Die Schnute vom King

Gerade als mir meine Schwester Freitagabend per SMS mitteilte, dass im Fernsehen eine Doku über Clapton laufen würde (was mich nicht interessierte) wurde in den Nachrichten mitgeteilt, dass Jeff Beck verstorben wäre (was ich sehr bedauere).

Jeff Beck hatte ich (erstmals nach Jahren) wieder auf dem Schirm, als er mit dieser Wuschelbassistin Tal Wilkenfeld zusammenspielte und seine späteren Experimente mit anderen Musikern (wie zuletzt mit Johnny Depp) fand ich auch interessant. Depp hing vor Jahren oft mit Keith Richards ab und ist wirklich ambitioniert an der Gitarre. Dass Depp in Marcus Mumfords unglaublicher Performance von “Kansas City” (The New Basement Tapes) mitspielen durfte, mag ein PR-Gag gewesen sein, aber ich finde, er machte das gut. Und Beck würde mit Depp keine CD und Tour durchziehen, wenn der Depp nicht hätte mithalten können. Tja und dann starb Beck m 10. Januar an einer bakteriellen Meningitis.

Am 12.1.2023 verstarb dann Lisa-Marie Presley (Herzstillstand). Ob sie in den Rock’n Roll-Himmel auffährt oder dem KING in sein himmlisches Graceland folgt, weiß Gott allein.
Was ich aber weiß und nie vergessen werde geschah vor etlichen Jahren, ich glaube 1998, als ich einer Einladung zu einer Golf-Reise nach Südafrika folgte. Sun City war eine kontrovers diskutierte Adresse mit zwei Monster-Golfplätzen, bei denen Gary Player die Finger im Spiel hatte.
Wir waren Gäste im Palace of the Lost City Hotel, einer unglaublichen Location, und nach ein paar Tagen bekam ich durch einen gewissen Hype in der Hotel-Lobby mit, dass Michael Jackson während seiner Südafrika-Tournee einen Stock höher wohnte. Natürlich hatte er eine ganze Etage gebucht. Seine Security machte ein fürchterliches Tam Tam und sperrte alle Durchgänge, wenn Jackson durchs Haus zu den Limousinen wollte. Wir standen dann da und warteten, bis Jacksons Sicherheitschef nickte. Dann kam der kleine Michael mit seiner Entourage an uns vorbei gehuscht, so nah, dass ich ihn mit einem 7er Eisen hätte erlegen können. Keine Ahnung warum er auch Lisa-Marie Presley und Priscilla Presley im Schlepptau hatte, denn Lisa-Marie war mit Jackson längst nicht mehr verheiratet. Aber sie waren da und ich werde nie vergessen wie Lisa-Marie aus dem Lift kam: Es war etwas Stau im Foyer und sie stand direkt vor mir, jung und schön: Lisa-Marie Presley! Am meisten fasziniert mich ihre Oberlippe: Sie hatte die schiefe Schnute des KING!

Im Frühstückraum lernte ich Jacksons Tour-Betreuer Teddy Lakis aus München kennen, mit dem ich noch Jahre später Kontakt hatte. Er erzählte mir, dass Michael Jackson in Südafrika – ohne jede Presse – Kinderkrankenhäuser besuchen würde. Nur sein offizieller Fotograf, ein hochdekorierter Kriegsreporter dessen Namen ich vergessen habe, würde ihn begleiten.
Alle südafrikanischen Zeitungen im Hotel brachten alles Mögliche über Jacksons Besuch, aber seine Krankenhausbesuche blieben off the record.
Ich erzählte Teddy, dass wir in der Uni Gießen ein Kinderherzzentrum hätten und dass es toll wäre, wenn er mir ein Foto mit Widmung besorgen könnte.

Kein Problem, sagte er, was ich für einen Spruch hielt. Doch am Abend klopfte es an meine Tür und Jacksons Fotograf brachte mir ein Foto von Jackson mit einem kranken Kind auf dem Schoß. Ein paar Wochen später schickte Teddy noch mehrere Jackson-Bilder mit Widmungen, unter anderem für das Herzzentrum der Uni Gießen.
Zu der Zeit war ich Kommunikationsberater der Freeway Internet Service GMBH und brachte die Firma auf die Idee, die Jackson-Fotos zugunsten des Herzzentrums zu versteigern.
Der Galerist Reinhard Rätzel schuf den passenden Rahmen für die beiden Objekte: Das eine für die Versteigerung, das andere für das Herzzentrum, wo ich es Dr. Jürgen Bauer überreichte und wo es meines Wissens heute noch hängt. Die Versteigerung hatte viel regionale Presse, zumal es sich um eine der ersten Internetversteigerungen in Deutschland handelte. (1998).

Dr. Jürgen Bauer und Eugen Pletsch (Foto: Gießener Anzeiger)

Tja, so war das.

Auch im neuen Jahr -lebt lang und in Frieden!

Eugen Pletsch