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  • Fechten für eine Fichte

    Nachfolgend die chronologische Folge einer ökologischen Groteske

    30.6.2022: Bei der nächsten Versammlung unserer Hauseigentümer ist ein Tagesordnungpunkt der Antrag zum Rückschnitt oder Fällung des Nadelbaums auf der Nordseite unseres Hauses.
    Warum der Antrag gestellt wurde, weiß ich nicht. Vielleicht geht es darum, dass ein paar Äste auf den Zaun drücken und sich ein paar Pflastersteine am Parkplatz heben. (Diese Steine heben sich fast überall, z.B. am Parkplatz entlang der Hausmauer).  Ich habe nichts dagegen, im Herbst ein paar der unteren Äste zu stutzen, aber in meinem Schreiben an die Eigentümer und die Hausverwaltung habe ich mich vehement gegen die Fällung dieser kräftigen, kerngesunden Fichte ausgesprochen.

    Meine Argumente:
    Diese Fichte, auch Rottanne genannt, siehe https://www.baumkunde.de/Picea_abies/

    • ist ein wunderbares Biotop,
    • reduziert den Autobahnlärm auf der Schlafzimmer-Seite,
    • schützt unser Hauses gegen Nord/Ostwind,
    • reduziert Anflug-Dreck vom Nachbarfeld (Raps, Staub etc.)
    • verbessert das Hausklima,
    • bietet den Falken Aussicht,
    • vielen anderen Vögeln Nahrung und ggf. Schutz,
    • ist derzeit Nistplatz von Tauben,
    • ist ein Schattenspender,
    • ist ein von Insekten dringend benötigter Pollenspender (weshalb auch der regionale Imker, Herr Schneigelberger, meine Position unterstützt)
    • und ist – ganz persönlich – meine tägliche Freude, wenn ich an dem Nord-Fenster sitze und arbeite.
    Falke auf Fichte

    Corinna Kabot vom NABU, die den Baum besucht und fotografiert hat, (siehe Anlagen) schrieb mir: „Es wäre ein Riesenschaden ein solches Öko-System zu vernichten.“
    Auf ihrer Facebook-Seite wird sie in einem Beitrag noch noch deutlicher:

    „Diese wunderschöne, gesunde Fichte habe ich in der Lilienstraße in Langgöns entdeckt. Welch ein vollkommenes Ökosystem! Sicherlich gibt es viele nützliche Tiere, die darin nisten oder Nahrung finden. Zum Beispiel dienen die Pollen den Honigbienen und den Wildbienen als wertvolle, proteinreiche Nahrung, also Kraftspender.
    Honigbienen und Wildbienen, wie z.B. Hummeln, Wespen und 100 andere Arten mehr sind dringend auf solche reichhaltigen Nahrungsquellen angewiesen. Wir Menschen als Konsumenten von Obst und Gemüse sind dringend auf die Bienen als Bestäuber angewiesen. Deshalb stehen die Wildbienen unter strengem Artenschutz. Für das Entfernen oder Beschädigen eines Hummelnestes muss man in Hessen mit einem Bußgeld von 50 000 Euro rechnen. Doch leider ist es in der Gemeinde Langgöns nicht mit Bußgeldandrohung verboten, einen solchen Baum zu fällen wenn er auf Privatgelände steht. Dabei wird durch die Fällung unzähligen nützlichen Tieren eine wertvolle Nahrungsquelle entzogen, die mindestens 80 Jahre lang für ihre Entstehung brauchte. Das kann nicht durch Neupflanzungen an anderer Stelle oder Blühstreifen ersetzt werden. Es ist nützlich, neue Nahrungsquellen für unsere lebensnotwendigen Insekten und Vögel anzupflanzen. Doch leichter wäre es, vorhandene Nahrungsquellen nicht zu beseitigen!“

    Am 7. Juli wird abgestimmt. Ich gehe da nicht hin. Menschen, die solche Anträge stellen, machen mich einfach krank. Lieber fotografiere ich diesen Baum mit seinem blühenden Leben – solange er noch steht.

    Eugen Pletsch

    Update 22.7.2022 siehe unten….

    Fichte in Langgöns Foto: Corinna Kabot

    Update: Nach der Eigentümerversammlung vom 7.7.2022

    Telefonisch teile mir die Hausverwaltung mit, man habe die Fällung der Fichte erstmal abwenden können, obwohl alle außer mir dafür gestimmt hätten. (Was nicht stimmt, wie sich später herausstellte). Tage darauf erhielt ich das Protokoll der Sitzung, wonach beschlossen ward, dass der Hausmeister die unteren Äste der Fichte stark zurückschneiden soll. Aber die Hausverwaltung wurde dennoch beauftragt, die Kosten einer Fällung bis zur nächsten Versammlung zu eruieren. Insofern nur gibt es nur etwas Zeitaufschub.
    Der einzige mir bekannte Grund für die Fällung: dieser große, kerngesunde Baum wäre ein FLACHWURZLER  und irgendwann könnte er gegen das Haus fallen.
    Ein paar Tage hatte ich resigniert und aufgegeben, bis mir der Gedanke kam, dass ich als Miteigentümer auch noch dafür zahlen müsste, wenn diese nicht nur ökologisch desaströse Entscheidung umgesetzt wird.

    Alle aufgeführten Argumente für die Fichte, die ich den Miteigentümern per Mail zuschicken ließ, hatten offensichtlich nicht interessiert – aber es wurde für einen Blütenstreifen an unserem Zaun gestimmt. Was nett ist, aber an der geplanten Stelle vermutlich sinnlos. Und dafür soll ein Riesen-Biotop umgehauen werden?

    Wenn die Fällung umgesetzt wird, müsste ich mich gemäß Beschluss der Eigentümerversammlung an einem – aus meiner Sicht – schweren Umweltfrevel beteiligen, die Kosten mittragen und sollten Verbotstatbestände nach § 44 BNatSchG entdeckt werden, auch noch die Strafe mitfinanzieren. Das kann doch wohl nicht sein!

    Deshalb habe ich noch mal die HGON und die regionale NABU kontaktiert, und es kam eine sehr hilfreiche Rückmeldung Dr. Tobias Erik Reiners – Vorsitzender der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V:
    „Der Biodiversitätsverlust gehört zu den größten Krisen unserer Zeit. Unser Verband hat dies über 50 Jahre insbesondere anhand des Rückgangs unser Vogelwelt eingehend dokumentiert. Hierbei betrifft der Rückgang der Biodiversität und Vogelwelt alle Lebensräume, den Wald, die Gewässerlebensräume, das Offenland und auch den Siedlungsbereich gleichermaßen. Neben der zunehmenden Versiegelung ist im Siedlungsbereich der Verlust von Bruthabitaten ursächlich für den Rückgang der Vögel.

    Die Fällung einer gesunden Fichte am Ortsrand mag im Einzelfall trivial und „nicht wichtig“ erscheinen. Und doch ist der in allen Siedlungen seit Jahren fortwährende Verlust von größeren Bäumen, insbesondere von Nadelbäumen, ursächlich für den Rückgang von bspw. Girlitz, Grünfink und Türkentaube. Auch beim Turmfalke nimmt die Anzahl von Bruten in Bäumen stetig ab.

    Eine Fällung von Bäumen, wie diese Fichte, ist aus unserer Sicht eine gravierende Beeinträchtigung der Lebensraumausstattung in ihren Siedlungsbereich. Der Verlust wirkt dabei ebenso schädlich auf die Biodiversität, wie die allerorts vorhanden Schottergärten. Wir möchten die Hauseigentümer bitten ihre Entscheidung zu überdenken und gerne anbieten bei einer gemeinsamen Begehung über die wertvollen Effekte dieser Einzelbäume im Siedlungsbereich aufzuklären. Gleichwohl will ich auch auf die Verbotstatbestände hinweisen, die gesetzlich verbieten Brutbäume zu fällen. Die Klimawirksamkeit dieses Baumes in CO2 Speicherung, Beschattung und Wasserrückhaltevermögen durch das Wurzelwerk lassen Sie in Ihren Vorhaben scheinbar auch unberücksichtigt. Solche wie diese Einzelentscheidungen führen zu tausenden in unseren Siedlungen zu einer lebensfeindlicheren Zukunft.“
    Beste Grüße 
    Dr. Tobias Erik Reiners 

    Fichte in Feierabendstimmung Foto: Eugen Pletsch

    Dann sichteten Herr Wenisch von der NABU Langgöns und Herr Oberländer, früherer Vorsitzender der NABU Oberes Kleebachtal, den Baum und konnten ebenfalls nichts entdecken, was für eine Fällung spricht. Im Gegenteil: Sehr wahrscheinlich brüten in unserer Fichte Ringeltauben, die geschützt sind, zumindest weisen die vielen Fotos, die ich gemacht habe darauf hin. Mal sehen, was die Untere Naturschutzbehörde dazu sagt.

    Taube am Eingang zum Nest
    Ringeltaube checkt den Eingang
    Ringeltaube in der Fichte

    Die Bilder mit Tauben im Baum stammen vom Frühsommer. Mittlerweile sieht man sie zwar noch oft auf den Außenästen sitzen, aber sie klettern nicht nicht mehr in den Baum, um dort mit Zweigen im Schnabel zu verschwinden…

    Fortsetzung folgt.

  • Was soll das?

    Ich weiß auch nicht, was ich mir dabei gedacht habe. Vielleicht entstand diese Website in einer Mischung aus Corona-Langeweile und dem Wahn des Menschen, sich verewigen zu müssen.

    Wie auch immer: Bei meinem Golfportal CyberGolf.de (das ich immerhin 23 Jahre betrieben habe) plane ich irgendwann den Stecker zu ziehen. Deshalb überleben an dieser Stelle auch einige meiner Golf-Satiren, Kolumnen und Gedanken zu diesem seltsamen Sport. (Man möge mir verzeihen oder mal reinlesen.)

    Außerdem stelle ich zwei Projekte vor, die ich 2020 und 2021 für die Hessische Kulturstiftung zusammenbasteln durfte: Mein FALK-Projekt sowie „Back on the Road mit autobiografischen Erinnerungen, Zeichnungen und Liedern sowie Beiträgen anderer Folk-Musiker/innen.

    Wie es hier sonst weitergeht, wissen die Götter.

    ep

    Cartoon: Eugen Pletsch (ca. 1973, noch ohne Bauch).