichen Clubmitgliedern des DGV betteln gehen, um seine großspurigen Sponsoring-Aktionen weiterhin realisieren zu können. Millionen RC- Bekenner üben bereits Schlachtengesänge und die Foren kennen nur ein Thema:
Wird Golf geiler wie Fußball unter Bertie Vogts und dürfen wir 2018 auch so grölen, wie die in Wales?
Der außerordentliche Verbandstag versprach also mehr als nur spannend zu werden.

Als ich den Saal betrat, begrüßte der DGV-Präsident Herr Nothelfer gerade seine Gäste. Auf seine pointierte, geschliffene Art stimmte er Clubpräsidenten, Funktionäre und Presse aus der ganzen Republik auf das ein, was zu beschließen beschlossen war.

Ich war etwas unruhig auf meinem Presseplatz und musste öfter aufstehen, um mein Knie zu bewegen. Deshalb kann ich Herrn Nothelfer Ausführungen nicht im Detail wiedergeben, aber das wird in kommenden Pressemeldungen nachzulesen sein. Neu war für mich, dass das Bewerbungs-Procedere erstmals in seiner jetzigen Form stattfinden würde. Bisher – von Valderama bis Wales – habe die Ryder Cup Europe jeweils reichen Privatleuten ihre Träume erfüllt. Doch nun sei erwünscht, dass eine Bewerbung vom jeweiligen Land und somit auch vom Golfverband des Landes mitgetragen wird. Erst einige Zeit nach der Antragstellung, als sozusagen das Kleingedruckte auf den Tisch kam, wurde dem DGV und seinen Vasallen im RC Deutschland klar, dass der Ryder Cup Europe LLP als Teil der Bewerbung eine Summe von ca. 18 Millionen garantiert werden muss. Wie gesagt: Das habe man erst im Nachhinein bei den Verhandlungen erfahren.
„Wir müssen beweisen, dass wir an die Zukunft des Golfsports glauben!“ sagte Herr Nothelfer trotzig.
Da tobte Meute. Gestandene Clubpräsidenten fielen sich in die Arme und weinten vor Glück. Die Vorstandriege stand längst auf den Tischen, ein fröhliches „Ole Ole Ole Oleee“ klang durch den Saal. Ich bückte mich, als die erste Laola-Welle über mich hinweg zischte. Kleingeister und notorische Nörgler mochten sich noch fragten, ob die Zukunft des Golfsports tatsächlich darin liegt, die Habgier der RyderCup Europe zu befriedigen, aber wen interessierte das jetzt?

Der RyderCup, so Nothelfer, würde zu einem Imagewandel im Golf führen. Die Herren schnauften. Imagewandel? Nie wieder karierte Hosen? Modern solle der Golfsport sein, ein Leistungssport, man könne sogar sagen „cool“, feuerte Präsident Nothelfer in die Menge: Cool?! Woher kannte er dieses Wort?
(Hatte Nothelfer endlich mein Buch Der Weg der weißen Kugel fertig gelesen?)

„ Aber dabei“, nun senkte Präses Nothelfer die magische Stimme um es ganz deutlich zu machen „dürfe der Golfsport nicht verramscht werden!
Das betonte er deutlich. Das war auch nötig. Ein wichtiger Hinweis.
War es der Vertreter der DGS, der plötzlich einen Hustenanfall bekam? Egal, vielleicht war es auch jemand anders.

Auch die Historie der Bewerbung wurde im Detail rekonstruiert. Zum Beispiel, wann das 400 seitige „Bidbook“ überreicht wurde, wann die Politik ihre Zusagen gemacht hatte und wann Frau Merkel auf Bernhard Langers Brief mit der Bitte um Unterstützung „unangemessen“ auf das Innenministerium verwies, worauf das Kartenhaus politischer Unterstützung von Seiten der Bundesregierung, dann auch beim Freistaat zusammenbrach. Bedauerlich, bedauerlich.
Man habe sich wohl zu sehr auf wohlwollende mündliche Zusagen verlassen, lautete die Selbstkritik. Jetzt ginge es darum, die Sache gemeinsam zu stemmen. Nothelfer plädiert noch einmal an das Plenum, die einmalige große Chance für den deutschen Golfsport nicht zu verpassen.  Nein, das wollte niemand und um seiner Rede Nachdruck zu verleihen, bat er Bernhard Langer aufs Podium.

Der feuerte seine Emotions made in Germany in die tobende Menge und erzählte, wie er den entscheidenden Putt in Kiawah Island versemmelt hatte, wie Seve Ballesteros in der Garderobe geweint hatte.
Das Aushängeschild des deutschen Golfsports vermittelte die Faszination, das unglaubliche Gefühl, das entsteht, wenn zwölf Konkurrenten in der Ryder Cup Woche zu einem Team zusammengeschweißt werden. Denn diese Millionäre spielen in dieser Woche vollkommen kostenlos für ihr Land, ehrenamtlich sozusagen, woran auch läppische 5000.- € für die Abendgarderobe der Damen nichts ändern. Das ist sowieso kein Geld, wenn man es hat, dachte ich mir.
„Sich ohne finanzielles Interesse für den Golfsport zu engagieren ist schon etwas Besonderes“, sagte Bernhard Langer. “So, wie zum Beispiel der Herr Pletsch, da hinten in der letzten Reihe, der seit zehn Jahren DGV und PGA Meldungen für Umme auf seinem Portal veröffentlicht, während alle anderen die knappen Etats wie Bienen aufsaugen. Heute quält er hier her und die unverschämten Parkhausgebühren zahlt er, vermutlich als Einziger hier im Saal, aus der eigenen Tasche – das sind die wahren Helden des Golfsports …“.
Hä? Hatte Bernhard das gesagt? Nein, da war ich mal wieder weggedöst, während Emotionstorpedos in Form von rotbackigen Clubpräsidenten durch den Saal rauschten und darum rangelten, sich in die ausgelegten Listen einzutragen, um als freiwillige Helfer auf dem Wittelsbacher RC Parkplatz 2018 dabei sein zu dürfen.

Nachdem Bernhard mit viel Applaus verabschiedet wurde, betrat sein Bruder die präsidiale Empore, die dem römischen Senat immer ähnlicher zu werden schien. Dort hatten die größten Redner des Altertums die Weichen für eine Epoche der Menschheit gestellt und hier stand nun Erwin Langer und gab freilich zu, dass er die Reden seiner Vorredner in Sachen Begeisterung und Emotion nicht würde übertreffen können. Stattdessen wolle er sich auf die Fakten konzentrieren, denn es gäbe „so viele falsche Informationen und Gerüchte“.

Bevor er aber eine Salve von Fakten in Richtung Delegiertenversammlung feuerte, stellte er gleich zu Beginn eins klar:
Der Ryder Cup (man hört da so vieles) habe nichts definitiv nicht mit Reitern zu tun!
Aha! Der Steuerberater aus Diedorf betonte vor den Delegierten des DGV, dass der RyderCup nicht mit dem Pferdesport in Verbindung zu bringen wäre.
Das musste ja mal rauskommen, dachte ich mir, aber war es wirklich klug, das hier in der Öffentlichkeit und auch noch direkt vor der Presse zu bekennen?
Erwin Langer ist als Geschäftsführer für die RC Deutschland ein Glücksfall. Charme und Charisma verbinden sich mit seinem einzigartigem Dursetzungsvermögen. Aber hatte sich der Inbegriff von Eloquenz und Diplomatie mit dieser Aussage nicht vergaloppiert?

Bis ganz nach oben hatte es der Drähtezieher von Diedorf mit seinen guten Verbindungen zur Politik geschafft. Aber dann, und ich vermute mal dass das der Fehler war, hat man doch ausgeplaudert, dass der Ryder Cup nicht für Reiter ist. Dabei lieben wir Deutschen Pferde fast so sehr, wie unsere Autos. Hätte man nicht sagen können, dass BMW eine Reitsportveranstaltung auf einem AUDI-Testgelände durchführt? Könnte Tiger Woods nicht als Fury auftreten? Dann wären die Millionen nur so gesprudelt. Aber nein. Golfer dürfen nicht schummeln, auch wenn es weh tut. Sonst würde der „Spirit of Golf“ verdunsten.

Langer erzählte weiter: Experten der KPMG (!) würden den DGV und die RC Deutschland beraten. Sie hätten in Budapest eine „Special Golf Unit“ für Europa aufgestellt. Eine „Special Golf Unit in Budapest. Das klang professionell, die Zuhörer spitzen die Ohren.
KPMG kennen wir von der RyderCup Bandenwerbung aus Wales. Ich bin sicher, es gibt gute Gründe, warum die RC Deutschland und der DGV gerade von den KPMG-Leuten beraten werden. Vermutlich, weil es keine deutschen Unternehmensberatungsgesellschaften gibt, die in Budapest eine Golf-Unit unterhalten. Wie auch immer – hier die Fakten: Die KPMG meint, der Golfmarkt könne wachsen! Bis zu eine Million Spieler konnten die Budapester Visionäre im Kaffeesatz zusammenzählen. Das sei natürlich nicht garantiert, denn wenn zuvor die Bienen aussterben, habe die Menschheit gerade mal sieben Jahre bis die Natur und somit der Mensch von der Erde verschwinden würde, so Einstein. Der Weltuntergang wäre dann genau 2018. OleOleoleoleoleee…
Sagte das Langer? Oder dachte ich das nur? Ich hätte diese Pillen doch nicht schlucken sollen.

Auf alle Fälle, sagte Erwin Langer, und zitierte dabei unumstößliche Fakten der KPMG, würde der Golfsport vermutlich wachsen. Der RyderCup könnte auf einen Gesamtumsatz  von ca. 250 Millionen geschätzt werden. Dabei könnten gut und gerne 60-80 Millionen an Steuern rum kommen. Zudem, so betonte der Langer Erwin, wird die geplante Golfanlage von privaten Investoren gebaut – offensichtlich ein bissiger Seitenhieb auf die Konkurrenten des Golfsports in Bayern, nämlich Bob- und Rodelbahnen-Betreiber, die wie Langer süffisant bemerkte, vom Steuerzahler finanziert werden müssen. Das sind Argumente!

Beim letzten RyderCup waren immerhin 1034 Journalisten akkreditiert, die dann, so Langer, „tatsächlich auch geschrieben und berichtet haben“. (Nicht wie in Pulheim, wo die schreibende Zunft nur herumsaß, um ihm die Haare vom immer noch stattlich braunen Schopf zu fressen. Aber nein, das sagte er nicht…)
Stattdessen nannte noch andere Zahlen, über die man nachdenken sollte: Zum Beispiel wurden zig hundert Artikel in Millionenauflage zum Thema Ryder Cup veröffentlicht, die unseren Sport populärmachen. KPMG hat auch, waren es 650 (?) Online-Veröffentlichungen zusammengetragen, mit insgesamt VIERMILLIARDEN KLICKS! Wow. Solche Serverzahlen kann nur bekommen, wer einen guten Draht zur CIA hat, die alle europäischen Logfiles speichert. Andere Zahlen habe ich vergessen habe, weil ich mittlerweile Hunger hatte. Trotzdem lauschte ich noch dem Herr Löhlein von der RC Deutschland, der Trauerarbeit leistete, in dem er von Begegnungen mit den Umfallern (u.A. Seehofer) auf dem politischen Parkett erzählte, das sich auch für die RC Deutschland Delegation offensichtlich als zu glatt erwies.

Als Präsident Nothelfer die RC Deutschland Delegation schließlich verabschiedete, war ich bereits draußen, um mitansehen zu müssen, wie das Buffet matschig wurde und die Köche am Rad drehten. Man war bereits reichlich über der Zeit. Unruhig hinkte ich auf und ab. Gequält von dem Gedanken, dass das Roastbeef vertrocknen könnte, ging ich Richtung Lobby und wer lief mir geradeweg in die Spur?:
Die RC Deutschland Delegation in Form von B. Langer, E. Langer und dem Pressesprecher Herrn Wäschle! Die Begegnung war unausweichlich. Die Herren hielten kurz inne. Kam da der Grund der Terrorwarnungen? Oder ein Golf-Pyromane, ein Fairway-Stalker? Ach, der Herr Pletsch“, seufzte Erwin Langer erleichtert. Der Gedanke, dass ich seinen Bruder Bernhard auf dem Weg zum Flieger noch in ein längeres Gespräch verwickeln könnte, um etwas Kurzweil in die Wartezeit vor dem Check In zu bringen, ließ Erwin Langers Augen leuchten, was ich jedoch nicht weiter beachtete, denn ich wandte mich an Bernhard Langer:
„Herr Langer, ich soll sie herzlich vom Herrn S., dem Manager vom GD in B. grüßen“.
Jetzt musterte mich Erwin irritiert und er hatte dieses freundliche Glitzern im Blick, bei dem seine Hostessen in Pulheim stets vor Freude in Tränen auszubrechen pflegten. Auch Bernhard Langer schaute verwundert. Aber dann sagte er höflich, wie es seine Art ist: 
„Das ist sehr nett, vielen Dank. Herzliche Grüße zurück.“ 

Die Plenumsdiskussion, die tatsächlich noch irgendwer vor dem Mittagessen anzettelte, habe ich verpasst. Voller Sorge hinkte ich um den Tisch mit dem Roastbeef, das sich schließlich letztendlich doch noch als zart und lecker herausstellte. Auch die Beilagen und das Dessert waren vorzüglich. Ob das DGV-Mittagessen von dankbaren VcG-Spielern gestiftet wurde, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.
Der zweite Teil des Nachmittags (Details bitte ich den vielen Pressemeldungen zu entnehmen) war geprägt von hochprozentigen Abstimmungsergebnissen.
„Volkskammer-Qualität“ nannte das ein älterer Kollege. “So wurde damals beim alten Brügelmann abgestimmt, der seinen Laden noch im Griff hatte“.
Ich führte noch einige konspirative Gespräche und verkrümelte mich dann, um dem Moloch der Parkhaus-Betreibergesellschaft 27.- € zu opfern, was ich mir wieder reinholen werde, wenn ich der Gießener Uni-Blutbank nächste Woche echtes Pletsch-Blut verkaufe.

Mit B. Langer anlässlich eines ProAms in Pulheim.

(c) by Eugen Pletsch

Auf den Hund gekommen…

Einen Spitz kannte ich nur aus Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ bis mich so ein kleiner, weißer Giftzahn eines Tages auf meinem Schulweg angriff und ins Bein biss. Ich war in der 2. Klasse und nicht der Typ, der Bisswunden mal so eben wegsteckt oder zurück beißt.

Kurz gesagt: Dieser schmerzhafte Überfall inkl. Tetanus-Spritze hatte mich derart traumatisiert, dass ich ein Leben lang die Straßenseite wechselte, wenn mir ein Hund entgegen kam. Selbst winzige Wuschel auf Trippelbeinchen, die sich vor Mäusen und Kanarienvögeln fürchten, genossen meine Angst-Pheromone und rissen an der Leine in der Hoffnung meine 90 kg bis auf den Knochen abzunagen.

Ende der 1970er Jahre, als Aussteiger mit meiner jungen Familie auf dem Land lebend, bekamen wir einen jungen Berg-Afghanen geschenkt. Die sind kleiner und kurzhaarig, perfekte Hütehunde und gute Begleiter, wenn man zu Pferd unterwegs ist. Ich hatte aber kein Pferd (vor denen habe ich noch mehr Angst als vor kleinen Hunden) und weil sich Linka, wie sie hieß, auf unserem Grundstück fürchterlich langweilte, büchste sie täglich aus und trieb Kühe über die Weiden, was die Bauern der Gegend überhaupt nicht mochten.

Also kaufte ich ein Buch über Erziehung von Jagd- und Schäferhunden, aber Linka war mindestens so störrisch, wie das afghanische Volk unter ausländischer Besatzung. Nachdem wir zwei Kinder hatten und unsere Lebensweise änderten, wurde es meiner damaligen Frau zu viel und sie verschenkte den Hund an einen Tankwart, den Linka sehr mochte. Ich war erleichtert, zumal ich weder den Geruch von nassem Fell mag, noch den Geruch von Trockenfutter-Blähungen.

Jetzt, im Alter, auf meinen Waldspaziergängen, bleibt es nicht aus, immer wieder Hunden zu begegnen. Der Befehl: „Rambo! Monster! Hierher! … Keine Sorge, die wollen nur spielen“ … ist für Hunde-Phobiker wie mich wenig hilfreich, wenn Rambo und Monster mit MIR spielen wollen. Das führt zu Angstzuständen, die Hundebesitzer erst verstehen werden, wenn ihr eigener Liebling eines Tages Opfer einer Attacke wird.

Wie schlimm das werden kann beschreibt die Inhaberin der Gießener Büchergilde, Dagmar Tenten, in ihrem Buch „Timmy Schatze-Tatze“: Ihr Hund Timmy wurde von einem größeren Hund angefallen und so schwer verletzt, dass Timmy zu der Zeit, als ich Dagmar kennenlernte, noch im Kinderwagen durch die Stadt gefahren werden musste. Sie pflegte ihn jahrelang liebevoll und aufopfernd. Wenn ich bis dahin keinen Draht zu Hunden hatte, so änderte sich das nach der Lektüre ihres wunderbaren Buches und jenem Tag, an dem ich die „Büchergilde“ besuchte: Mir ging es seelisch nicht gut und wollte mich etwas ausruhen. Da kam Timmy zu mir und setzte sich zwischen meine Beine. Ich dachte, er wollte gekrault werden, aber nach einer Weile spürte ich, dass es mir Beistand leisten wollte. Jedenfalls empfand ich das so, denn danach ging es mir besser.

Um meine innere Einstellung Hunden gegenüber zu verändern versuche ich mittlerweile, Ihnen freundliche Gedanken zuzusenden. Verblüffend ist, dass die meisten „Frauchen“ und Herrchen“ ihre Hunde seitdem an der Leine haben oder bei Fuß halten, wenn sie mir begegnen.

Im Sommer 2020 begann ich eine Art Hunde-Therapie. Eine ehemalige Tierheilpraktikerin, Mitte 80, versorgt mit ihrer Tochter in einer alten Mühle ca. 20 Tiere (Hunde, Katzen, Waschbären, Gänse, Hühner und Pferde).

Die drei Hunde sehen aus, als wären sie meinen schlimmsten Albträumen entsprungen: Da ist der dicke Seppel, ein Hütehund, der kleinen Kindern wie der Hund von Baskerville vorkommen muss, Lisa, seine Schwester, etwas kleiner, höchst wachsam und zu jedem Kampf bereit, sowie Babette, eine traumatisierte griechische Flokati-Hündin, die vertrottelt wirkt, sich aber wild aufführen kann, wenn sie kleineren Hunden begegnet.

Die Meute muss täglich bewegt werden und da jeder entgegenkommende Hund kräftig verbellt und bedroht wird, gehen wir meist zu dritt, von einer Freundin mit Taschen voller Leckerli begleitet, die ein besonders Verhältnis zu Lisa pflegt.
Mitglied der berüchtigten „Mühlenhunde-Gang“ zu sein verschafft mir eine späte Genugtuung. Ich war nie bei den Hells Angels, aber so ähnlich muss sich das anfühlen: Das Gefühl wilder Macht und Stärke! Aus der Ferne sehen wir ziemlich gefährlich aus, denn die Hunde sind bei Begegnungen meist giftig am Bellen.
Dass Seppi taub ist, Lisa krank, Babette kaum unter ihren Flusen hervorschauen kann (siehe Bild) und alle drei Leckerli-süchtige verschmuste Bettelhunde sind, können die anderen ja nicht ahnen. 

© Eugen Pletsch 2021

Lesen führt zum Träumen (2015)

Letzte Woche spielten wir in gesitteter Gesellschaft neun Loch auf Sommergrüns, wobei ich meine mäßigen Drives durch mein kurzes Spiel einigermaßen ausgleichen konnte.

Nach der Runde versuchte ich im Clubrestaurant, eine Kiste Golfbücher zu verschenken. Obwohl ich nicht nur anspruchsvolle Bücher dabei hatte, sondern auch belletristische Titel wie die von John Daly oder Michelle Wie stieß ich auf wenig Interesse. Nur ein Buch mit dem Titel „Wie Pferde denken“ bin ich schließlich losgeworden. Das war‘s. Offensichtlich wollen Golfer nur noch Videos kucken.

Einst gab es in der tristen, kalten Jahreszeit nichts Schöneres, als sich mit einem lehrreichen oder lustigen Golfbuch oder Bildband in den Sessel zu setzen. Wie eine Tulpenzwiebel keimte dann in uns die Hoffnung auf, dass sich unser Spiel durch ein kleines Wunder in der kommenden Saison entscheidend verbessern könnte. Selbst wenn unser Spiel im Kompost unauslöschlicher böser Erinnerungen vor sich hin rottete, brachte uns das Lesen von Golfbüchern den Glauben an die blaue Tulpe zurück, die sich eines Tages öffnen würde, um in aller Schönheit zu erblühen.
Solange der Platz geschlossen war, träumten und summten wir in stillem Glück, während wir unsere Schläger polierten, die Griffe erneuerten und das Bag ausmisteten. Wir checkten Lofts und Lies, trugen uns mit dem Gedanken ein langes Eisen durch ein Hybrid zu ersetzen und versuchten bei unseren Schwungübungen im Trockendock herauszufinden, wie sich der Schlag in der kommenden Saison anfühlen würde.

Mit der Gewissheit, dass es immer wieder Menschen geben wird, die den ursprünglichen Geist unseres Spiels suchen und die Tradition des Spiels bewahren und weitergeben werden, warteten wir auf den Geruch von Frühling und Erde und sehnten den Tag herbei, an dem wir die erste Runde bei frühlingshafter Witterung spielen könnten. Bis dahin lasen wir Golfbücher wie Ben Hogans „Golfschwung“ und Illusionen von langen, geraden Drives und gelochten Putts wärmten unsere Golfer-Seelen. Mir ging es zumindest so und, soweit ich weiß, auch anderen Golfern.
Lesen – darauf will ich hinaus – führt zum Träumen. Vor sich hinträumen führt zu einer inneren Landschaft, die wir ausgestalten können. Heute weiß man aus der Wissenschaft, dass eine genaue Vorstellung tatsächlich Berge versetzen kann. Alle großen Golfer haben sich auf diese Weise ihr Spiel, Ihre Karriere, ihre Zauberschläge erträumt bzw. visualisiert.
Ich weiß: Mit meinen Ansichten stehe ich auf so einsamem Posten wie dieser japanische Soldat, den man auf einer philippinischen Insel vergessen hatte und der mehr als 20 Jahre ausharrte, bis man ihm sagte, dass der Krieg längst zu Ende wäre.
Erinnerungen, Träume – so antiquiert wie die Idee, sein Persimmon-Holz zum Saisonstart abzuschmirgeln, um es neu zu lackieren. Aber mancher Pro und mancher ältere Spieler weiß, wovon ich rede. Für Neugolfer gäbe es jedenfalls noch viel zu entdecken, aber statt zu träumen und zu visualisieren gieren sie nach den Fakten. Die bringt das Video-System des Golflehrers und mit den Bildern kommen die Informationen, was alles falsch gemacht wird. Und wenn man nur dran denkt, was man falsch macht, bleibt kein Raum um den nächsten Schlag zu visualisieren.

Die Frage ist, ob alle Golflehrer tatsächlich etwas mit Analyse-Systemen wie Scope anzufangen wissen oder ob manche nur Verwirrung stiften?

Professional Nigel Elder meint dazu: „Die PGAs bringen immer mehr Golfprofessionals hervor, die ihren Kunden immer mehr technische Ratschläge geben, die es einfach so schwierig machen, sich zu verbessern. Wenn man klugen Leuten wirklich zuhört, weiß man, dass jede Unterrichtsstunde, die sie nehmen, es nur noch schlimmer macht. Niemand sagt ihnen, dass sie sehr lange üben müssen, um ihren Schwung zu ändern oder diese neue Position zu lernen. Es ist ein Schneeballsystem.“

Mein Kommentar dazu (damals auf Facebook): „Wahre Worte“, worauf mir ein renommierter Golflehrer sofort schrieb: „Vielleicht hat Herr Elder da was nicht ganz richtig gemacht…. Meine Schüler würden meinen Plan nicht füllen, wenn sie keine nachweisliche Verbesserung sähen.“

Bei diesem Pro bin ich sicher, dass dem so ist, denn er gehört noch zur alten Schule. Aber wie oft hört man, dass viele Pros ausgebucht sind, obwohl man bei ihren Schülern keine „nachweisliche Verbesserung“ erkennen könnte. Wie auch, solange nicht das Spiel und das Ziel, sondern der „Schwung“ im Mittelpunkt der Bemühungen steht?

Die These, dass nur der optimale Schwung optimalen Spielerfolg ermöglicht, möchte ich zumindest im Amateurgolf in den Handicap-Klassen B, C, D, und F mal ganz vorsichtig hinterfragt haben. Es ist wie mit meinem Lieblingsthema, den Ärzten: Die Praxen sind voll, aber die Leute werden immer kränker. Ist doch so, oder? Die meisten Golfschüler (und Patienten) reden doch von nichts anderem. Das hängt aber – und da hat Nigel recht – damit zusammen, dass man uns „Golfpatienten“ nicht klar macht, wie lange wir für eine echte Veränderung sprich Gesundung arbeiten müssten.

Wenn mir jemand auf dem Platz erzählt, er habe in drei Trainingsstunden seinen „Schwung umgestellt“, dann kann ich nur lächeln. Rainer Mund spricht von ca. 6000 optimal (!) getroffenen Bällen, bis eine Schwungänderung wirklich im Körper angekommen ist. Nicht 6000 Schläge, sondern 6000 optimal (!) getroffenen Bälle!

Wer kann das heutzutage leisten? Wer kann das auch nur von sich verlangen? Vielleicht sollten manche Pros deshalb nicht so viel am Schwung schrauben, sondern den Leuten stattdessen zeigen, wie sie mit möglichst wenigen Schlägen von A nach B kommen.

Wir brauchen Golflehrer, aber bitte solche, die uns nicht mit Pseudo-Platzreifekursen, Fake-Fitting und ‚Paralysis by analysis‘ verarschen!

Ein Golflehrer sollte die Basics lehren, also Stand, Griff und Ausrichtung und das immer wieder bis zum St. Nimmerleinstag. Außerdem sollte er/sie hin und wieder mit uns über den Platz gehen um zu sehen, wo es hakt, wenn es nicht fließt. Es ist nicht immer der Schwung und auch nicht immer der Kopf.
(Neuerdings ist zu vermuten, dass manche Leute nicht allein deshalb schlecht spielen, weil sie vom Disput zwischen Self 1 und Self 2 zermürbt werden, sondern weil die GPS-Angaben nicht mit ihrem inneren Entfernungsgefühl übereinstimmen!)

Ergo ist es kein Wunder, wenn leise Kritik an der „modernen“ Golflehre flüsternd durch die Foren-Flure sickert und „mündige Patienten“ beginnen, sich über Methoden wie ‚Self Coaching‘, ‚Inner Game‘ und ‚differenzielles Lernen‘ zu informieren.

Golf lernen hat mit Selbstverantwortung zu tun. Punkt. Wenn wir die Verantwortung für unser Spiel an einen Golflehrer abgeben (oder die Verantwortung für unsere Gesundheit an einen Arzt), dann bekommen wir langfristig Probleme.

Noch mal: Wir sind für uns selbst verantwortlich! Wir können Fachleute um Hilfe bitten, aber wir sind es, die am Abschlag stehen und den Ball treffen müssen. Egal ob Pro oder Arzt: Beide können uns viel Blödsinn erzählen, so lange wir unser Hirn ausschalten, anstatt kritisch zu betrachten, ob es uns nach der Behandlung besser geht oder nicht.

Ist der Ball auf der Bahn oder im Rough? Da liegt die Latte.

(c) 2015 by Eugen Pletsch

Empfehlung:

Der Weg der wei­ßen Ku­gel

Pletsch, Eugen
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Drei Bekloppte im Nebel

Draußen liegt dichter Nebel, der sich gar nicht auflösen will. Das erinnert mich an jene längst vergangenen Tage, an denen ich noch ein knallharter Allwettergolfer war. An eine Runde kann ich mich ganz besonders entsinnen…

Draußen war Frost und dichter Nebel und ich dachte: Heute ist der Platz so, wie ich ihn mag: menschenleer. Also rief ich im Club an. Der Manager sagte mir, der Platz sei offen und die Wintergrüns bespielbar. Es sei aber sehr frostig und neblig. Na und? Ich war damals kein Warmduscher, sondern ein Allwettergolfer, der auch unter verschärften Bedingungen arbeitete.

Als ich ankam, sah ich auf dem Parkplatz nur wenige Autos. Es lag wirklich dichter Nebel über dem Platz, so dass ich meinen Studien ohne größere Belästigung seitens anderer Golfer würde nachgehen können. Pitching- und Puttinggrün waren noch vereist, ebenso die Abschlagsmatten. Auf der Driving Range reichte die Sicht nicht mal bis zur 50-Meter-Markierung. Drei dick eingemummte Bekloppte schlugen ihre Bälle ins Nirgendwo. Diese Leute waren mir ein Rätsel. Was sollte der Schwachsinn. Es war kalt, es war gefroren und man sah keinen Ballflug. Normales Training war vollkommen absurd.

Bei mir war das anders. In Büchern über ZEN und die Kunst des Bogenschießens wird beschrieben, wie der Adept manchmal jahrelang mit dem Bogen übt, ohne einen Pfeil aufzulegen. Wenn er dann den Pfeil auflegen darf, dann steht er gerade mal einen Meter vor dem Strohballen, und das für weitere Jahre. Dieses Üben ohne Ziel, dieses Erspüren des Nebulösen jenseits meiner Möglichkeiten –– gerade deshalb war ich hierher gekommen. Das hatte überhaupt nichts damit zu tun, dass ich es zu Hause nicht aushielt und undbedingt Bälle kloppen müsste, wie dfas bei anderen Spinnern der Fall war.. Nein – was ich praktiziere, war eine uralte, fernöstliche Kunst.

Nach ein paar Dehnübungen, die etwas hastig gerieten, weil es doch recht frisch war, begann ich mit meinen rituellen Handlungen. Ich gedachte, erst mal eine halbe Stunde Schwünge ohne Ball zu üben. Übungen der Mitte. Langsam, in perfekter Harmonie mit dem Universum und mit der unvergleichlichen Eleganz, die meinem Schwung nachgesagt wird.

Aber, ach was soll‘s. Ich schlug doch lieber ein paar Bälle, denn ohne Bälle war es irgendwie langweilig. Eine zeitlose Trance umgab mich. Die kühle Harmonie von Eisnebel und Unendlichkeit. Darauf folgte die Wirklichkeit, die mich mit nasskalter Luft umfing. Ich wachte aus meiner Trance auf und merkte, dass das Körbchen leer war. Wie schnell doch ein Korb mit Bällen verschwinden kann, wenn man in vollkommener universeller Harmonie agiert. Die Zeit schien auch stehen geblieben zu sein. Es waren knapp zehn Minuten vergangen. Eistropfen hingen an meinem Holz. Gleich werden die Jungs kommen und dann geht es auf, ins große Nebelmatch, dachte ich.
Die drei Bekloppten standen mittlerweile auf dem Puttinggrün. Was sollte denn das? Ihre Bälle rollten durch den angetauten Reif, der einen Eisring um den Ball bildete. Vollkommen sinnlos, jetzt Putten zu üben. Es ist außerdem wirklich schlecht für das Grün, wenn man bei Frost drauf rumläuft. Aber es ist nicht meine Sache, anderen Leuten reinzuquatschen.

Also ging ich auf das Puttinggrün. Neben mir die schemenhaften Gestalten, die Eisbröckchen von ihren Bällen wischen. Ich puttete ein paar Loch, stellte fest, dass sich ein Eisring um den Ball bildete und hob den Ball demonstrativ auf, in der Hoffnung, dass die anderen meinem guten Beispiel folgen würden. Leider nicht. Sie konnten mich wohl nicht erkennen.

Ich trabte zum Clubhaus zurück und bestellte einen Cappuccino. Seit der 2,50 Euro kostet, also nach meiner Währung fünf Mark, bestelle ich nur noch selten Kaffee und wenn, dann trinke ich ihn ganz langsam, Schluck für Schluck. Ich nahm meinen Keks, den ich genüsslich auf der Zunge zerschmelzen ließ. Einige Mitglieder saßen am Nachbartisch, tranken Kaffee und überlegten, ob sie bei diesem Wetter spielen sollten. Nein, sie wollten doch nicht spielen. Es war ihnen zu neblig. Sie machten sich auf und jemand ließ seinen Keks liegen, den ich mir sofort schnappte. Das war mein Glückstag und ich war ein Glückskeks.

Es zog mich zum 1. Abschlag. Wenn niemand kommt, gehe ich eben alleine, dachte ich. Ich spielte oft alleine. Eigentlich meistens. Kann sein, dass niemand mit mir spielen will, weil ich etwas wunderlich bin und mir jetzt auch noch die Haare wachsen lasse, nachdem ich in einer Fachzeitschrift las, dass langes Haupthaar ein Symbol von Freiheit sei.

Die drei Bekloppten waren mittlerweile verschwunden. Auf der Driving Range standen ein paar neue Spukgestalten, die sich dehnten und streckten und hofften, dass die fahle Sonne, die unwirklich hinter dem Nebeldunst schimmerte, bald herauskam. So lange wollte ich nicht warten. 

Der 1. Abschlag war frei. Ein vollkommen leerer Platz. Der Winterabschlag war nach vorne verlegt worden, aber ich konnte kaum über den Graben sehen, der direkt vor dem Damenabschlag verläuft. Dahinter war eine große, dichte, weißgraue Wand. Mit müheloser Geschmeidigkeit butterte mein Spoon durch den Ball, der eine Sekunde später in der weißen Watte verschwand. Was für ein herrlicher Tag, um ZEN-Golf zu üben. Die Unwirklichkeit des Seins umfing mich nach wenigen Schritten und ich wurde vom Nirwana verschluckt. An meinen Schritten merkte ich, dass es bergauf ging und ich auf der Linie war. Wie geplant lag mein Ball bei 170 Metern. In der steilen Bergauflage nahm ich meinen Baffler und der Ball zischte davon. Nach hundert Schritten sah ich, was der Manager mit Wintergrün meinte. 20 Meter vor dem Grün hatte man ein breiteres Loch mit einer Fahne in den Boden eingelassen und die Fläche drum herum geschoren. Mein Ball war zu weit geflogen. Ich chippte zurück und versenkte den Ball in dem extrabreiten, yipsfreundlichen, für Golfneurotiker tauglichen Winterloch zum Par.

Die nächste Bahn, ein Par 3, spielte ich in vollkommener Einsamkeit und Stille. Irgendwo ist Nirgendwo, und ich war mittendrin. Das Grün war auch hier vorverlegt und ich musste vom Sommergrünrand delikat zurückchippen, was mit dem Pitchingwedge zum erotischen Genuss wurde. Jedes Alter hat nun mal seine Schmankerl.

Dritte Bahn: Ich traf das Holz wunderbar weich, aber der Ball lag nicht bei 175 Metern, wo er sein sollte. Ich stellte mein Bag ab und ging auf 150 Meter zurück. Ich sah das Bag kaum noch. Suchend lief ich hin und her. Der Nebel wurde dichter. Der kurze Anflug von Sonne hatte sich längst verabschiedet. Wenn ich ehrlich sein soll, muss ich zugeben, dass ich die Orientierung verloren hatte.

Das ist die verschärfte Form von ZEN-Golf. Der Weg ist das Ziel und dann ist auch der Weg plötzlich weg.

Alles aufgeben, alles loslassen, sagt Suzuki Roshi. Alles löst sich auf. Sein und Nichtsein sind weiße Watte in einem Universum voller Bälle, die zu kleinen kalten Tropfen verdichtet in der Luft hängen. ZEN und die Kunst, den Weg loszulassen. WOW. Davon habe ich immer geträumt. Aber ehrlich gesagt, war diese weiße Einsamkeit nach einer Weile etwas nervtötend, wenn man, wie ich, jetzt schon 15 Minuten im Kreis tappte und nichts, aber auch gar nichts an die 3. Bahn erinnerte. Hatte ich eine Zeit-Raum-Schranke durchschritten und war mitten in der Milchstraße gelandet?

Nein – Fakt war: Ich stand auf der 3. Bahn, es war dichter Nebel und links musste irgendwo der Kurzplatz sein. Aber ich konnte nicht mehr sehen, wo vorne und hinten, geschweige denn, wo links war. Beim Suchen hatte ich mich zu oft gedreht und war im Kreis gelaufen. Mein Kompass und mein Survival-Kit waren im Bag, das ich auch nicht mehr sehen konnte. Was, wenn die Sonne heute nicht mehr herauskommen würde? Wenn niemand mehr abschlagen würde? Wenn es dunkeln würde und ich würde am nächsten Tag erfroren aufgefunden werden? Wäre das ein angemessener Tod für einen Golfer?

Ich musste mein Bag finden. Darin waren Wasser, Brot, Beruhigungsmittel und die Signalpistole, die ich seit dem »Round-Robin-Turnier« in Baden-Baden stets mit mir führe. Ich möchte nicht verhehlen, dass ich eine leise Panik spürte. Es war nicht die Angst vor dem Eistod – nein – es war die Schande vor dem Gelächter, in das alle ausbrechen würden, wenn sich im Club rumspräche, dass ich mich auf der 3. Bahn verirrt hätte. Was nun?
Ich überlegte, laut um Hilfe zu rufen. In früheren Survival-Kursen hatte ich gelernt, dass Spaziergänger im Schwarzwald, die von Eis und Nebel überrascht wurden, nur wenige Meter von der Straße tot aufgefunden wurden, weil sie erstens nicht früh genug angefangen hatten, ein Nachtlager vorzubereiten, und zweitens nicht laut um Hilfe rufen wollten, weil sie das peinlich fanden. Mir war das auch peinlich, also lieber der erste Eis-Tote sein, als diesen Spott ertragen! Irgendwer, der mit seinem Hund am Waldrand rumläuft, zum Beispiel der Manager oder die Frau des Pros, würde mich finden. Sollte ich wirklich rufen? Nein, ich wartete noch. Eigentlich brauchte ich ja nur in eine Richtung gehen. Dann müsste ich zum Wald kommen oder zur Autobahn oder zu einem mir bekannten Loch. In diesem Moment trat ich auf meinen Ball. An der Spur im frostigen Gras erkannte ich, aus welcher Richtung er gerollt war. Also musste dort der Abschlag sein. Da die Spur länger war und eine Linkskurve hatte, musste ich den Ball gehookt haben. Ergo wusste ich, wo Nord-Nordost ist beziehungsweise wo das Grün lag. Ich schlug den Ball mit dem Baffler in die vermutete Richtung und lief hinterher. Nach 26 Schritten stand ich an meinem Bag. Der Kompass bestätigte meine Richtungsvermutung. Ich überlegte, ob ich ein kleines Signalfeuer machen sollte, fand aber kein Brennmaterial und lief weiter meinem Ball nach. Der lag, wie immer, hinter dem Wintergrün. Golf kann so einfach sein!

Am nächsten Tee wollte ich gerade abschlagen, als ich vor mir leises Klappern und Stimmen hörte. Ein Suchtrupp? Hunde? Warme Decken und heißer Tee? Ich hatte keine Ahnung, wer beziehungsweise wo diese Menschen auf der 4. Bahn vor mir waren. Ebenfalls Verirrte? Ich würde ihnen helfen. Deshalb schlug ich nicht ab, sondern lief vor. »Halloooo!« Nach hundertachtzig Schritten Süd-Südwest sah ich den ersten von den drei Bekloppten, der gerade versuchte, seinen Eisball aus dem gefrorenen Sand des Fairway-Bunkers zu hacken. Er sah nicht, dass seine beiden Kollegen direkt vor ihm liefen. »Achtung«, rief er im letzten Moment, während geeiste Sandbrocken durch die nasse Luft spritzten. »Hallooo!« Endlich bemerkten sie mich. »Hi, ich konnte nicht abschlagen, da ich nicht wusste, wie weit Sie vor mir sind.« Ich dachte, die drei Bekloppten würden mich jetzt um Hilfe und Orientierung bitten, aber nix da. Sie hatten gesunde, rote Backen, vermutlich eine gebratene Schweinehälfte und fette Brote in ihrem Bag und schienen auch zu
wissen, in welcher Richtung Süden lag. Keine Spur von Panik in ihren Gesichtern.

»Jemand vor Ihnen?«, fragte ich.

»Wissen wir nicht.« – »Kann man ja auch nicht sehen«, kicherte einer.

»Das ist mir zu gefährlich«, sagte ich, »Verursacherprinzip in der Rechtsprechung. Kann ich mir nicht leisten. Gibt Punkte in Flensburg.«

»Oha!« Die drei Bekloppten nickten, zuckten aber mit den Schultern und hackten sich weiter Richtung Süden, wo eine kaum sichtbare Sonne, hinter dichtem Milchglas verborgen, die Hoffnung weckte, dass der Tag doch noch schön werden könnte.

Hartnäckige, durchgeknallte Neugolfer, die auch im Nebel ihrem Handicap hinterherjagen. So irrsinnig, wie ich früher war, als ich noch bei Eis und Nebel über die Plätze lief, dachte ich. Aber ich war tolerant, grüßte höflich und verschwand.

Die vierte Bahn führt, wenn man ihre rechte Seite entlanggeht, zum 11. Abschlag. Und die 11. Bahn führt ins Tal zum Clubhaus. Dort waren Menschen, Wärme, heißes Wasser und Feuer. Durch nasses Gras schlurfte ich zum 11. Tee und schlug meinen Ball mit dem Spoon in die große, weiße Wattewand. Es ging gen Westen, nach Hause. Der Kompass stimmte mir zu.

(Aus: Golf Gaga – Der Fluch der weißen Kugel“)

Bootcamp für Siegertypen

Wer sich für die nächste Golf-Saison Ziele gesteckt hat, sollte an sich arbeiten und ein Training im Bootcamp für Siegertypen besuchen!

An sich arbeiten heißt jedoch nicht nur, am Schwung und kurzen Spiel feilen oder das Putten perfektionieren. Wer sich in dieser Saison als Sieger – möglichst als Mehrfachsieger – in die Club-Annalen eintragen will, sollte praktizieren, was ich als Visualisierungskonzept zur Entwicklung des Siegertyps bezeichne.

Wie ich dazu kam? Freunde, die mich länger kennen, können sich durchaus noch daran erinnern: Einst war ich ein zitterndes Häufchen Elend und acht bis zehn gestrichene Löcher bei einem Turnier waren schon eines der besseren Ergebnisse. Dann begann ich mit virtuellem Box-Training. Besonders die Sequenz, wenn der Gegner KO am Boden liegt und ich die Arme zum Sieg hochreiße, habe ich häufig trainiert.
Meine Schlägerkopfgeschwindigkeit hat sich dadurch von 75 auf 80 erhöht!
Dieses virtuelle Sieger-Training für Boxer habe ich dann für das Golfspiel adaptiert, was aber in meinem Buch „Endlich einstellig!“ noch nicht erwähnt wird. Darin habe ich nur den „Goldmedaillen-Trick“ vorgestellt, mit dem ich mich einst auf Siegerkurs brachte: Ich hatte mir damals fünf Schoko-Goldtaler gekauft, sowie schwarzrotgoldenes Stoffband, das ich der Grabsch-Kiste eines Sportgeschäftes fand. Mit einem dünnen Draht habe ich die Schokomedaillen durchbohrt und daran die Bänder befestigt. Das Ergebnis waren drei richtig leckere Goldmedaillen.
(Ja, nur noch drei, zwei hatte ich in der Nacht gefressen, aber drei Medaillen reichten vollkommen aus).
Täglich küsste ich die drei Goldmedaillen, was eine beträchtliche Wirkung auf mein Selbstbewusstsein ausübte. Der Rest ist Geschichte: Ich wurde Senioren-Clubmeister und hatte danach noch einige ordentliche Netto-Ergebnisse, bis mich der dauerhafte Genuss von Schokotalern etwas aus der Bahn warf…aber das ist ein anderes Thema.

Es ist also nicht nur die Arbeit am Schwung, am Körper und an der mentalen Verfassung, die uns weiterbringt!
Nach meinem Visualisierungskonzept zur Entwicklung des Siegertyps (in uns) üben wir, uns inder Siegerpose zu sehen!
Wir trainieren den großen Moment, den wir körperlich und akustisch zum Ausdruck bringen.

Wer einen entscheidenden Putt einlocht und seinen Ball dann still und bescheiden aus dem Loch klaubt, wird es nicht weit bringen.

Ein Schrei, wie YES! Tschakka! UHHHAAAA! – oder ein lautes, lang gezogenes JAAAAAAAAA sorgt für Atmosphäre und versetzt unsere Mitbewerber in Angst und Schrecken.

Golfclubs mit fortschrittlichen Trainingsprogrammen bieten bereits Bootcamps für Siegertypen an, in denen man/frau in kleinen Gruppen Siegerposen übt. Acht in Combat-Camouflage gekleidete Senioren, die am Rand eines Grüns gemeinsam JAAAAAA brüllen, sind ein beeindruckendes Schauspiel. Meist wird dazu die triumphierende Faust gehoben – wobei die ausgestreckte Hand bei ausgetrecktem Arm (besonders in den neuen Bundesländern) auch sehr beliebt ist.

Das Aufwärmen beginnt mit zwanzigmal BECKERFAUST pumpen. Dabei stellen wir uns vor, wie der Ball ins Loch läuft, worauf wir aus der schrägen Körperhaltung (Vorsicht Bandscheibe!) die Faust hochzureißen, um sie einem imaginären Gegner (unserem schwachen Ich, unserer Angst) in den Bauch zu rammen. Aus der Tiefe unserer Eingeweide lassen wir dabei ein tiefes raubkatzenartiges JAAAAAA-Grollen ertönen, aber nicht zu tief aus den Eingeweiden, sonst geht der Schuss nach hinten los.Der Siegertyp  Cartoon: Peter Ruge

Sitzt die BECKERFAUST und der Körper ist ordentlich aufgewärmt, trainieren wir die Torero-Stellung, Seve Ballersteros‘ Siegerpose. Dazu reißen wir die Faust nicht nur in die Siegerpose hoch, sondern wir schütteln sie gleich mehrfach, begleitet von einem dreifachen YES – YES – YES. (Danach das Innehalten nicht vergessen, bei dem wir unsere Mitbewerber, zumindest im Matchplay, mit einem Ausdruck der Verachtung strafen)

Als Nächstes folgt der Tanz des José María Olazábal, der sich dereinst beim Ryder Cup auf den Grüns mächtig ins Zeug legte. Die kurzen Tanzschritte der erweiterten Version kann Ihnen jeder erfahrene Golflehrer zeigen, sofern Sie ihn besoffen machen.
Mit dieser Schrittfolge tanzen zum Beispiel auch Neu-GolferInnen zum Sieger-Podest, wenn sie zum 3. Netto der Gruppe C aufgerufen werden.

Schließlich üben wird den Hale Irwin Run, wie er ihn anlässlich der 1990 US Open zelebrierte. (Wer keine Zeit hat etwas über Hale Irwin zu erfahren, kann auf 2:23 vorspulen…). Dieser Rundlauf um das Grün nach einem entscheidenden Putt sollte auf Trainingsrunden immer wieder geübt werden – selbst wenn der Putt nicht gefallen ist!

Vier Spieler, die auf dem Grün im Kreis rennen, vermitteln dem unbedarften Zuschauer jene Ready-Golf-Dynamik, die man im Golfsport bislang vergebens suchte. Das Rennen auf und um die Grüns sorgt außerdem für eine Beschleunigung des Spiels – nachfolgende Flight werden es Ihnen danken. Übrigens: Der Hale Irwin Run ist aber auch nützlich, wenn Sie ein Hund verfolgt – oder (bei Popstars) ein Fan.

Zum Schluss – ganz deutlich für alle – was NICHT geht: Absolut Tabu auf dem Grün – zumindest für SpielerInnen der AK 65 – ist der Miro Klose-Salto!
Und im Matchplay gilt die Blutgrätsche in den Putt des Mitbewerbers als ausgesprochen unsportlich.
Aber diesem Thema werden wir uns ausführlicher widmen, wenn ich mir das demnächst mal wieder das Thema „Etikette“ vornehme …

Mit nahkampfsportlichen Grüßen

Ihr /Euer

Eugen Pletsch

Golfpark Winnerod

Ich habe Hunderte von Fotos, die ich in meinem Heimatclub, dem Golfpark Winnerod im Laufe von vielen Jahren „geschossen“ habe. Das Licht, die Weite – immer wieder faszinierend… einen Rundflug über den Platz gibt es auf Youtube.

Clubhaus Golfpark Winnerod
Lebbe gehd weider
Mein Bag
Auf dem öffentlichen Kurzplatz
Vom Golfball erlegt
Wintergolf
Herbst in Winnerod
Spätherbst im GP Winnerod
Im Hof den Golfparks Winnerod
Das Wetter verzieht sich
Gewitter im Anzug
Winterabend an der 18 im GP Winnerod
1. Grün im GP Winnerod
Winnerod am Abend
Gewitterstimmung
Im Hof des Golfparks
Foto: Petra Frank

Achtung Golfer!

Verlagstext: „In Achtung Golfer! Schlägertypen in Wald und Flur hat Eugen Pletsch aufwendige Feldforschung betrieben und dabei Spannendes zu Tage gefördert. Entstanden ist eine Studie über die Artenvielfalt im Golfclub und die ganz speziellen Eigenheiten von Golfern. Sind Golfer Mutationen? Nach welchem System lassen sich Schlägertypen ordnen?

Treue Pletsch-Leser begegnen hier alten Bekannten, aber auch vielen neuen schillernden Persönlichkeiten und schrägen Typen. Achtung Golfer! enthält eine Sammlung skurriler Geschichten, literarischer Clips, Traumreisen und obskurer Selbstbetrachtungen. 

Mein schwierigstes Werk – für manche Leser! Hier die Story zum Buch! (ep)

Ein echtes Muss für Golf-Fans, eine erhellende Lektüre für ihre Angehörigen und ein großer Spaß – auch für Nichtgolfer! Mit herrlichen Tusche-Bildern von Klaus Holitzka“  

„Wer Golf spielt und mit Monty Python, Robert Gernhardt sowie Loriot etwas anfangen kann, wird an Eugen Pletsch seine Freude haben.“ Golf.de

 „Subtil und sensitiv hingeschaut, sprachscharf auf den Punkt gebracht, mit Witz, Ironie und Stil dargeboten. Ein Buch für Golf-Kenner und solche, die es werden wollen.“ Dr. Wolfgang Kuner


1. Auflage 2013 Umschlag/Ausstattung: 18 Farbzeichnungen, Bindeart: Efalin-Band mit Schutzumschlag, Seiten: 288

Bei KOSMOS bestellen (gebundene Ausgabe oder eBook)

Unter dem Titel „Eugen Pletsch’s Typenkunde: Das Mysterium der Golfer“ hat Thomas Klages eine Rezension im Golfsportmagazin veröffentlicht.

Unter dem Titel „Achtung Golfer: Eugen Pletsch klärt süffisant auf“ bietet exklusiv golfen.de eine brauchbare inhaltliche Beschreibung an.

Prolog
Auszug aus: Achtung Golfer! Schlägertypen in Wald und Flur

„Ein Buch zu schreiben ist für mich ein ähnliches Abenteuer wie eine Golfrunde auf einem gänzlich unbekannten Platz. Man kann sich einschwingen, ein Birdie Book studieren oder sich einen Spielplan zurechtlegen, aber wenn es dann losgeht und direkt am ersten Abschlag auf einem Felsen über der Küste plötzlich heftiger Wind aufkommt, dann passieren die merkwürdigsten Dinge und das manchmal über 18 lange Bahnen. Es fasziniert mich immer wieder, wohin mich mein Golfspiel führt, aber noch mehr fasziniert es mich, als Anhänger des spontanen Schreibens, zu erleben, wie ein Text entsteht und sich daraus ein Buch entwickelt – oder sollte ich sagen: verwickelt?

Mein letztes Buch[1] hatte mich weit über meine körperlichen und geistigen Grenzen hinausgeführt, und ich brauchte Jahre, um mich zu regenerieren.

Als schließlich die Lust an einem neuen Buchprojekt in mir zu köcheln begann, versuchte ich mich an einem anarchistischen Golfroman. Es sollte ein dicker, fetter Schmöker werden, schwer genug, um Augen mit Tränen zu füllen, Blumen zu pressen und um offene Balkontüren zu fixieren. Mein Werk sollte auch die dunkle Seite des Golfsports beschreiben. Viele mögen es nicht glauben, aber sogar der Golfsport hat seine Schattenseiten, die von Niveaulosigkeit, Geltungssucht und Habgier bestimmt sind. Deshalb – und weil ich manchmal dem Wahn erliege, die ewigen Werte in ihrer Weisheit und Wahrheit für mich gepachtet zu haben – versuchte ich, dem »königlichen Spiel« in einem gewaltigen Epos zu huldigen, nicht zuletzt, um damit ein Bollwerk gegen den golferischen Stumpfsinn zu errichten.

Irgendwann war mein Werk zu einer stattlichen Rohfassung gereift, was mir jedoch immer noch fehlte, war der erste Satz. Deshalb wurde ich in meiner ohnehin unruhigen Nachtruhe häufig von Alpträumen heimgesucht. Dabei ging es stets um diesen ersten Satz, der mir nicht einfallen wollte. Mein Roman (mittlerweile war es ein Golfer-Drama, das vor Tragik nur so triefte) würde Herzen schmelzen und Tränen vom Himmel fallen lassen – aber nur, wenn der erste Satz perfekt wäre. Was tun?

Ich musste das Problem in aller Ruhe durchdenken, und denken kann ich am besten auf einer Golfrunde. Weil das Thema so gewaltig war und es so viel Stoff zum Nachdenken gab, spielte ich den ganzen Sommer lang jeden Tag Golf. Dadurch kam ich leider nicht zum Schreiben, während meine Träume immer bedrohlicher wurden…“.(ep)


[1] › Endlich Einstellig! – Golf und die Kunst des Scheiterns